SWR Big Band

Big Band

Die SWR Big Band ist die Big Band des Südwestrundfunks (SWR) in Stuttgart und wurde 1951 von Erwin Lehn als „Südfunk-Tanzorchester“ gegründet. Der Klangkörper hat sich von einem Unterhaltungsorchester zu einem künstlerischen Ensemble entwickelt. Die SWR Big Band arbeitet dabei regelmäßig mit renommierten Solisten und Arrangeuren zusammen. Mit über 40 Konzerten pro Jahr deckt die SWR Big Band ein Spektrum von Jazz über Fusion bis hin zu Weltmusik und Pop ab.[1]

Die SWR Big Band während der Abschlussveranstaltung zur Bundesgartenschau 2011 in Koblenz

Geschichte

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Ursprung als Tanzorchester

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Der Süddeutsche Rundfunk plante Anfang der 1950er Jahre, ein Tanzorchester aufzubauen und nahm dafür Erwin Lehn unter Vertrag, der am 1. April 1951 offiziell die Leitung des Ensembles übernahm.

Lehn war es ein großes Anliegen, auch Jazz ins Repertoire aufzunehmen. Das Repertoire des Tanzorchesters reichte nun von Operettenklängen über kommerzielle Tanzmusik bis zum experimentellen Jazz.

Unterhaltungsmusik, Kammermusik und zeitgenössischer Jazz

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Zur Rundfunkarbeit kamen erfolgreiche Tourneen und Veranstaltungen hinzu. 1955 trat die SDR-Bigband beim Deutschen Jazz-Festival in Frankfurt und bei der Konzertreihe „Treffpunkt Jazz“ mit internationalen Jazz-Größen in Stuttgart auf. In diesem Rahmen begleitete das Orchester unter anderem Lester Young, Stan Getz, Benny Goodman, Chet Baker und Miles Davis.[1]

Wenig später trat das Südfunk-Tanzorchester im Pariser „Palais Chaillot“ und auf der Weltausstellung in Brüssel auf.[2]

Bei den vom Süddeutschen Rundfunk initiierten „Wochen der leichten Musik“ trat die SDR Bigband mit Uraufführungen auf und spielte Unterhaltungsmusik, Jazz und Kammermusik.[3]

Eine enge Bindung bestand zu Caterina Valente, mit der die SDR Bigband schon vor ihrem großen Durchbruch Aufnahmen machte.

Radio- und TV-Produktionen

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Bis in die 1980er Jahre strahlte der Süddeutsche Rundfunk am Samstagnachmittag Unterhaltungssendungen mit Lehn und dem Südfunk-Tanzorchester aus. Außerdem übernahm das Orchester auch in zahlreichen Quizsendungen von Hans Rosenthal den musikalischen Part. Anhaltenden Erfolg hatte auch die Konzertreihe „Swing-Legenden“, bei der die Band von Max Greger, Paul Kuhn, Bill Ramsey und Hugo Strasser begleitet wurde.[4]

Das Ende der Erwin Lehn-Ära

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Ende der 1980er Jahre wurden die finanziellen Mittel für das Tanzorchester stark gekürzt. 1992 entschloss sich Lehn nach 40 Jahren, die Leitung des Orchesters abzugeben.[2]

Seitdem ist die Formation ohne festen Leiter und tritt mit wechselnden Dirigenten bzw. Musical Directors auf. Mit der Fusion des Süddeutschen Rundfunks (SDR) mit dem Südwestfunk (SWF) zum Südwestrundfunk (SWR) 1998 wurde das Ensemble von SDR-Bigband in SWR Big Band umbenannt.[5]

Magnus Lindgren als Artist in Residence

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Seit 2018 ist der schwedische Jazzmusiker Magnus Lindgren der erste Artist in Residence der SWR Big Band. Mit dem Programm entsteht ein Austausch zwischen verschiedenen Kulturen und damit auch neue musikalische Projekte, unter anderem die TV-Produktion Lights On mit Larry Carlton sowie die Alben Transitions und Bird Lives.[6]

Zum 70-jährigen Bestehen der SWR Big Band leitete 2022 Magnus Lindgren als Musical Director das Konzert „DAS HEIMSPIEL“ mit vielen renommierten Gästen. Es traten unter anderem Till Brönner, Fools Garden, Max Mutzke, Onita Boone, Joo Kraus und John Beasley auf.[7]

Feste Bandsängerin ist Fola Dada, mit der die Band seit 2012 regelmäßig in Erscheinung tritt und zahlreiche Alben aufgenommen hat.

