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Sandstedt

Ortsteil von Hagen im Bremischen, Niedersachsen, Deutschland

GeografieBearbeiten

Geografische LageBearbeiten

Sandstedt liegt direkt an der Unterweser (Unterweser-km 43) gegenüber der Stadt Brake, etwa 37 km nördlich von Bremen und 20 km südlich von Bremerhaven. Die Ortschaft nimmt den zentralen Bereich der Marschregion Osterstade ein. Die Nordgrenze der Ortschaft wird vom kleinen Wiesenfluss Drepte gebildet, der bei Dreptersiel in die Weser mündet. Südlich von Sandstedt befindet sich die große Weserinsel Harriersand.

OrtsgliederungBearbeiten

Ortsteile km² Einwohner
(Stand: 27. November 2017)
Offenwarden 08,49 175
Rechtenfleth 15,47 297
Sandstedt (Kernort) 13,45 810
Wersabe 09,05 230
Wurthfleth 09,79 223

GeschichteBearbeiten

EingemeindungenBearbeiten

1968 wurden die Nachbargemeinden Offenwarden, Rechtenfleth und Wersabe eingegliedert.[1]

Am 1. März 1974 wurde die Nachbargemeinde Wurthfleth eingegliedert.[2]

Zum 1. Januar 2014 erfolgte die Auflösung der Samtgemeinde Hagen und deren Mitgliedsgemeinden sowie die Neubildung der neuen Gemeinde Hagen im Bremischen.[3]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Sandstedt (Kernort)

Jahr 1910 1925 1933 1939 1950 2017
Einwohner 587 561 594 559 861 810

(Quellen: 1910,[4] 1925–1939,[5] 1950,[6] 2017 laut Gemeinde Hagen im Bremischen am 27. November 2017)

Sandstedt (mit seinen Ortsteilen)

Jahr 1961 1970 1975 1987 1992 1997 2002 2007 2008 2009 2010 2011 2017
Einwohner 1911 1722 1654 1633 1682 1770 1764 1727 1673 1653 1679 1638 1735
 

(Quellen: 1961–1970 jeweils zum 31. Dezember,[7] 1975,[8] 1987–2011 jeweils zum 31. Dezember,[7] 2017 laut Infobox)

PolitikBearbeiten

Gemeinderat und BürgermeisterBearbeiten

Auf kommunaler Ebene wird die Ortschaft Sandstedt vom Rat der Gemeinde Hagen im Bremischen vertreten.

OrtsvorsteherBearbeiten

Der Ortsvorsteher von Sandstedt ist Falko Wahls-Seedorff (CDU). Die Amtszeit läuft von 2016 bis 2021.[9]

WappenBearbeiten

Der Entwurf des Sandstedter Kommunalwappens stammt von dem Heraldiker und Wappenmaler Albert de Badrihaye, der sämtliche Wappen im Landkreis Cuxhaven entworfen hat.[10]

Blasonierung:Gespalten, vorn in Blau ein nach rechts gewendeter, stehender gold-bewehrter, rot-bezungter, golden nimbierter silberner Johannesadler, hinten in Silber ein schwebender, gekrümmter grüner Lindenzweig über einem erniederten blauen welligen Balken.“[10]
Wappenbegründung: Der Johannesadler erinnert an den Schutzpatron der schon im 11. Jahrhundert als Kapelle gegründeten Sandstedter Kirche. Der Lindenzweig ist dem Wappen des früher im Dorf ansässigen Junkergeschlechts „Witmar“ entlehnt, und der wellige Balken weist auf die Weser hin.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

BauwerkeBearbeiten

  • Die St.-Johannis-Kirche in Sandstedt wurde im Kern um 1420 erbaut, aber Anfang des 17. Jahrhunderts teilweise abgetragen und 1609–1613 aus den alten Mauerziegeln und Sandsteinquadern neu errichtet. Die Fresken im Inneren stammen aus dem 15. Jahrhundert. Die charakteristische Drehung der Turmspitze beruht auf einem Konstruktionsfehler.[11][12]
  • Hermann-Allmers-Heim in Rechtenfleth[13]
  • Historisches Oberfeuer Sandstedt: Es wurde während einer von 1896 und 1898 durchgeführten Neubefeuerung der Weser errichtet. Dabei wurden zahlreiche weitgehend standardisierte Leuchttürme zwischen Bremen und Bremerhaven aufgestellt. Anlass hierfür war eine Korrektur der Weserverlaufs während der Jahre 1887 bis 1895. Sie hat es auch größeren Schiffen wieder möglich gemacht, Bremen anzulaufen.[14] Eine weitere Korrektur der Linienführung des Weserfahrwassers wurde von 1973 bis 1979 durchgeführt und machte es erforderlich, dass das Feuer 1981 durch einen neuen Feuerträger ersetzt wurde. Nach einer Sanierung des Bauwerks ging das historische, heute denkmalgeschützte Oberfeuer am Fährzubringer (Schnellfähre Brake–Sandstedt)[15] in den Besitz der Gemeinde Sandstedt (heute Gemeinde Hagen im Bremischen) über.
  • Der denkmalgeschützte Gartenfriedhof in Rechtenfleth mit dem Mausoleum des Dichters Johann Hermann Joppert (1828–1878) in Form einer neugotischen Kapelle und vier weiteren großen Familiengruften, darunter die von Hermann Allmers.[16]

BaudenkmaleBearbeiten

Siehe: Liste der Baudenkmale in Sandstedt

Regelmäßige VeranstaltungenBearbeiten

  • In jedem Jahr findet am Himmelfahrtstag in Sandstedt das Hafenfest statt
  • Die Ortschaft Rechtenfleth feiert jährlich am 1. Mai unter dem Motto „Maibaum Spezial“ ein großes Maibaumfest
  • In der Nachbarortschaft Aschwarden zum Ortsteil Wurthfleth wird jährlich am 1. Mai das Mühlenfest gefeiert
  • Der Ortsteil Offenwarden hat am ersten Wochenende im August ein Schützenfest zu bieten
  • Ein fester Bestandteil, seit 10 Jahren jeweils am Pfingstwochenende, ist das Agilityturnier der Weser-Ems Hoppers.[17] Es zählt mittlerweile zum größten Hundesportturnier dieser Art im gesamten Bundesgebiet.

LuftbilderBearbeiten

Wirtschaft und VerkehrBearbeiten

WirtschaftBearbeiten

Die Ortschaft ist vorwiegend geprägt durch die Landwirtschaft (überwiegend Milchviehwirtschaft) sowie zunehmend durch den Tourismus. In Sandstedt und Rechtenfleth finden sich zwei gemeindeeigene Campingplätze und in Sandstedt ein Wohnmobil-Stellplatz mit Ver- und Entsorgungseinrichtungen. Ferienwohnungen sind vereinzelt zu finden. Der Tagestourismus geht zumeist von den Räumen Bremerhaven und Bremen sowie der anderen Weserseite (Landkreis Wesermarsch/Raum Oldenburg) aus.

Der Gemeinderat Sandstedt hatte 2008 beschlossen, dass sich auf Sandstedter Gebiet an der Abfahrt der A 27 die Firma Dekonta eine Wäscherei ansiedeln kann, die auch Wäsche aus einer kerntechnischen Anlage behandelt.[18] Dagegen hat sich eine Bürgerinitiative gebildet.[19] 2008 hat die Firma der Kommune mitgeteilt, dass sie auf den Bau der Wäscherei verzichtet.[20]

Ansässige UnternehmenBearbeiten

An der Autobahnabfahrt Sandstedt der A 27 betreibt die Firma Grube Land- und Umwelttechnik ein Kompostwerk.

