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Reinhard Schult (2007)

Reinhard Schult (* 23. September 1951 in Berlin-Spandau) ist ein deutscher Bürgerrechtler und Politiker.

Schult absolvierte eine Maurerausbildung und machte anschließend Abitur. Danach studierte er einige Monate Theologie. Er verweigerte den Waffendienst in der NVA und war von 1976 bis 1978 Bausoldat[1] beim Kommando der Grenztruppen.[2] Ab 1978 engagierte er sich in verschiedenen oppositionellen Gruppen. 1979/80 verbüßte er aufgrund von „Verbreitung illegaler Literatur“ eine achtmonatige Freiheitsstrafe.

Stasi-Besetzung im September 1990.
Hinten, fünfter von links: Reinhard Schult
Außerdem: Bärbel Bohley & Ingrid Köppe

Schult gilt als ein maßgeblicher Kopf der DDR-Widerstandsbewegung der 1980er Jahre und engagierte sich unter anderem im Friedenskreis Friedrichsfelde, in der Gruppe Gegenstimmen und der Kirche von Unten.[3] 1989 war er Gründungsmitglied der Bürgerbewegung Neues Forum. Er vertrat diese Bürgerbewegung am Zentralen Runden Tisch. Für den 15. Januar 1990 rief Schult mit dem Neuen Forum zu einer Demonstration vor der Stasi-Zentrale auf, die in eine Besetzung mündete und eine Weiterarbeit der Geheimpolizei auch unter neuem Namen unterband.[4] Von März bis Oktober 1990 war er Abteilungsleiter im Staatlichen Komitee zur Auflösung des MfS.[5] Im September 1990 besetzte er mit anderen Bürgerrechtlerinnen und Bürgerrechtlern wie Bärbel Bohley, Wolf Biermann und Katja Havemann erneut die ehemalige Stasi-Zentrale, diesmal um zu erreichen, dass die Stasi-Akten nicht gesperrt, sondern künftig der persönlichen und gesellschaftlichen Aufarbeitung und Erforschung der SED-Diktatur dienen.[6] Dieses Ansinnen wurde mit der Bestellung des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen erreicht. Im November 1990 war Schult in Berlin-Friedrichshain bei der Räumung der Mainzer Straße an den Vermittlungsversuchen zwischen den Besetzern und dem Senat beteiligt.

Nach der Wiedervereinigung gehörte er von 1991 bis 1995 als Abgeordneter der Gruppe Neues Forum/Bürgerbewegung dem Berliner Abgeordnetenhaus an. Heute lebt er in Brandenburg, ist Mitglied des Bundesvorstandes des Neuen Forums[7]. Er wirkte im Vorstand des Bürgerkomitees "15. Januar" e.V.[8], das die Aufarbeitungs-Zeitschrift Horch und Guck herausgab. Schult arbeitete bis zu seiner Verrentung bei der Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur in Brandenburg[9] und beriet Opfer der SED-Diktatur in Rehabilitationsfragen.

EhrungenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Reinhard Schult – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Kurzbiografie auf jugendopposition.de (Bundeszentrale für politische Bildung / Robert-Havemann-Gesellschaft e.V.), gesichtet am 13. März 2017.
  2. Reinhard Schult berichtet über seine Bausoldatenzeit auf jugendopposition.de (Bundeszentrale für politische Bildung / Robert-Havemann-Gesellschaft e.V.), gesichtet am 13. März 2017.
  3. Kurzbiografie auf jugendopposition.de (Bundeszentrale für politische Bildung / Robert-Havemann-Gesellschaft e.V.), gesichtet am 13. März 2017.
  4. Ilko-Sascha Kowalczuk: Endspiel. Die Revolution von 1989 in der DDR. C.H. Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-58357-5. S. 512
  5. Silvia Müller: Schult, Reinhard. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 2, Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4.
  6. Ilko-Sascha Kowalczuk: Endspiel. Die Revolution von 1989 in der DDR. C.H. Beck, München 2009, S. 515.
  7. Neues Forum Bundesverband
  8. Vorstand Bürgerkomitee "15. Januar" e.V.
  9. Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur des Landes Brandenburg
  10. Berliner Zeitung vom 8. Mai 2000
  11. Die Welt online vom 3. Oktober 2014