Republik Pisa

historischer Staat

Die Republik Pisa (italienisch Repubblica di Pisa) war ein historischer de facto unabhängiger Staat, welcher vom 11. bis zum 15. Jahrhundert existierte. Das Zentrum der kleinen Republik war die toskanische Stadt Pisa. Sie entwickelte sich zu einem wichtigen wirtschaftlichen Machtzentrum des Mittelalters. Einer Handelsmacht, dessen Kaufleute ein Jahrhundert lang den Mittelmeerraum und den Handel in diesem beherrschten, bevor sie schließlich von der Republik Genua überholt und abgelöst wurde.

Repubblica di Pisa (italienisch)
Reipublicae Pisas(Latein)
Republik Pisa
ca. 1000–1406
Flagge der Republik Pisa
Wappen der Republik Pisa
Flagge Wappen
Wahlspruch: Urbis me dignum pisane noscite signum
Amtssprache Italienisch, Toskanisch und Latein
Hauptstadt Pisa
Herrschaftsbereich der Republik Pisa im 12. Jahrhundert
Herrschaftsbereich der Republik Pisa im 12. Jahrhundert
Der Dom zu Pisa wurde im 11. und 12. Jahrhundert gebaut. Finanziert wurde der Bau durch die Plünderung von Mahdia.

Die Macht Pisas als mächtige Seefahrernation begann und erreichte ihren Höhepunkt im 11. Jahrhundert, als die Republik eine der wichtigsten Seerepubliken Italiens war. Zu dieser Zeit verfügte Pisa über mehrere Stützpunkte und Kolonien im Mittelmeerraum.[1]

GeschichteBearbeiten

AufstiegBearbeiten

 
Der ikonische Schiefe Turm von Pisa wurde vom 11. bis 14. Jahrhundert errichtet.

Während des Hochmittelalters entwickelte sich die Stadt Pisa zu einem sehr wichtigen Handels- und Marinezentrum und kontrollierte eine bedeutende Handelsflotte und Marine im Mittelmeer. Sie erweiterte ihren Einfluss durch die Plünderung von Reggio di Calabria in Süditalien im Jahr 1005. Pisa befand sich im ständigen Konflikt mit den Sarazenen um die Kontrolle über das Mittelmeer. Im Bündnis mit Genua wurde Sardinien 1016 mit der Niederlage des sarazenischen Führers Mujāhid al-'Āmirī (lateinisch: Mogehidus) erobert. Dieser Sieg verlieh Pisa die Vormachtstellung im Tyrrhenischen Meer. Als die Pisaner daraufhin die Genuesen aus Sardinien vertrieben, kam es zu einem neuen Konflikt und einer neuen Rivalität zwischen den beiden Seerepubliken. Zwischen 1030 und 1035 besiegte Pisa erfolgreich mehrere rivalisierende Städte im Emirat Sizilien und eroberte Karthago (Tunis) in Nordafrika. In den Jahren 1051–1052 eroberte Admiral Jacopo Ciurini Korsika, was bei den Genuesen weitere Ressentiments hervorrief. 1063 wollten sich die Pisaner mit dem Normannen Roger I. von Sizilien verbünden, der einen über drei Jahrzehnte dauernden Feldzug zur Eroberung Siziliens führte, mit der Aussicht auf einen gemeinsamen Angriff auf Palermo. Roger lehnte aufgrund anderer Verpflichtungen ab. Ohne Landunterstützung scheiterte der pisanische Angriff auf Palermo.

Im Jahr 1060 führte Pisa seine erste Schlacht gegen Genua, und der Sieg der Pisaner trug dazu bei, ihre Position im Mittelmeerraum zu festigen. Papst Gregor VII. erkannte 1077 die von den Pisanern eingeführten neuen "Gesetze und Bräuche des Meeres" an, und der deutsch-römische Kaiser Heinrich IV. gewährte ihnen das Recht, ihre eigenen Konsuln zu ernennen, die von einem Ältestenrat beraten wurden. Dies war lediglich eine Bestätigung der gegenwärtigen Situation, denn zu diesem Zeitpunkt war der Markgraf der Toskana (der nominelle Feudalherr von Pisa) bereits von der Macht ausgeschlossen worden. Pisa plünderte 1088 die ziridische Stadt Mahdia. Vier Jahre später halfen pisanische und genuesische Schiffe Alfonso VI. von Kastilien, El Cid aus Valencia zu vertreiben. Im Jahr 1092 verlieh Papst Urban II. Pisa die Vormachtstellung über Korsika und Sardinien und erhob gleichzeitig die Diözese Pisa in den Rang einer großstädtischen Erzdiözese.

