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Projekt 50, mit dem Decknamen Gornostai (russisch: Горностай = Hermelin), war eine Klasse von Geleitzerstörern, die in der Sowjetunion für die sowjetische Marine gebaut wurde. Später wurden die Schiffe des Projekts zur Fregatten umklassifiziert. Die NATO bezeichnete Projekt 50 als Riga-Klasse.

Projekt 50
Projekt-50-Fregatte im Jahr 1983
Projekt-50-Fregatte im Jahr 1983
Schiffsdaten
Schiffsart Fregatte
Bauwerft * Kaliningrad
Bauzeitraum 1953 bis 1958
Gebaute Einheiten 68
Dienstzeit 1954 bis 1990er-Jahre
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
90,90 m (Lüa)
Breite 10,20 m
Tiefgang max. 2,90 m
Verdrängung leer: 1.050 t

Einsatz: 1.337 t

 
Besatzung 168
Maschinenanlage
Maschine 2 × Dampfdruckturbine
Maschinen-
leistung
2 × 10.010 PS (7.362 kW)
Höchst-
geschwindigkeit
29 kn (54 km/h)
Propeller 2
Bewaffnung
3 × 1 100-mm-L/56 B-34
2 × 2 37-mm-L/67-W-11-FlaK
1 × 6 RBU-200-U-Boot-Abwehr-Raketenwerfer
1 × 2 Torpedorohre ∅ 533 mm

Entwicklung und BauBearbeiten

Der Auftrag für die Planung ein Mehrzweckkriegsschiff für die Sowjetunion zu entwickeln wurde 1950 erteilt. So trug die zukünftige Schiffsklasse die Bezeichnung Projekt 50. Die Planungen sollten bis 1952 abgeschlossen sein, was erst 1953 gelang. Bis 1958 wurden 68 Schiffe auf drei sowjetischen Werften gebaut. Einige wurden an verbündete Staaten geliefert, davon insgesamt vier an die Volksmarine.

Rumpf und AntriebBearbeiten

Die Schiffe hatten einen geschweißten Metallrumpf in Längs- und Querspantenbauweise, bei dem entscheidende Abschnitte wie die Brücke, die Munitionsbunker und die Geschütztürme mit einem Splitterschutz aus 7 bis 8 mm Stahl zusätzlich verstärkt wurden. Dampfdruckturbinen vom Typ TW-9 mit insgesamt 21000 PS konnten über zwei Schrauben bei 386 Umdrehungen pro Minute das Schiff auf bis zu 29 Knoten beschleunigen. Später wurde die zulässige Höchstgeschwindigkeit jedoch auf 25 Knoten festgesetzt, um Maschinenproblemen vorzubeugen, denn es waren bei der Erprobung der Turbinen immer wieder Schaufelblätter abgerissen. Die dafür verantwortlichen Schwingungen, die bei hohen Leistungen auftraten, konnten vom Turbinenhersteller nicht beseitigt werden.

Bewaffnung und EinsatzBearbeiten

 
SKR-61 Gornostay, 1970er-Jahre

Die Hauptbewaffnung der Klasse bestand aus 100-mm-L/56-Geschützen B-34, die manuell nachgeladen eine Feuergeschwindigkeit von 15 Schuss pro Minute bei einer maximalen Reichweite von etwa 22 km erreichten. Erstmals war es bei dieser Klasse möglich, alle Geschütze manuell oder über die Zentrale ferngesteuert auszurichten und abzufeuern. Der Einsatz der Hauptartillerie war bis zu einem Seegang der Stärke 6 möglich.[1]

Zur Flugabwehr waren zwei doppelläufige wassergekühlte W-11M-Geschütze vom Kaliber 37 mm L/67 in offenen Geschützständen eingebaut. Jedes Geschütz hatte eine Bedienmannschaft von drei Soldaten und konnte eine theoretische Kadenz von bis zu 360 Schuss pro Minute erreichen. Es konnten mit entsprechender Munition Luftziele bis zu einer Entfernung von 4000 Metern bekämpft werden.[2]

Die Torpedos waren in einem drehbaren Werfer auf dem Oberdeck montiert. Zunächst verwendete man ungelenkte 53-39-PM-Torpedos, die später durch zielsuchende Waffen ersetzt wurden. Weiterhin war ein RBU-200- oder BMB-1-U-Boot-Abwehr-Raketenwerfer eingebaut.

SensorenBearbeiten

Die Schiffe verfügten über ein Sonar vom Typ Pegas zur Suche nach U-Booten, ein Navigationsradar vom Typ Nakat-M und Feuerleitradar.[3]

ModifikationenBearbeiten

Bereits wenige Jahre nach der Indienststellung wurden die Waffen zur U-Jagd modernisiert, der MBU-200- wurde durch zwei RBU-2500-U-Boot-Abwehr-Raketenwerfer ersetzt und die Torpedo- und Wasserbomben-Systeme ebenfalls aufgerüstet. Speziell die an die Volksrepublik China gelieferten und die dortigen Lizenzbauten der Riga-Klasse wurden stark modifiziert, so dass bei der Jianghu-I-Klasse ein 100-mm-Geschützturm, die Torpedorohre und Teile der Flugabwehrbewaffnung entfernt und durch Container für schwere Seezielflugkörper ersetzt wurden.

Einheiten in der VolksmarineBearbeiten

 
KSS Karl Marx der Volksmarine, 1974

Von 1959 bis ca. 1969 dienten in den Seestreitkräften der DDR bzw. der Volksmarine der DDR vier ehemalige sowjetische Einheiten der Riga-Klasse: Ernst Thälmann, ex Олень (Rentier), Karl Marx, ex Тур (Auerochse), Karl Liebknecht, ex Соболь (Zobel) und Friedrich Engels, ex Енот (Waschbär).

Derzeitiger StatusBearbeiten

Es sind keine Fregatten dieses Typs mehr im Einsatz. Das letzte Schiff dieser Klasse unter deutscher Flagge war die Ernst Thälmann der Volksmarine, die 1977 außer Dienst gestellt wurde.

Die Marine der Volksrepublik China betreibt weiterhin einige Fregatten der von der Riga-Klasse abgeleiteten Jianghu-Klasse als Trainingsschiffe. Die Marine Myanmars erhält 2012 zwei Schiffe, die ehemalige Anshun (FFG 554) und Jishou (FFG 557). Sie führen in Birma die Rumpfnummern F21 und F23.

Belege und VerweiseBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. [1] B-34 bei navyweapons.com
  2. [2] W-11 bei flot.sevastopol.info, russisch
  3. Norman Friedman: The Naval Institute guide to world naval weapon systems. 2006, ISBN 1-55750-262-5.

LiteraturBearbeiten

  • С.С. Бережной: Сторожевые корабли ВМФ СССР и России 1945–2000. (etwa: S.S. Bereschnoi: Wachschiffe der Marine der UdSSR und Russlands.) Moskau 2000 (russisch).

WeblinksBearbeiten

  Commons: Riga-Klasse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien