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Sartory-Säle

Veranstaltungshallen im Zentrum Kölns
Eingang zu den Sartory-Säle, 2016
Grab der Familie Sartory auf dem Melaten-Friedhof

Sartory-Säle ist der Name einer der größten Kölner Veranstaltungshallen im Zentrum Kölns in der Nähe des Friesenplatzes, benannt nach der Kölner Gastronomen-Familie Sartory.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

An der Stelle der heutigen Sartory-Säle stand bis zu seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg das Kölner Varieté „Groß-Köln“, das 1912 aus der 1896 gegründeten Brauerei „Cölner Bürgerbräu Josef Waßmann“ hervorging. Bereits in diesem Varieté traten Karnevalisten wie Humorist Otto Reutter (November 1928), aber auch die Comedian Harmonists (Mai 1929), auf. Willi Ostermanns Karnevalsrevue Die Fastelovendsprinzessin wird hier 1930 uraufgeführt.[1]

Das von dem die Stadt Köln prägenden Architekten Wilhelm Riphahn geplante neue Gebäude wurde rechtzeitig zum Karnevalsauftakt am 11. November 1948 unter dem Namen Sartory-Säle fertiggestellt.[2] Damit waren die Säle neben dem Williams-Bau[3] die einzige Veranstaltungshalle im kriegszerstörten Köln. Namensgeber und Bauherr war der Gastronom Carl Sartory sen. (* 4. Mai 1909 Köln, † 24. Dezember 1953 ebenda). Bereits 1950 findet eine erste Erweiterung mit Architekt Wilhelm Koep statt. Carl Sartorys Kinder Hilde, Carl und Hans Sartory bilden 1950 das erste Kölner Kinder-Dreigestirn, präsentiert in den Sartory-Sälen. Hier fand am 25. Januar 1950 die erste KAJUJA-Sitzung statt.

Auf der Karnevalssitzung der Lyskircher Junge am 1. Januar 1952 kam es zum Eklat, als der bekannte Kölner Büttenredner Karl Küpper seine Rede „D´r verdötschte Funk-Reporter“ vortrug und dabei die Hand erhob, als woll er prüfen, ob es zu regnen begonnen habe, und sagte: „Et eß ald widder am rähne!“ („Es regnet schon wieder“). Mit dieser Nummer hatte er in der Nazizeit den Hitlergruß persifliert und deutete nun auf die Gefahr hin, dass durch die Rückkehr alter Eliten Zustände der Zeit des Nationalsozialismus weiterlebten.[4]

Nach dem Tod des Bauherrn im Jahre 1953 übernahm dessen Witwe Mathilde Sartory (* 21. April 1909, † 20. Mai 1998) die Geschäftsführung, 1966 übergab sie an Tochter Hilde Sartory (* 4. Juli 1940, † 26. Juni 2015)[5] die Führung, die kurz danach durch ihre Brüder Carl jun. und Hans Sartory (* 28. April 1944 Köln, † 20. März 2006 ebenda) erweitert wurde. Im Jahre 1959 kamen die Sartory-Lichtspiele hinzu.

Seit 1965 organisierten die Veranstalter hier Beatwettbewerbe mit Beatbands aus der Region. Im September 1968 traten bei einem derartigen Beatfestival die Kölner Stowaways (mit Hartmut Pries, Peter Schütte und Erich „Erry“ Stoklosa) auf und gewannen den ersten Preis. Aus ihnen entwickelten sich später die Bläck Fööss. Auch fand eine Vielzahl von Rockkonzerten statt, insbesondere von den Pretty Things (4. Dezember 1966), Queens erstes deutsches Konzert am 12. Juni 1974 und nochmals am 6. Dezember 1974, Status Quo (23. Februar 1975), Scorpions (26. April 1975; hiervon existiert eine Bootleg unter dem Titel Burst Into a Range) oder AC/DC im Rahmen ihrer „Highway to Hell World Tour“ am 13. November 1979. Das Musical Hair feierte hier 1971 seine deutsche Premiere, am 16. Juli 1981 war hier der Rockpalast zu Gast. BAP trat in den Sälen vom 3. bis 7. Dezember 1984 auf.

