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SMS Seeadler (Schiff, 1892)

Ungeschützter Kreuzer IV. Klasse der Kaiserlichen Marine, 1917 auf der Jade gesunken
Deutsches ReichDeutsches Reich (Reichskriegsflagge)
SMS Seeadler im Jahre 1893 in New York
SMS Seeadler im Jahre 1893 in New York
Baudaten
Schiffstyp Kleiner Kreuzer
(Ungeschützter Kreuzer)
Schiffsklasse Bussard-Klasse
Baubezeichnung: Ersatz Adler
Bauwerft: Kaiserliche Werft in Danzig
Bau-Nr.:
Kiellegung: 1890
Stapellauf: 2. Februar 1892
Fertigstellung: 1892
Umbau: 1898–99
Baukosten: 2,46 Mio Mark
Schiffsmaße
Vermessung:
vor Umbau
1028 BRT
468 NRT
Vermessung:
nach Umbau
1049 BRT
472 NRT
Wasserverdrängung: Konstruktion: 1612 t
Maximal: 1864 t
nach Umbau: 1887 t
Länge der Wasserlinie:
Länge über alles:
LKWL: 79,6 m
Lü.a.: 82,6 m
Breite: KWL: 10,5 m
über alles: 12,7 m
Tiefgang: 4,42 – 5,35 m
Seitenhöhe: 6,42 m
Technische Daten
Kesselanlage: 4 Zylinderkessel
Maschinenanlage: 2 liegende 3-Zylinder-
Dreifachexpansions-Dampfmaschinen
Anzahl der Propeller: 2 dreiflügelig 3 m
Wellendrehzahl: 134/min
Antriebsleistung: 2888 PSi
Geschwindigkeit: 16,9 kn
Fahrbereich: 2950 sm bei 9 kn
nach Umbau: 3040 sm
Treibstoffvorrat: 205 – 315 t Kohle
nach Umbau: 340 t
Takelung: Schonerbark
nach Umbau: Toppsegelschoner
Großmast: Dreieckssegel
Besatzung: 9 Offiziere und 152 Mann
nach Umbau: 157 Mann
Bewaffnung
Seezielgeschütze: 8 Sk - 10,5 cm L/35
800 Schuss, 108 hm
5 Rev – 3,7 cm
Torpedorohre
35 cm:
2 an Deck
Verbleib
Ab 1914 Minenhulk in Wilhelmshaven
19. April 1917 durch Explosion zerstört

SMS Seeadler war ein Kleiner Ungeschützter Kreuzer IV. Klasse der Kaiserlichen Marine, das dritte von sechs Schiffen der zwischen 1890 und 1894 gebauten Bussard-Klasse. Schwesterschiffe waren Bussard, Falke, Condor, Cormoran und Geier.

Inhaltsverzeichnis

Die Bussard-KlasseBearbeiten

Die Bussard-Klasse war konzipiert für den Einsatz in den deutschen Überseekolonien. Die Kreuzer hatten eine besonders große Bunkerkapazität, um genügend Kohle für lange Einsätze mitführen zu können, und waren mit einer Segeltakelage ausgestattet, um auf langen Reisen Brennstoff zu sparen. Sie waren sehr seetüchtig, aber ihre seitlich montierten Geschütze zwangen sie bei hohem Seegang zur Fahrtdrosselung.

Die Schiffe waren 76 m lang und 10 m breit und hatten 4,8 m Tiefgang. Die beiden ersten, Bussard und Falke, verdrängten 1.570 Tonnen, die anderen vier 1.630 Tonnen. Sie waren mit acht 10,5 cm Geschützen und fünf 3,7 cm Revolverkanonen bewaffnet und liefen 15 Knoten. Die Sollstärke der Besatzung betrug 165 Mann.

GeschichteBearbeiten

 
Die Seeadler im Hafen von Daressalam, Deutsch-Ostafrika

Die Seeadler lief am 2. Februar 1892 bei der Kaiserlichen Werft in Danzig als Kaiseradler vom Stapel, wurde aber schon am 27. Juni 1892 in Seeadler umbenannt, da nach dem Stapellauf der Hohenzollern die alte kaiserliche Jacht den Namen Kaiseradler erhielt.

