Hauptmenü öffnen
Saltriovenator
Aufgefundene Fossilien von Saltriovenator und Rekonstruktion

Aufgefundene Fossilien von Saltriovenator und Rekonstruktion

Zeitliches Auftreten
Unterjura (Sinemurium)
199,3 bis 190,8 Mio. Jahre
Fundorte
Systematik
Dinosaurier (Dinosauria)
Echsenbeckensaurier (Saurischia)
Theropoda
Ceratosauria
Saltriovenator
Wissenschaftlicher Name
Saltriovenator zanellai
Dal Sasso, Maganuco, Cau, 2018
Arten
  • Saltriovenator zanellai

Saltriovenator zanellai (Jäger aus Saltrio plus dem Nachnamen des Erstentdeckers) ist ein mittelgroßer in Italien gefundener Theropode aus der Gruppe der Ceratosauria.[1]

Inhaltsverzeichnis

BeschreibungBearbeiten

 
Noch nicht präparierter Fund im Mailänder Museum (2015)

Saltriovenator wurde in Oberitalien, in der Provinz Varese, nahe der Gemeinde Saltrio in der Saltrio-Formation gefunden, welche dem Sinemurium (Unterjura) zugeordnet werden kann.[2][3] Der Fossiliensucher Angelo Zanella fand erste Knochen im Jahr 1996.[4] Der Name wurde im Jahr 2001 von Dalla Vecchia gegeben und bezieht sich auf den vorher von Cristiano Dal Sasso gegebenen Spitznamen "saltriosaur", welcher sich auf die Formation bezieht, in der das Tier gefunden wurde.[5][6] Von dem einzigen bekannten Exemplar (MSNM V3664) liegen etwa 10 % des Skeletts vor. Dieses umschließt einen seitlichen Zahn (45 mm lang), Rippen- und Schulterblattfragmente, ein Schlüsselbein, Oberarmknochen (Humeri), Mittelhand (Metacarpalia)- und Fingerknochen (Phalangen), sowie andere Teile der Hand, ein Wadenbein und anderes (alles in allem sind es präpariert 132 Knochen[4]).[7][2] Die Länge von Saltriovenator wird auf 8 Meter geschätzt.[6][7][8] Die Funde befinden sich im Mailänder Naturkunde- und Geschichtsmuseum, dem Museo Civico di Storia Naturale di Milano.[4]

PaläohabitatBearbeiten

Saltriovenator lebte im Jurazeitalter, was oft als Zeit angesehen wird in der Europa größtenteils von der Tethys überschwemmt war. Laut Dal Sasso ist dies jedoch zumindest für den Lebensraum von Saltriovenator falsch. Seiner Meinung nach konnte ein so großes Tier aufgrund seines Nahrungsbedarfs nicht auf kleinen Inseln überleben. Da er vermutet, dass Saltriovenator an der Spitze einer komplexen und terrestrischen Nahrungskette stehen musste, geht er davon aus, dass es im Unteren Jura noch eine Verbindung von Laurasia zum Gondwanaland gab, mit der die Existenz solcher Tiere zu erklären wäre.[6]

SystematikBearbeiten

Die genaue systematische Stellung von Saltriovenator war zunächst unsicher. Zu Beginn war nur die Einordnung in die Gruppe Theropoda relativ sicher.[2] Dal Sasso hat Saltriovenator aufgrund des Vorhandenseins eines Gabelbeins den Tetanurae zugeordnet.[3] Später hielt er es auch für möglich, dass Saltriovenator ein Carnosaurier war.[9][10] Benson sah Dal Sassos Argumentation als fragwürdig an. Es könnte sich seiner Meinung nach auch um ein Mitglied der Coelophysoidea handeln.[11] Schließlich besitzen auch diese Gabelbeine.[12][13][14] Die abgeschlossene Präparation der Funde lassen eine Einordnung in die vierfingrigen Ceratosauria zu.[4] Nach Einschätzung von Simone Maganuco, Paläontologe am Mailänder Museum, war das Tier noch nicht ausgewachsen und lässt neue Schlussfolgerungen über die Entwicklung hin zu den dreifingrigen Theropoden zu.[1]

