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Regnum Teutonicum (deutsches Reich) oder Regnum Teutonicorum (Reich der Deutschen) ist eine Bezeichnung für den nördlich des Alpenhauptkamms gelegenen Teil des römisch-deutschen Reiches. Der Begriff ist seit dem 11. Jahrhundert in den Quellen belegt. In Abgrenzung davon wurde der Begriff Regnum Italicum für Reichsitalien verwendet.

Zuvor und zum Teil auch parallel waren Bezeichnungen wie Francia orientalis (östliches Frankenreich), trans rhenum (hinter dem Rhein), Austrasien oder Germania in Anlehnung an die gleichnamigen römischen Provinzen gebräuchlich, wobei sich die jeweils damit benannten Gebiete geografisch nicht exakt festlegen lassen. Im 10. Jahrhundert ist der Begriff teutonicus, eine Latinisierung des Herkunftsbegriffs des heutigen Wortes deutsch, als Bezeichnung einer Sprache oder eines Volksstamms fassbar. Eine stärkere Verbreitung erreichte er erst im 11. Jahrhundert, jedoch nicht in offiziellen Dokumenten der römisch-deutschen Herrscher, sondern in der päpstlichen Kanzleisprache. Der Hintergrund war höchst politisch: Der universale Herrschaftsanspruch des römisch-deutschen Königtums wurde vom Papsttum seit Beginn des Investiturstreits im 11. Jahrhundert zunehmend bestritten; vielmehr solle dem Papst die Universalherrschaft über alle geistlichen und weltlichen Herrscher zustehen. So wurde aus dem rex Romanorum (dem offiziellen Titel der römisch-deutschen Herrscher) der rex Teutonicorum, was von kaiserlicher Seite freilich nie übernommen wurde.

Der Begriff deutsch taucht in seiner mittelhochdeutschen Form ab dem 13. Jahrhundert zunächst vornehmlich als Bezeichnung der Sprache auf. Erst vom 16. Jahrhundert an wird die Bezeichnung Regnum Teutonicum zunehmend durch den Begriff Deutschland abgelöst.

LiteraturBearbeiten

  • Carlrichard Brühl: Die Geburt zweier Völker. Köln u. a. 2001.
  • Walter Mohr: Von der Francia Orientalis zum Regnum Teutonicum. In: Archivum Latinitatis Medii Aevi. Bd. 27, 1957, S. 27–49.