Ross Perot

US-amerikanischer Unternehmer und Politiker

Henry Ross Perot (* 27. Juni 1930 in Texarkana, Texas; † 9. Juli 2019 in Dallas, Texas[1]) war ein US-amerikanischer Unternehmer und Politiker (GOP ab 2000, davor Reform Party (1995–2000), davor parteilos bis 1995).[2]

Ross Perot (2008)

Karriere in der WirtschaftBearbeiten

Nachdem er einige Jahre bei IBM als Verkäufer beschäftigt gewesen war, gründete Perot im Jahr 1962 mit der Electronic Data Systems Corporation (EDS) das nach Firmenangaben erste IT-Dienstleistungsunternehmen der Welt. Perot verkaufte es 1984 an General Motors und blieb bis 1987 Vorstandsvorsitzender der EDS. Mit dem Verkauf verdiente er 3,1 Milliarden US-Dollar.[3]

Perot Systems CorporationBearbeiten

Die Perot Systems Corporation (NYSE: PER) war ein Anbieter von Informationstechnologie und Dienstleistungen mit Sitz in Plano (Texas). Die Firma wurde am 1. Juni 1988 von Perot gegründet und war in den USA, Europa, Indien und Mexiko und seit 2008 auch in China vertreten; sie hatte ca. 23.100 Beschäftigte.[4][5] Die Familie Perot hielt 25 Prozent der Anteile. Die Corporation wurde im September 2009 für 3,9 Mrd. US-Dollar von Dell übernommen[6] und im März 2016 für 3,05 Mrd. US-Dollar an NTT Data weiterverkauft[7].

VermögenBearbeiten

Perot war Milliardär. Auf der Forbes-Liste 2016 wurde sein Vermögen mit ca. 3,9 Milliarden US-Dollar angegeben. Damit belegte er Platz 403 in der Rangliste der reichsten Menschen der Welt.[8]

GeiselbefreiungBearbeiten

Während seiner Zeit bei EDS organisierte Perot eine Gruppe unter der Leitung des ehemaligen Obersts der Special Forces Arthur D. Simons. Diese sollte zwei von Perots Mitarbeitern befreien, die 1979 im Iran nach der Islamischen Revolution als Geiseln genommen worden waren. Die Gruppe wartete ab, bis das Gefängnis von einer Gruppe von Aufständischen gestürmt wurde, um dann in der unübersichtlichen Lage die beiden Mitarbeiter über die Türkei außer Landes zu transportieren. Ken Follett verarbeitete die Geschichte in Auf den Schwingen des Adlers zu einem „Tatsachenthriller aus dem Iran“.

PolitikBearbeiten

 
Wahlkampfaufkleber 1996

Perot trat als parteiloser Bewerber zur Präsidentschaftswahl 1992 an und erreichte 18,91 % der Stimmen.[9] In Maine (30,44 %) und Utah (27,34 %) erreichte er den zweiten Platz vor George Bush bzw. Bill Clinton. Nach Wählerstimmen war er damit der erfolgreichste Herausforderer von Republikanern und Demokraten seit Theodore Roosevelt bei der Wahl 1912. Wahlmännerstimmen, die in der amerikanischen Präsidentschaftswahl ausschlaggebend sind, konnte er jedoch in keinem Bundesstaat erzielen. Das Motto seiner Wahlkampagne lautete: Ross for Boss.[10]

1995 gründete Perot die Reform Party, deren Kandidat er bei der folgenden Präsidentschaftswahl 1996 war. Perots Stimmenanteil ging jedoch auf 8,4 % stark zurück. Es war seine letzte Bewerbung um das Amt.[11]

Während der Präsidentschaftswahl 2000 distanzierte sich Perot jedoch von der Reform Party aufgrund von internen Parteikämpfen zwischen den zwei Spitzen-Kandidaten in den parteiinternen Vorwahlen, dem Paläokonservativen Pat Buchanan und dem Physiker und Aktivisten für Transzendentale Meditation John Hagelin, die er als Zerfall der Partei sah. In den letzten Tagen vor den Wahlen 2000 stellte sich Perot gegen den Kandidaten der Reform Party Pat Buchanan und unterstützte stattdessen George W. Bush.[12] Pat Buchanan und die Reform-Partei erreichten schließlich ein landesweites Wahlergebnis von 448.895 Stimmen, was etwa 0,4 % der landesweit abgegebenen Stimmen entsprach.

In der Präsidentschaftswahl 2008 sprach er sich gegen John McCain aus und unterstützte stattdessen seinen parteiinternen Konkurrenten Mitt Romney[13], welchen er auch 2012 unterstützte.[14] 2016 unterstützte Perot allerdings weder den Präsidentschaftskandidaten der Republikaner Donald Trump noch die Präsidentschaftskandidatin der Demokratischen Partei Hillary Clinton.[15]

Politische PositionenBearbeiten

Perots Stil und Positionen bestanden aus einem Mix unterschiedlicher politischer Konzepte, was von Beobachtern entweder als pragmatisch oder populistisch angesehen wurde. Laut on-the-issues.org, ein Tracker von politischer Positionen von Politikern und Personen der Öffentlichkeit, ist Perot als Zentrist einzuordnen.[16]

Gesellschaftliche ThemenBearbeiten

In gesellschaftlichen Themen vertrat Perot eher liberale Positionen: So unterstützte er nachdrücklich das Recht einer Frau auf Schwangerschaftsabbrauch, was er später allerdings wieder etwas mäßigte,[17] die Rechte Homosexueller, mehr medizinische AIDS-Forschung und eine allgemeine Krankenversicherung[18] sowie strengere Waffengesetze[19].

In anderen Themen galt er jedoch als konservativer Hardliner: So war er ein Verfechter eines aggressiveren Vorgehens gegen Drogen[20], der Todesstrafe[21] und Skeptiker der legalen und illegalen Migration von niedrig qualifizierten Arbeitskräften aus Mexiko.[22]

Wirtschafts- und FinanzpolitikBearbeiten

In finanzpolitischen Themen vertrat er auch eher konservative Positionen (Englisch: fiscal conservatism): Perot forderte einen Mix aus Steuererhöhungen, Ausgabenkürzungen, eine Reform der Sozialversicherungen und eine Schuldenbremse in der US-Verfassung, um das Haushaltsdefizit und die Staatsverschuldung zu reduzieren.[23] Des Weiteren, forderte eine straffere Geldpolitik, um den US-Dollar stabil zu halten.[24]

In wirtschaftlichen Fragen vertrat Perot eine aus vielen verschiedenen Komponenten bestehende Wachstumspolitik: Er war ein konsequenter Gegner des Freihandelsabkommens NAFTA[25] und machte jenes für den Verlust von industriellen Arbeitsplätzen verantwortlich, was er als Giant Sucking Sound going South beschrieb. Zudem forderte Investitionen in Bildung[26] und Infrastruktur, sowie Steuersenkungen und Bürokratieabbau für kleine und mittelständische Unternehmen; Steuersenkungen für größere Unternehmen, Konzerne oder Wohlhabendere lehnte er jedoch ab.[27][28]

Sonstige PositionenBearbeiten

Perot galt als einer der ersten Unterstützer von e-Democracy, unterstützte Amtszeitbeschränkungen für Senatoren und Kongressmitglieder, sowie ein Verbot von Großspenden an Parteien.[29]

WerkeBearbeiten

  • Mit vereinten Kräften: So überwindet Amerika seine schwere Krise. Aus dem Englischen von Walter Hofmann. Börsenbuch-Verlag, Kulmbach 1990, ISBN 3-922669-04-2.
  • My Life & the Principles for Success. Summit Publication Group, Arlington, Texas 1996, ISBN 1-56530-237-0 (Autobiographie).
  • Ross Perot, Paul Simon: The Dollar Crisis: A Blueprint to Help Rebuild the American Dream. The Summit Publishing Group 1996, ISBN 1-56530-217-6.