Musikvermittlung

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Neben der regulären künstlerischen Arbeit, engagiert sich die SWR Big Band im Bereich Nachwuchsförderung und Musikvermittlung. So führt die Big Band seit 2010 Workshops und Konzerte für Schul-Bigbands in Schulen und im SWR-Studio durch. Zudem richtet die SWR Big Band regelmäßig in Kooperation mit dem Bund Deutscher Blasmusikverbände das „Big Band Boot Camp“ aus.[8]

Ensemble

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Aktuelle Besetzung

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Die SWR Big Band ist bis dato (Stand 2024) ein reines Männerensemble geblieben.[9]

Ehemalige Mitglieder

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Gast-Solisten

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Die Big Band tritt bei Jazz-Produktionen regelmäßig mit renommierten Solisten in Erscheinung, darunter Toshiko Akiyoshi, Bill Holman, Don Menza, Bob Mintzer, Gregory Porter, John Beasley, Onita Boone, Curtis Stigers, Chris Potter, Melissa Aldana, Paula Morelenbaum oder Themba Mkhize und Paul Carrack. Zu den europäischen Solisten gehören Ralf Hesse, Fola Dada, Joo Kraus, Max Mutzke und Ida Sand.[1]

Arrangeure

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Die SWR Big Band arbeitet regelmäßig mit bekannten Arrangeuren zusammen, darunter Callum Au, Chris Walden, Ivan Lins, Maria Schneider, Joe Gallardo, Hugo Candelario, Ralf Schmid, und Torsten Maaß.

Auszeichnungen

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2002, 2003, 2004, 2009 und 2022 wurde die Band mehrmals für die Grammy Awards nominiert (u. a. in der Kategorie Best Large Ensemble).[10]

Im Jahr 2011 stand die SWR Big Band mit dem Album „Bossarenova“ als erste deutsche Band auf der Longlist des „Prêmio da Música Brasileira“, dem bedeutendsten Musikpreis Brasiliens.[1] Für das Album „Public Jazz Lounge“ gewann die SWR Big Band 2015 den German Jazz Award Gold.[11]

2022 wurde „Das Heimspiel“ der SWR Big Band als Beste Rundfunkproduktion des Jahres für den Deutschen Jazzpreis nominiert.[12] Im Jahr 2023 gewann SWR-Big-Band-Arrangeur John Beasley eine Grammy-Auszeichnung für das beste Instrumental- oder A-cappella-Arrangement für den Titel Scrapple from the Apple aus dem SWR Big Band Album Bird Lives.[13]

2024 wurde das Album „It Is What It Is“ für den Preis der Deutschen Schallplattenkritik nominiert.[14]

Diskografie (Auswahl)