MedienBearbeiten

Über die Ortschaft Sandstedt berichten die Nordsee-Zeitung mit einer achtseitigen Ausgabe für den Landkreis Cuxhaven (früher Regionalbeilage „Cuxhavener Kreisanzeiger“) sowie der Weser-Kurier mit der Regionalbeilage „Osterholzer Kreisblatt“ und die Bremer Nachrichten mit der Regionalbeilage „Die Norddeutsche“. In der Gemeinde Hagen im Bremischen erscheint vierteljährlich die Heimatzeitung „Unter der Staleke“.

VerkehrBearbeiten

 
Schnellfähre Kleinsiel an der Fährrampe in Sandstedt
 
Sportboothafen im Ortsteil

Sandstedt hat über die Anschlussstelle Hagen direkten Zugang zur A 27 BremenBremerhaven. Die Schnellfähre Brake–Sandstedt verbindet den Ort mit dem anderen Ufer der Weser.[15] Man hat von dort Zugang zu Brake (Unterweser) und weiter nach Oldenburg. Im Norden befindet sich der Wesertunnel mit Zugang nach Nordenham.

Sandstedt liegt im Gebiet des Verkehrsverbundes Bremen-Niedersachsen (VBN). Die Buslinie 570 stellt werktags eine Verbindung zum Bremerhavener Hauptbahnhof her.

Der nächste Bahnhof ist Brake (Unterweser) an der Bahnstrecke Hude–Blexen, auf der anderen Seite der Weser gelegen. In Sandstedt befindet sich ein Sportboothafen. Von 1911 bis 1964 war der Ort an die Kleinbahnstrecke der Niederweserbahn angeschlossen.

Öffentliche EinrichtungenBearbeiten

AllgemeinBearbeiten

In Sandstedt befindet sich ein Gemeindebüro.

Bildung, SozialesBearbeiten

Im Ortsteil Wersabe gab es eine kleine Grundschule, die eine erste und eine zweite Klasse beherbergte. Sie wurde 2008 geschlossen. Heute beherbergt das ehemalige Schulgebäude die Kindertagesstätte Wersabe.

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter des OrtesBearbeiten

Personen, die mit dem Ort in Verbindung stehenBearbeiten

  • Friedrich Eickenrodt (1808–1881), lutherischer Theologe, 1865 Pastor und Superintendent in Sandstedt
  • Hermann Allmers (1821–1902), Heimatdichter, lebte im eingemeindeten Ort Rechtenfleth, wo heute das Hermann-Allmers-Heim unter Denkmalschutz steht
  • Assia Cunego (* 1983), italienische Harfenistin, hat in Sandstedt in einem ehemaligen Hotel am Weserdeich eine Harfenschule mit Internat eröffnet

Sagen und LegendenBearbeiten

  • Der Heuersche Kolk
  • Das Spukhaus im Forkenmoor
  • Die Gründung der Kirche zu Wersabe
  • Die Räuberbande im Wersabeer Moor

(Quelle:[21])

LiteraturBearbeiten

  • Fritz Hörmann u. a.: Flurnamensammlung Wesermünde – Die Flurnamen des Grundsteuerkatasters von 1876. Hrsg.: Kulturstiftung der Kreissparkasse Wesermünde (= Sonderveröffentlichungen der „Männer vom Morgenstern“ Heimatbund an Elb- und Wesermündung e. V. Band 27). Männer vom Morgenstern Verlag, Bremerhaven 1995, ISBN 3-931771-27-X (Digitalisat (Memento vom 26. Oktober 2007 im Internet Archive) [PDF; 431 kB; abgerufen am 15. März 2019] S. 18).

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Gesetz über den Zusammenschluss der Gemeinden Sandstedt, Rechtenfleth, Offenwarden und Wersabe zur Einheitsgemeinde Sandstedt. Sandstedt 28. Juni 1968.
  2. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 248.
  3. Niedersächsische Staatskanzlei (Hrsg.): Gesetz über die Neubildung der Gemeinde Hagen im Bremischen, Landkreis Cuxhaven. Niedersächsisches Gesetz- und Verordnungsblatt (Nds. GVBl.). Nr. 10/2013. Hannover 19. Juni 2013, S. 162 (Digitalisat [PDF; 153 kB; abgerufen am 26. September 2018] S. 6).
  4. Ulrich Schubert: Gemeindeverzeichnis Deutschland 1900 – Landkreis Geestemünde. Angaben vom 1. Dezember 1910. In: www.gemeindeverzeichnis.de. 3. Februar 2019, abgerufen am 12. April 2019.
  5. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Landkreis Wesermünde (→ Siehe unter: Nr. 73). (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Amtliches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Endgültige Ergebnisse nach der Volkszählung vom 13. September 1950. Band 33. W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart/Köln 1950, S. 52, Sp. 2 (Digitalisat [PDF; 26,4 MB; abgerufen am 27. April 2019] Landkreis Wesermünde, S. 61).
  7. a b Bevölkerungszahlen. In: Internetseite Landesamt für Statistik Niedersachsen (LSN). Abgerufen am 24. Februar 2018.
  8. Gemeinden in Deutschland nach Fläche und Bevölkerung. (XLSX; 895 kB) → Siehe unter: Nr. 1931. In: Internetseite Destatis. Statistisches Bundesamt, 31. Dezember 1975, abgerufen am 12. Juni 2019.
  9. Ortsvorsteher. In: Internetseite der Gemeinde Hagen im Bremischen. Abgerufen am 28. Mai 2019.
  10. a b Landkreis Wesermünde (Hrsg.): Wappen des Landkreises Wesermünde. Grassé Offset Verlag, Bremerhaven/Wesermünde 1973, ISBN 3-9800318-0-2.
  11. Internetseite der Ev.-luth. Kirchengemeinde St. Johannis Sandstedt. Abgerufen am 24. Februar 2018.
  12. Georg Dehio, Gerd Weiss (Bearb.): Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Bremen/Niedersachsen. Hrsg.: Dehio Vereinigung. 2. Auflage. Deutscher Kunstverlag (DKV), München 1992, ISBN 3-422-03022-0, S. 1160.
  13. Hermann Allmers. In: Internetseite der Hermann-Allmers-Gesellschaft e. V. Abgerufen am 24. Februar 2018.
  14. Maike und Malte Werning: Porträt des Oberfeuers Sandstedt. In: Internetseite Online-Archiv der Leuchttürme. Abgerufen am 24. Februar 2018.
  15. a b Schnellfähre Brake-Sandstedt. In: Internetseite Schnellfähre Brake-Sandstedt GmbH & Co. KG. Abgerufen am 24. Februar 2018.
  16. Norbert Fischer: Der Historische Gartenfriedhof in Rechtenfleth. In: Internetseite „Ohlsdorf“ – Zeitschrift für Trauerkultur. August 2008, abgerufen am 24. Februar 2018 (Nr. 102, III).
  17. Internetseite der Weser-Ems Hoppers. Abgerufen am 24. Februar 2018.
  18. Luise Bär: Esenshamm für immer abschalten. In: Internetseite Weser Kurier. 31. März 2011, abgerufen am 24. Februar 2018.
  19. Internetrepräsentanz der Bürgerinitiative GEDA. Abgerufen am 24. Februar 2018.
  20. Luise Bär: Gemeinden auf der rechten Weserseite nicht gefragt. In: Internetseite des Weser Kurier (Osterholzer Kreisblatt). 14. Oktober 2013, abgerufen am 24. Februar 2018.
  21. Eberhard Michael Iba (Hrsg.): Hake Betken siene Duven. Das Sagenbuch von Elb- und Wesermündung (= Sonderveröffentlichungen der Männer vom Morgenstern, Heimatbund an Elb- und Wesermündung. Band 16). 3. Auflage. Männer vom Morgenstern Verlag, Bremerhaven 1999, ISBN 3-931771-16-4 ([eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche ]).