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Richard Alewyn

deutscher Germanist und Literaturkritiker

LebenBearbeiten

Er war der Sohn des Fabrikanten George Alewyn. Er studierte in Frankfurt, Marburg, München und Heidelberg, unter anderem bei Ernst Robert Curtius, Heinrich Wölfflin, Friedrich Gundolf und Karl Jaspers.

1925 erfolgte seine Promotion in Heidelberg bei Max von Waldberg[1], mit der Studie „Vorbarocker Klassizismus und griechische Tragödie“. Anschließend erhielt er ein Stipendium für die Mitarbeit an einer Literaturgeschichte des 17. Jahrhunderts. 1931 folgte seine Habilitation in Berlin, 1932 wurde er außerordentlicher Professor für Neuere deutsche Literatur in Heidelberg, am Lehrstuhl von Friedrich Gundolf und hielt seine Antrittsvorlesung am 17. Januar 1933.[1]

Aufgrund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums wurde Alewyn wegen einer jüdischen Großmutter (als "Vierteljude") im Juni 1933 entlassen. Im Dezember desselben Jahres verließ er Deutschland und ging nach Frankreich. 1934 erhielt er eine, von der Rockefeller-Stiftung finanzierte, Gastprofessur für deutsche Literatur an der Universität von Paris. Richards Ehefrau und seine Tochter folgten ihm im Februar 1934 nach. In dieser Zeit hielt er zusätzlich Gastvorträge in London.[1]

1935 emigrierte die Familie nach Österreich. Im August 1938 floh er nach Ascona in der Schweiz und am 2. Februar 1939 schließlich in die USA, wohin ihm seine Familie im April 1940 folgte. Dort war er ab 1939 als außerordentlicher Professor am Queens College und ab 1948 als ordentlicher Professor tätig. Am 27. November 1944 nahm er die amerikanische Staatsbürgerschaft an. 1947 und 1948 unternahm er mehrere Forschungsreisen nach Europa und hielt Gastvorlesungen in Marburg und Köln.[1]

Im Mai 1949 wurde er als Ordinarius für Neuere Deutsche Literatur an die Universität zu Köln berufen, wo er bis 1955 tätig war. Am 27. August 1954 verzichtete er auf die amerikanische Staatsbürgerschaft und nahm wieder die deutsche an. Von 1955 bis 1959 Professur in Berlin und von 1959 bis zur Emeritierung 1967 in Bonn.[1]

1956 war er Mitherausgeber der in Heidelberg herausgegebenen Zeitschrift für Literaturgeschichte Euphorion.

Von seinen Studenten verabschiedete er sich beziehungsreich, indem er Goethes „An Schwager Kronos“ vortrug. Alewyn verzichtete auf die Option, bis zum 68. Lebensjahr weiter als Professor zu wirken, um sich intensiver der Forschung und der Literaturkritik zu widmen. 1966 wurde er zum ordentlichen Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften gewählt.[2] Seit 1967 war er Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Er lebte bis zu seinem Tode in Perchting/Oberbayern.

Den Nachlass Alewyns bewahrt das Deutsche Literaturarchiv Marbach auf.

WirkungBearbeiten

Einflussreich war Alewyn vor allem als Hochschullehrer, der seinen Studenten bewies, dass auch nach der Barbarei des Nationalsozialismus eine kritische und zugleich begeisterte Auseinandersetzung mit der deutschen Literaturgeschichte möglich sei.

Bekannt wurde Alewyn durch seine Studien zum Roman des 17. Jahrhunderts, insbesondere durch die Entdeckung des Autors Johann Beer.

Bedeutend sind seine Studien über Hugo von Hofmannsthal und zur deutschen Romantik (Joseph von Eichendorff, Clemens Brentano).

Alewyn beschäftigte sich auch als einer der ersten in Deutschland literaturwissenschaftlich mit dem Detektivroman. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Alewyn nach Deutschland wiederberufen. Hier scharte er treue Schüler um sich, die später die von ihm etablierte "Sozialgeschichte der Literatur" als Lehre verbreiteten. Alewyns Forschungen erhielten dadurch in der "kritischen" Germanistik der 60er Jahre Bedeutung.

SchriftenBearbeiten

  • Johann Beer. Studien zum Roman des 17. Jahrhunderts, Leipzig 1932. – Zweite, verbesserte Auflage. Aus dem Nachlass hg. von Klaus Garber und Michael Schroeter (= Beihefte zum Euphorion. Heft 64). Winter, Heidelberg 2012, ISBN 978-3-8253-5939-3.
  • Hofmannsthals Wandlung, Frankfurt/M. 1949.
  • Über Hugo von Hofmannsthal, Göttingen 1957.
  • Das große Welttheater, Hamburg 1959.
  • Brentanos „Geschichte vom braven Kasperl und dem schönen Annerl“. In: Jost Schillemeit (Hrsg.): Interpretationen 4, Deutsche Erzählungen von Wieland bis Kafka (= Fischer Bücherei. Bd. 721). Fischer, Frankfurt am Main 1966, S. 101–150.
  • als Hrsg. mit Günther Müller: Gestaltprobleme der Dichtung. Günther Müller zu seinem 65. Geburtstag am 15. Dezember 1955. Bonn 1957.
  • Probleme und Gestalten, Frankfurt/M. 1974.

LiteraturBearbeiten

  • Eintrag Richard Alewyn in: Norbert Giovannini; Claudia Rink; Frank Moraw: Erinnern, bewahren, gedenken : die jüdischen Einwohner Heidelbergs und ihre Angehörigen 1933 - 1945. Das Wunderhorn, Heidelberg 2011, ISBN 978-3-88423-353-5, S. 28.
  • Klaus Garber: Zum Bilde Richard Alewyns. München 2005 ISBN 3-7705-4057-3 [Mit Bibliografie]
  • Klaus Garber, Ute Szell (Hrsg.): Das Projekt Empfindsamkeit und der Ursprung der Moderne. Richard Alewyns Sentimentalismus-Forschungen und ihr epochaler Kontext. München 2005 ISBN 3-7705-4071-9
  • Briefwechsel Gottfried Benn - Richard Alewyn 1951-1956. Hg. vom Editionspraktischen Seminar. In: Berliner Hefte zur Geschichte des literarischen Lebens 5 (2003), S. 25–50 ISSN 0949-5371
  • Klaus Garber (Hrsg.): Richard Alewyn. Freie Universität Berlin 1982 [Ausstellungskatalog mit Dokumenten aus dem Nachlass].
  • In memoriam Richard Alewyn. Reden, gehalten am 5. Dezember 1979 bei der Gedächtnisfeier der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn von Horst Rüdiger, Dieter Gutzen, Beda Allemann. Bonn 1981 ISBN 3-416-09143-4
  • Ausf. Bibliographie mit editor. Vorbemerkung in: Bibliographien. Schriftsteller, Publizisten und Literaturwissenschaftler in den USA. 1: A - G. Hgg. John M. Spalek, Konrad Feilchenfeldt, Sandra H. Hawrylchak. de Gruyter, Berlin 2018 ISBN 9783110975536, in Google books einsehbar

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e Eintrag Prof. Richard Alewyn in: Norbert Giovannini; Claudia Rink; Frank Moraw: Erinnern, bewahren, gedenken : die jüdischen Einwohner Heidelbergs und ihre Angehörigen 1933 - 1945. Das Wunderhorn, Heidelberg 2011, ISBN 978-3-88423-353-5, S. 28.
  2. Holger Krahnke: Die Mitglieder der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen 1751–2001 (= Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Philologisch-Historische Klasse. Folge 3, Bd. 246 = Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Mathematisch-Physikalische Klasse. Folge 3, Bd. 50). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN 3-525-82516-1, S. 25.