NiedergangBearbeiten

Die Rivalität zwischen Pisa und der Republik Genua verschärfte sich im 13. Jahrhundert und führte zur Seeschlacht bei Meloria (1284), die direkt vor dem pisanischen Hafen ausgetragen wurde und den Beginn des Niedergangs der Macht der Stadt markierte. Sie endete mit der Niederlage Pisas und mit dem Verzicht auf jegliche Ansprüche auf Korsika und mit dem Verkauf eines Teils Sardiniens an Genua im Jahr 1299.[2]

Außerdem begann ab 1323 die Eroberung Sardiniens durch die Krone von Aragonien, die der Stadtrepublik die Herrschaft über Cagliari und Gallura entzog.[2]

Angesichts der schwierigen wirtschaftlichen und politischen Lage der inzwischen dekadenten Republik verkaufte der Herr von Pisa, Gherardo Appiani, am 13. Februar 1399 Stadt und Land für die Summe von 200.000 Goldgulden an Gian Galeazzo Visconti von Mailand aus dem pisanischen Zweig der Visconti-Familie, welcher Herr von Piombino und zum Herrn von Pisa wurde.[3]

Die Kontrolle der Republik durch die Visconti dauerte jedoch nicht lange, tatsächlich behielt Pisa seine Unabhängigkeit und Herrschaft über diesen Teil der toskanischen Küste bis 1406, als es von den Söldnern Angelo Tartaglia und Muzio Attendolo Sforza besetzt wurde, die den Anschluss an die Republik Florenz vollendeten.[4]

Mit der Herrschaft der Florentiner begann ein unaufhaltsamer Niedergang der Stadt, die in den vergangenen Jahrhunderten ihren romanischen Baustil auch in sardischen Kirchen verbreitet hatte. Der Handels- und Geschäftsverkehr, der jahrhundertelang ihre Leistungsfähigkeit charakterisiert hatte, ging zurück. Deshalb wanderten einige der wichtigsten pisanischen aristokratischen Familien. um der florentinischen Herrschaft zu entgehen, in andere italienische Staaten aus, insbesondere in das Königreich Sizilien.[5][6]

TerritorienBearbeiten

 
Wachturm der Republik Pisa auf Elba, welcher zur Verteidigung gegen Sarazenische Piraten errichtet wurde.

Das der Republik Pisa unterworfene Gebiet hat im Laufe der Jahrhunderte bedeutende Veränderungen erfahren. Während der Zeit der großen politischen und wirtschaftlichen Expansion verfügte die Republik über eigene Vertretungen mit Handelsstützpunkten und Lagerhäusern in vielen Küstenstädten des Mittelmeerraums wie Gaeta, Neapel, Salerno, Messina, Palermo, Trapani, Mazara del Vallo und Tunis.[7]

Die pisanischen Truppen gehörten zu den ersten, die 1099 während des Ersten Kreuzzug Jerusalem eroberten, und wurden von ihrem Erzbischof Dagobert, dem späteren lateinischen Patriarchen von Jerusalem, angeführt. Mit bedeutenden Präsenzen in der Levante, im Byzantinischen Reich und in den Kreuzfahrerstaaten Palästinas, insbesondere in Konstantinopel (wo ihnen der byzantinische Kaiser Alexius I. Comnenus besondere Anlege- und Handelsrechte gewährte), Antiochia, Latakia, Tyrus, Akkon, Jaffa, Tripoli, Alexandria und Kairo. In all diesen Städten erhielten die Pisaner Privilegien und Steuerfreiheit, mussten aber im Falle eines Angriffs zu ihrer Verteidigung beitragen. Im 12. Jahrhundert war das pisanische Viertel im östlichen Teil Konstantinopels auf 1.000 Menschen angewachsen. Während einiger Jahre dieses Jahrhunderts war Pisa der prominenteste Handels- und Militärverbündete des Byzantinischen Reiches und übertraf sogar die Republik Venedig. Die bekannte Società dei Vermigli wurde in Tyrus gegründet und wurde Teil der Verteidigung der Stadt gegen den Angriff Saladins im Jahr 1187.[7]

