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Richard Nowakowski (links) im Finale des 4. internationalen Felix-Stamm-Turniers 1981 in Warschau gegen Jerzy Zagorski (Polen).

Richard Nowakowski (* 27. September 1955 in Sztum, Polen) ist ein ehemaliger deutscher Boxer. Er war zweifacher Medaillengewinner bei Olympischen Spielen und zweifacher Europameister der Amateure.

WerdegangBearbeiten

Richard Nowakowski spielte als Kind in Ribnitz-Damgarten Fußball und begann als 11-Jähriger bei der SG Aufbau mit dem Boxen, wechselte aber schon bald zum SC Traktor Schwerin. Trainiert von Paul Nickel und Fritz Sdunek stellten sich schon bald Erfolge ein. So wurde er im Nachwuchsbereich in den Jahren 1969, 1971 und 1973 DDR-Jugend- bzw. Juniorenmeister und 1982 Spartakiadesieger. Er war ein leichter Boxer, der als Erwachsener bei einer Größe von 1,74 Metern im Feder- oder Leichtgewicht (bis 57 kg bzw. 60 kg Körpergewicht) kämpfte.

1974 startete er bei der Junioren-Europameisterschaft in Kiew im Bantamgewicht, verlor aber den einzigen Kampf, den er dort zu bestreiten hatte im Viertelfinale gegen Felix Pak aus der UdSSR und kam damit auf den 5. Platz. Im gleichen Jahr wurde er erstmals DDR-Meister bei den Senioren im Bantamgewicht mit einem Sieg im Finale über Jochen Rocke vom TSC Berlin.

1975 unterlag er bei der DDR-Meisterschaft im Federgewicht im Finale gegen Stefan Förster, SG Wismut Gera. Er gewann in diesem Jahr aber zwei große internationale Turniere. Zuerst siegte er in Las Villas auf Kuba beim "Giraldo-Cordova-Cardin"-Memorial, einem Turnier, bei dem die ganze kubanische Boxelite am Start war, im Leichtgewicht mit einem Punktsieg im Endkampf über Reinaldo Valiente aus Kuba. Er siegte auch beim TSC-Turnier in Berlin im Bantamgewicht mit einem Punktsieg über Wladimir Sorokin aus der UdSSR.

Nachdem Richard Nowakowski 1976 mit einem Punktsieg über seinen Vereinskollegen Christian Zornow zum zweitenmal DDR-Meister geworden war, wurde er auch für die Olympischen Spiele in Montreal nominiert. In Montreal kämpfte er im Federgewicht und siegte dort über Ruben Mares von den Philippinen nach Punkten (5:) über Behzad Ghaeli Bardeh aus dem Iran und über Gheorghe Ciochina aus Rumänien jeweils durch Abbruch in der 3. Runde und im Halbfinale über Leszek Kosedowski aus Polen nach Punkten (5:0). Im Finale unterlag er dem die damalige Weltboxszene im Federgewicht beherrschenden Ángel Herrera aus Kuba durch KO in der 2. Runde. Trotzdem war die Silbermedaille, die er sich damit erkämpfte, hoch verdient. Für diesen Erfolg wurde er mit dem Vaterländischen Verdienstorden in Bronze ausgezeichnet.[1]

Im Jahre 1977 gewann Richard Nowakowski dann seinen ersten internationalen Titel. Er wurde in Halle (Saale) Europameister im Federgewicht. Dabei siegte er über Tschatscho Andrejkowski aus Bulgarien (3:2), Wiktor Rybakow aus der Sowjetunion (4:1) und Roman Gotfryd aus Polen (5:0). Das waren drei Gegner, die ihm alles abverlangten, umso bemerkenswerter war es, dass er sich durchsetzte. Wie stark diese Gegner waren, zeigte sich schon bei der Weltmeisterschaft 1978 in Belgrad. Dort traf er gleich in der ersten Runde auf Tschatscho Andrejkowski, der ihn diesmal mit 4:1 Richterstimmen nach Punkten besiegte. Richard Nowakowski schied damit schon vor dem Achtelfinale aus und platzierte sich mit allen Verlierern seiner Runde auf dem 17. Platz.

Auch im Jahre 1979 stand für Richard Nowakowski eine internationale Meisterschaft auf dem Programm, die Europameisterschaft in Köln. Nach Punktsiegen über Mustapha Keddari aus Frankreich (5:0) und András Botos aus Ungarn (4:1) traf er dort im Halbfinale auf Wiktor Demjanenko aus der UdSSR, gegen den er mit 0:5 Richterstimmen verlor. Er gewann damit eine EM-Bronzemedaille.

1978 und 1979 war Richard Nowakowski im Federgewicht mit Siegen über Rudi Fink, ASK Vorwärts Frankfurt (Oder) bzw. Lutz Käsebier, SC Dynamo Berlin, DDR-Meister geworden. 1980 war er bei dieser Meisterschaft nicht am Start, um sich ungestört auf die Olympischen Spiele in Moskau vorbereiten zu können. In Moskau siegte er im olympischen Boxturnier über Christopher Ossai aus Nigeria nach Punkten (5:0), gewann dann über Geoffrey Nyeko aus Uganda durch Abbruch i.d. 3. Runde (Verletzung) und schlug George Gilbody aus Großbritannien sicher nach Punkten (5:0). Im Halbfinale hatte er dann ausgesprochenes Pech, denn er musste gegen Wiktor Demjananko wegen einer Verletzung schon in der 1. Runde aus dem Kampf genommen werden. Er gewann damit aber immerhin die Bronzemedaille. Er war damit der einzige Boxer aus der DDR, der bei zwei Olympischen Spielen eine Medaille gewann.

Die Laufbahn von Richard Nowakowski war damit aber noch nicht beendet. Er wurde 1981 noch einmal DDR-Meister im Leichtgewicht und besiegte dabei im Endkampf den künftigen DDR-Starboxer Siegfried Mehnert vom SC Chemie Halle, damals noch ein aufstrebendes Talent, nach Punkten (4:1). Anschließend gewann er bei der Europameisterschaft in Tampere zum zweiten Mal den Titel. Er besiegte dabei im Federgewicht Raul Trapero aus Spanien (5:0), Todor Pawlow, Bulgarien (5:0), Sorik Nurkasow, UdSSR (3:2) und Krzysztof Kosedowski, Polen (4:1) nach Punkten.

Richard Nowakowski besiegte Siegfried Mehnert auch im Endkampf des Chemie-Pokals 1982 in Halle (Saale) im Leichtgewicht nach Punkten (5:0). Bei der Weltmeisterschaft dieses Jahres in München startete er aber wieder im Federgewicht und gewann mit Punktsiegen über Saber Sarag aus Ägypten (5:0) u. Faksin Sümer, Türkei (5:0) und einem Abbruch-Sieg i.d. 2. Runde über Miroslav Sandor, Tschechoslowakei und einer Punktniederlage im Halbfinale gegen Adolfo Horta aus Kuba seine sechste Medaille bei einer internationalen Meisterschaft bzw. bei Olympischen Spielen.

1983 beendete Richard Nowakowski seine Boxerlaufbahn in der DDR. Im Februar 1989 kehrte er nach einem Verwandtenbesuch in der Bundesrepublik Deutschland nicht mehr in die DDR zurück und schloss sich dem Boxclub CSC Frankfurt (Main) an, für den er einige Kämpfe in der deutschen Bundesliga bestritt und mithalf diesem Verein den deutschen Mannschaftsmeistertitel der Saison 1989/90 zu sichern. Ab der Saison 1990/91 boxte er dann noch einige Jahre für die Bundesligastaffel des TSV Bayer 04 Leverkusen. Im Jahre 1989 gewann er auch noch einen Einzeltitel, denn er wurde deutscher Meister der Amateure im Leichtgewicht mit einem Punktsieg im Finale über Jörg Kästner aus Ahlen (Westfalen). 1990 nahm Nowakowski letztmals an einem internationalen Wettkampf teil. Beim Weltcup in Dublin unterlag er in der Vorrunde dem Marokkaner Kamal Marjouane (30:9).

Nach der deutschen Wiedervereinigung kehrte Richard Nowakowski 1993 nach Schwerin zurück und gründete dort eine Recyclingfirma. Heute lebt Nowakowski in Schwerin.

Internationale ErfolgeBearbeiten

Jahr Platz Wettbewerb Gewichtsklasse
1973 1. Intern. Junioren-Turnier in Schwerin Bantam mit Punktsieg im Finale über Piotr Bohosiewicz, Polen
1974 5. Junioren-EM in Kiew Bantam nach Punktniederlage im Viertelfinale gegen Felix Pak, UdSSR
1975 1. "Giraldo-Cordova-Cardin"-Memorial in Las Villas/Kuba Feder mit einem Punktsieg im Finale über Reinaldo Valiente, Kuba
1975 1. TSC-Turnier in Berlin Bantam mit einem Punktsieg im Finale über Wladimir Sorokin, UdSSR
1976 1. Chemie-Pokal in Halle (Saale) Feder mit einem Punktsieg im Finale über Genovefo Grinan, Kuba
1976 1. 6. Dutch-Tulips-Tournament in Rotterdam Leicht mit einem Punktsieg im Finale über Marin Lazăr, Rumänien
1976 Silber OS in Montreal Feder mit einem Punktsieg über Ruben Mares, Philippinen (5:0), mit Abbruch-Siegen jeweils i.d. 3. Runde über Behzad Ghaedi Bardeh, Iran u. Gheorghe Ciochină, Rumänien, einem Punktsieg über Leszek Kosedowski, Polen (5:0) u. einer KO-Niederlage i.d. 2. Runde gegen Ángel Herrera, Kuba
1977 1. EM in Halle (Saale) Feder mit Punktsiegen über Tschatscho Andrejkowski, Bulgarien (3:2), Wiktor Rybakow, UdSSR (4:1) u. Roman Gotfryd, Polen (5:0)
1978 2. Chemie-Pokal in Halle (Saale) Leicht nach Punktniederlage im Finale gegen Jose Luis Rios, Kuba
1978 17. WM in Belgrad Feder nach einer Punktniederlage gegen Tschatscho Andrejkowski(1:4)
1978 1. "Volksstimme"-Turnier in Wien Leicht mit einem Punktsieg im Finale über András Botos, Ungarn (3:2)
1978 1. "Feliks-Stamm"-Memorial in Warschau Feder mit Abbruchsieg i.d. 3. R. über Jozef Maczuga und Punktsiegen über Zbigniew Parkola (5:0) u. Krzysztof Kikowski (5:0), alle Polen
1979 5. Chemie-Pokal in Halle (Saale) Leicht nach einer Punktniederlage im Viertelfinale gegen Kamel Abboud, Algerien
1979 1. TSC-Turnier in Berlin Leicht mit einem Abbruch-Sieg i.d. 3. Runde über Adam Piwowarski, Polen
1979 3. EM in Köln Leicht mit Punktsiegen über Mustapha Keddari, Frankreich (5:0) u. András Botos (4:1) u. einer Punktniederlage gegen Wiktor Demjanenko, UdSSR (0:5)
1979 5. "Feliks-Stamm"-Memorial in Warschau Leicht nach einer Punktniederlage im Viertelfinale gegen Leszek Kosedowski (1:4)
1980 Bronze OS in Moskau Leicht mit einem Punktsieg über Christopher Ossai, Nigeria (5:0), einem Abbruch-Sieg i.d. 3. R. über Geoffrey Nyeko, Uganda, einem Punktsieg über George Gilbody, Großbritannien (5:0) u. einer Abbruch-Niederlage (Verletzung) i.d. 1. Runde gegen Wiktor Demjanenko
1981 1. TSC-Turnier in Berlin Leicht mit einem kampflosen Sieg im Finale über Florian Ţîrcomnicu, Rumänien
1981 1. EM in Tampere Feder mit Punktsiegen über Raul Trapero, Spanien (5:0), Todor Pawlow, Bulgarien (5:0), Sorik Nurkasow, UdSSR (3:2) u. Krzysztof Kosedowski, Polen (4:1)
1981 1. "Feliks-Stamm"-Memorial in Warschau Leicht mit einem Punktsieg über Ramiz Hrnjak, Jugoslawien (5:0), einem KO-Sieg i.d.a 1. Runde über Robert Matloka, Polen u. einem Abbruch-Sieg i.d. 2. Runde über Jerzy Zagorski, Polen
1982 1. Chemie-Pokal in Halle (Saale) Leicht mit einem Punktsieg über Siegfried Mehnert, DDR (5:0)
1982 3. WM in München Feder mit Punktsiegen über Saber Sarag, Ägypten (5:0) u. Faksin Sümer, Türkei (5:0), einem Abbruch-Sieg i.d. 2. Runde über Miroslav Sandor, ČSSR u. einer Punktniederlage gegen Adolfo Horta, Kuba

LänderkämpfeBearbeiten

Jahr Ort Begegnung Gewichtsklasse Ergebnis
1976 Wrocław Polen gegen DDR Leicht Punktsieg über Bogdan Gajda (2:1)
1976 Krakau Polen gegen DDR Leicht Punktniederlage gegen Zdzislaw Nowak (1:2)
1976 Potsdam DDR gegen Bulgarien Leicht Punktsieg über Zwetan Zwetkow
1977 Gera DDR gegen Polen Feder Punktsieg über Kazimierz Przybylski (3:0)
1977 Erfurt DDR gegen Polen Feder Punktsieg über Jozef Maczuga (3:0)
1978 Crystal Bay USA gegen DDR Feder Punktsieg über Alfredo Aguayo
1979 Schwerin DDR gegen Uganda Feder Punktsieg über Muhamad Bahida
1979 Crystal Bay USA gegen DDR Leicht Punktniederlage gegen David Lee Armstrong
1979 Burlington USA gegen DDR Leicht Abbruch-Sieg i.d. 2. Runde über Alex Byrd
1979 Rostock DDR gegen Rumänien Leicht Abbruch-Sieg i.d.d 2. Runde über Paul Capriceanu
1979 Wismar DDR gegen Rumänien Leicht Punktsieg über Viorel Ioanu
1980 Schwerin DDR gegen USA Leicht Abbruch-Sieg i.d. 3. Runde über Robin Blake
1980 Rostock DDR gegen USA Leicht Punktsieg über Chris Calvin
1982 Syracuse USA gegen DDR Leicht KO-Sieg i.d. 2. Runde über Danny Branch
1982 Atlantic City USA gegen DDR Leicht Sieger über ?
1982 Ottawa Kanada gegen DDR Leicht Punktsieg über Brian Nolan
1982 Rostock DDR gegen Polen Leicht Punktsieg über Kazimierz Adach (2:1)

DDR-MeisterschaftenBearbeiten

Jahr Platz Gewichtsklasse Ergebnis
1974 1. Bantam mit Punktsieg im Finale über Jochen Rocke, TSC Berlin
1975 2. Feder nach Punktniederlage im Finale gegen Stefan Förster, SG Wismut Gera
1976 1. Feder mit Punktsieg im Finale über Christian Zornow, SC Traktor Schwerin
1978 1. Feder mit Punktsieg im Finale über Rudi Fink (5:0), ASK Vorwärts Frankfurt (Oder)
1979 1. Feder mit KO-Sieg i.d. 1. Runde über Lutz Käsebier, SC Dynamo Berlin
1981 1. Leicht mit Punktsieg über Siegfried Mehnert (4:1), SC Chemie Halle (Saale)

Deutsche MeisterschaftenBearbeiten

Jahr Platz Gewichtsklasse Ergebnis
1989 1. Leicht Punktsieg über Jörg Kästner (4:1), BSK 27 Ahlen

LiteraturBearbeiten

  • Fachzeitschrift Box Sport
  • Volker Kluge: Das große Lexikon der DDR-Sportler. Die 1000 erfolgreichsten und populärsten Sportlerinnen und Sportler aus der DDR, ihre Erfolge und Biographien. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2000, ISBN 3-89602-348-9.
  • Ralph Kaschka: Leistungssport im Visier der Stasi. Das MfS und der SC Traktor Schwerin. Berlin 2017 ISBN 978-3-946572-10-7

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Von der Ehrung für die Olympiamannschaft der DDR. Hohe staatliche Auszeichnungen verliehen. Vaterländischer Verdienstorden in Bronze. In: Neues Deutschland. 10. September 1976, S. 4, abgerufen am 10. April 2018 (online bei ZEFYS – Zeitungsportal der Staatsbibliothek zu Berlin, kostenfreie Anmeldung erforderlich).

WeblinksBearbeiten