Seit 1963 sind die Sartory-Säle regelmäßig auch Austragungsort von Veranstaltungen des Boxsports. Vitali Klitschko bestritt hier seinen sechsten (8. März 1997) bzw. sechzehnten (7. März 1998) Profikampf. Und Regina Halmich gewann in den Sartory-Sälen vor 1.300 Zuschauern am 28. März 1999 ihren 18. WM-Kampf[6] sowie am 13. Mai 2000 den WIBF-Titel im Fliegengewicht.

Lage und KapazitätBearbeiten

Durch die im Fernsehen übertragenen alljährlichen Karnevalsveranstaltungen („Fernsehsitzungen“) sind die Sartory-Säle auch überregional bekannt und zu einer Kölner Institution geworden.[7] Die multifunktional einsetzbaren Festhallen liegen verkehrsgünstig in der Kölner Innenstadt. Sie bestehen aus 7 Sälen, von denen der „Sartory-Saal“ der größte mit einem Fassungsvermögen von maximal 1.400 Personen ist. Es folgt der „Ostermann-Saal“ mit bis zu 800 Personen. Insgesamt bieten die Säle Platz für 3.500 Gäste auf einer Fläche von rund 3.850 m².

UnternehmenBearbeiten

Betrieben werden die Sartory Säle durch die Sartory Säle GmbH & Co. KG.[8] Unbeschränkt haftende Gesellschafterin des Unternehmens ist die Sartory Säle Verwaltungs-GmbH, derzeit vertreten durch Carl Sartory und dessen Sohn Marcus.[9] Marcus Sartory stieg 2012 in die Geschäftsführung ein, nachdem Sandra Sartory — Tochter von Hans Sartory und sei März 2006 neben Carl Sartory Geschäftsführerin — das Unternehmen aufgrund von Differenzen verließ.[10][11] Als Mutterunternehmen fungiert die Familie Sartory Beteiligungs-GbR.[12]

WeblinksBearbeiten

  Commons: Sartory-Säle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. die Titelrolle übernahm Grete Fluss und sang erstmals Ostermanns Komposition Och, wat war dat fröher schön doch en Colonia
  2. Ulrich S. Soénius (Hrsg.), Jürgen Wilhelm (Hrsg.): Kölner Personen-Lexikon. Greven, Köln 2007, ISBN 978-3-7743-0400-0, S. 461.
  3. ein im Juli 1947 errichteter halbfester Winterbau für den Circus Williams auf der Aachener Straße
  4. Fritz Bilz, Unangepasst und widerborstig: Der Kölner Karnevalist Karl Küpper 1905 – 1970, 2010, S. 106–107
  5. Traueranzeige der Familie
  6. Ernst Probst, Superfrauen 12 – Sport, 2001, S. 59
  7. EXPRESS vom 14. Mai 2009, Familie Sartory: Die Saalmanager
  8. Jahresabschluss zum Geschäftsjahr vom 1.11.2015 bis zum 31.10.2016, verfügbar auf www.unternehmensregister.de, Abruf im Januar 2019.
  9. Über uns — Porträt auf der Unternehmensseite, Abruf im Januar 2019.
  10. EXPRESS vom 7. Mai 2014, Sartory-Familienzoff im Gerichtssaal
  11. EXPRESS vom 9. April 2014, Sartory gegen Sartory: Familien-Zoff vor Gericht
  12. Jahresabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.01.2011 bis zum 31.10.2011, verfügbar auf www.unternehmensregister.de, Abruf im Januar 2019.

Koordinaten: 50° 56′ 28,6″ N, 6° 56′ 34,5″ O