WeblinksBearbeiten

  Commons: Saltriovenator fossils – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Cristiano Dal Sasso, Simone Maganuco, Andrea Cau: The oldest ceratosaurian (Dinosauria: Theropoda), from the Lower Jurassic of Italy, sheds light on the evolution of the three-fingered hand of birds. PeerJ 6:e5976 doi:10.7717/peerj.5976
  2. a b c Matthew T. Carrano, Roger B. J. Benson, Scott D. Sampson: The phylogeny of Tetanurae (Dinosauria: Theropoda). In: Journal of Systematic Palaeontology. Band 10, Nr. 2, 2012, ISSN 1477-2019, S. 211–300, hier S. 262, doi:10.1080/14772019.2011.630927.
  3. a b Cristiano Dal Sasso: Dinosauri italiani. Marsilio Editori, Venezia, 2001, ISBN 88-317-7554-5.
  4. a b c d Laura Geggel: “Miracle” Dinosaur Whose Bones Survived Being Blown Up Discovered in Italian Alps und Photos: Carnivorous Dinosaur Discovered in Italian Alps, beide veröffentlicht am 19. Dezember 2018 auf www.livescience.com; abgerufen am 20. Dezember 2018.
  5. Cristiano Dal Sasso: A new theropod dinosaur from the Lower Jurassic of Italy, Saltriosaurus. In: Dino Press. Band 3, 2001, ZDB-ID 2639108-9, S. 81–87.
  6. a b c Cristiano Dal Sasso: Update on Italian dinosaurs. In: 6th European Workshop on Vertebrate Palaeontology. Florence and Montevarchi (Italy). September 19–22, 2001. Abstract Volume. The University of Florence, Florenz 2001, S. 27, digilander.libero.it Digitalisat (PDF; 358 kB).
  7. a b The Theropod Database, Saltriosaurus (Memento des Originals vom 29. September 2013 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/archosaur.us
  8. Andrea Cau, Simone Maganuco, Cristiano Dal Sasso: The oldest ceratosaurian (Dinosauria: Theropoda), from the Lower Jurassic of Italy, sheds light on the evolution of the three-fingered hand of birds. In: PeerJ. Band 6, 19. Dezember 2018, ISSN 2167-8359, S. e5976, doi:10.7717/peerj.5976, PMID 30588396.
  9. Cristiano Dal Sasso: Dinosaurs of Italy. In: Comptes Rendus Palevol. Band 2, Nr. 1, 2003, ISSN 1631-0683, S. 45–66, doi:10.1016/S1631-0683(03)00007-1.
  10. Cristiano Dal Sasso: Dinosaurs of Italy. Indiana University Press, Bloomington IN u. a. 2004, ISBN 0-253-34514-6.
  11. Roger B. J. Benson: The osteology of Magnosaurus nethercombensis (Dinosauria, Theropoda) from the Bajocian (Middle Jurassic) of the United Kingdom and a re-examination of the oldest records of tetanurans. In: Journal of Systematic Palaeontology. Band 8, Nr. 1, 2010, S. 131–146, doi:10.1080/14772011003603515.
  12. Oliver W. M. Rauhut: The interrelationships and evolution of basal theropod dinosaurs (= Special Papers in Palaeontology. Band 69). The Palaeontological Association, London 2003, ISBN 0-901702-79-X.
  13. Adrian P. Hunt, Spencer G. Lucas, Larry F. Rinehart: Furculae in the Late Triassic theropod dinosaurCoelophysis bauri. In: Paläontologische Zeitschrift. Band 81, Nr. 2, Juni 2007, ISSN 0031-0220, S. 174–180, doi:10.1007/BF02988391.
  14. Ronald S. Tykoski, Catherine A. Forster, Timothy Rowe, Scott D. Sampson, Darlington Munyikwa: A furcula in the coelophysoid theropod Syntarsus. In: Journal of Vertebrate Paleontology. Band 22, Nr. 3, 2002, ISSN 0272-4634, S. 728–733, doi:10.1671/0272-4634(2002)022[0728:AFITCT]2.0.CO;2.