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Scandlines

deutsch-dänische Reederei, Tochtergesellschaft der Scandferries Holding ApS
Scandlines Deutschland GmbH

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Rechtsform GmbH
Gründung 1998
Sitz Hamburg, Deutschland
Leitung Heiko Kähler

Gerald Lefold

Mitarbeiterzahl ca. 1500 (saisonal bedingt) (2016)
Umsatz 477 Mio. Euro (2018)
Branche Schifffahrt (Fährrouten-Betreiber)
Website www.scandlines.de

Fähre Prinsesse Benedikte vor Puttgarden

Die Scandlines Deutschland GmbH mit Sitz in Hamburg ist eine deutsch-dänische Reederei, die zwei Ostsee-Fährrouten zwischen Deutschland und Dänemark betreibt. Sie ist Tochtergesellschaft der Scandferries Holding ApS mit Hauptsitz in Kopenhagen (Dänemark).

Das Scandlines-Logo steht als Symbol für die wichtigsten Märkte von Scandlines. Gelb steht für Deutschland, Rot für Dänemark und Blau für Schweden.

Ab 2013 war das Unternehmen 3i alleiniger Inhaber der Reederei. Ende März 2018 verkaufte 3i die Fährreederei für 1,7 Milliarden Euro an ein Konsortium aus den Vermögensverwaltern First State Investment und Hermes Investment Management. Im Anschluss erwarb 3i wieder 35 % der Anteile an der Reederei, das australische Unternehmen First State Investment hält etwa 50 % und das britische Unternehmen Hermes Investment Management 14,9 % an Scandlines.[1]

Inhaltsverzeichnis

Geschichte und UnternehmensstrukturBearbeiten

 
GVG-Lokomotive 109-2 mit Scandlines-Schriftzug im Jahr 2009 im Berliner Hauptbahnhof auf dem Weg nach Sassnitz

Die Geschichte der Fähraktivitäten der deutschen Eisenbahngesellschaften zwischen Deutschland und Skandinavien reicht bis in das Jahr 1903 zurück, als die erste Eisenbahnfährverbindung zwischen Warnemünde (Deutschland) und Gedser (Dänemark) eröffnet wurde. 1909 folgte der erste Eisenbahnfährbetrieb zwischen Deutschland und Schweden, die „Königslinie“ zwischen Sassnitz (Deutschland) und Trelleborg (Schweden).

Mit der Eröffnung der „Vogelfluglinie“, einer Fährverbindung zwischen Puttgarden (Insel Fehmarn) und Rødby (Insel Lolland in Dänemark), wurde die Kooperation zwischen den beiden Fährgesellschaften in Dänemark und Deutschland im Jahr 1963 weiter vertieft.

Die Deutsche Fährgesellschaft Ostsee (DFO) wurde 1993 im Zuge der Zusammenführung der ehemaligen ost- und westdeutschen Eisenbahnunternehmen – Deutsche Reichsbahn (DR) und Deutsche Bundesbahn (DB) – als privatrechtliche Gesellschaft gegründet.

Die Dänischen Staatsbahnen (DSB) gliederten 1997 ihr Fährgeschäft in die Scandlines Danmark A/S aus.

1997 investierten die DFO und Scandlines in den Ausbau der Vogelfluglinie, u. a. in die Modernisierung der Hafenanlagen sowie in den Bau von vier modernen Doppelendfähren (Deutschland, Schleswig-Holstein, Prinsesse Benedikte, Prins Richard).

Die deutsche Reederei DFO fusionierte 1998 dann mit der Partnerreederei Scandlines Danmark A/S (heute Scandlines Danmark ApS)

Eigentümer blieben weiterhin die Deutsche Bahn AG sowie das Königreich Dänemark, vertreten durch das Verkehrsministerium. In den darauffolgenden Jahren baute Scandlines das internationale Routennetz kontinuierlich aus, zum Beispiel durch die Eröffnung neuer Fährverbindungen in die Baltischen Staaten und nach Finnland.

2007 verkauften die Eigentümer ihre Anteile an die Finanzinvestoren 3i und Allianz Capital, die je 40 Prozent übernahmen, sowie an die Deutsche Seereederei GmbH (DSR) aus Rostock, die sich mit 20 Prozent beteiligte. Zum 6. November 2008 wurde die Scandlines AG in die Scandlines Deutschland GmbH (heutiger Sitz Hamburg) umgewandelt.[2][3]

Am 29. Oktober 2010 gab die DSR bekannt, ihren 20-%-Anteil an Scandlines zu gleichen Teilen an die Finanzinvestoren 3i und Allianz Capital Partners (ACP) zu verkaufen.

Im Frühjahr 2010 bestellte Scandlines zwei neue Hybrid-Großfähren (Auftragsvolumen für Neubauten und Anpassungen an den Fährhäfen 230 Millionen Euro) bei der P+S Werften GmbH (Volkswerft Stralsund). Nachdem die Werft erhebliche Schwierigkeiten beim Bau der beiden Schiffe Berlin und Copenhagen hatte, kündigte Scandlines die Verträge. Die P+S Werften mussten dadurch Insolvenz anmelden. Scandlines kaufte später die wegen zu hohen Gewichts nicht abgenommenen Schiffe aus der Insolvenzmasse und ließ sie bei der dänischen Werft Fayard A/S in Munkebo umbauen. Im Mai und Dezember 2016 wurden die Fähren in Dienst gestellt. Sie verkehren jetzt auf der Strecke Rostock–Gedser und sind zurzeit die größten Hybridfähren der Welt mit einer Länge von jeweils 170 Metern und Platz für 1300 Passagiere sowie 460 Pkw oder 96 Lkw.

Im Jahr 2012 verkaufte Scandlines die Strecken Travemünde–Ventspils/Liepaja, Nynäshamn–Ventspils, Rostock–Trelleborg und Sassnitz–Trelleborg an Stena Line.[10][11] Außerdem wurden die Route Rostock–Hanko und die Fährschiffe Merchant, Aurora und Urd an die Swedish Orient Line (SOL) veräußert.[12]

2013 kaufte der britische Finanzinvestor 3i die Scandferries Holding ApS und war damit bis 2018 alleiniger Eigentümer der Scandlines Deutschland GmbH.

Die ab dem Jahr 2000 zusammen mit der Stena Line betriebene kurze Fährlinie von Helsingør (Dänemark) nach Helsingborg (Schweden) wurde rückwirkend zum 1. Januar 2015 inklusive der fünf hier verkehrenden Fährschiffe (davon zwei von Scandlines) an First State Investments verkauft.[18] Die HH Ferries Group betrieb diese Linie weiterhin unter der Marke Scandlines Helsingborg–Helsingör bis 2018. 2018 wurde das Unternehmen ForSea umbenannt, die Schiffe fahren seitdem nicht mehr unter der Marke Scandlines.[4]

Am 7. Juni 2017 wurden die beiden Scandlines-Routen PuttgardenRødby und RostockGedser aufgrund einer nicht näher spezifizierten Bombendrohung vorübergehend eingestellt.[5] Obwohl die Route Helsingør–Helsingborg nicht mehr zu Scandlines gehörte, wurde auch hier der Fährverkehr vorübergehend eingestellt, da die Drohung nicht auf eine bestimmte Route bezogen war und die Schiffe hier noch unter der Marke „Scandlines“ verkehrten.

Im Jahr 2016 beförderte Scandlines auf den beiden Strecken Rødby–Puttgarden und Gedser–Rostock 7,6 Mio. Passagiere, 1,8 Mio. Pkw und 0,6 Mio. Frachteinheiten.

In den Häfen von Puttgarden und Rostock betreibt Scandlines zwei „BorderShops“ mit einem breiten Sortiment an alkoholischen und nicht-alkoholischen Getränken sowie Süßigkeiten, mit denen im Jahr 2016 fast 30 Prozent des Unternehmensumsatzes erzielt wurden.

Kennzahlen der UnternehmensgruppeBearbeiten

Jahr Umsatz in Mio. Euro Betriebsergebnis in Mio. Euro Jahresüberschuss in Mio. Euro Mitarbeiter Passagiere in Mio.
2007 589,6 2.945 20,5
2008 584,0 131,0 −20 2.729 17,3
2009 504,9 159,0 −5 2.604 12,0
2010 567 177 22 2.442 12,4
2011 611 182 10 2.177 12,0
2012 608 76 2.112 11,7
2013 505 172 1.772 11
2014[6] 445 160 60 1.533 11,1
2015[6] 460 170 107 1.488 7,6
2016[7] 470 180 81 1.506 7,6
2017[8] 487 194 88 1.524 7,6

Die Zahlen wurden den laufenden Geschäftsberichten bzw. den Pressemitteilungen[9] entnommen.

 
Die drei Fährrouten der Scandferries-Gruppe bis 2015

FährroutenBearbeiten

FlotteBearbeiten

Im Zuge der unternehmenseigenen Strategie „Von Hybrid zu emissionsfreien Fähren“ wurde das Fährschiff Prinsesse Benedikte auf der Strecke Puttgarden-Rødby 2013 als erstes zu einer Hybridfähre umgerüstet. 2014 folgten dann die restlichen drei auf der Strecke verkehrenden Schiffe. Die Fähren werden nun durch ein Hybridsystem angetrieben, das den traditionellen Dieselmotor mit elektrischem Batterieantrieb kombiniert. Überschüssige Energie wird in Batterien gespeichert, die die elektrischen Antriebsmotoren antreiben. So können die Fähren ihren Treibstoffverbrauch senken und besser an die Auslastung anpassen. Angaben der Reederei zufolge werden auf diese Weise bis zu 15 % der CO2-Emissionen eingespart. Gleichzeitig wurden die Schiffe mit einem Abgaswäscher (Scrubber) ausgerüstet, der die gasförmige Schadstoff-Emissionen der Fähren um 90 % senkt.

Parallel dazu wurden für die Strecke Rostock–Gedser die Hybridfähren Berlin und Copenhagen gebaut und 2016 in Dienst gestellt. Im Vergleich zu konventionellen Fähren kann durch das Hybrid-Antriebssystem der neuen Fähren der Route Rostock–Gedser der Brennstoffverbrauch pro Überfahrt um 2/3 reduziert werden.

Heute sind sechs von acht Schiffen der Reederei Hybridfähren; damit besitzt und betreibt Scandlines 2017 die größte Hybridflotte der Welt.[3]

SonstigesBearbeiten

Das Unternehmen ist Mitglied im ShortSeaShipping Inland Waterway Promotion Center.

Neben den Fährlinien betreibt Scandlines unter dem Namen "Border Shop" zwei Einkaufscenter in den Häfen von Rostock und Puttgarden (letzteres auf einer mehrstöckigen Pontonkonstruktion), welche insbesondere Alkoholika für die Zielgruppe der skandinavischen Touristen anbieten[10][11]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Scandlines – Sammlung von Bildern

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Scandlines-Reederei hat neuen Eigentümer, auf ndr.de, vom 26. März 2018. Abgerufen am 3. April 2018.
  2. http://www.scandlines.se/om-scandlines/batteridrivna-farjor.aspx
  3. a b Homepage. Scandlines, abgerufen am 14. September 2017.
  4. Fprsea nimmt weltgrößte Batteriefähre in Betrieb. 14. November 2018, abgerufen am 17. November 2018.
  5. POL-HL: OH-Puttgarden-Fährhafen / Bombendrohung auf dänischen Fährschiffen – Abschlussmeldung. Polizeidirektion Lübeck, 7. Juni 2017, abgerufen am 8. Juni 2017.
  6. a b Scandlines richtete 2015 ihren Fokus auf das Kerngeschäft und investierte in die Zukunft. Pressemitteilung. Scandlines, 20. Mai 2016, abgerufen am 19. Januar 2019 (Verzeichnis der Geschäftsberichte).
  7. Scandlines Pressemitteilung. Abgerufen am 14. September 2017.
  8. Scandlines Pressemitteilung. Abgerufen am 13. Februar 2019.
  9. Pressemitteilungen Scandlines
  10. Border Shop, auf scandlines.de, abgerufen am 18. Juli 2019
  11. Der Bordershop in Puttgarden, auf reisecenter-fehmarn.de, abgerufen am 18. Juli 2019