Satz von Berry-Esseen

mathematischer Satz

Der Satz von Berry-Esseen ist ein Satz aus der Wahrscheinlichkeitstheorie, der Aussagen über die Güte der Konvergenz im Zentralen Grenzwertsatz trifft. Er gibt sowohl die Konvergenzgeschwindigkeit als auch eine numerische Abschätzung für die Annäherung an die Normalverteilung an. Der Satz wurde unabhängig voneinander durch die Mathematiker Andrew C. Berry (1941) und Carl-Gustav Esseen (1942, veröffentlicht 1944) bewiesen.

Satz von Berry-EsseenBearbeiten

Es sei   eine Folge von unabhängigen und identisch verteilten Zufallsvariablen auf einem Wahrscheinlichkeitsraum  , für die die Erwartungswerte   und die Varianzen   existieren und endlich sind. Dann konvergieren nach dem Zentralen Grenzwertsatz die Verteilungsfunktionen

  für  

der standardisierten Summen gegen die Normalverteilung  .

Wenn das dritte absolute Moment   der Zufallsvariablen   existiert, dann gilt für eine allgemeine Konstante  , die unabhängig von der Verteilung der Zufallsvariablen   ist, die Abschätzung

  für alle  .

Für den Fall, dass   unabhängig, jedoch nicht identisch verteilt sind, gilt mit  ,   und  ,   und   die Abschätzung

  für alle  .[1]

BemerkungenBearbeiten

  • Für die Gültigkeit des Satzes von Berry-Esseen wird außer den Voraussetzungen für den Zentralen Grenzwertsatz (Existenz von Erwartungswert und Varianz) zusätzlich die Existenz des dritten Moments gefordert. Deshalb liefert der Satz nicht für alle Fälle, in denen der Zentrale Grenzwertsatz gilt, eine Aussage über die Güte der Konvergenz gegen die Normalverteilung.
  • Der Satz von Berry-Esseen gibt als qualitative Aussage die Konvergenzgeschwindigkeit im Zentralen Grenzwertsatz mit der Größenordnung   an. Ohne weitere Voraussetzungen an die Verteilung der Zufallsvariablen   ist dies die bestmögliche Größenordnung, wie der Spezialfall der Bernoulli-Verteilung mit   zeigt.
  • Der Satz liefert eine quantitative Abschätzung der Annäherung an die Normalverteilung. Die Konstante   ist eine „universelle Konstante“, die nicht von den Eigenschaften der Zufallsvariablen   abhängt.

Die Berry-Esseen-KonstanteBearbeiten

Die Konstante  , die für die quantitative Abschätzung der Konvergenz von Bedeutung ist, wird in der Literatur als Berry-Esseen-Konstante (engl. Berry-Esseen bound) bezeichnet.

In der Originalarbeit von Carl-Gustav Esseen wird C mit 7,59 angegeben. Seitdem wurde sie immer weiter verbessert. Im Jahr 1985 wurde von Shiganov der Wert C = 0,7655 angegeben.[2] Der beste bis heute bekannte Wert (Stand 2012) ist C = 0,4748.[3] Andererseits folgt aus dem oben genannten Spezialfall der Bernoulli-Verteilung, dass   größer als   sein muss. Esseen selbst bewies, dass   größer als   ist.[4]

Im Fall der nicht identischen Verteilung gilt  .[1]

LiteraturBearbeiten

  • Andrew C. Berry: The accuracy of the Gaussian approximation to the sum of independent variables. In: Transaction of the American Mathematical Society. 49, 1941, S. 122–136.
  • Carl-Gustav Esseen: Fourier analysis of distribution functions. A mathematical study of the Laplace-Gaussian law. Dissertation. In: Acta mathematica. 77, 1944.
  • William Feller: An Introduction to Probability Theory and Its Applications. Volume II. John Wiley & Sons, New York 1972, ISBN 0-471-25709-5.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b I. S. Tyurin: A Refinement of the Remainder in the Lyapunov Theorem. In: Theory of Probability and Its Applications. 56, 4, 2012, S. 693–696 (doi:10.1137/S0040585X9798572X).
  2. I. S. Shiganov: Refinement of the upper bound of the constant in the central limit theorem. In: Journal of Soviet Mathematics. 1986, S. 2545–2550 (doi:10.1007/BF01121471).
  3. Irina Shevtsova: On the absolute constants in the Berry–Esseen type inequalities for identically distributed summands. (online, PDF, 141 kB).
  4. Carl-Gustav Esseen: A moment inequality with an application to the central limit theorem. In: Skandinavisk Aktuarietidskrift. 39, 1956, S. 160–170.
    Siehe auch: Berry-Esseen Constant. In: Steven R. Finch: Mathematical Constants. Cambridge University Press, Cambridge 2003, ISBN 0-521-81805-2, S. 264 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).