LiteraturBearbeiten

Ein Buch, in dem Ross Perot als Figur in einem Tatsachen-Thriller vorkommt, ist

WeblinksBearbeiten

Commons: Ross Perot – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikiquote: Ross Perot – Zitate (englisch)

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ross Perot: Ehemaliger US-Präsidentschaftskandidat und Milliardär ist tot. In: Der Spiegel. 9. Juli 2019, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 7. Februar 2022]).
  2. THE 2000 CAMPAIGN - THE ENDORSEMENT - Perot Supports Bush, Citing Character and Texas Record - NYTimes.com. 27. Mai 2015, abgerufen am 27. Mai 2022.
  3. Matthias Ruch: Kopf des Tages: Ross Perot – König der Patrioten (Memento vom 24. September 2009 im Internet Archive); Financial Times Deutschland, 21. September 2009.
  4. Perot Systems GmbH-Homepage (Memento vom 26. April 2009 im Internet Archive) Abgerufen am 5. Mai 2009.
  5. Perot Systems Launches IT Healthcare Services in China. 11. November 2008, abgerufen am 7. Januar 2021 (englisch).
  6. Lars Bube: Dell wird für 3,9 Milliarden Service-Riese. In: ict-channel.com. WEKA Fachmedien GmbH, 21. September 2009, abgerufen am 7. Februar 2022.
  7. Dell verkauft Konzernteil für 3 Milliarden US-Dollar. In: golem.de. Golem Media GmbH, 29. März 2016, abgerufen am 7. Februar 2022.
  8. www.forbes.com (englisch).
  9. Scott E. Thomas, Chairman; Trevor Potter, Vice Chairman; Joan D. Aikens; Lee Ann Elliott; Danny L. McDonald; John Warren McGarry: FEDERAL ELECTIONS 92 - Election Results for the U.S. President, the U.S. Senate and the U.S. House of Representatives. Federal Election Commission, Juni 1993, abgerufen am 9. Juli 2020 (englisch).
  10. Ross Perot, Billionaire Businessman And Former Presidential Candidate, Dies At 89. Abgerufen am 1. November 2020.
  11. Sieger und Besiegte: Die Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen seit 1948 Spiegel-Online, 14. November 2007, abgerufen am 3. November 2020.
  12. THE 2000 CAMPAIGN - THE ENDORSEMENT - Perot Supports Bush, Citing Character and Texas Record - NYTimes.com. 27. Mai 2015, abgerufen am 27. Mai 2022.
  13. Newsweek Staff: Ross Perot Slams McCain. 15. Januar 2008, abgerufen am 27. Mai 2022 (englisch).
  14. Ross Perot endorses Mitt Romney - Washington Times. Abgerufen am 27. Mai 2022.
  15. Robert D. McFadden: Ross Perot, Brash Texas Billionaire Who Ran for President, Dies at 89. In: The New York Times. 9. Juli 2019, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 27. Mai 2022]).
  16. Ross Perot on the Issues. Abgerufen am 27. Mai 2022.
  17. Ross Perot on Abortion. Abgerufen am 27. Mai 2022.
  18. Ross Perot on Health Care. Abgerufen am 27. Mai 2022.
  19. Ross Perot on Gun Control. Abgerufen am 27. Mai 2022.
  20. Ross Perot on Drugs. Abgerufen am 27. Mai 2022.
  21. Ross Perot on Crime. Abgerufen am 27. Mai 2022.
  22. Ross Perot on Immigration. Abgerufen am 27. Mai 2022.
  23. Ross Perot on Budget & Economy. Abgerufen am 27. Mai 2022.
  24. Ross Perot on Budget & Economy. Abgerufen am 27. Mai 2022.
  25. Ross Perot on Free Trade. Abgerufen am 27. Mai 2022.
  26. Ross Perot on Education. Abgerufen am 27. Mai 2022.
  27. Ross Perot on the Issues. Abgerufen am 27. Mai 2022.
  28. Ross Perot on the Issues. Abgerufen am 27. Mai 2022.
  29. Ross Perot on Government Reform. Abgerufen am 27. Mai 2022.
  30. On Wings of Eagles (TV Mini Series 1986). Full Cast & Crew. Internet Movie Database, abgerufen am 7. Februar 2022 (englisch).