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Am 8. November 1998 wurde in Neukaledonien ein Referendum abgehalten, bei dem es um die Annahme des Abkommens von Nouméa ging. Eine Mehrheit von 72 Prozent der Abstimmenden nahm das Abkommen an.

VorgeschichteBearbeiten

Die frühere französische Kolonie Neukaledonien besaß seit 1947 den Status eines französischen Überseeterritoriums. Dies beinhaltete auch eine begrenzte Selbstverwaltung. Diese Regionalautonomie kam jedoch kaum den Ureinwohnern Neukaledoniens, den Kanaken, zugute, da diese aufgrund massiver Einwanderung aus Europa und anderen Gebieten Südostasiens und Ozeaniens nur noch eine Minderheit im Inselterritorium bildeten. Sie blieben faktisch von der politischen Teilhabe größtenteils ausgeschlossen und gehörten auch wirtschaftlich zum benachteiligten Teil der Bevölkerung. Ab den 1960er Jahren kam es zu zunehmend militanten Aktionen einer kanakischen Unabhängigkeitsbewegung gegen die französische Administration. Im Jahr 1988 wurde daher in Regie der französischen Regierung das sogenannte Matignon-Abkommen geschlossen, das die Durchführung eines Referendums über die mögliche Unabhängigkeit des Territoriums von Frankreich im Jahr 1998 vorsah. In der Dekade 1988–1998 sollten mit finanzieller Unterstützung des französischen Staates Maßnahmen zur sozialen Besserstellung der kanakischen Bevölkerung erfolgen.

Im Jahr 1998 kam es erneut zu Verhandlungen zwischen den verschiedenen Parteien in Neukaledonien – im Wesentlichen der die Unabhängigkeit anstrebenden FLNKS (Kanakische sozialistische Front der nationalen Befreiung) und der loyalistischen RPCR (Le Rassemblement pour la Calédonie dans la France) unter Moderation der französischen Regierung des Premierministers Lionel Jospin, die in dem Abkommen von Nouméa mündeten, das am 5. Mai 1998 von allen Verhandlungspartnern unterzeichnet wurde. Darin einigte man sich auf eine Verschiebung des Unabhängigkeitsreferendums. Entscheidend war, dass die FLNKS starke Zweifel hatte, ob eine Mehrheit für die Unabhängigkeit bei einem Referendum zu diesem Zeitpunkt zustande kommen würde. Als Termin für das Unabhängigkeitsreferendum wurde der Zeitrahmen zwischen dem Mai 2014 und dem Dezember 2018 gesetzt.

Das Abkommen sollte anschließend den Wählern in Neukaledonien zur Entscheidung vorgelegt werden und der 8. November 1998 wurde als Abstimmungstermin festgelegt. Politisch erhielt Neukaledonien weitere Kompetenzen zu den bisherigen übertragen und Neukaledonien erhielt einen politischen Sonderstatus.[1]

In den Debatten vor der Abstimmung sprachen sich die FKNKS und RPCR für eine Annahme des Abkommens aus. Für eine Ablehnung sprachen sich die Gruppierungen UNCT (Une Nouvelle-Calédonie pour tous) und DECA (Développer ensemble pour construire l'avenir), sowie lokale Ableger des Front National und des Mouvement pour la France aus.

AbstimmungsfrageBearbeiten

Die den Wählern vorgelegte Frage, die mit Oui oder Non zu beantworten war, lautete:[2][3]

« Approuvez-vous l'Accord sur la Nouvelle-Calédonie signé à Nouméa le 5 mai 1998 ? »

„Stimmen Sie der Übereinkunft über Neukaledonien, die am 5. Mai 1998 in Nouméa unterzeichnet wurde, zu?“

Frage des Referendums vom 8. November 1998

ErgebnisseBearbeiten

Bei der Abstimmung ergab sich eine deutliche Mehrheit von durchschnittlich 71,9 % für das Abkommen. Das Abkommen wurde in allen Gemeinden Neukaledoniens mehrheitlich befürwortet. Die Zustimmung war mit 57,7 % am niedrigsten in der Hauptstadt Nouméa. 2,7 % der Stimmen waren ungültig. Die Wahlbeteiligung lag bei 74,23 %.[4]

 
Prozent Ja-Stimmen in kartografischer Darstellung.
Ergebnisse des Referendums nach Gemeinden in Neukaledonien[4]
Gemeinde Wahlbe-
rechtigte
Wähler Gültige Ja Nein
Zahl % Zahl %
1 Thio 1554 1157 1135 1045 92,1 90 7,9
2 Yaté 1124 861 857 827 96,5 30 3,5
3 L’Île-des-Pins 915 535 531 510 96,0 21 4,0
4 Le Mont-Dore 10.448 8556 8242 5463 66,3 2779 33,7
5 Nouméa 33.061 26.667 25.836 14.909 57,7 10.927 42,3
6 Dumbéa 6829 5568 5399 3178 58,9 2221 41,1
7 Païta 4661 3827 3662 2653 72,4 1009 27,6
8 Bouloupari 1235 994 969 677 69,9 292 30,1
9 La Foa 1819 1521 1480 1028 69,5 452 30,5
10 Sarraméa 372 290 277 230 83,0 47 17,0
11 Farino 319 277 271 150 55,4 121 44,6
12 Moindou 427 338 323 233 72,1 90 27,9
13 Bourail 2540 2095 2027 1218 60,1 809 39,9
14 Poya 1527 1191 1152 935 81,2 217 18,8
15 Pouembout 680 562 542 449 82,8 93 17,2
16 Koné 2316 1813 1782 1518 85,2 264 14,8
17 Voh 1481 1152 1123 937 83,4 186 16,6
18 Kaala-Gomen 938 641 630 514 81,6 116 18,4
19 Koumac 1543 1273 1241 654 52,7 587 47,3
20 Poum 751 515 514 435 84,6 79 15,4
21 Belep-Inseln 671 430 424 413 97,4 11 2,6
22 Ouégoa 1388 986 975 792 81,2 183 18,8
23 Pouébo 1619 1030 1017 972 95,6 45 4,4
24 Hienghène 1495 1103 1096 1056 96,4 40 3,6
25 Touho 1405 1055 1033 946 91,6 87 8,4
26 Poindimié 2653 2054 2001 1802 90,1 199 9,9
27 Ponérihouen 1688 1267 1248 1137 91,1 111 8,9
28 Houaïlou 2501 1612 1579 1443 91,4 136 8,6
29 Kouaoua 834 647 631 573 90,8 58 9,2
30 Canala 2259 1589 1555 1500 96,5 55 3,5
31 Ouvéa 3294 1710 1698 1626 95,8 72 4,2
32 Lifou 7850 3436 3416 3238 94,8 178 5,2
33 Maré 4501 2450 2431 2339 96,2 92 3,8
Neukaledonien insgesamt 106.698 79.202 77.097 55.400 71,9 21.697 28,1

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Lorenz Gonschor: Dezentralisierung oder Entkolonialisierung? Die Evolution des politischen Status der französischen Überseegebiete im Pazifik. Pazifik-Informationsstelle, Dossier Nr. 62, Juni 2002, abgerufen am 14. April 2018 (Übersichtsartikel).
  2. Le référendum sur l'avenir institutionnel de la Nouvelle-Calédonie aura lieu le 8 novembre prochain. Les Echos, 20. August 1998, abgerufen am 14. April 2018 (französisch).
  3. Französischer Senat (Hrsg.): PROJET DE LOI ORGANIQUE relatif à la consultation sur l'accession de la Nouvelle-Calédonie à la pleine souveraineté. 7. April 2015, CHAPITRE Ier - PRESENTATION DE LA SITUATION INSTITUTIONNELLE DE LA NOUVELLE-CALEDONIE (französisch).
  4. a b Décision du 9 novembre 1998 proclamant les résultats de la consultation des populations de la Nouvelle-Calédonie du dimanche 8 novembre 1998. In: Journal officel de la République Française. 10. November 1998, S. 16959 (französisch, pdf).