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Raymonde Dien bei den III. Weltfestspielen 1951 in Berlin

Raymonde Dien (geborene Octavia Raymonde Emilia Huberdeau) (* 13. Mai 1929 in Mansigné, Département Sarthe) ist eine französische kommunistische Friedensaktivistin, die nach einer Protestaktion in Frankreich 1950 gegen den Indochina-Krieg zu einem Jahr Gefängnis verurteilt wurde.

LebenBearbeiten

Raymonde, von Beruf Stenotypistin, beteiligte sich am 23. Februar 1950 mit Hunderten von Mitgliedern und Sympathisanten der KPF an einer Kundgebung am Bahnhof von Saint-Pierre-des-Corps, um den Transport eines Eisenbahnzuges mit Waffen für Indochina zu blockieren. Die Menschenmenge besetzte die Gleise, wobei sich einige Demonstranten auf die Schienen legten. Zu ihnen gehörte Raymonde, die danach von Zeugen identifiziert wurde. Sie wurde zunächst in das Gefängnis von Tours verbracht, danach wurde sie in das Fort du Hâ in Bordeaux überführt, wo sie sich mit zwei ehemaligen Gestapo-Mitarbeiterinnen eine Zelle teilte.[1] Danach wurde sie von einem Militärgericht angeklagt, wobei sie von der Rechtsanwältin Marie-Luise Jacquier-Cachin verteidigt wurde. Am zweiten Prozesstag im Juni 1950 wurde sie zu einem Jahr Gefängnis und zu 15 Jahren Entzug der Bürgerrechte verurteilt.

Die KPF initiierte daraufhin sowohl in Frankreich wie auch in den sozialistischen Ländern des Ostblocks eine weltweite Kampagne zu ihrer Freilassung. Der KPF-Vorsitzende Maurice Thorez erklärte: „Wir müssen Raymonde Dien und Henri Martin aus den Gefängnissen befreien.“ Die weltweiten Proteste und Solidaritätsbekundungen führten dazu, dass sie zu Weihnachten 1950 frei kam.

Bei den III. Weltfestspielen der Jugend und Studenten im August 1951 in Berlin war sie als Ehrengast eine gefeierte Teilnehmerin.

Raymonde Dien war von 1953 bis 1958 Leiterin der Mädchen-Organisation der KPF.

 
Denkmal der Friedensaktivistin im Park des Sieges von Leningrad

EhrungenBearbeiten

  • Am 2. September 2004 wurde ihr die Medaille der Freundschaft von Vietnam verliehen.
  • Im VI. Bezirk von Ho-Chi-Minh-Stadt trägt eine Straße ihren Namen.
  • In der DDR gab es das Zentrale Pionierlager des Bezirkes Neubrandenburg „Raymonde Dien“ in Trassenheide, eine Betriebsberufsschule der HO Industriewaren in Berlin.[2]
  • 1953 schuf der Künstler Valerian Kirhoglani eine Statue für den „Park des Sieges“ in Leningrad, die Raymonde auf den Schienen liegend darstellt. Eine Kopie dieser Statue befindet sich in Zelenogorsk.
  • Ein 1950 von Sergej Prokofjew komponiertes Oratorium Zum Schutz des Friedens mit Text von Samuil Marshak ist eine Reverenz an die Kriegsgegnerin Raymonde.
  • In Saint-Pierre-des-Corps gibt es eine „Straße des 23. Februar“, die an die Schienenblockade von 1950 erinnert.

LiteraturBearbeiten

  • Alain Ruscio: Les communistes français et la guerre d’Indochine (1944–1954). L’Harmattan, Paris 1986, 422 p.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Raymonde Dien, une femme en résistance. In: La Nouvelle République (online), 16. Oktober 2015.
  2. http://www.volksstimme.de/nachrichten/lokal/burg/1459274_Bildnis-von-Raymonde-Dien-am-Eingang.html