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Rohrbach (Heidelberg)

Stadtteil von Heidelberg, Baden-Württemberg, Deutschland

Rohrbach ist ein Stadtteil von Heidelberg in Baden-Württemberg.

Wappen von Heidelberg
Rohrbach
Stadtteil von Heidelberg
Lage des Stadtteils Rohrbach in Heidelberg
Koordinaten 49° 22′ 48″ N, 8° 41′ 14″ OKoordinaten: 49° 22′ 48″ N, 8° 41′ 14″ O
Fläche 6,39 km²
Einwohner 16.208 (2012)
Bevölkerungsdichte 2536 Einwohner/km²
Stadtteilnummer 006
Gliederung
Stadtbezirke
  • Rohrbach-Ost (006 1 und 006 6)
  • Rohrbach-West (006 2)
  • Rohrbach-Hasenleiser (006 3)
  • Rohrbach-Süd (006 4)
  • Rohrbach-Gewann See (006 5)
Quelle: Stadt Heidelberg (PDF; 149 kB)

Inhaltsverzeichnis

Lage und GliederungBearbeiten

Rohrbach befindet sich ungefähr drei Kilometer südlich vom Stadtzentrum Heidelbergs entfernt auf etwa halbem Wege nach Leimen.

Neben Alt-Rohrbach mit der Melanchthonkirche und dem Rathaus setzt sich Rohrbach aus den Ortsteilen Kühler Grund, Gewann See, Hasenleiser und Rohrbach-Süd (Gewerbegebiet) zusammen. Ebenfalls zu Rohrbach gehört das etwas abgelegene, bewaldete und landwirtschaftlich genutzte Gebiet um den Bierhelder Hof. Früher gehörten auch noch die nunmehr selbständigen Heidelberger Stadtteile Boxberg und Emmertsgrund zur Gemarkung Rohrbach.

Mit allen Ortsteilen kommt Rohrbach insgesamt auf 15.224 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2010).

Die nördliche Grenze Rohrbachs wurde bei der Eingemeindung von der Saarstraße/Markscheide auf die Sickingenstraße verlegt.[1]

GeschichteBearbeiten

 
Rohrbacher Schlösschen
 
Neugestalteter Markt, Panorama

Rohrbach wurde im Lorscher Codex in der Schreibweise Rorbach 766 zum ersten Male urkundlich erwähnt.[2] Dort ist die Schenkung eines Weinbergs zugunsten des Klosters Lorsch dokumentiert. Der Name Rohrbach leitet sich von dem am Bach wachsenden (Schilf-)Rohr her. Der Rohrbach ist heute in seinem unteren Lauf kanalisiert, vollständig überbaut und Teil der Abwasserkanalisation. Nur im oberen Lauf, im Bereich des Kühlen Grundes ist der Rohrbach noch in seinem offenen, weitestgehend jedoch begradigten Bett zu sehen.
Siehe auch: Burg Rohrbach

Das ursprünglich wahrscheinlich zu Kirchheim gehörende Dorf Rohrbach befand sich ab 1234 im Besitz der Pfalzgrafen bei Rhein. Im Dreißigjährigen Krieg, der kaum Überlebende in Rohrbach zurückließ, und im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde das Dorf wiederholt schwer zerstört.

1901 bekam der Ort mit der Trasse Heidelberg-Leimen-Wiesloch eine Straßenbahnanbindung. 1927 wurde Rohrbach nach Heidelberg eingemeindet.

Ab 1970 entstand im Zuge des Baus des sich südöstlich an Rohrbach anschließenden neuen Stadtteils Emmertsgrund das Gewerbegebiet Rohrbach Süd, in dem die mehreren Tausend Einwohner des Emmertsgrundes wohnortnahe Arbeits- und Einkaufsmöglichkeiten finden sollten.

Siehe auch: Geschichte Heidelbergs

WappenBearbeiten

 
Rohrbacher Wappen

Bis zu seiner Eingemeindung nach Heidelberg trug Rohrbach ein eigenständiges Wappen, das noch heute bei ortsinternen Feierlichkeiten präsentiert wird.

Blasonierung:
In geteiltem Schild oben auf gelbem Grund die Buchstaben r o r.
Unten fünf blaue Wellenlinien auf weißem Grund.
Die Buchstaben stehen für den ersten Teil des Ortsnamens Ro(h)r(bach).
Die blauen Wellenlinien symbolisieren den gleichnamigen Bach.
Sprechende Symbolik: Das Rohr über dem Bache.

PolitikBearbeiten

Seit den Kommunalwahlen vom 25. Mai 2014 setzt sich der Rohrbacher Bezirksbeirat wie folgt zusammen[3]:

Grüne 4 Sitze
CDU 3 Sitze
SPD 3 Sitze
GAL 1 Sitz
„Die Heidelberger“ 1 Sitz
Bunte Linke 1 Sitz
Die Linke 1 Sitz
Piraten 1 Sitz
FDP 1 Sitz

Von 2009 bis 2014 (nach den Kommunalwahlen vom 7. Juni 2009) sah die Zusammensetzung wie folgt aus[4]:

CDU 4 Sitze
SPD 3 Sitze
Grüne 3 Sitze
GAL 2 Sitze
„Die Heidelberger“ 2 Sitze
Bunte Linke/Die Linke 1 Sitz
FWV 1 Sitz
„generation HD“ 1 Sitz
FDP 1 Sitz

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Melanchthonkirche

Die evangelische Melanchthonkirche geht bis ins 13. Jahrhundert zurück und wurde 1907/08 von Hermann Behaghel im Stil der Neorenaissance umgebaut und erweitert. Die katholische St.-Johannes-Kirche von 1964 ist mit Farbglasfenstern von Emil Wachter ausgestattet. Im Hasenleiser befindet sich die 1971 erbaute St.-Thomas-Kirche der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche.[5]

Sehenswert ist Schloss Rohrbach, auch Rohrbacher Schlösschen genannt, das heute ein Teil des Baukomplexes der im Ort ansässigen Thorax-Klinik ist.

Bildungs- und ForschungseinrichtungenBearbeiten

SchulenBearbeiten

 
Heimatmuseum Rohrbach

Rohrbach verfügt über zwei Grundschulen, eine Hauptschule und eine Gesamtschule. Im Einzelnen:

InstituteBearbeiten

MuseenBearbeiten

  • Seit 1971 verfügt Rohrbach über ein kleines Heimatmuseum. Es ist im barocken Alten Rathaus untergebracht und präsentiert die Geschichte des Ortes.
  • Ägyptisches Museum Heidelberg (privates Repliken-Museum)

Regelmäßige VeranstaltungenBearbeiten

  • Rohrbacher Kerwe, jährlich am ersten Septemberwochenende

VerkehrBearbeiten

 
S-Bahnhof HD-Kirchheim/Rohrbach

Mit einem Zubringer zur Bundesautobahn 5, der Bundesstraße 3, dem Bahnhof Kirchheim/Rohrbach der S-Bahn RheinNeckar, den Straßenbahnlinien 23 und 24 sowie den Buslinien 27, 28, 29, 33, 757 und Moonliner 1 verfügt Rohrbach über eine sehr gute Verkehrsanbindung zu den übrigen Heidelberger Stadtteilen und ins Umland.

Mit dem Ort verbundene PersönlichkeitenBearbeiten

  • Punker, sagenhafter Schütze des 15. Jahrhunderts[6]
  • Johann Andreas von Traitteur, von 1790 bis 1798 unvollendeter Bau einer Frischwasserleitung von Rohrbach nach Mannheim, welche wegen Krieg und Geldmangel auf halber Strecke eingestellt wurde.
  • Joseph von Eichendorff, der von 1807 bis 1808 in Heidelberg lebte, hat mit seinem Freundeskreis auch einige Zeit im Rohrbacher Gasthaus „Zum roten Ochsen“ verbracht. Dort lernte er die einheimische Küferstochter Katharina Barbara Förster, genannt „Käthchen“ kennen und lieben. Diese Zuneigung hat er in seinen Tagebüchern und dem Lied „In einem kühlen Grunde“ literarisch verewigt.[7]
  • Bertha Benz tuckerte mit ihrem „Benz–Motorwagen Nr.3“ in den Morgenstunden des 5. August 1888 auf der Landstraße von Heidelberg kommend durch Rohrbach. Das ganz erbärmlich krachend und stinkende Gefährt sah zwar wie eine Kutsche aus, jedoch hatte es keine Pferde welche es zogen. Der Weg dieser „Ortsumgehungsstraße“ verlief auf der Landstraße beim „Kreuz“ (heute Eichendorffplatz) nach rechts abbiegend, am Ortskern vorbei und führt direkt zum Gasthaus Rose.[8] Die Bertha Benz Memorial Route erinnert an diese Fahrt.
  • Christian Bitter (1878–1950), war von 1913 bis zur Eingemeindung nach Heidelberg 1927 Bürgermeister von Rohrbach und gehörte von 1913 bis 1918 der zweiten Kammer der Badischen Ständeversammlung an
  • Beate Weber (* 1943), Oberbürgermeisterin von Heidelberg (1990–2006)
  • Eckart Würzner (* 1961), Geograph, Oberbürgermeister von Heidelberg (seit 2006)

LiteraturBearbeiten

  • Karl Heinz Frauenfeld: Chronik von Rohrbach 1200 Jahre. Anlage zur Ruperto-Carola, Zeitschrift der Vereinigung der Freunde der Studentenschaft der Universität Heidelberg, XVII. Jahrgang, Band 38, 1965.

Periodika

  • Der Punker, seit 2000, Online-Infomedium (siehe Weblinks)
  • Rohrbacher Woche, wöchentlich erscheinendes Anzeigenblatt mit Informationsteil

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. http://www.s197410804.online.de/Zeiten/1900.htm
  2. Minst, Karl Josef [Übers.]: Lorscher Codex (Band 2), Urkunde 789, 31. Dezember 766 – Reg. 102. In: Heidelberger historische Bestände – digital. Universitätsbibliothek Heidelberg, S. 291, abgerufen am 10. Februar 2016.
  3. Bezirksbeirat Rohrbach auf der offiziellen Webpräsenz der Stadt Heidelberg
  4. Bezirksbeirat Rohrbach auf der offiziellen Webpräsenz der Stadt Heidelberg
  5. Hans Gercke: Kirchen in Heidelberg. 1. Auflage. Schnell und Steiner, Regensburg 2011, ISBN 978-3-7954-2413-8.
  6. Der Punker im Projekt Gutenberg
  7. Texte und Quellen zu Eichendorffs Rohrbacher Zeit auf der früheren Seite des Stadtteilvereins Rohrbach.
  8. Chronik von Rohrbach (5. August 1888)

WeblinksBearbeiten

  Commons: Rohrbach (Heidelberg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien