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Schachtanlage Rossenray

Bergwerk in Deutschland

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Schachtanlage Rossenray
Allgemeine Informationen zum Bergwerk
Halde Norddeutschland, Rossenray I-II.jpg

Fördertürme von Rossenray I (rechts) und II (links daneben)
Förderung/Jahr ca. 1 Mio. t
Informationen zum Bergwerksunternehmen
Betriebsbeginn 1963
Betriebsende 1971
Nachfolgenutzung Zusammenschluss zum Verbundbergwerk Rheinland
Geförderte Rohstoffe
Abbau von Steinkohle
Geographische Lage
Koordinaten 51° 31′ 3″ N, 6° 33′ 27″ OKoordinaten: 51° 31′ 3″ N, 6° 33′ 27″ O
Schachtanlage Rossenray (Regionalverband Ruhr)
Schachtanlage Rossenray
Lage Schachtanlage Rossenray
Standort Krummensteg
Gemeinde Kamp-Lintfort
Kreis (NUTS3) Wesel
Land Land Nordrhein-Westfalen
Staat Deutschland
Revier Ruhrrevier
Förderturm von Schacht I

Die Schachtanlage Rossenray war eine Steinkohlenzeche im nördlichen Stadtgebiet von Kamp-Lintfort.

GeschichteBearbeiten

PlanungBearbeiten

Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts erwarb die Firma Friedrich Krupp AG im Bereich der Gemarkungen Rossenray, Saalhoff und Rheinberg im Bereich der heutigen Stadtgebiete von Kamp-Lintfort und Rheinberg einen größeren Grubenfeldbesitz, und zwar 39 Steinkohlenfelder und fünf Steinsalzfelder mit einer Fläche von Steinkohlenfelder 63,5 km2. Dieser Grubenfeldbesitz wurde auf das Feld Rheinberg (39 km2) und das Feld Rossenray (24,5 km2) aufgeteilt.[1] Für Rossenray wurde die Bergrechtliche Gewerkschaft Rossenray gegründet, an deren Anteilsscheinen (Kuxe) die Firma Friedrich Krupp die Mehrheit besaß.

VorarbeitenBearbeiten

1909 wurde mit den Vorarbeiten zur Errichtung einer Doppelschachtanlage begonnen.[1] Der Erste Weltkrieg ließ die Arbeiten dann zum Erliegen kommen.

1937 wurde die Friedrich Krupp AG Alleineigentümer.[1] Im selben Jahr wurden die Vorarbeiten für die Schachtanlage wiederaufgenommen. 1943 wurde mit dem Gefrierprozeß für die beiden Schächte begonnen.[1] Das Ende des Zweiten Weltkrieges unterbrach die Teufarbeiten wiederum. Die Gewerkschaft Rossenray wurde einstweilen liquidiert und gestundet.

Trotz der beginnenden Kohlekrise nahm die neu gegründete Krupp'sche Nachfolgegesellschaft Bergwerke Essen-Rossenray AG die Teufarbeiten 1955 wieder auf.[1] Die Schachtanlage Rossenray wurde als moderne Anschlussanlage konzipiert.

Nach einem provisorischen Beginn sollte die Anlage zu einer Zentralanlage mit 3 Schächten, Kraftwerk und Kokerei ausgebaut werden. Schacht 1 und 2 sollten gleichberechtigte Förderanlagen werden und der zusätzlich abzuteufende Schacht 3 die Seilfahrt und Materialförderung übernehmen.

BetriebBearbeiten

Anfang der 1960er Jahre erreichten Schacht 1 und 2 die Endteufe.[1] 1963 ging Schacht 2 mit einer kleinen Förderanlage und einer provisorischen Aufbereitung in Betrieb,[1] Schacht 1 wurde lediglich offengehalten.

Am 16. Februar 1966 ereignete sich im Baufeld Rossenray eine Schlagwetterexplosion, die 16 Bergleute das Leben kostete.[2][3][4]

Am 27. November 1968 wurde die Schachtanlage Rossenray in die neu gegründete Ruhrkohle AG eingebracht. Ab 1969 wurde die Anlage mit der Schachtanlage Pattberg als eine Werksdirektion geführt.

Die Jahresförderung betrug zu dieser Zeit 950 000 t Kohle.

Die Ruhrkohle AG entschloss sich, die Schachtanlage Rossenray als Anschlussanlage auszubauen, allerdings in verkleinerter Version als ursprünglich geplant. 1968 wurde Schacht 1 tiefergeteuft und auf 1100 m eine vierte Sohle angesetzt.[1] 1970 wurde Schacht 1 mit einer neuartigen Gefäßförderung ausgestattet. Der hierzu errichtete Betonförderturm sollte in einem separaten Anbau die Aufbereitungsanlagen enthalten. Das entstandene kreuzförmige Gebäude wurde zu einer charakteristischen Landmarke. Der für Schacht 2 geplante baugleiche Turm wurde nicht ausgeführt, die kleinere Fördereinrichtung mit einem Kastenprofil-Strebengerüst blieb in Betrieb. Weiterhin wurde die Planung des Schachtes 3 sowie der Kohlenwertstoffanlagen ad acta gelegt. Im Jahre 1971 erfolgte der Zusammenschluss der Werksdirektionen Pattberg/Rossenray sowie der Schachtanlage Rheinpreußen 5/9 zum Verbundbergwerk Rheinland. Die Schachtanlage Rossenray übernahm weiterhin Seilfahrt, Material- und Bergeförderung für diese Anlage.

Im Jahr 2003 wurde auf Rossenray die sogenannte „AVSA 02“ in Betrieb genommen. Die „AVSA“ war eine, speziell für die DSK entwickelte, Vortriebsmaschine der österreichischen Voest Alpine Bergtechnik und der Montanuniversität Leoben, die auf Prosper-Haniel im Einsatz war.[5] Patentinhaber des deutschen Patentes DE 19623653 waren die Voest Alpine Bergtechnik und die DSK. Die Erfinder waren Matthias Roesch, Alfred Zitz, Karl Lerchbaum und Otto Krassnitzer.[6] Die "AVSA 01" war auf dem Bergwerk Friedrich Heinrich im Einsatz. Die „AVSA 02“ definierte sich als Nachfolgemaschine durch einen noch höheren Automatisierungsgrad und die maximale Vortriebshöhe auf 8,20 m. Die besonderen Eigenschaften dieser Maschine waren, dass sie zur selben Zeit schneiden und ankern konnte (Alternatives Vortriebssystem Schneiden und Ankern) und somit die Entwicklungsgeschwindigkeit der Strecken erhöht werden konnte.[7]

StilllegungBearbeiten

Zum 1. Mai 2011 hatte die Zeche Rossenray ihren übertägigen Betrieb eingestellt. Ein Großteil der Beschäftigten arbeitete noch bis Ende 2012 im Bergwerk West, früher Friedrich-Heinrich. Die dortige Kohleförderung wurde, bedingt durch die Einstellung des subventionierten Steinkohlebergbaus in Deutschland, mit der letzten Förderschicht am 21. Dezember 2012 beendet. Damit gehört am Niederrhein der Kohlebergbau zur Vergangenheit.[8] Am 7. Oktober 2019 wurde damit begonnen, den Förderturm Rossenray 1 abzureißen.[9]

LiteraturBearbeiten

  • Wilhelm Hermann, Gertrude Hermann: Die alten Zechen an der Ruhr. 6. erweiterte und aktualisierte Auflage, Verlag Karl Robert Langewiesche, Nachfolger Hans Köster KG, Königstein i. Taunus, 2006, ISBN 3784569943
  • Joachim Huske: Die Steinkohlenzechen im Ruhrrevier. Daten und Fakten von den Anfängen bis 2005 (= Veröffentlichungen aus dem Deutschen Bergbau-Museum Bochum, Bd. 144). 3., überarbeitete und erweiterte Auflage. Selbstverlag des Deutschen Bergbau-Museums, Bochum 2006, ISBN 3-937203-24-9, S. 836.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f g h Joachim Huske: Die Steinkohlenzechen im Ruhrrevier. 3. Aufl. Bochum 2006, S. 836.
  2. 100 Jahre Steinkohlenbergbau in Kamp-Lintfort. Archiviert vom Original am 2. Januar 2008; abgerufen am 19. Oktober 2010.
  3. Grubenunglücke & ihre Denkmäler. Abgerufen am 19. Oktober 2010.
  4. Grubenunglück vor genau 50 Jahren: In Kamp-Lintfort starben damals 16 Menschen. Archiviert vom Original am 21. Februar 2016; abgerufen am 19. Oktober 2010.
  5. triple m Ausgabe 4 2002 (Memento vom 31. Juli 2013 im Internet Archive)
  6. Deutsches Patent DE19623653: Roadway driving machine with travel drive.
  7. Leistungsstarke Vortriebsmaschine AVSA II bahnt sich unter Tage ihren Weg (Memento vom 12. April 2016 im Internet Archive) (abgerufen am 4. Mai 2012; PDF-Datei; 1,26 MB)
  8. Schicht im Schacht: Rossenray beendet übertägigen Betrieb - Lokalkompass.de (mit div. Fotos) abgerufen am 25. Juli 2013
  9. Schachtturm Rossenray in Kamp-Lintfort ist bald Geschichte. In: nrz.de. 2. Oktober 2019, abgerufen am 8. Oktober 2019.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Schachtanlage Rossenray – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien