Retrograde Ejakulation
Als retrograde Ejakulation wird eine Ejakulationsstörung bezeichnet, bei der die Samenflüssigkeit rückwärts in die Harnblase ausgestoßen wird. Dies kann als verzögerter, abgeschwächter oder auch fehlender (sichtbarer) Samenerguss vorkommen und in letzterem Fall auch eine Azoospermie vortäuschen.
UrsachenBearbeiten
Die Ursachen entstehen meist in der Folge von neurologischen oder anatomischen Veränderungen nach bestimmten medizinischen Behandlungen (iatrogen). Diese können Fehlfunktionen oder einen völligen Funktionsverlust des inneren Blasenschließmuskels bewirken. Ein solcher kann aber auch im Alter als Folge einer Prostatavergrößerung auftreten. Bei einem mangelhaften Verschluss der Harnblase an ihrem Ausgang nimmt die Samenflüssigkeit statt des langen Weges nach draußen durch die Harnröhre (Penis) wegen des geringeren Widerstands den viel kürzeren Weg nach oben in die Blase.
Iatrogene UrsachenBearbeiten
Diese kann als Nebenwirkung einer medikamentösen Therapie (Methyldopa; Alphablocker wie Phenoxybenzamin zur Besserung des Harnabflusses bei Prostatavergrößerung (BPH)) u. a.), nach transurethralen Resektionen der Prostata (bei ca. 65 % der Operierten) und Operationen im kleinen Becken und Verletzung der entsprechenden Nerven auftreten. Auch bei psychischen Störungen wie bei Neurolepsie kann es zur retrograden Ejakulation kommen. Viele Patienten leiden darunter, daher ist eine genaue Information durch den behandelnden Arzt sehr wichtig.
Erworbene UrsachenBearbeiten
Harnröhrenstenosen unterschiedlicher Ursache und neurogene Schädigungen als Diabetesspätfolge bei multipler Sklerose und Querschnittsyndrom sind die häufigsten erworbenen Gründe für eine retrograde Ejakulation.
Angeborene UrsachenBearbeiten
Fehlbildungen des Blasenhalses, Störungen des Sympathikus
DiagnoseBearbeiten
Das Ejakulationsvolumen liegt unter 1 ml. Bestätigt wird eine retrograde Ejakulation, indem der Urin in der Regel nach Masturbation mikroskopisch auf Spermien untersucht wird.
TherapieBearbeiten
Besonders bei querschnittsgelähmten Patienten kann eine Elektrostimulation gute Erfolge vorweisen. Bei Störungen aufgrund von Diabetesspätfolgen ist auch eine medikamentöse Behandlung möglich, beispielsweise mit Imipramin.