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Robert Zahn (Archäologe)

deutscher Klassischer Archäologe

Robert Zahn (* 9. Januar 1870 in Bruchsal; † 27. November 1945 in Berlin) war ein deutscher Klassischer Archäologe und Direktor der Antikensammlung Berlin.

Inhaltsverzeichnis

WerdegangBearbeiten

Robert Zahn wurde als Kind des Konditors Jakob Zahn geboren. Später gab er an, dass hier das Interesse an der antiken gewerblichen Kunst geweckt wurde. 1876 siedelte die Familie nach Stuttgart über. Zahn besuchte dort zunächst die Elementarschule, das Abitur legte er am Eberhard-Ludwigs-Gymnasium Stuttgart ab. 1888 begann er damit, an der Universität Heidelberg Klassische Archäologie, Klassische Philologie und Alte Geschichte zu studieren. Seine wichtigsten Lehrer wurden der Direktor des Archäologischen Instituts, Friedrich von Duhn, sowie Karl Zangemeister, Erwin Rohde und Alfred von Domaszewski. 1893 legte er das philologische Staatsexamen ab und war danach kurze Zeit als Volontär an Heidelberger Gymnasium beschäftigt. 1894 wechselte er als Assistent an das Archäologische Institut der Universität. Er wurde dort 1896 promoviert mit einer Arbeit, die sich mit der Darstellung der Barbaren in der griechischen Kunst und Literatur befasste. Noch im selben Jahr reiste Zahn erstmals nach Griechenland und arbeitete dort an der Ordnung der Vasenfunde der Akropolis-Ausgrabungen mit. Von 1897 bis 1899 war Zahn zwei Jahre nacheinander Inhaber des Reisestipendiums des Deutschen Archäologischen Instituts. Seine dadurch erworbenen Kenntnisse bewog den Leipziger Baedeker-Verlag, ihm die Überarbeitung der kunstgeschichtlichen Einführung der 4. Auflage des renommierten Griechenland-Baedekers von 1904 anzuvertrauen.

BerlinBearbeiten

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland wurde Zahn freier Mitarbeiter an der Antikenabteilung in Berlin und begann damit die Arbeit an der Institution, an der er bis zu seiner Pensionierung wirken sollte. 1901 stieg er zum fest angestellten Direktorialassistenten auf, 1909 wurde er Kustos. Nachdem Hermann Winnefeld 1918 verstarb, rückte Zahn auf die Position des Zweiten Direktors auf, nach Theodor Wiegands Ausscheiden aus dem Museumsdienst 1931 wurde er Erster Direktor der Sammlung und verblieb in der Position bis zu seiner Pensionierung 1935. Einen Ruf auf die Heidelberger Professur lehnte Zahn 1920 ab, da er nicht auf den täglichen Umgang mit den antiken Originalen verzichten wollte. Dennoch lehrte er von 1928 bis 1936 als Honorarprofessor an der Berliner Universität. Er starb 1945 nach längerer Krankheit.

In seiner Berliner Zeit entwickelte sich Zahn zu einem international anerkannten Fachmann für antike Keramik, antikes Glas und antiken Goldschmuck. So fand er unter anderem die Herkunft der Klazomenischen Vasenmalerei. Seine Arbeiten gingen meist von Einzelstücken oder zusammenhängenden Fundgruppen aus, um von den Einzelbetrachtungen am Ende ganze Fundgruppen beschreiben zu können. Zudem versuchte er, die Funde auch immer in einen historischen Kontext zu stellen. Zahns schriftliches Œuvre umfasst vor allem Aufsätze und Berichte sowie Sammlungskataloge. 1921 beschrieb er in zwei Bänden die Sammlung der Galerie Bachstitz, 1929 die Sammlung von antikem Schmuck und antiker Kleinkunst des Baurates Schiller. Für die Kataloge der Schmucksammlungen der Berliner Sammlung und des Metropolitan Museum of Art in New York City leistete er grundlegende Vorarbeiten. Besonderen Wert legte Zahn auch auf die Öffentlichkeitsarbeit, etwa in Form von Museumsführungen und Vorträgen, und versuchte auch junge Menschen an die antike Kunst heranzuführen. Er war ordentliches Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften. 1924 wurde er zum korrespondierenden Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften gewählt.[1]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Holger Krahnke: Die Mitglieder der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen 1751–2001 (= Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Philologisch-Historische Klasse. Folge 3, Bd. 246 = Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Mathematisch-Physikalische Klasse. Folge 3, Bd. 50). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN 3-525-82516-1, S. 265.