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Schöppenstedter Turm

Wehrturm der Befestigungsanlagen der Stadt Braunschweig
Schöppenstedter Turm
Karte Braunschweigs mit dem Verlauf der Landwehr.
Der Schöppenstedter Turm.
Der Verlauf der Braunschweiger Landwehr ist blau markiert.

Der Schöppenstedter Turm war einer von sieben Wehrtürmen der Braunschweiger Landwehr, der mittelalterlichen, äußeren Befestigung der Stadt Braunschweig. Er befand sich östlich der früheren Stadtgrenze, an der heutigen Helmstedter Straße (Bundesstraße 1) bei Klein Schöppenstedt.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

 
Der Schöppenstedter Turm um 1839, Stich von Wilhelm Pätz (1800–1856)
 
Schöppenstedter Turm 1899
 
Schöppenstedter Turm 2012

Nachdem der Rat der Stadt im Jahr 1376 beschlossen hatte, mit der Landwehr einen äußeren Verteidigungswall im Braunschweiger Umland zu errichten, weit vor den eigentlichen Stadtbefestigungsanlagen, wurde um 1390[1] ein Wehrturm erbaut. Der Turm lag etwa fünf Kilometer östlich vor den Toren der Stadt.

Ende des 18. Jahrhunderts verlor die Landwehr ihre militärische Bedeutung. Die Wehrtürme, auch der Schöppenstedter Turm, wurden geschleift. Die Nebengebäude gingen in Privateigentum über und dienten als Gasthaus.

Im Jahr 1864 errichtete die Braunschweigische Maschinenbauanstalt AG eine Zuckerfabrik am Schöppenstedter Turm[2], die im Jahr 1902 durch den Bahnhof Rautheim Anschluss an die Bahnlinie der Braunschweig-Schöninger Eisenbahn (BSE) erhielt. Der Betrieb der Zuckerfabrik wurde 1939 eingestellt; die Haltestelle der Eisenbahn wurde bis 1971 betrieben.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs führte entlang der heutigen Helmstedter Straße, vorbei am Schöppenstedter Turm, einer der letzten Fluchtwege für Wehrmachtsverbände und NS-Funktionsträger aus der von Truppen der US-Armee eingeschlossenen Stadt. In der Nacht zum 13. April 1945 wurde an einer Straßensperre am Schöppenstedter Turm der letzte Kampfkommandant Braunschweigs, Generalleutnant Karl Veith, von Amerikanern gefangen genommen.[3][4]

Heute ist der Schöppenstedter Turm ein Braunschweiger Ortsteil und Gewerbegebiet für kleine und mittelständische Unternehmen im Stadtbezirk Südstadt-Rautheim-Mascherode. Das Gebäude selber samt ehemaligem Biergarten liegt jedoch bereits auf dem Gebiet der Gemeinde Cremlingen.[5]

Umweltverschmutzung und literarische AdaptionBearbeiten

In den Jahren 1881 bis 1883 klagten zwei Braunschweiger Müller zunächst erfolgreich gegen die Rautheimer Zuckerfabrik am Schöppenstedter Turm. Abwassereinleitungen der Zuckerfabrik in die Mittelriede und die Schunter hatten die Gewässer verunreinigt und durch Eutrophierung umkippen lassen. Das verstärkte Pflanzenwachstum in den Mühlenbächen hatte die Mühlräder zum Stillstand gebracht. Im Jahr 1884 unterlagen die Müller vor dem Reichsgericht.[6]

Der Schriftsteller Wilhelm Raabe (1831–1910) wurde durch diesen Streitfall zu der im Jahr 1884 veröffentlichten Erzählung Pfisters Mühle angeregt.[6]

LiteraturBearbeiten

  • Luitgard Camerer, Manfred Garzmann, Wolf-Dieter Schuegraf (Hrsg.): Braunschweiger Stadtlexikon. Joh. Heinr. Meyer Verlag, Braunschweig 1992, ISBN 3-926701-14-5, S. 206.
  • Julius Reißner: Die Landwehr im alten Braunschweig. In: Braunschweigischer Kalender 1968. Meyer, Braunschweig 1968.
  • Carl Wilhelm Sack: Die Befestigung der Stadt Braunschweig. In: Archiv des Historischen Vereins für Niedersachsen. Historischer Verein für Niedersachsen (Hrsg.), Verlag Hahnsche Hofbuchhandlung, Hannover 1847.
  • Hans Adolf Schultz: Die Landwehr der Stadt Braunschweig. Ihr Verlauf im Lichte der neuesten Forschung. In: Braunschweigische Heimat. 40. Jahrgang, Heft 3, E. Appelhans & Co., Braunschweig 1954, S. 73–77.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Schöppenstedter Turm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Carl Wilhelm Sack: Die Befestigung der Stadt Braunschweig. S. 309.
  2. Wilhelm Bornstedt: Aus der Geschichte von Rautheim an der Wabe. Verlag: Ortsrat der Ortschaft Rautheim (Braunschweig), Braunschweig 1977.
  3. Jan Temann: Am 10. April 1945 kam es in Broistedt noch einmal zu schweren Kämpfen. In: paz-online.de 7. Mai 2018
  4. Bernhard Friedrichs: Klein Schöppenstedt in den letzten Kriegstagen 1945. In: Der Tetzelstein, Nr. 20, 2017, S. 6–9
  5. Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Niedersachsen: TK 25, Online-Karte des LGLN (Memento des Originals vom 19. März 2015 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/navigator.geolife.de, Stand 16. Oktober 2018.
  6. a b Patrick Masius: Umweltgeschichte und Umweltzukunft. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2009, S. 37, ISBN 978-3-940344-69-4.

Koordinaten: 52° 15′ 2″ N, 10° 35′ 36,6″ O