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Rowan West (* 1953 in Australien) ist ein Orgelbauer aus Altenahr.

LebenBearbeiten

West erlernte das Orgelspiel an der Domorgel in Sydney. Nach dem Abitur und einer Lehre zum Orgelbauer in Australien erhielt er ein Churchill-Stipendium und übersiedelte 1975 nach Mitteleuropa. Hier vertiefte er sich bei Orgelbau Klais in Bonn, wo er als Intonateur arbeitete. 1976/1977 besuchte er die Norddeutsche Orgelakademie in Bunde und befasste sich erstmals mit Orgeln der Barockzeit. In Ludwigsburg schloss er 1986 die Meisterschule ab. 1987 machte sich West nach seiner Meisterprüfung selbständig. Der Betrieb beschäftigt fünf Mitarbeiter (Stand: 2016).[1]

WerkBearbeiten

Von Anfang an bildete die norddeutsche Barockorgel einen Schwerpunkt im Wirken von Rowan West. Er schuf Orgelneubauten im Stil von Arp Schnitger und seiner Schule und restaurierte ihre Werke. In der Celler Stadtkirche St. Marien rekonstruierte West 1999 hinter dem erhaltenen Prospekt die verlorene Orgel von Berendt Hus, dem Lehrer Schnitgers. Seit 2012 restaurierte West einige Schnitger-Orgeln (Steinkirchen, Oederquart, Grasberg). In Linz und Berlin-Zehlendorf entstanden Neubauten im mitteldeutschen Stil von Gottfried Silbermann und in Prambachkirchen und Kempten Orgeln in süddeutscher Tradition des 18. Jahrhunderts. Erweitert wird das Spektrum durch Orgelneubauten in französischem Stil (Altenhagen) und im Stil von Aristide Cavaillé-Coll (Alkoven) sowie durch Restaurierungen von romantischen Orgeln des 19. Jahrhunderts (Harsefeld, Buxtehude, Eutin).

Andere Neubauten spiegeln den ostwestfälischen Stil wider: Die Orgel in der Bartholomäuskirche in Bielefeld-Brackwede orientiert sich an den Werken von Johann Patroclus Möller, dem bedeutendsten westfälischen Orgelbauer. West restaurierte die Orgel von St. Andreas (Ostönnen), der ältesten spielbaren Orgel in Deutschland. Weite Beachtung fand Rowans Rekonstruktion der Schwalbennestorgel in Lemgo, St. Marien, in den Jahren 2009/2010 hinter dem Renaissance-Gehäuse der Gebr. Slegel von 1595 mit dem originalen Scherer-Prospektpfeifen von 1613. Die fehlenden Register wurden anhand der Scherer-Orgel in Tangermünde und niederländischer Instrumente kopiert.[2]

Rowan West ist den traditionellen Handwerkstechniken im Orgelbau verpflichtet und baut Orgeln mit mechanischen Schleifladen. Bei der Pfeifenherstellung verwendet er das Sandgussverfahren und bei Holzkonstruktionen Schwalbenschwanzverbindungen. Die Massivhölzer werden wie in der Barockzeit nur mit Hobeln und nicht mit Schleifpapier bearbeitet.[3] West ist Projektpartner in dem Forschungsprojekt „Entwicklung von Maßnahmen zur Verminderung von Bleikorrosion an Orgelpfeifen aus dem 17. und 18. Jhdt.“, das von 2016 bis 2018 durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt und die Klosterkammer Hannover gefördert wird.[4]

WerklisteBearbeiten

Jahr Ort Kirche Bild Manuale Register Bemerkungen
1994 Bielefeld-Brackwede Bartholomäuskirche III/P 46 Neubau im Stil von Johann Patroclus Möller
1996 Taufkirchen an der Pram Pfarrkirche   II/P 25 Neubau im Stil von Arp Schnitger und seiner Schule[5]
1996 Altenhagen (Hagen) St. Meinolf III/P 36 Neubau im französischen Stil[6]
1996 Remagen St. Peter und Paul   II/P 18 Umbau und Erweiterung der Klais-Orgel von 1969, die als Übergangsorgel gedacht war[7]
1997 Alkoven (Oberösterreich) Pfarrkirche II/P 16 Neubau im Stil von Aristide Cavaillé-Coll hinter historischem Gehäuse[5]
1999 Celle St. Marien III/P 49 Neubau hinter dem historischen Prospekt von Berendt Hus
2001 Belum St. Vitus II/p 11 Neubau hinter historischem Prospekt von Georg Wilhelm Wilhelmy (1786)
2001–2002 Harsefeld St. Marien und Bartholomäus II/P 25 Restaurierung der Orgel von Friedrich Altendorf (1860–1861), elf Register rekonstruiert
2002 Bröckel St. Marien II/P 12 im Stile Hendrik Niehoffs, ohne ein bestimmtes Instrument zu kopieren, Bleipfeifen auf Sand gegossen und gehämmert
2000–2003 Ostönnen St. Andreas I/p 8 Restaurierung der Orgel, die in den ältesten Gehäuseteilen und Registern auf die Spätgotik (1431) zurückgeht
Orgel von St. Andreas (Ostönnen)
2005 Wolfsburg-Fallersleben St. Michaelis   II/P 27 Neubau hinter historischem Prospekt im Stil der Vorgängerorgel von 1814
2006 Linz Martin-Luther-Kirche   III/P 33 Neubau im Stil von Gottfried Silbermann
2006–2007 Buxtehude St. Petri   III/P 52 Nachrestaurierung der Orgel von Philipp Furtwängler (1858–1859), Rekonstruktion der 7 gemischten Stimmen
2006–2007 Berlin Universität der Künste Berlin II/P 22 Neubau im Stil der norddeutschen Barockorgel[8]
2001–2009 Grünendeich St. Marien   II/p 17 Restaurierung der Orgel von Dietrich Christoph Gloger (1766), Rekonstruktion von 9 Registern
2008–2009 Prambachkirchen Pfarrkirche   II/P ca. 22 Neubau im mittel- und süddeutschen Stil der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts
2009 Eutiner Schloss Schlosskapelle   I/P 10 Restaurierung der Orgel von Johann Friedrich Schulze hinter dem Gehäuse von Arp Schnitger (1693)
2009 Neustadt in Holstein Stadtkirche Neustadt in Holstein III/P 33 Neubau im Stil einer Renaissance-Orgel; Pfeifen und Kehlen wurden alten Vorbildern norddeutscher Orgeln nachgebaut; Besonderheiten:
  • das benötigte Orgelmetall für das Pfeifenwerk wurde mit historischen Verfahren bearbeitet (Sandguss, auf Stärke gehämmert)
  • Brustwerk mit fünf Registern, deren Pfeifen mit Schwerthebeln bedient werden
2009–2010 Lemgo St. Marien II/P 20 Gehäuse von Gebr. Slegel (1595) und Prospektpfeifen des Hauptwerks von Fritz Scherer (1612–1613) erhalten, ansonsten Rekonstruktion auf den Zustand von 1613. Alle Register wurden auf Sand gegossen und gehämmert. Die Mensuren und Pfeifenbauweise wurden von Slegel und Scherer kopiert, die Trompete ist nach Albert Kiespenning aus dem Jahr 1612 in Wijk bij Duurstede kopiert, die Bärpfeife eine Rekonstruktion nach den Zeichnungen und Maßstäben in Syntagma musicum von Michael Praetorius.
Orgel
2006–2011 Wesselburen St. Bartholomäus II/P 31 Rekonstruktion der Orgel von Johann Hinrich Klapmeyer (1736–1738); Prospekt und einige Register erhalten; 18 Register in einem ersten Bauabschnitt 2006, Rest erfolgte bis 2011.
2011 Bad Breisig St. Marien   II/P 28 Neubau hinter dem Prospekt von Johann Friedrich Constabel (1760) im Stil des norddeutschen Hochbarock
Orgel
2012 Steinkirchen St. Martini et Nicolaii   II/P 28 Restaurierung der Orgel von Arp Schnitger (1685–1687): Verbesserung von Technik und Intonation, historische Stimmung
Orgel von St. Martini et Nicolai (Steinkirchen)
2012 Neuenkirchen (Hadeln) St. Marien II/P 18 Restaurierung der Orgel von Christoph Donat (1661–1662), Dietrich Christoph Gloger (1738) und Johann Georg Wilhelm Wilhelmy (1835–1836)
2011–2013 Berlin-Zehlendorf Paulus-Kirche II/P 22 Neubau im Stil von Gottfried Silbermann und Tobias Heinrich Gottfried Trost, ohne ein bestimmtes Instrument zu kopieren. Als Ergänzung zum Neubau in französisch-symphonischer Tradition von Karl Schuke Berliner Orgelbauwerkstatt (2011–2013)[9]
2015–2016 Grasberg Ev.-luth. Kirche II/P 21 Sanierung der Orgel von Arp Schnitger (1693–1694): Neubelederung, Reinigung und Beseitigung des Schimmelbefalls, Wartungsarbeiten und Neuintonation
2013–2017 Oederquart St. Johannis   III/P 28 Rekonstruktion der Orgel von Arp Schnitger hinter dem erhaltenen Prospekt mit originalen Prospektpfeifen aus Zinn (1682) in drei Bauabschnitten[10]
2017–2018 Kempten (Allgäu) Basilika St. Lorenz I/P 14 Neubau im süddeutschen Stil hinter historischem Prospekt eines unbekannten Orgelbauers (1740)

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Orgeln am Mittelrhein und eine heilige Stiege (PDF-Datei; 973 kB), S. 6, gesehen 26. Februar 2014.
  2. Kirchenmusik St. Marien Lemgo (Memento des Originals vom 27. Februar 2017 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.marien-lemgo.de, abgerufen am 14. Februar 2015.
  3. Deutschlandradio Kultur: Perfekter Klang im Kirchenraum, gesehen 26. Februar 2014.
  4. MPA Bremen, abgerufen am 6. März 2017.
  5. a b Roman Summereder: Aufbruch der Klänge. Materialien, Bilder, Dokumente zu Orgelreform und Orgelkultur im 20. Jahrhundert. Edition Helbling, Innsbruck 1995, ISBN 3-900590-55-9, S. 321.
  6. Orgel in Altenhagen, abgerufen am 26. Februar 2014.
  7. Franz Bösken, Hermann Fischer, Matthias Thömmes: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins (= Beiträge zur Mittelrheinischen Musikgeschichte. Band 40). Band 4: Regierungsbezirke Koblenz und Trier, Kreise Altenkirchen und Neuwied. Teil 2. Schott, Mainz 2005, ISBN 978-3-7957-1342-3, S. 890.
  8. Orgel in Berlin, Institut für Kirchenmusik, abgerufen am 14. September 2016.
  9. paulusorgel.de (Memento des Originals vom 13. Januar 2012 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.paulusorgel.de, abgerufen am 8. August 2012.
  10. Orgel in Oederquart, abgerufen am 25. Februar 2014.