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  • Slide Hampton – Jazz Matinee – Slide Hampton, Faszination Musik (Nomination Grammy Best Large Ensemble)
  • Goldener Meilenstein – Bob Florence, CK Records (Nomination Grammy Best Arrangement Take The A-Train)[15]
  • So Very Rob (Boss Brass Revisited) – Rob McConnell, Hänssler, Faszination Musik (Nomination Grammy Best Arrangement Autumn in New York)
  • No Time Like The Present – Sammy Nestico, SWR Music, Hänssler Classic
  • Public Jazz Lounge – Joo Kraus (Public Jazz Award Gold)
  • Basie Cally Sammy: The Music Of Count Basie And Sammy Nestico – Sammy Nestico, Hänssler Classic, SWR Music
  • Winter Wonderland – Paul Carrack, Carrack-UK
  • Voyage – Don Menza, SWR Music, Hänssler Classic
  • A Fresh Taste Of Thad Jones And Frank Foster – Frank Forster, Thad Jones, SWR Music, Hänssler Classic
  • Bossarenova – Paula Morelenbaum, Ralf Schmid, Skip Records (Longlist Premio da Música Popular Brasileira)
  • Fun Time – Sammy Nestico, SWR Music, Hänssler Classic (Nomination Grammy Best Large Ensemble)
  • Shosholoza – Themba Mkhize, Skip Records
  • Rhapsody In Swing – Dresden Philharmonic, Wayne Marshall, Ellington, Gershwin, Nestico, SWR Music, Hänssler Classi
  • Fola Dada – Kings Of Swings Op. 1 – Fola Dada, Hänssler Classic, SWR Music
  • Cornucopia – Ivan Lins, Mooscius Records
  • Hommage À Eberhard Weber – Eberhard Weber, Pat Metheny, Jan Garbarek, Gary Burton, Scott Colley, Danny Gottlieb, Paul McCandless, Michael Gibbs, Helge Sunde, ECM Records
  • Public Jazz Society – Joo Kraus, Skip Records
  • A Cool Breeze With Sammy Nestico – Sammy Nestico, SWR Music
  • Lights On – Larry Carlton, 335 Records, SWR (Auch DVD)
  • Live At Elbphilharmonie Hamburg – Fola Dada, SWR Music
  • True Italian Stories – Giovanni Costello, Fine Music
  • Another Side Of Paul Carrack – Paul Carrack, Carrack-UK (Auch DVD)
  • Bird Lives – John Beasley, Magnus Lindgren, Chris Potter, Camille Bertault, Tia Fuller, Joe Lovano, Miguel Zenon, Charles McPherson, Strings, ACT (Grammy Best Arrangement, Nominierung für Best Large Ensemble, Best Jazz Solo)
  • Transitions – Magnus Lindgren, SWR Music (TV-Produktion)
  • Soul Encounter – Ola Onabulé, SWR Music
  • As We Speak – Fola Dada, SWR Music
  • Music Written By Real Life – Torsten Maaß, SWR Music
  • Donʼt Wait Too Long (LP & CD) – Paul Carrack, SWR Media, Carrack-UK
  • „Jazzfieber – The Story of German Jazz (Dokumentarfilm)“[4]
  • „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm (2018)“ – Gesamte Filmmusik[16]
  • „Ich bin dein Mensch (2021)“ – Filmmusik „Putting On The Ritz“[17]
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Commons: SWR Big Band – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. a b c d e f Die SWR Big Band. In: SWR.de. 14. März 2023, abgerufen am 23. Mai 2024.
  2. a b Hans-Jürgen Finger: Erwin Lehn "German Jazz Hurricane". 21. April 2022. (@1@2Vorlage:Toter Link/www.swr.deBiografie Erwin Lehn (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Mai 2024. Suche in Webarchiven))
  3. Studienkreis Rundfunk und Geschichte. In: rundfunkundgeschichte.de. Abgerufen am 21. Mai 2024.
  4. a b "Jazzfieber - The Story of German Jazz". In: SWR.de. 7. September 2023, abgerufen am 5. Januar 2024.
  5. 70 Jahre SWR Big Band. In: jazzreportagen.com. 26. März 2022, abgerufen am 22. März 2024.
  6. Magnus Lindgren - Im Porträt. In: SWR.de. SWR Kultur, 27. Februar 2023, abgerufen am 12. Oktober 2023.
  7. Heimspiel: 70 Jahre SWR Big Band. In: SWR.de. SWR Kultur, 11. Oktober 2022, abgerufen am 22. März 2024.
  8. Bewerbung live@school 2023/2024. In: SWR.de. SWR Kultur, 23. Mai 2024, abgerufen am 23. Mai 2024.
  9. Die SWR Big Band. In: swr.de. 19. April 2024, abgerufen am 21. April 2024.
  10. SWR Big Band. In: grammy.com. Abgerufen am 29. Februar 2024 (englisch).
  11. SWR Big Band erhält Jazz Award. In: SWR.de. SWR Kultur, 17. November 2015, abgerufen am 3. Oktober 2023.
  12. RUNDFUNKPRODUKTION DES JAHRES. In: deutscher-jazzpreis.de. Deutscher Jazzpreis, abgerufen am 5. Januar 2024.
  13. Grammy Awards. In: grammy.com. Grammy, abgerufen am 11. April 2024.
  14. Schallplattenkritik. In: schallplattenkritik.de. 5. April 2024, abgerufen am 11. April 2024.
  15. SWR Big Band - Discography. In: discogs.com. Discogs, abgerufen am 11. April 2024.
  16. Geschäftsbericht 2018 Programmdirektion Kultur. In: SWR.de. SWR, 5. August 2019, abgerufen am 11. April 2024.
  17. I'M YOUR MAN. In: mongrel media. 2021, abgerufen am 19. April 2024.