Nach Indienststellung am 15. März 1893 wurde das Schiff zusammen mit der ebenfalls neuen Kreuzerkorvette Kaiserin Augusta nach New York zum Columbian Naval Review anlässlich der 400-Jahr-Feier der Entdeckung Amerikas geschickt. Die schnelle Kaiserin Augusta traf die Seeadler kurz vor Halifax und musste sie wegen Kohlemangels in Schlepp nehmen, da die Seeadler unter Segel zu spät angekommen wäre. Beide Schiffe liefen am 26. April in die Hampton Roads ein und dann weiter nach New York.

Erste Auslandsdienstzeit 1893–1898Bearbeiten

Nach Ende der Feierlichkeiten wurde die Seeadler am 13. Mai zur Ablösung des seit dort 1888 stationierten Kreuzers Schwalbe auf die Ostafrikastation entsandt. Sie kam am 2. September 1893 in Sansibar an und versah dann bis Anfang Mai 1898 Stationsdienst in Ostafrika, mit einer kurzen Unterbrechung von April bis Mai 1896 in Deutsch-Südwestafrika. Im Oktober 1896 wurde Chalid ibn Barghasch, der ehemalige Sultan von Sansibar, der nach dem 38-minütigen Britisch-Sansibarischen Krieg im deutschen Konsulat Asyl vor den Briten suchte, an Bord der Seeadler von dort entfernt; dies wurde von der New York Times als ein Affront gegen England bezeichnet.[1] Am 26. Juni 1898 kehrte das Schiff nach Kiel zurück.

Zweite Einsatzperiode 1899–1914Bearbeiten

Das Schiff wurde im Juli 1898 außer Dienst gestellt und danach in Danzig grundüberholt. Nach neuerlicher Indienststellung am 3. Oktober 1899 wurde die Seeadler zwei Wochen später in die Südsee beordert, wo sie vom 15. November 1899 bis zum Juli 1900 in den pazifischen Inselgebieten zum Einsatz kam. Ab August 1900 wurde sie dann wegen des Boxeraufstandes ein Teil des Ostasiatischen Kreuzergeschwaders. Sie diente in China an verschiedenen Küstenorten, besuchte aber auch Japan, Korea, die Philippinen und Indonesien. Im Juni 1905 wurde sie wieder für den Stationsdienst in der Südsee freigeben. Aber gerade im Stationsgebiet angekommen, erhielt sie in Ponape neue Befehle.

Anlässlich des im Juli 1905 ausgebrochenen Maji-Maji-Aufstandes wurde der Kreuzer am 20. August 1905 zusammen mit dem Kleinen Kreuzer SMS Thetis zur Ostafrikanischen Station nach Daressalam detachiert. Seeadler traf am 1. Oktober 1905 in Daressalam ein, als der Höhepunkt der Krise bereits überschritten war. Anschließend versah das Schiff bis zum 9. Januar 1914 dort und von März bis April 1908 auch in Deutsch-Südwestafrika Stationsdienst.[2]

Im März 1914 wieder in Deutschland angekommen wurde das Schiff außer Dienst gestellt und im Mai zum Kanonenboot umklassifiziert. Auf Grund seines Alters wurde es nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs nicht mehr reaktiviert, sondern in Wilhelmshaven als Lagerhulk für Seeminen verwendet. Dort sank es nach einer Explosion an Bord am 19. April 1917 auf der Jade (Position: 53° 29′ N, 8° 12′ OKoordinaten: 53° 29′ 0″ N, 8° 12′ 0″ O). Dabei kamen 19 Mann, die sich zu dem Zeitpunkt auf dem Schiff aufhielten, ums Leben.

Siehe auchBearbeiten

Die Bucht Seeadlerhafen (auch: Port Seeadler, Seeadler harbour) der Insel Manus wurde nach dem Schiff benannt.

WeblinksBearbeiten

  Commons: SMS Seeadler (Schiff, 1892) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

FußnotenBearbeiten

  1. query.nytimes.com: An affront to England - Germany takes Said Khalid under her protection., 3. Oktober 1896, Zugriff am 30. Januar 2011
  2. Bernhard Buchholz: Erlebnisse des Maschinisten Otto Gehring von SMS „Bussard“ während des Maji-Maji-Aufstandes in Deutsch-Ostafrika. Ohne Ortsangabe. Ohne Zeitangabe. Seite 2. (online)