Hauptmenü öffnen

Robert Thelen

deutscher Ingenieur, Pilot und Luftfahrtpionier

LebenBearbeiten

Thelen kam als Sohn eines Berliner Produzenten von Brauereiausrüstungen zur Welt, begann 1905 ein Studium für allgemeinen Maschinenbau und erwarb im Sommer 1909 an der Technischen Hochschule Charlottenburg das Diplom.

KaiserzeitBearbeiten

Mit Beginn des Motorfluges war Thelen begeistert von der neuen Technik. Bereits am 11. Mai 1910 erhielt er vom Deutschen Luftfahrer-Verband seinen Pilotenschein, der die Nummer 9 trug. Sein Fluglehrer war Fridolin Keidel, der selbst seine Lizenz erst am 27. April erhalten hatte und mit dem Thelen fünf Übungsflüge vor seinem ersten, ungenehmigten Soloflug absolvierte. Bereits vier Tage später nahm er an der vom 10. bis 16. Mai stattfindenden 2. Johannisthaler Internationalen Flugwoche teil, stürzte jedoch dabei mit seinem Wright-Doppeldecker ab. Nach der Reparatur seines Flugzeugs absolvierte er einen Monat später als erster deutscher Pilot am 11. Juli 1910 einen über das Flugplatzgelände hinausgehenden Rundflug, der ihn in 25 Minuten vom Flugplatz Johannisthal über Adlershof und Grünau zu den Müggelbergen und zurück entlang der Dahme und über Adlershof zum Flugplatz Johannisthal führte. Im selben Jahr beschloss die Adlershofer Gemeindevertretung, die Thelenstraße nach ihm zu benennen. Während der Berliner Flugwoche vom 7. bis 13. August 1910 gewann Thelen mehrere Preise, darunter den Höhenpreis für erreichte 298,76 Meter. In den folgenden Monaten bildete Thelen als Fluglehrer bei der im gleichen Jahr gegründeten Ad Astra Flug G.m.b.H. andere Piloten aus, darunter Melli Beese. Auch nahm er an weiteren Veranstaltungen teil, darunter an einem Überlandflug von Frankfurt nach Mannheim vom 16. bis 22. August 1910 und einem von Trier nach Metz vom 27. September bis zum 1. Oktober 1910, wo er den zweiten Preis sowie mehrere Ehrenpreise gewinnen konnte. Ein Großereignis der Fliegerei stellte die vom 9. bis zum 16. Oktober 1910 ausgerichtete Nationale Flugwoche in Johannisthal dar. Thelen beteiligte sich und konnte einige Auszeichnungen erringen, darunter den Bleichröder-Preis und den Preis für den längsten Passagierflug. Zwei Wochen später war er am 30. Oktober 1910 einer der Teilnehmer am ersten deutschen Luftrennen von Bork nach Johannisthal. Das Jahr 1911 begann für Thelen mit einem Überlandrundflug mit den Etappen Gotha–Weimar–Erfurt–Gotha. Es folgten der Deutsche Zuverlässigkeitsflug (19.–27. Mai) in Offenburg, den er aber vorzeitig wegen einer Bruchlandung gegen einen Baum beenden musste, sowie der Deutsche Rundflug vom 11. Juni bis zum 10. Juli 1911, wo Thelen mehrere Preisgelder in Höhe von insgesamt 15.892 RM erringen konnte. Doch nicht nur in Deutschland war Thelen erfolgreich. Im Spätsommer 1911 hielt er sich in Dänemark auf, wo er am dortigen Rundflug teilnahm. Großes Aufsehen erregte in den örtlichen Medien sein 80-km-Flug von Aarhus nach Kopenhagen, der auch über das Seegebiet des Kattegatts führte und ihm einen Preis des Kopenhagener Tageblatts einbrachte.

An der 1912 eröffneten Adlershofer Luftfahrerschule war er als Dozent tätig. Bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges stellte er noch mehrere Flugrekorde auf (Größte Flughöhe, längste zurückgelegte Distanz, höchstes transportiertes Nutzgewicht). So stellte er am 20. März 1914 mit 3700 m den Höhenrekord für ein Flugzeug mit drei Passagieren auf.

Erster WeltkriegBearbeiten

Während des Ersten Weltkrieges war er bei den Albatros Flugzeugwerken Testpilot und Jagdflugzeug-Konstrukteur während Ernst Heinkel für den Entwurf von Bombenflugzeugen zuständig war. Unter Thelens Konstruktionen war eines der meistverwendeten Jagdflugzeuge der Luftstreitkräfte, die Albatros D.III. Als Testpilot flog er die in Friedrichshagen gebauten Albatros-Wasserflugzeuge.

Weimarer RepublikBearbeiten

Nach dem Krieg leitete Thelen zunächst den Betrieb des Vaters, bevor er 1926 Leiter der Prüfabteilung der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt in Adlershof wurde.

Zeit des NationalsozialismusBearbeiten

Als diese 1933 nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten dem neugeschaffenen Reichsluftfahrtministerium unterstellt wurde, wurde er übernommen und erhielt 1935 einen militärischen Rang. Im Alter von 60 Jahren erreichte er 1944 die Pensionierungsgrenze und schied aus dem Reichsluftfahrtministerium aus.

NachkriegszeitBearbeiten

 
Grabanlage der Familie Thelen auf dem Friedhof Berlin-Friedrichshagen (Zustand 2013)
 
Inschrift des Grabmals für Robert Thelen und seinen im Zweiten Weltkrieg gefallenen Sohn Knut

Trotz seiner Pensionierung wurde er nach dem Kriegsende von den sowjetischen Behörden als ausgewiesener Luftfahrtexperte vermutlich interniert und von 1946 bis 1954 in die Sowjetunion gebracht. Nach seiner Rückkehr aus der Sowjetunion entschied er sich dafür, in der DDR zu bleiben und lebte bis zu seinem Tod in der von seinem Vater 1900 erbauten Villa in Berlin-Hirschgarten.

Robert Thelen wurde im Grab der Familie auf dem Evangelischen Friedhof Berlin-Friedrichshagen beigesetzt. Obwohl die Liegezeit des Grabes seit Jahren abgelaufen ist, befindet es sich in gutem Zustand. Der Heimatverein Köpenick bemüht sich bei der Evangelischen Christophorus-Gemeinde Friedrichshagen um eine Bestandsgarantie für das Grab.

LiteraturBearbeiten

  • Heinz A. F. Schmidt: Aus dem Leben deutscher Flugpioniere: Robert Thelen. In: Flieger-Jahrbuch 1968. Transpress, Berlin 1967, S. 157–162.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Robert Thelen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien