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Schachtbau Nordhausen

deutsches Industrieunternehmen
Schachtbau Nordhausen GmbH

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Rechtsform GmbH
Gründung 1898
Sitz Nordhausen, DeutschlandDeutschland Deutschland
Leitung Jürgen Stäter (Geschäftsführer)[1]

Michael Seifert (Geschäftsführer)[2]

Mitarbeiterzahl 828[3]
Umsatz 100,5 Mio. Euro[3]
Branche Schachtbau (Bergbau)
Website www.schachtbau.de
Stand: 31. Dezember 2014

Luftaufnahme des Werkgeländes der Schachtbau Nordhausen GmbH

Die Schachtbau Nordhausen GmbH (SBN) ist ein deutsches Industrieunternehmen, das aus dem traditionellen Spezialbergbauunternehmen Gebhardt & Koenig entstanden ist. Neben dem Hauptsitz im thüringischen Nordhausen befinden sich Standorte in Russland, Kasachstan, Rumänien, den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie im sächsischen Lengenfeld. Seit 1992 gehört das Unternehmen zur Bauer-Gruppe.

GeschichteBearbeiten

Dank der Weiterentwicklung des Gefrierverfahrens beim Abteufen von Schächten durch den Firmengründer Louis Gebhardt (1861–1924) und die Ingenieure Hugo Joosten und Wilhelm Zaeringer war das Nordhäuser Unternehmen Gebhardt & Koenig – unter wechselnden Namen und mit mehrfachen Umfirmierungen – seit Anfang des 20. Jahrhunderts in der Technik des Schachtgefrierbaus weltweit führend.[4]

Im Zweiten Weltkrieg wurden bei den Luftangriffen auf Nordhausen etwa 30 % der Nordhäuser Betriebe der Gebhardt & Koenig – Deutsche Schachtbau AG zerstört.[5] Nach Kriegsende konnte die Produktion in bemerkenswert kurzer Zeit wieder aufgenommen werden.[6]

Infolge der deutschen Teilung wurden auch viele Unternehmen aufgespalten, so auch die Gebhardt & Koenig – Deutsche Schachtbau AG. Die Stammwerke in Nordhausen waren – wie fast alle Unternehmen der Sowjetischen Besatzungszone – von Demontagen betroffen. Sie erfolgten zwischen Januar 1946 und Juli 1947.[7] Die Nordhäuser Stammwerke wurden im Mai 1947 verstaatlicht und zunächst Besitz des Landes Thüringen.[8] Sie firmierten fortan als Deutsches Schachtbau- und Tiefbohrunternehmen Nordhausen/Harz (vorm. Gebhardt & König).[9] Am 5. Mai 1948 beschloss die Deutsche Wirtschaftskommission, das Unternehmen in die Vereinigung Volkseigener Betriebe (VVB) Schachtbau- und Bohrbetriebe der Kohleindustrie mit Sitz in Nordhausen einzugliedern.[10] Weitere Namensänderungen und Änderungen der Zuordnung folgten:

  • 1954: VEB Schachtbau, Verfestigungen und Abdichtungen Nordhausen
  • 1959: VEB Schachtbau Nordhausen der VVB Nichteisenmetall-Industrie mit Sitz in Eisleben
  • 1968: VEB Schachtbau Nordhausen im Mansfeld Kombinat „Wilhelm Pieck“
  • 1. Januar 1990: VEB Schachtbau Nordhausen
  • 8. Juni 1990: Schachtbau Nordhausen GmbH (Umwandlung nach dem GmbH-Gesetz)

Zu einem wichtigen Geschäftsfeld entwickelte sich die Exploration.[11] Bei der Exploration und beim Schachtbau gewann die Schachtbau Nordhausen zahlreiche Aufträge im Ausland.[12]

1992 wurde die Schachtbau Nordhausen GmbH durch die Bauer-Gruppe übernommen. In der Folge wurden mehrere Tochtergesellschaften gegründet:[13]

  • 1994: Nordhäuser Bauprüfinstitut GmbH (NBI)
  • 1997: Tochtergesellschaft Schachtbau Nordhausen Großprojekte GmbH
  • 2006: Tochtergesellschaft MMG Mitteldeutsche MONTAN GmbH
  • 2009: Tochtergesellschaft Schachtbau Romania s.r.l.
  • 2009: TOO SCHACHTBAU Kasachstan

GeschäftsbereicheBearbeiten

 
Struktur der Schachtbau Nordhausen GmbH

Die fünf Geschäftsbereiche der Schachtbau Nordhausen sind:[14]

  • Bergbau: Die Schwerpunkte liegen in der Herstellung, Sicherung, Sanierung und Verwahrung unterirdischer Hohlräume aller Art.
  • Anlagentechnik: Bau und Ausrüstung von wasserwirtschaftlichen Anlagen, wie z. B. Kläranlagen und Pumpwerke
  • Maschinenbau: Entworfen und gebaut werden vor allem Ober- und Unterwagen sowie Brunnenbohrgeräte. Dazu kommt die Komponentenfertigung für die Bauer-Gruppe.
  • Stahlbau: tätig vor allem im Brückenbau (Stahlbrücken, Stahlverbundbrücken). Da ein Großteil der Produktion das Fügeverfahren Schweißen nutzt, gibt es in der SBN eine DVS-Kursstätte.[13]
  • Bau: Ingenieurbauwerke (u. a. Spannbetonbrücken als Straßen- und Eisenbahnbrücken, Tunnelbau in offener Bauweise, Trogbauwerke) und Instandsetzung von Stahlbeton-, Beton- und Natursteinbauwerken

Außerdem führt die SBN Groß- und Schwertransporte aus und bietet mobile Kräne an.

Auf dem Gelände der Schachtbau Nordhausen GmbH ist das Korrosionsschutzcenter Nordhausen ansässig. Es zählt zu den größten und modernsten Anlagen der Region.

ForschungBearbeiten

Von 2006 bis 2009 war die Schachtbau Nordhausen GmbH Projektpartner bei einer Forschungsarbeit über die „Lebensdauerverlängerung bestehender und neuer geschweißter Stahlkonstruktionen“, das so genannte „Refresh“-Projekt. Hierbei wurde das Hochfrequenzhämmern zur Steigerung der Ermüdungsfestigkeit von Schweißnähten entwickelt. Die Technik der Schweißnahtnachbehandlung durch hochfrequentes Hämmern wird seitdem erfolgreich in vielen Projekten angewendet.

LiteraturBearbeiten

in der Reihenfolge des Erscheinens

  • Hugo Joosten: Die Entwicklung des Gefrierverfahrens seit seiner ersten Anwendung im Jahre 1883. In: Glückauf – Berg- und Hüttenmännische Zeitschrift, Jg. 42 (1906), S. 703–724 (online).
  • Werner Arnold, Manfred Donel: Schachtbau Nordhausen von seiner Gründung bis 1990. In: Harry Heck (Red.): 1. Thüringer Bergmannstag – 18. bis 20. September 1998 in Nordhausen. 100 Jahre Schachtbau Nordhausen/Gebhardt & Koenig. Landesverband der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine Thüringen e.V., Sondershausen 1998, S. 27–57.
  • Schachtbau Nordhausen GmbH (Hg.): Chronik Schachtbau Nordhausen. Schachtbau Nordhausen GmbH (SBG), Nordhausen
  • Michael Braun: Vor 80 Jahren erfunden: Chemisches Bodenverfestigungsverfahren nach Joosten. In: Bautechnik. Jg. 83 (2006), Heft 5, S. 374–381.
  • Ullrich Mallis: Die Nordhäuser JOOSTEN- und JÄHDE-Verfahren. Die patentierten Verfestigungs- und Abdichtungsmethoden kamen weltweit zur Anwendung und belebten einen neuen Zweig der Ingenieurwissenschaften. In: Beiträge zur Geschichte aus Stadt und Landkreis Nordhausen, Jg. 33 (2008), S. 146–159.
  • Ullrich Mallis: Schachtbau Nordhausen. Vom Bergbau-Dienstleister zum Technologie-Unternehmen. In: Manfred Engshuber (Hg.): Dem Fortschritt verpflichtet – 150 Jahre VDI in Thüringen. Bingen 2011, S. 44–48.
  • Ullrich Mallis: Zur Geschichte der Nordhäuser Aktiengesellschaften. In: Beiträge zur Geschichte aus Stadt und Kreis Nordhausen, Jg. 40 (2015), S. 143–186.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Schachtbau Nordhausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Jürgen Stäter ist seit 36 Jahren im Dienst von Schachtbau Nordhausen. In: Thüringer Allgemeine. 8. Mai 2014, abgerufen am 31. Mai 2016.
  2. Geschäftsfuehrung. In: schachtbau.de. Abgerufen am 1. August 2017.
  3. a b Bundesanzeiger: Jahresabschluss zum Geschäftsjahr vom 1. Januar 2014 bis zum 31. Dezember 2014
  4. Hans-Liudger Dienel: Die Linde AG. Geschichte eines Technologiekonzerns 1879–2004. C.H. Beck, München 2004, ISBN 3-406-51484-7, S. 102.
  5. Rainer Hellberg: Nordhausen in alten Ansichten, Bd. 3. Europäische Bibliothek, Zaltbommel 2002, ISBN 978-90-288-6695-9, S. 25.
  6. Eberhard Karch: Der Aufbruch aus Trümmern. Die Entwicklung der Werkstätten nach 1945. In: Schachtbau Nordhausen GmbH (Hg.): Chronik Schachtbau Nordhausen, Bd. 2: Technik im Wandel, Teilband 2. Schachtbau Nordhausen GmbH (SBG), Nordhausen 2006, ISBN 3-9811208-2-5, S. 259–337.
  7. Klaus Jochen Arnold (Bearb.): Demontagen in der Sowjetischen Besatzungszone und in Berlin 1945 bis 1948. Sachthematisches Inventar. Brandenburgisches Landeshauptarchiv und Zentrum für Zeithistorische Forschung, Potsdam 2007, S. 410; als Buchausgabe: Klaus Jochen Arnold (Bearb.): Demontagen in der Sowjetischen Besatzungszone und in Berlin 1945 bis 1948. Sachthematisches Inventar. Berliner Wissenschafts-Verlag (BWV), Berlin 2014, ISBN 978-3-8305-1899-0, S. 637.
  8. Rainer Hellberg: Nordhausen in alten Ansichten, Bd. 3. Europäische Bibliothek, Zaltbommel 2002, S. 24.
  9. Bundesarchiv, Bestand „Revisions- und Treuhandanstalt der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands“ (DN 5), Signatur DN 5/237.
  10. Siehe dazu Bundesarchiv, Bestand „Revisions- und Treuhandanstalt der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands“ (DN 5), Signatur DN 5/689.
  11. Wolfgang Grabarse: Der Bergmann allen voran! Die Tätigkeit der Nordhäuser Schachtbauunternehmen bei der Erkundung von Rohstoffen nach 1945. In: Schachtbau Nordhausen GmbH (Hg.): Chronik Schachtbau Nordhausen, Bd. 2: Technik im Wandel, Teilband 2. Schachtbau Nordhausen GmbH (SBG), Nordhausen 2006, ISBN 3-9811208-2-5, S. 7–38.
  12. Heinz Hildebrandt: Über die Grenzen. Lagerstättenaufschlüsse auf drei Kontinenten. In: Schachtbau Nordhausen GmbH (Hg.): Chronik Schachtbau Nordhausen, Bd. 2: Technik im Wandel, Teilband 2. Schachtbau Nordhausen GmbH (SBG), Nordhausen 2006, ISBN 3-9811208-2-5, S. 116–171.
  13. a b Meilensteine der Technikgeschichte. (PDF, 8,7 MB) In: Schachtbau Nordhausen. S. 4–7, abgerufen am 19. Februar 2014 (Unternehmensbroschüre).
  14. Geschäftstätigkeiten, abgerufen am 15. Februar 2018.