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Die Schacholympiade 2018 war ein Mannschaftsturnier im Schach, das vom 23. September bis 6. Oktober 2018 im georgischen Batumi[1] ausgetragen wurde.

Es war die 43. Schacholympiade des Weltschachbundes FIDE. Die Entscheidung für die Austragung in Batumi fiel im August 2014, Mitbewerber war das südafrikanische Durban. Am Rande der Schacholympiade fand eine Versammlung der Schachverbände statt, auf welcher Arkadi Dworkowitsch zum neuen FIDE-Präsidenten gewählt wurde.

In beiden Teilturnieren gewannen die Mannschaften der Volksrepublik China die Goldmedaille. Im „offenen Turnier“ ging Silber an den Titelverteidiger aus den USA, Bronze an Russland. Im Frauenturnier folgten auf die Chinesinnen die Mannschaft aus der Ukraine und die erste Mannschaft Georgiens.[2] Den Gaprindashvili-Cup für das beste kombinierte Ergebnis aus beiden Turnieren gewann China vor Russland und der Ukraine.

AustragungsmodusBearbeiten

Es wurden zwei Wettkämpfe gespielt: Ein reines Frauen-Turnier und ein so genanntes offenes Turnier, in dem sowohl Frauen als auch Männer spielberechtigt waren. De facto spielten im offenen Turnier fast ausschließlich Männer; Ausnahmen waren Singapur mit Gong Qianyun, Guernsey (Gerda Nevska) und Bahamas (Polina Karelina). Beide Wettkämpfe gingen über 11 Runden und wurden nach dem Schweizer System ausgetragen.

Jeder Kader bestand aus fünf Spielern. Zu jedem Mannschaftsmatch wurde daraus eine Mannschaft von vier Spielern gebildet, wovon jeder gegen einen Spieler der gegnerischen Mannschaft antrat. Die Punkte der vier Spieler wurden addiert. Die Mannschaft, die mehr Brettpunkte erzielte, gewann das Match und erhielt 2 Mannschaftspunkte. Ein 2:2-Unentschieden wurde mit einem Mannschaftspunkt für beide Mannschaften gewertet.

An jedem Tag des Wettkampfs wurde eine Runde ausgetragen, wobei am 29. September (nach der 5. Runde) ein Ruhetag eingeschoben wurde. Die Bedenkzeit betrug für jeden Spieler 90 Minuten für die ersten 40 Züge plus 30 Minuten für den Rest der Partie bei einer Zeitgutschrift (Inkrement) von 30 Sekunden pro Zug. Remisangebote waren erst ab dem 31. Zug zulässig.

Hauptschiedsrichter war Panagiotis Nikolopoulos (Griechenland). Gespielt wurden 7292 Partien (2967 Weißsiege, 2581 Schwarzsiege, 1666 Remis, 78 kampflos).

Teilnehmende MannschaftenBearbeiten

An der Olympiade nahmen im Offenen Turnier 184 Mannschaften teil, im Turnier der Damen 149 Teams. Beides waren neue Rekordwerte. Unter den Teilnehmern befinden sich je drei Mannschaften des Gastgebers Georgien sowie die Auswahlmannschaften der internationalen Schachverbände der Blinden, der Körperbehinderten und der Gehörlosen. Die beiden außerdem angemeldeten Mannschaften aus Pakistan, sowie die Damen-Mannschaft von Dschibuti traten nicht an.

Erstmals waren die Kapverdischen Inseln, Liberia, Nauru, Osttimor und Zentralafrika vertreten. Am Turnier der Damen nahmen die Bahamas, die Bermudas, die Elfenbeinküste sowie das Kosovo, Gabun, Gambia, Mauritius, São Tomé und Príncipe, Senegal, Sierra Leone und Zentralafrika erstmals teil.

Die stärksten Mannschaften des offenen Turniers waren USA, Russland, China, Aserbaidschan und Indien – alle mit einem Elo-Durchschnitt über 2700. Damit wurde das Teilnehmerfeld seit dem Zerfall der Sowjetunion 1992 erstmals nicht von Russland angeführt. Im Frauen-Turnier bildeten die Teams aus Russland, Ukraine, China, Georgien und Indien die Spitze des Teilnehmerfeldes. Die zu Turnierbeginn am höchsten klassifizierten Einzelspieler waren Fabiano Caruana (USA) im offenen Turnier bzw. Ju Wenjun (China) im Frauen-Turnier. Die Weltranglistenersten der Männer (Magnus Carlsen, Norwegen) und Frauen (Hou Yifan, China) verzichteten jeweils auf eine Teilnahme.

Insgesamt waren 1090 Titelträger am Start, davon 266 Großmeister und 66 Großmeister der Frauen.

TurnierverlaufBearbeiten

Offenes TurnierBearbeiten

Die Paarungen der ersten Runde wurden nach einer Setzliste aufgrund der Elo-Zahlen der Spieler festgelegt. In ausnahmslos allen Matches setzten sich die favorisierten Mannschaften durch, häufig mit dem Maximalergebnis von 4:0. Dies setzte sich auch in den folgenden beiden Runden fort. Zu den wenigen Überraschungen in der Anfangsphase des Turniers gehörte das Unentschieden der Mannschaft aus Albanien gegen die deutlich höher eingeschätzten Ungarn.

Der Titelverteidiger USA legte einen überzeugenden Start hin: Die starken Niederländer wurden in Runde 3 mit 3:1 besiegt, in Runde 4 gelang ein 2½ : 1½ gegen den Mitfavoriten Indien. Erst in der fünften Runde wurde der Durchmarsch der Amerikaner durch das israelische Team gestoppt (2:2). In der ersten Turnierhälfte überraschten vor allem Polen und Tschechien. Das tschechische Team konnte die starken Mannschaften aus Iran und China besiegen. Polen schaffte mit den beiden Stars Jan-Krzysztof Duda und Radoslaw Wojtaszek gar Siege gegen Russland und Frankreich. Nach 5 von 11 Runden bildeten diese beiden Teams zusammen mit den Mitfavoriten Aserbaidschan und Ukraine die Tabellenspitze. Die deutsche Nationalmannschaft lag nach Siegen über Syrien, Myanmar, Ungarn und Moldawien sowie einem Unentschieden gegen Serbien auf einem ausgezeichneten siebten Platz.

Auch nach dem Ruhetag konnten die Deutschen an ihre Leistungen anknüpfen und gegen die favorisierten Teams aus Israel, den Niederlanden und Frankreich jeweils ein 2:2 erreichen und gegen Spanien sogar gewinnen. Besonders überzeugte Daniel Fridman, der fünf Partien in Folge gewann. Liviu-Dieter Nisipeanu hielt am Spitzenbrett fast alle Partien remis und konnte gegen den Sechsten der Weltrangliste Maxime Vachier-Lagrave (Frankreich) sogar gewinnen. In der Zwischenzeit eroberte das Team der USA durch einen Sieg gegen die starke Mannschaft aus Aserbaidschan vorübergehend die Tabellenführung zurück, musste sich aber bereits in der folgenden Runde überraschend gegen Polen geschlagen geben, die ihrerseits in Runde 10 gegen China unterlagen. Folglich konnte sich bis zuletzt keine der Topmannschaften entscheidend absetzen.

Die traditionell als Topfavoriten gehandelten Russen blieben mit Punktverlusten gegen Polen, Indien und Serbien zunächst hinter den Erwartungen zurück. Viele – unter anderem auch Magnus Carlsen – vermuteten, dass Russland nicht mit der bestmöglichen Mannschaft angereist war. Spieler wie Pjotr Swidler und Alexander Grischtschuk wurden schmerzlich vermisst. Erst durch einen Sieg über Italien in der 9. Runde konnte die russische Mannschaft zur Spitze des Feldes aufschließen.

Am letzten Tag des Turniers hatten die USA und China einen kleinen Vorsprung von lediglich einem Punkt vor dem Rest des Feldes. Diese beiden Teams trafen auf einander. Der Gewinner des Matches würde die Goldmedaille erhalten. Lediglich bei einem Unentschieden konnten sich die Verfolger Polen, Frankreich und Russland noch Chancen auf einen Turniersieg ausrechnen – und in der Tat endete die Begegnung 2:2. Bei den Verfolgern endeten fast alle Partien an den Spitzenbrettern mit Remis. Lediglich der Russe Jan Nepomnjaschtschi konnte seine Partie an Brett 2 gegen den Franzosen Etienne Bacrot gewinnen und dadurch die Aufholjagd der Russen krönen. Wegen der schlechteren Sonneborn-Berger-Wertung reichte es trotzdem für die Russen nur für Bronze hinter den Chinesen (Gold) und Titelverteidiger USA (Silber).

Nach einem Unentschieden im letzten Spiel gegen Armenien musste sich das deutsche Team mit dem 13. Rang zufriedengeben, was angesichts der starken Gegner dennoch als Erfolg zu werten war. Bemerkenswert ist, dass die deutsche Nationalmannschaft der einzige Teilnehmer war, der keine einzige Mannschaftsniederlage hinnehmen musste. Erfolgreichster deutscher Einzelspieler war Daniel Fridman mit 7,5 Punkten aus 9 Partien, was einer Elo-Performance von 2814 Punkten entspricht. Im gesamten Turnier gab es nur vier Spieler, die besser abschnitten.

EndstandBearbeiten

Platz Team Mannschaftspunkte
1 China Volksrepublik  Volksrepublik China 18
2 Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 18
3 Russland  Russland 18
4 Polen  Polen 17
5 England  England 17
6 Indien  Indien 16
7 Vietnam  Vietnam 16
8 Armenien  Armenien 16
9 Frankreich  Frankreich 16
10 Ukraine  Ukraine 16
13 Deutschland  Deutschland 16
14 Osterreich  Österreich 16
34 Schweiz  Schweiz 14
71 Belgien  Belgien 12
88 Luxemburg  Luxemburg 11
131 Liechtenstein  Liechtenstein 9

Beste EinzelspielerBearbeiten

Die Brettpreise wurden nach individueller Elo-Performance vergeben, wobei mindestens 8 Partien vorausgesetzt werden.

FrauenBearbeiten

Auch im Turnier der Frauen gab es bereits in der zweiten Runde eine Überraschung durch die Niederlage der an Position 1 gesetzten Russinnen gegen Usbekistan. Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft tat sich von Anfang an schwer und kam in Runde 2 gegen Georgien-3 ebenso wenig über ein Unentschieden hinaus, wie in Runde 3 gegen Israel.

Die Führung im Frauen-Turnier hatten die meiste Zeit die Chinesinnen inne und gingen auch als einziges Team ungeschlagen in die letzte Runde, in der sie auf Russland trafen. Im Verfolgerduell trafen die Ukraine und USA aufeinander, die beide einen Punkt Rückstand auf China hatten. Ebenfalls einen Punkt Rückstand hatte die Mannschaft aus Armenien, die ihr letztes Spiel gegen die erste Mannschaft aus Georgien bestreiten mussten. Da die Ukraine relativ ungefährdet ihr Match gegen die USA 3:1 gewinnen konnte und es lange Zeit nach einem sicheren Sieg von Russland gegen China aussah, schienen die Ukrainerinnen schon als sichere Goldmedaillengewinnerinnen festzustehen. Aber Olga Girya vergab einen klaren Sieg an Brett 4, so dass alles an Russlands Spitzenspielerin hing. Alexandra Kosteniuk hatte eigentlich alle Karten für ein Remis in der Hand, wähnte die dreifache Stellungswiederholung schon erreicht und reklamierte dies beim Schiedsrichter. Dieser stellte fest, dass die Reklamation unberechtigt war. Kosteniuk, die von ihrem eigenen Irrtum sichtlich getroffen war, griff fehl und versuchte sich noch erfolglos in eine Pattkombination zu retten. Letztlich konnte sie ihre eigene Niederlage und das Unentschieden ihrer Mannschaft gegen China nicht verhindern. Dadurch konnte sich China doch noch die Goldmedaille vor der Ukraine sichern. Bronze ging an die Gastgeberinnen aus Georgien, Russland wurde Vierter.

EndstandBearbeiten

Platz Team Mannschaftspunkte
1 China Volksrepublik  Volksrepublik China 18
2 Ukraine  Ukraine 18
3 Georgien  Georgien 1 17
4 Russland  Russland 16
5 Ungarn  Ungarn 16
6 Armenien  Armenien 16
7 Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 16
8 Indien  Indien 16
9 Georgien  Georgien 2 16
10 Aserbaidschan  Aserbaidschan 16
28 Deutschland  Deutschland 14
32 Schweiz  Schweiz 13
40 Osterreich  Österreich 13
46 Luxemburg  Luxemburg 13
98 Belgien  Belgien 10

Beste EinzelspielerinnenBearbeiten

Die Brettpreise wurden nach individueller Elo-Performance vergeben, wobei mindestens 8 Partien vorausgesetzt werden.

Den Nino Khurtsidze Award für das beste prozentuale Ergebnis einer nach 1997 geborenen Spielerin gewann Sunwoo Park aus Südkorea.

MannschaftsaufstellungenBearbeiten

Aufstellungen der MedaillengewinnerBearbeiten

Offenes TurnierBearbeiten

1. Platz – China
Nummer Spieler Elo Punkte Partien
1 Ding Liren 2804 8
2 Yu Yangyi 2765 7 11
3 Wei Yi 2742 7
4 Bu Xiangzhi 2712 10
5 Li Chao 2708 5 8
2. Platz – USA
Nummer Spieler Elo Punkte Partien
1 Fabiano Caruana 2827 7 10
2 Wesley So 2776 11
3 Hikaru Nakamura 2763 9
4 Samuel Shankland 2722 7 10
5 Ray Robson 2682 3 4
3. Platz – Russland
Nummer Spieler Elo Punkte Partien
1 Sergej Karjakin 2760 10
2 Jan Nepomnjaschtschi 2768 10
3 Wladimir Kramnik 2770 9
4 Nikita Witjugow 2726 10
5 Dmitri Jakowenko 2747 2 5

FrauenturnierBearbeiten

1. Platz – China
Nummer Spielerin Elo Punkte Partien
1 Ju Wenjun 2561 7 9
2 Shen Yang 2464 4 8
3 Huang Qian 2446 11
4 Lei Tingjie 2468 11
5 Zhai Mo 2417 5
2. Platz – Ukraine
Nummer Spielerin Elo Punkte Partien
1 Anna Musytschuk 2555 7 10
2 Marija Musytschuk 2533 8 10
3 Anna Uschenina 2451 5 9
4 Natalja Schukowa 2403 9
5 Iulija Osmak 2405 6
3. Platz – Georgien
Nummer Spielerin Elo Punkte Partien
1 Nana Dsagnidse 2509 10
2 Lela Javakishvili 2475 5 9
3 Nino Batsiashvili 2482 5 9
4 Bela Khotenashvili 2469 7 9
5 Meri Arabidse 2404 7

Deutsche MannschaftenBearbeiten

Offenes TurnierBearbeiten

Nummer Spieler Punkte Partien
1 Liviu-Dieter Nisipeanu 5 9
2 Georg Meier 4 8
3 Matthias Blübaum 6 10
4 Daniel Fridman 9
5 Rasmus Svane 8

Frauen-TurnierBearbeiten

Nummer Spieler Punkte Partien
1 Elisabeth Pähtz 10
2 Filiz Osmanodja 5 10
3 Sarah Hoolt 11
4 Zoya Schleining 3
5 Judith Fuchs 9

Mannschaftsaufstellungen aller MannschaftenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Einzelnachweise und AnmerkungenBearbeiten

  1. General Assembly 2014 Decisions. FIDE, abgerufen am 3. November 2014 (englisch).
  2. Als Gastgeber durfte Georgien in beiden Turnieren drei Mannschaften melden.