Sein Einfluss erstreckte sich auch auf die großen Inseln des Tyrrhenischen Meeres:

Nach der Niederlage Melorias 1284 wurde das Territorium der Republik allmählich kontinentaler und beschränkte sich auf die Küste und das unmittelbare Hinterland von Migliarino bis Piombino mit den Inseln Elba, Gorgona, Pianosa, Giglio und Giannutri und den Exklaven von Castiglione della Pescaia und Porto Ercole.[9]

Der wichtige pisanische Hafen, Schlüssel für die gesamte Wirtschaft des Staates, wurde durch einige Türme auf dem Meer und auf der Landseite durch ein befestigtes System von Festungen auf den Hügeln dahinter verteidigt, mit Lari auf dem oberen Hügel, Crespina, Fauglia, Castellina, Rosignano und schließlich Livorno mit dem Porto Pisano, ein wichtiger Ausgang, um das westliche Mittelmeer zu beherrschen, während das Gebiet, das den Arno mit der Era kreuzte, durch die Burgen von Appiano, Petriolo, Montecuccoli und Ponsacco verteidigt wurde.[9]

Im Landesinneren der Italienische Halbinsel, im langjährigen Kampf mit der Republik Lucca, der Republik Florenz und Volterra, schwankten seine Grenzen sehr stark, da die Burgen von Buti, Palaia, Peccioli, Montopoli (bis 1349), Lajatico, Chianni (bis 1325), Santa Maria a Monte, Pontedera und in Vecchiano umkämpft waren. Die wichtigsten Bollwerke waren die Festung Verruca in der Nähe von Calci, die als Eckpfeiler des Gebirgsverteidigungssystems an der Grenze zu Lucca diente, das vom antiken Lago di Bientina bis zum Serchio mit den Burgen Caprona, Vicopisano, Asciano und Agnano reichte. Auf der florentinischen Straße, die den Zugang nach Pisa blockierte, befand sich die Burg von Cascina, Schauplatz der wichtigen Schlacht von Cascina.[9]

Das Gebiet der Maremma südlich des Hafens von Vada wurde im Namen der Republik von den pisanischen Grafen der Familie Gherardesca verwaltet, wobei sich die Burgen in zahlreichen Städten wie Guardistallo, Bibbona, Riparbella und Suvereto befanden.[9]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Genua, Pisa, Venedig und Amalfi: mit der Regatta eine 'full immersion' in die Schönheiten Italiens. In: Blog Ville in Italia.de. 1. Juni 2015, abgerufen am 25. August 2020 (deutsch).
  2. a b Gino Benvenuti: Le repubbliche marinare: Amalfi, Pisa, Genova e Venezia (Italienisch). Newton Compton; 1st edition, .
  3. Daniel Meredith Bueno de Mesquita: Giangaleazzo Visconti, Duke of Milan (1351-1402). Cambridge University Press, .
  4. Giovanni Garuti: Medieval knights 1100-1476. Soldiershop, .
  5. Memorie istoriche di piu uomini illustri Pisani (Italienisch). Nabu Press, , S. 202.
  6. Giuseppe Petralia: Banchieri e famiglie mercantili nel Mediterraneo aragonese: l'emigrazione dei pisani in Sicilia nel Quattrocento (Italienisch).
  7. a b Armando Lodolini: Le Repubbliche Del Mare (Italienisch). Biblioteca de Storia Patria, , S. 48–67.
  8. Charles Julian Bishko (1975), "The Spanish and Portuguese Reconquest, 1095–1492", A History of the Crusades, Vol. 3: The Fourteenth and Fifteenth Centuries, ed. Harry W. Hazard (Madison: University of Wisconsin Press), 405.
  9. a b c d Gino Benvenuti: Storia della Repubblica di Pisa. Giardini, , S. 19; 61; 62; 64–65.