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Roteiche
Quercus rubra 1.jpg

Roteiche (Quercus rubra)

Systematik
Rosiden
Eurosiden I
Ordnung: Buchenartige (Fagales)
Familie: Buchengewächse (Fagaceae)
Gattung: Eichen (Quercus)
Art: Roteiche
Wissenschaftlicher Name
Quercus rubra
L.

Die Roteiche (Quercus rubra), in fachsprachlicher Rechtschreibung Rot-Eiche geschrieben,[1] auch Amerikanische Spitzeiche genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Eichen (Quercus) innerhalb der Familie der Buchengewächse (Fagaceae). Sie ist in Nordamerika verbreitet. Sie ist der offizielle Staatsbaum des US-Bundesstaates New Jersey.

BeschreibungBearbeiten

 
Stamm und Borke
 
Baumkrone mit jungem Laub
 
Roteiche in Herbstfärbung

Vegetative MerkmaleBearbeiten

Die Roteiche wächst als sommergrüner Baum und erreicht meist Wuchshöhen von 20 bis 25 Metern, mitunter aber auch bis zu 35 Metern. Sie kann bis zu 400 Jahre alt werden und dabei einen Stammdurchmesser von bis zu 2 Metern erreichen. Die Rinde ist grau und glatt. Später wird eine dünnschuppige Borke gebildet. Die Roteiche besitzt in der Jugend ein Pfahlwurzel-, später ein Herzwurzelsystem. Sie bildet eine runde Baumkrone aus.

Die Roteiche ist überaus schnellwüchsig. Bei jungen Bäumen werden bisweilen Jahrestriebe von 2,5 Meter Länge beobachtet. Das Triebwachstum erfolgt in zwei Perioden Mitte Mai bis Anfang Juni sowie Ende Juli bis Anfang August. Im Freistand blüht die Roteiche bereits im verhältnismäßig jungen Alter von 25 bis 30 Jahren.

Die wechselständig und spiralig an den Zweigen angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Der gelbliche Blattstiel ist etwa 2 Zentimeter, manchmal auch bis zu 5 Zentimeter lang. Die Blattspreite ist bis zu 23 Zentimeter lang und weist auf jeder Blatthälfte vier bis fünf Blattlappen auf, die durch bis zu 5 Zentimeter tiefe Buchten abgeteilt sind. Die Enden der Blattlappen laufen spitz zu. Der frische Blattaustrieb ist in den ersten drei Wochen gelb; danach sind die Laubblätter grün und werden im Herbst kräftig leuchtend rot bis orange; an älteren Exemplaren teilweise auch gelb bis braun.

 
Zweig mit männlichen Blütenständen
 
Frucht und Cupula

Generative MerkmaleBearbeiten

Die Blütezeit liegt in Mitteleuropa im Mai. Die männlichen Blütenstände hängen locker herab und sind gelblich-grün. Die weiblichen Blüten sitzen einzeln oder paarweise.

Die Eicheln reifen erst im zweiten Jahr. Der Fruchtbecher befindet sich an einem dicken, etwa 1 Zentimeter langen Stiel. Jede Nussfrucht ist von einem flachen Fruchtbecher (Cupula) umgeben. Die Eicheln sind bei einer Länge von etwa 2 Zentimetern sowie einem Durchmesser von etwa 2 Zentimetern breit-eiförmig.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 24.[2]

VorkommenBearbeiten

VerbreitungBearbeiten

 
Ursprüngliche Verbreitung von Quercus rubra

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet von Quercus rubra liegt im östlichen Nordamerika und reicht dort von Kanada (südliches Ontario) südwärts in den USA bis nach Texas, Georgia, Missouri, Arkansas und Oklahoma. In den Appalachen kommt sie bis in Höhenlagen von über 1600 Meter vor.

In Mitteleuropa wird die Roteiche seit Anfang des 18. Jahrhunderts – aufgrund ihrer attraktiven Blattform und ihrer schönen Herbstfärbung – häufig als Park- und Alleebaum angepflanzt. Als Datum der Ersteinführung werden 1691 oder 1724 genannt.[3] Im Stadtklima ist sie ebenso erfolgreich wie die Stieleiche. Sie eignet sich allerdings nicht als Straßen- oder Platzbaum, da ihre Wurzeln bei verdichteten Böden Asphalt- und Plattenbeläge anheben.

In weiten Teilen Europas wird sie auch forstwirtschaftlich genutzt. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Roteiche als Ersatz für die einheimischen Eichen-Arten angepflanzt, die durch Fraßschäden sehr dezimiert wurden. Dadurch entstanden teilweise selbstvermehrende Roteichenbestände, und durch die Verbreitung durch Eichelhäher kann die Roteiche weitere Gebiete besiedeln.

In den deutschen Wäldern nimmt die Roteiche nach den Ergebnissen der Dritten Bundeswaldinventur (2012) mit 55.000 Hektar in der Hauptbestockung einen Flächenanteil von 0,5 Prozent ein. In der Jungbestockung kommt sie mit einer Gesamtfläche von 11.000 Hektar vor.[4]

StandortBearbeiten

Im Vergleich zu den in Mitteleuropa heimischen Eichenarten ist die Roteiche resistenter gegen Schädlinge, schattenverträglicher und zuwachsstärker. Sie wird als Reinbestand oder in Mischung mit Buche angepflanzt. Die Roteiche erbringt ihre besten Wuchsleistungen an warmen Standorten ohne Spätfröste auf gut basen-versorgten, tiefgründigen Böden, kann aber auch auf sehr nährstoffarmen Sandböden wachsen. Sie meidet kühlfeuchte, staunasse, überflutete oder extrem flachgründige Standorte sowie Höhenlagen. Auf stark kalkhaltigen und wechseltrockenen Standorten wird die Roteiche bevorzugt von der Wurzelfäule befallen, die zu Zuwachsverlusten, Kronenverlichtung und Wurzelbrüchen führen kann.[5] Bei karbonathaltigen Oberböden kommt es zu Entwicklungsstörungen.[6]

Verwildernde Bestände der Roteiche in Mitteleuropa, die eine Tendenz zur Einbürgerung zeigen, gibt es auf sauren, flachgründigen Böden, insbesondere felsigen Standorten. Sie bildet hier eine Konkurrenz zur heimischen Traubeneiche (Quercus petraea), während sie gegenüber der Rotbuche (Fagus sylvatica) auf besseren Böden nicht bestehen kann. Auffallend sind verwilderte Roteichen beispielsweise im Elbsandsteingebirge, wo die Roteiche auf Felsen weitab eines forstlichen Anbaus wächst und sicher eingebürgert ist.[7]

 
Illustration aus Histoire des arbres forestiers de l'Amérique septentrionale, 1812, Tafel 26

SystematikBearbeiten

Die Erstveröffentlichung von Quercus rubra erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, 2, Seite 996.[8] Synonyme für Quercus rubra L. sind: Quercus acerifolia G.Kirchn., Quercus ambigua F.Michx. nom. illeg., Quercus angulizana Raf., Quercus borealis F.Michx., Quercus cuneata Dippel nom. illeg., Quercus maxima (Marshall) Ashe, Quercus sada Mast., Quercus coccinea var. ambigua (F.Michx.) A.Gray, Quercus rubra var. ambigua (F.Michx.) Fernald, Quercus rubra var. borealis (F.Michx.) Farw., Quercus rubra var. hispanica Castigl., Quercus rubra var. latepinnatifida Kuntze, Quercus rubra var. latifolia Aiton, Quercus rubra var. pendula de Vos, Quercus rubra var. maxima Marshall, Quercus rubra var. ramosissima Marshall, Quercus rubra var. subserrata Lam.[9][10][11] Von Quercus rubra relativ viele Varietäten beschrieben, sie gelten oft als Synonyme von Quercus rubra.[9][10][11]

Nutzung und ForstbauBearbeiten

ZierpflanzeBearbeiten

Die Roteiche wird als Zierpflanze in Parkanlagen verwendet.

Zuchtformen:

  • ‚Aurea‘: Diese Form trägt intensiv goldgelbe Laubblätter, die allerdings im Lauf des Sommers etwas nachgrünen.
 
Stammquerschnitt

HolzBearbeiten

Die Roteiche ist ein Kernholzbaum mit dünnem hellen Splint und rotbraunem Kern. Ihr Holz besitzt eine mittlere Rohdichte von 0,65 g/cm³. Das Holz der Roteiche kann ähnlich wie das Holz der in Mitteleuropa heimischen Stieleiche und Traubeneiche verwendet werden, ist aber insgesamt weniger wertvoll. So sind Furniere der Roteiche unregelmäßiger strukturiert. Das grobporige Holz besitzt sehr weitlumige Gefäße. Diese bleiben auch nach der Verkernung unverthyllt, so dass sich Roteichenholz nicht für die Fassherstellung eignet,[12] denn in Faserrichtung ist der Transport von Flüssigkeiten und Gasen durch das Holz hindurch möglich.[10]

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Das Holz der Roteiche hat nur eine geringe natürliche Dauerhaftigkeit gegenüber pilzlichen Holzschädlingen, was beispielsweise im Hinblick auf die Verwendung als Bauholz einen Nachteil gegenüber dem Holz von Stiel- oder Traubeneichen darstellt. Auch ist sie im Gegensatz zur Weiß-Eiche, zur Stieleiche und zur Traubeneiche nicht für den Schiffbau geeignet.

Die Amerikanische Roteiche wird als Brandschutzriegel in vielen Nadelwäldern angepflanzt, da ihre säurehaltigen und schlecht zersetzbaren Laubblätter weitere Vegetation behindern und somit ein eventuelles Feuer gebremst werden kann.

Die Roteiche ist in den gemäßigten Gebieten eine relativ durchsetzungsstarke fremde Pflanzenart (Neophyten), wobei sie nicht in allen mitteleuropäischen Staaten als invasiv eingestuft ist;[13] die Freisetzung sollte jedoch nicht bedenkenlos und großflächig vorgenommen werden.

LiteraturBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Quercus rubra L., Rot-Eiche. In: FloraWeb.de.
  2. Quercus rubra bei Tropicos.org. In: IPCN Chromosome Reports. Missouri Botanical Garden, St. Louis
  3. Mirko Liesebach, Volker Schneck: Entwicklung von amerikanischen und europäischen Herkünften der Roteiche in Deutschland. forstarchiv 82, 125–133 (2011). PDF (0,7 MB). doi:10.4432/0300-4112-82-125
  4. F. Kroiher, A. Bolte: Naturschutz und Biodiversität im Spiegel der BWI 2012. In: AFZ-Der Wald. 21/2015.
  5. www.waldwissen.net: Befallsbedingungen für Wurzelfäule bei Roteiche.
  6. Informationen aus der Wissenschaft/ aus LWF-aktuell, Nr. 20 der Bayrischen Landesanstalt für Wald und Forstwissenschaft, 1999, S. 21. PDF.
  7. R. Dressel, E. J. Jäger: Beiträge zur Biologie der Gefäßpflanzen des herzynischen Raumes. 5. Quercus rubra L. (Roteiche): Lebensgeschichte und agriophytische Ausbreitung im Nationalpark Sächsische Schweiz. In: Hercynia N.F. Band 35, 2002, S. 37–64.
  8. Quercus rubra bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis, abgerufen am 2. August 2019.
  9. a b R. Govaerts, D. G. Frodin, 1998: World Checklist and Bibliography of Fagales: 1-408. The Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew. In: Rafaël Govaerts (Hrsg.): Quercus rubra. In: World Checklist of Selected Plant Families (WCSP) – The Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew. Abgerufen am 3. August 2019.
  10. a b c Datenblatt Quercus rubra bei Plants of the World von Kew Royal Botanic Gardens, London, GB. (englisch), letzter Zugriff am 2. August 2019.
  11. a b Quercus rubra im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 3. August 2019.
  12. Gerhard Stinglwagner, Ilse Haseder, Reinhold Erlbeck: Das Kosmos Wald- und Forstlexikon. 6. Auflage. Kosmos, 2016, ISBN 978-3-440-15219-5, S. 216–217 (Quercus rubra auf S. 216-217 in der Google-Buchsuche).
  13. Katharina Burkardt: Kurzportrait Roteiche (Quercus rubra L.), In: waldwissen.net, 12. Februar 2018, abgerufen am 2. August 2019.

WeblinksBearbeiten