Ruth Moufang

deutsche Mathematikerin

Ruth Moufang (* 10. Januar 1905 in Darmstadt; † 26. November 1977 in Frankfurt am Main) war eine deutsche Mathematikerin. Sie war die erste promovierte deutsche Frau, die als Naturwissenschaftlerin in der Industrie eine Anstellung erhielt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie die erste deutsche Mathematikerin, die ein Ordinariat erhielt. Sie lehrte bis zu ihrer Emeritierung an der Johann Wolfgang Goethe-Universität zu Frankfurt am Main. Ruth Moufang war die dritte Frau in Deutschland, die im Fach Mathematik habilitiert wurde. Dank ihrer wissenschaftlichen Forschungen gingen die Begriffe Moufang-Ebene, Moufang-Identitäten und Moufang-Loop in die naturwissenschaftliche Terminologie ein.

Eine Frau lehrt die Ordensbrüder Geometrie, Allegorie basierend auf Martianus Capellas berühmtem Werk De Nuptiis Philologiae et Mercurii Buchmalerei aus einem Zyklus zwischen 1309 und 1316, Bestand der British Library, digitalisiert abrufbar.

Herkunft und FamilieBearbeiten

Ruth Moufang ist die Tochter von Eduard Moufang, promovierter Chemiker (1874–1941) aus Palermo, und seiner Ehefrau Else Moufang, geborene Fecht. Eduard Moufang ist der Sohn des Friedrich Carl Moufang (1848–1885) aus Mainz, Kaufmann in Frankfurt am Main und der Elisabeth Moufang, geb. von Moers, Tochter des Alexander Fecht (1848–1913) aus Kehl und seiner Ehefrau Ella Fecht, geb. Scholtz (1847–1921) aus Tilsit.[1] Zu Ruth Moufang's familiären Wurzeln aus einer über Generationen in Mainz ansässigen Familie zählen neben vielen bekannten Moufang Vorfahren aus dem Klerus, der Politik und der Kaufleute, auch Nicola Moufang und seine Brüder.

Gymnasialzeit und naturwissenschaftliches StudiumBearbeiten

Ruth Moufang besuchte ab 1913 das Realgymnasium in Bad Kreuznach und legte dort 1924 ihr Abitur ab. Von 1925 bis 1929 studierte Ruth Moufang Mathematik, Physik und Philosophie an der Universität Frankfurt am Main. An der Universität Frankfurt am Main legte Ruth Moufang ihr Staatsexamen im Fach Mathematik und dem Nebenfach Physik ab. Ruth Moufang war die erste weibliche Studierende im Studiengang Mathematik der Universität in Frankfurt am Main[2]

1930 wurde Ruth Moufang bei Max Dehn mit dem Thema „Zur Struktur der projektiven Geometrie der Ebene“ zum Dr. phil. nat. promoviert. Im Anschluss erhielt sie ein Stipendium nach Rom, um dort ihren Wissensbereich zu vertiefen. In den folgenden Jahren hielt sie Gastvorlesungen an den Universitäten von Frankfurt am Main und Königsberg. In dieser Zeit gelangen ihr für die synthetische Geometrie bedeutsame Entdeckungen über projektive Ebenen. Zum Beispiel zeigte sie, dass Ebenen, in denen der kleine projektive Satz von Desargues allgemeingültig ist, stets als Koordinatenebenen über einem Alternativkörper dargestellt werden können. Ihr zu Ehren nennt man diese Klasse von projektiven Ebenen Moufang-Ebenen.

Im Sommer 1936 wurde Ruth Moufang mit ihrer Schrift über Geordnete Schiefkörper an der Johann Wolfgang Goethe-Universität zu Frankfurt am Main habilitiert. Als Frau wurde ihr die Venia Legendi unter der nationalsozialistischen Regierung versagt. Deswegen arbeitete sie von 1937 bis zum Ende des Naziregimes 1945 in einem Forschungsinstitut der Firma Krupp, zunächst als wissenschaftliche Assistentin, ab 1942 als Abteilungsleiterin der Abteilung für Angewandte Mathematik und Mechanik.

Nach dem Krieg kehrte Ruth Moufang an die Goethe-Universität nach Frankfurt zurück. 1946 erhielt sie dort ihre Venia Legendi und 1951 ein planmäßiges Extraordinariat. Im Jahr 1957 wurde sie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main als ordentliche Professorin auf den Lehrstuhl für Mathematik berufen. Ruth Moufang lehrte an der Johann Wolfgang Goethe-Universität bis zu ihrer Emeritierung im Jahr 1970.

Wissenschaftliche LeistungBearbeiten

Ruth Moufang gilt als Begründerin eines neuen Forschungsgebiets, das sich mit der Untersuchung projektiver Ebenen auseinandersetzt. In diesem Kontext gelang es ihr, Geometrie und abstrakte Algebra zu verbinden.

Einen weiteren Schwerpunkt ihres Wirkens bildete im Bereich der Mechanik die angewandte Elastizitätstheorie. Die Begriffe Moufang-Ebene, Moufang-Loop und der Moufangsche Elastizitätsmotor sind mit ihr verbunden.

  • 1965 veröffentlichte die Mathematische Zeitschrift im Band 87 anlässlich des 60. Geburtstags von Ruth Moufang vierzehn Arbeiten, die ihr zu ihrem Geburtstag gewidmet wurden.[3]
  • 2006 wurde im Campus Riedberg, dem naturwissenschaftlichen Universitätsviertel am Frankfurter Riedberg, eine Straße nach Ruth Moufang benannt.
  • 2010 begründete die Goethe-Universität Frankfurt am Main den Ruth-Moufang-Fonds. Aus seinen Mitteln sollen Studentinnen und Wissenschaftlerinnen der Universität in ihren wissenschaftlichen Laufbahnen gefördert werden.[4]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Michael Toepell: Moufang, Ruth. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 18, Duncker & Humblot, Berlin 1997, ISBN 3-428-00199-0, S. 234 f. (Digitalisat).
  2. Renate Strohmeyer: Lexikon der Naturwissenschaftlerinnen und naturkundigen Frauen Europas. Verlag Harri Deutsch, ISBN 3-8171-1567-9, S. 200
  3. Technische Universität München, Fakultät für Informatik: Mathematikerinnen während der NS-Zeit - Ruth Moufang
  4. Goethe-Universität: Ruth-Moufang-Fonds (Memento vom 12. April 2013 im Webarchiv archive.today)

WeblinksBearbeiten