Roswitha Scholz

deutsche Publizistin

Roswitha Scholz (* 1959) ist eine deutsche Publizistin und Buchautorin, die in Nürnberg lebt. Sie ist Mitglied der Redaktion der von ihr mitgegründeten wertkritischen Zeitschrift EXIT!. Im Jahr 1992 veröffentlichte sie[1] das Theorem der Wertabspaltung.

Roswitha Scholz war die Ehefrau des im Jahre 2012 verstorbenen Autors Robert Kurz.

Theorem der WertabspaltungBearbeiten

1992 veröffentlichte Roswitha Scholz das Theorem der Wert-Abspaltung, eine feministische Fortsetzung der Wertkritik. Sie besagt, dass in der vom ökonomischen Wert dominierten Gesellschaft alle Regungen und Beziehungen, die sich nicht wertmäßig erfassen ließen, aber dennoch für die Reproduktion notwendig seien, vom relevant erscheinenden „Universum“ abgespalten und „an die Frau delegiert“ würden.

„Alles, was in der abstrakten Wertform an sinnlichem Inhalt nicht aufgeht, aber trotzdem Voraussetzung gesellschaftlicher Reproduktion bleibt, wird an die Frau delegiert (Sinnlichkeit, Emotionalität usw.).“

Roswitha Scholz [2]

In der darauf basierenden Selbstdarstellung der Gruppe EXIT! heißt es ähnlich:

„[...] Alle Momente der gesellschaftlichen Reproduktion, des persönlichen Lebens und der sozialen Beziehungen, die nicht in der abstrakten Logik des Werts aufgehen oder sich nur widerwillig und unter Verlust ihres ganz eigenen Charakters in die abstrakte Logik des Werts einordnen lassen (Kinderbetreuung, „Hausarbeit“, „Liebes- und Beziehungsarbeit“, sozio-psychische Pufferfunktionen usw.), wurden vom ökonomisch-politischen Universum abgespalten und historisch als „weiblich“ definiert.“

Mit Marx über Marx hinaus: Das theoretische Projekt der Gruppe „EXIT!“ [3]

Robert Kurz zufolge hat auch der „Arbeiterbewegungsmarxismus“ diese Wert-Abspaltung übernommen, „'geerbt' von Protestantismus und Aufklärung“[4] Sie hat, so Kurz, den gleichen Ursprung wie das Konzept der „abstrakten Arbeit“, das dem von der Wertkritik kritisierten „warenproduzierenden System“ zugrunde liegt. Scholz und Kurz wandten sich damit gegen die in der Arbeiterbewegung verbreitete, namentlich von Lenin und Mao Zedong vertretene Theorie, es gebe einen Hauptwiderspruch, den zwischen Kapitalisten und Arbeiterklasse, und verschiedene Nebenwidersprüche, darunter den zwischen Männerherrschaft und unterdrückten Frauen.

WerkeBearbeiten

  • Das Geschlecht des Kapitalismus. Feministische Theorie und die postmoderne Metamorphose des Patriarchats. Horlemann, B, Unkel 2000, ISBN 3-89502-100-8.
  • Differenzen der Krise - Krise der Differenzen. Die neue Gesellschaftskritik im globalen Zeitalter und der Zusammenhang von "Rasse", Klasse, Geschlecht und postmoderner Individualisierung. Horlemann, B., Unkel 2005, ISBN 3-89502-195-4.
  • Der Alptraum der Freiheit. Perspektiven radikaler Gesellschaftskritik. Essays, Kritiken, Polemiken. (mit Robert Kurz und Jörg Ulrich). Ulmer Manuskripte, Blaubeuren 2005, ISBN 3-934869-38-6.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Claus Peter Ortlieb: Ein Vorwort zur Erinnerung an Robert Kurz. in: Robert Kurz: Der Tod des Kapitalismus; LAIKA-Verlag, Hamburg 2013, S. 9–17, ISBN 978-3-94228-159-1, S. 14
  2. Krisis 12 (1992), S. 23, zuletzt abgerufen am 1. Juli 2019
  3. Aus EXIT!-Selbstdarstellung, zuletzt abgerufen am 1. Juli 2019
  4. Robert Kurz: Grau ist des Lebens goldener Baum und grün die Theorie. in: EXIT! 4 (2007), S. 15–106, ISBN 978-3-89502-230-2, S. 16