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Riese (Holz)

rutschbahnartige Rinne zum Abtransport geschlagenen Holzes
zeichnerische Darstellung einer Stammholzriese in Nordtirol

Eine Riese oder Holzriese ist eine rutschbahnartige Rinne zum Abtransport geschlagenen Holzes aus steilem Gelände, in der das Holz durch seine Schwerkraft zu Tal gefördert wird. In früheren Zeiten waren Riesen eine wichtige Transportmöglichkeit von großen Holzmengen aus schwer zugänglichem Gelände. Bereits zur Zeit des Königs Nebukadnezar II. im 7. Jahrhundert v. Chr. wurde mit Hilfe von Riesen Zedernholz aus dem Libanon verbracht. Sofern möglich wurde der Holztransport mit den Möglichkeiten der Trift und der Flößerei gekoppelt.[1] Im Idealfall endete die Riese direkt an einem Wasserlauf.

Die Riesen waren eine technische Weiterentwicklung des „Treibens“, bei dem man Stammholz an Hängen zu Tal rutschen ließ, und der „Loite“ (auch Luite oder Erdgefährte), bei der das Rutschen des Holzes bereits durch technische Maßnahmen verbessert wurde. Mit Aufkommen des mechanisierten Transports, insbesondere durch moderne Seilanlagen und geländegängige Rückefahrzeuge, nahm die Bedeutung dieser Transportform für die Forstwirtschaft ab. Gelegentlich werden in Europa noch Loiten oder Riesen aus Stahlblech, Aluminium oder Kunststoff[2] eingesetzt, die auch in schwierigem Gelände leicht verlegbar sind und Rückeaufgaben auf kurzen Strecken übernehmen.

BezeichnungenBearbeiten

Sowohl die Bezeichnungen als auch die Formen der Riesen waren lokal sehr unterschiedlich. Im Schwarzwald wurde auch der Begriff Riesbahn verwendet, in Württemberg wohl Rutsche (Rutschenfelsen bei Bad Urach). Andere Bezeichnungen sind auch Husche, Laaße, Ploße oder Swende. Der Name des Riesengebirges wird in manchen Quellen auf diese Konstruktion zurückgeführt.

Je nach Geländebeschaffenheit und örtlichen Voraussetzungen gab es auch Erd- oder Weg-Riesen.[3] Bei Erd-Riesen wurden flache Erdrinnen genutzt, um Gleitbahnen für Holz zu erhalten. Hierbei wurden entweder vorhandene Rinnen entsprechend erweitert oder auch künstliche Rinnen angelegt. Diese Erd-Riesen dienten fast ausschließlich dem Transport von Stammholz. Die Weg-Riese war die ausgebaute Form eines Waldweges. Durch Holzkonstruktionen wurden die Wegränder so gestaltet, dass das zu riesende Holz nicht über den Wegrand hinaus gleiten konnte.

Die klassische HolzrieseBearbeiten

 
Nachbau einer Holzriese (Husche) im Walderlebniszentrum „Waldhusche“ in Hinterhermsdorf

Die klassische Riese wurde aus Holz gezimmert und die Herstellung benötigte hohe fachliche Fertigkeiten. Etwa fünf bis zwölf Rundhölzer wurden zu einer Gleitrinne zusammen gezimmert und von einem Joch getragen. Am oberen Ende befand sich der „Riesmund“, in den das Holz eingebracht wurde, und am unteren talseitigen Ende der „Rieswurf“, der das Holz entweder gleich ins Wasser schleuderte oder auf einen Sammelplatz entließ. Je nach Neigung wurden hohe Transportgeschwindigkeiten erzielt, die das Gewerbe des „Holzriesers“ gefährlich machten. Die Konstruktion und Trassenführung musste höchsten Anforderungen gerecht werden. Mit Hilfe hochgebauter Joche konnten auch Geländeeinschnitte überwunden werden. Auch hierbei musste das Holz selbstständig gleiten, durfte aber andererseits nicht zu schnell werden, um ein Ausgleiten zu vermeiden. Die Beeinflussung der Gleitgeschwindigkeit durch Beigabe von Gleithilfen wie Wasser oder Öl zur Beschleunigung, oder andererseits von Sand zur Bremsung, waren nur begrenzt wirksam. Auch der Einbau von „Wölfen“ (von oben in die Riesrinne hängende Hölzer) bremste nur in Maßen.

Die Betreuung und Ergänzung der Riesen wurde von den sogenannten „Rieshirten“ durchgeführt.

Der Bau von Holz-Riesen verbrauchte häufig ein Drittel des eingeschlagenen Holzes. Der Bau war daher nur sinnvoll, wenn große Holzmengen eingeschlagen wurden. Die Steilhänge konnten bis zu 40 Prozent Gefälle aufweisen.

Den Nachbau einer Holzriese kann man heute z. B. im Erlebnisareal „Waldhusche“ in Hinterhermsdorf besichtigen, welches nach der Riese („Husche“) benannt wurde.[4][5]

SeilrieseBearbeiten

Eine Seilriese ist eine Seilbahn zum Abtransport von Holzstämmen aus steilem Gelände. Die Holzstämme werden dabei mit einem Rückhalteseil gesichert langsam ins Tal heruntergelassen.[6][7]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Trift an der Brandenberger Ache (abgerufen am 29. Juli 2011)
  2. Durchforstung mit Raupen-Kranvollernter; Rücken mit Kunststoffriese Leykam Log-Line
  3. Erlbeck, Haseder, Stinglwagner Das Kosmos Wald- und Forstlexikon, Kosmos-Verlag, S. 593 ISBN 3-440-07511-7
  4. „Historische Waldarbeit und mehr in der Waldhusche in Sachsen“, forstpraxis.de (aufgerufen am 3. August 2011)
  5. „Rutschbahn nach Holzfällerart“, nationalpark-saechsische-schweiz.de (aufgerufen am 3. August 2011)
  6. Franz Hasner: Zur Geschichte der Beförderung von Holz auf Draht- und Seilriesen. Forstwissenschaftliches Centralblatt, 1. Mai 1941, Jahrgang 63, Nr. 5, S. 100–109.
  7. Mit Schwung und ohne Motor, Wald und Holz, 11/ 2009, S. 28–31 (PDF; 2,67 MB)

LiteraturBearbeiten

  • Peter Dietz, Wolfgang Knigge, Hans Löffler: Walderschließung. Ein Lehrbuch für Studium und Praxis unter besonderer Berücksichtigung des Waldwegebaus. Parey, Hamburg/Berlin 1984, ISBN 3-490-02116-9. (Reprint: Verlag Kessel, Remagen 2011, ISBN 978-3-941300-39-2)

WeblinksBearbeiten

  Commons: Holzriesen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien