Roberto Benigni

italienischer Schauspieler
Roberto Benigni, 2006

Roberto Remigio Benigni [roˈbɛrto beˈniɲɲi] (* 27. Oktober 1952 in Manciano la Misericordia, Castiglion Fiorentino, Toskana) ist ein italienischer Regisseur, Fernseh- und Filmschauspieler und Oscar-Preisträger.

LebenBearbeiten

Benigni wurde in den 1970er Jahren zunächst bekannt durch die Fernsehserie Televacca von Renzo Arbore, die durch die Zensur abgesetzt wurde.

Benigni sorgte für einen Wandel in den Umgangsformen italienischer Politiker in der Öffentlichkeit, indem er den kommunistischen Parteiführer Enrico Berlinguer bei einer öffentlichen Kundgebung umarmte. Angesichts der Förmlichkeit, mit der Politiker bis dahin öffentlich in Erscheinung getreten waren, war dies ein beispielloses Ereignis. Benigni wurde wegen einer beleidigenden Äußerung über Papst Johannes Paul II. im Rahmen des Sanremo-Festivals 1980 erneut zensiert; wegen Beleidigung der Religion und eines ausländischen Staatsoberhauptes wurde er zunächst zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, in der Berufung aber freigesprochen.[1]

Seit seinem Regiedebüt Tu mi turbi (1983) trat in den meisten Filmen, in denen er Regie führte, auch seine Ehefrau Nicoletta Braschi auf.

Außerhalb Italiens wurde er vor allem mit seiner Tragikomödie aus dem Jahr 1997, Das Leben ist schön, bekannt. Ihr Drehbuch basiert zum Teil auf den Erfahrungen seines Vaters Luigi (1918–2004), der 1943 bis 1945 im KZ Bergen-Belsen inhaftiert war.[2] Der Film, in dem Benigni auch die Hauptrolle spielte, war siebenfach für den Oscar nominiert und wurde in den Kategorien Bester fremdsprachiger Film, Bester Schauspieler und Beste Filmmusik ausgezeichnet. Benigni erhielt für den Film auch den Chlotrudis Award für die beste Regie.

Er führte außerdem Regie in den Filmen Il mostro, Il piccolo diavolo (mit Walter Matthau) und Zahnstocher-Johnny. Mit Massimo Troisi spielte er in Non ci resta che piangere, einem Märchen, in dem die Protagonisten in die Zeit kurz vor 1492 zurückversetzt werden. Dort machen sie sich auf die Suche nach Christoph Kolumbus, um ihn von der Entdeckung Amerikas abzuhalten.

2002 führte er Regie in einer Neuverfilmung von Pinocchio, in der er auch die Hauptrolle spielte. Sein bisher letzter Film, Der Tiger und der Schnee (2005), ist eine komödiantische Liebesgeschichte in dem vom Krieg verwüsteten Irak.

Benigni trat in drei Filmen des amerikanischen Regisseurs Jim Jarmusch auf. In Down by Law (1986) spielte er den naiven Bob, der wegen Mordes verurteilt ist und dessen gute Laune und Optimismus ihm zur Flucht verhelfen, auf der er in „Nicoletta“ seine große Liebe findet, bereits hier verkörpert von Schauspielerin Nicoletta Braschi. Ebenfalls 1986 entstand die erste Episode des Films Coffee and Cigarettes, Strange to Meet You, in der Benigni zusammen mit Steven Wright auftritt. Die weiteren Episoden wurden zum Teil viel später abgedreht, so dass der Film erst 2003 erschienen ist. In einem weiteren Episodenfilm von Jarmusch, Night on Earth (1991), spielte Benigni einen Taxifahrer in Rom. In der Rolle berichtet er seinem Fahrgast, einem Priester, über seine ungewöhnlichen sexuellen Erfahrungen und setzt ihm damit so zu, dass dieser einem Herzinfarkt erliegt.

Darüber hinaus ist Benigni geschätzt als Improvisationsdichter (poesia estemporanea ist eine verbreitete Kunstform in der Toskana) sowie für seine aus dem Gedächtnis abgehaltenen Vorträge aus Dantes Göttlicher Komödie, die er auf seiner Tour Tutto Dante vorgetragen und kommentiert hat. Die ersten Lesungen fanden von Juli bis August 2006 auf der Piazza Santa Croce in Florenz statt und wurden ab dem 29. November 2007 von Rai Uno im italienischen Fernsehen übertragen. In den dreizehn Folgen handelt es sich um die ersten zehn Gesänge sowie um den 26. und 33. Gesang des Infernos und den 33. Gesang des Paradiso.

Nach dem großen Erfolg in Florenz ging Tutto Dante auf Tour und begeisterte das Publikum in mehreren italienischen Städten. Die über 130 Shows wurden von rund einer Million Menschen live verfolgt – davon allein über 120.000 in Rom. Weitere zehn Millionen Zuschauer sahen die Aufzeichnung „II V° dell’Inferno“ auf Rai Uno am 29. November 2007 und die Wiederholungen auf Rai International an den darauffolgenden Tagen.

2004 wurde ein Asteroid nach ihm benannt: (21662) Benigni. 2005 wurde Roberto Benigni mit dem Großkreuz (Cavaliere di Gran Croce) des Verdienstordens der Italienischen Republik ausgezeichnet.[3] 2008 erhielt Benigni die Ehrendoktorwürde der Universität Malta.[4]

Der politisch engagierte Schauspieler ist in Italien auch bekannt als scharfer Kritiker von Silvio Berlusconi.[5]

FilmografieBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Roberto Benigni – Sammlung von Bildern

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Interview mit Roberto Benigni in der Frankfurter Rundschau vom 15. April 2009 (Memento vom 21. April 2009 im Internet Archive)
  2. Joshua D. Zimmerman (Hrsg.): Jews in Italy Under Fascist and Nazi Rule, 1922–1945, Cambridge University Press 2005, S. 335 (online)
  3. Auszeichnung des Verdienstordens der Italienischen Republik + repubblica.it
  4. Ehrendoktorwürde an Benigni 2008 (Memento vom 8. Januar 2016 im Internet Archive)
  5. »Silvio, wo steckst du? Ich habe dich lieb!«, Interview mit Roberto Benigni in der Zeit, 2. März 2006