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Das Essener Rathaus ist seit 1979 Sitz der Essener Stadtverwaltung. Es befindet sich in der Innenstadt der Stadt Essen.

Rathaus Essen
Rathaus Essen
Basisdaten
Ort: Porscheplatz 1, Stadtkern
Bauzeit: 1975–1979
Baustil: modern
Architekt: Theodor Josef Seifert
Nutzung/Rechtliches
Nutzung: Bürogebäude
Arbeitsplätze: 1900
Bauherr: Stadt Essen
Technische Daten
Höhe: 106[1] m
Etagen: 23
Nutzfläche: 69.000 m²
Baustoff: Stahl, Stahlbeton, Glas
Baukosten: ca. 189.000.000 DM
Höhenvergleich
Essen: 2. (Liste)
Deutschland: 59. (Liste)
Anschrift
Stadt: Essen
Land: Deutschland

Heutiges RathausBearbeiten

GeschichteBearbeiten

Der Hannoveraner Stadtplaner Rudolf Hillebrecht war bei vielen Rathaus-Neubauten in Deutschland als Berater und Juror dabei. So setzte er auch in Essen seine Vorstellungen durch und nahm auch Einfluss auf den innerstädtischen Standort. 1963 wurde ein erster Architektenwettbewerb durchgeführt, aus dem der Darmstädter Architekt Theodor Josef Seifert als Gewinner hervorging. Er entwarf zunächst zwei 126 Meter hohe Bürotürme, die jedoch als unwirtschaftlich, zu teuer, unpraktisch im Gebrauch und energieverschwenderisch galten. Nach dem Gedanken an ein vierflügeliges Gebäude kam man auf den heutigen Y-förmigen Grundriss. Dieser Entwurf wurde im Juni 1972 vom Rat der Stadt gebilligt. Die veranschlagten Kosten lagen zu dieser Zeit bei 130 Millionen DM.[2]

Die Ausschreibung des Bauvorhabens wurde am 19. August 1974 veröffentlicht.[3] Schließlich wurde Theodor Josef Seifert mit der Planung beauftragt. Der erste Spatenstich fand am 1. Juli 1975 auf dem Ribbeckplatz statt, der zuvor als Kirmesplatz genutzt worden war. Die Gesamtvorlage des Rathausneubaus ging zu dieser Zeit von 164 Millionen DM aus. Zuletzt lagen die tatsächlichen Baukosten bei 189 Millionen DM.[2]

Die Grundsteinlegung durch den damaligen Oberbürgermeister Horst Katzor erfolgte am 1. Juli 1976. Eine Besonderheit stellte die Liste der sonst üblichen Festgäste dar, die durch einhundert von einem städtischen Computer ausgewählten Bürgern ergänzt worden war. Man hatte zu dieser auch erwähnt, dass die Urkunde der Grundsteinlegung von einem Computer ausgedruckt worden war. In die kupferne Grundsteinhülse legte man die auf einer Tonbandkassette aufgezeichnete Festrede, Essener Tageszeitungen, deutsche Geldmünzen, die Olympia-Sonderprägung der kanadischen 5-Dollar-Münze, einen Essener Stadtplan, Statistiken über die Stadt Essen und den Ferienspatzkalender des Jahres 1976.[4] Das Richtfest wurde genau zwei Jahre später, am 1. Juli 1977, gefeiert. Die offizielle Eröffnung des Rathauses fand am 7. November 1979 mit einer ersten Ratssitzung statt.

Das neue Rathaus war das erste der Stadt, das einen neuen Standort im Osten des Stadtkerns am Porscheplatz bekam, der 1951 nach dem gerade verstorbenen Ferdinand Porsche benannt worden war. Den Namen Porscheplatz trugen auch die dortigen Haltestellen des ÖPNV. Im Zuge des Fahrplanwechsels der damaligen Essener Verkehrs-AG im Dezember 2009 wurden die Bus- und U-Bahnhaltestellen von Porscheplatz in Rathaus Essen umbenannt. Auf einer Betonplatte, die räumlich über große Teile des ursprünglichen Porscheplatzes und der Straße Schützenbahn gelegt wurde, entstand 1979 das Einkaufszentrum City Center Essen. Mit diesem wurde das Rathaus an das Stadtzentrum angebunden. Nach mehrjährigem Umbau wurde es am 25. März 2010 als Rathaus Galerie Essen neu eröffnet.[5] In diesem Zug erhielt das Rathaus einen neuen überdachten Haupteingang.

Ein Anfang der 1980er Jahre auf dem Dach des Rathauses montierter Laserstrahl (zuerst kurzzeitig rot, später grün) schwenkte damals über das Stadtgebiet. Aufgrund der Störanfälligkeit und hoher Kosten der damals noch recht neuen Technik wurde das Gerät jedoch schon bald demontiert. Die Universität Essen übernahm es dann zu Forschungszwecken.

Am 24. Oktober 2018 musste das gesamte Gebäude erstmals evakuiert werden. Grund war die nicht mehr gegebene Verkehrssicherheit aufgrund eines totalen Stromausfalls, der durch einen technischen Defekt ausgelöst wurde. Auch die Notbeleuchtung, die Notaufzüge und die Telefonanlage waren betroffen. Nach Fehlerbehebung wurde der Betrieb am Folgetag wieder aufgenommen.[6]

GebäudeBearbeiten

 
Die Essener Stadtpatrone Cosmas und Damian am Rathaus

Das Rathaus hat eine Höhe von 106 Metern. Von der 22. Etage in etwa 100 Metern Höhe hat man von einem Besucherbereich aus einen Blick über das Stadtgebiet sowie auf einen Teil des Ruhrgebiets. Das Gebäude hat den Grundriss eines Y, wird jedoch in seiner Ansicht durch den nachträglichen Anbau mehrerer Fluchttreppenhäuser beeinträchtigt, die auf der Nord- und Ostseite außen angebracht werden mussten, da sie in der Planung nicht berücksichtigt worden waren.

Für den Bau des Gebäudes wurden 60.000 Kubikmeter Beton, 6500 Tonnen Baustahl sowie über 360 Kilometer Stromkabel verwendet. Außerdem sind 15.000 Leuchtstofflampen, 3285 Fenster und 2100 Türen eingebaut worden.

In 330.000 Kubikmeter umbautem Raum sind 69.000 Quadratmeter Bürofläche, ein parlamentarischer Bereich, über 700 Parkplätze in einer mehrstöckigen Tiefgarage, das 1991 im Erdgeschoss eröffnete Theater im Rathaus und diverse Räume für Technik untergebracht. Das Rathaus bietet etwa 1900 Arbeitsplätze.

In Anlehnung an das alte Rathaus am Markt befinden sich auch hier im Eingangsbereich die Sandsteinfiguren der Heiligen Cosmas und Damian, welche zugleich Stadtpatrone Essens sind. Der Bildhauer Heinrich Kröger schuf sie.

VorgeschichteBearbeiten

Alle Vorgängergebäude des heutigen Essener Rathauses standen auf dem gleichen Grundstück gegenüber der Marktkirche, an der Südseite des alten Markts an der Ecke zur Kettwiger Straße. Vom 13. bis ins 19. Jahrhundert war hier das politische und wirtschaftliche Zentrum der Stadt. Nach Abriss des dritten Essener Rathauses (1885–1964) entstand hier das bis 1986 wieder niedergelegte Wertheim-Kaufhaus. Darauf folgte das heutige Geschäftshaus am Markt.

Vor der Eröffnung des heutigen Rathauses am neuen Standort, dem Porscheplatz, hatte Essen 15 Jahre lang, von 1964 bis 1979, kein Rathaus. Übergangsweise nutzte man das alte Rathaus der ehemals selbständigen Stadt Kray; der Oberbürgermeister und der Oberstadtdirektor waren im Amerikahaus Ruhr untergebracht, dem heutigen Europahaus mit Stratmanns Theater am Kennedyplatz. Dieses kleine Haus wurde in diesen 15 Jahren von den Bürgern als Rathäuschen bezeichnet und steht heute unter Denkmalschutz.[7]

VorgängergebäudeBearbeiten

Mittelalter bis 1840Bearbeiten

Im Jahr 1272 ist erstmals ausdrücklich ein Essener Stadtrat erwähnt, woraus man auf die Existenz eines Ratsgebäudes schließen kann. Die erste urkundliche Erwähnung eines Rathauses findet sich im Jahr 1301, als ein Nachbarhaus nach einem Brand neu aufgebaut wurde. Vermutlich musste das Rathaus nach dem großen Essener Stadtbrand von 1438 ebenfalls neu errichtet werden. Seit diesem Jahr hing in einem Dachreiter die Ratsglocke mit der Inschrift MCCCCLXXXIII Assendensis consulates campana constructa (1483 wurde die Glocke des Essener Rats gefertigt), darunter befindet sich das Schwertwappen der Stadt. Die Glocke ist heute im Ruhr Museum.[8]

Das Haus war ein massiver, schlichter Steinbau mit hohen Staffelgiebeln an West- und Ostseite, an dessen Fassade sich die in Stein gehauenen Figuren der Stadtheiligen Cosmas und Damian sowie mittelalterliche Bildsäulen der Mutter Gottes befanden. Die Fassade war grau getüncht und hatte kleine Rundbogenfenster. Die Hochparterre besaß eine steile, geländerlose Steintreppe zum Markt hin. Hier gab es eine Wachstube für zwei Polizeidiener. In der oberen Etage war ein Empfangszimmer, in dem unter anderem der Bürgermeister Johann Conrad Kopstadt (1821–1833) und sein Nachfolger Bertram Pfeiffer (1833 bis zum Abriss) arbeiteten. Hinzu kamen Nebenräume für Stadtsekretär und Stadtschreiber. In der ersten Zeit befand sich neben dem Rathaus eine Gerichtshalle.[9] Wie zu dieser Zeit nicht außergewöhnlich, wurde das Gebäude auch anderweitig genutzt. So gab es feste Schränke, sogenannte Kästen, der Essener Gewandschneider. Sie boten in der ersten Etage des Rathauses fremde und Essener Tuche zum Kauf an.[8]

1840 bis 1878Bearbeiten

 
Rathausgebäude 1840 bis 1878

Neue finanzielle Möglichkeiten erlaubten, dass das alte aus dem 13. Jahrhundert stammende Rathaus bis 1840 abgerissen werden konnte, da der Bürgermeister Bertram Pfeiffer eine Regulierung der Schulden beim preußischen Staat erreicht hatte, die seit dem Dreißigjährigen Krieg auf der Stadt lasteten. In den Jahren 1840 bis 1842 war ein klassizistischer Bau durch den Architekten Heinrich Theodor Freyse (1774–1851), Bruder des Architekten Heinrich Johann Freyse, errichtet worden. Die Grundsteinlegung fand zum Geburtstag des neuen preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV., dem 15. Oktober 1840, statt.[10] Im Erdgeschoss befand sich eine Polizeistation. Dieses Rathaus wurde im Zuge der einsetzenden Industrialisierung und der rasant anwachsenden Stadt schnell zu klein.

Gebäude von Zindel 1878 bis 1964Bearbeiten

Daraufhin wurde der Vorgänger des heutigen Rathauses, ein repräsentatives, neugotisches Gebäude nach einem Entwurf des Architekten Peter Zindel, zwischen 1878 und 1888 erbaut und im Zweiten Weltkrieg, insbesondere bei einem Luftangriff am 5. März 1943, schwer beschädigt, wobei besonders der markante Turm getroffen war. In den Jahren 1964/1965 wurde es nach Wiederaufbau abgerissen, nachdem das Grundstück an einen Kaufhaus-Konzern verkauft worden war.

LiteraturBearbeiten

  • Till Schraven: (Sozial-)Demokratie als Bauherr. Rathausbau der 1960er und 1970er Jahre in der BRD und Essen, Klartext Verlag, Essen 2009, ISBN 978-3-8375-0235-0.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Rathaus Essen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Essener Rathaus bei CTBUH; abgerufen am 2. Mai 2018
  2. a b Thomas Dupke: Essen. Geschichte einer Stadt. Hrsg.: Ulrich Borsdorf. Peter Pomp Verlag, Bottrop, Essen 2002, ISBN 3-89355-236-7, S. 520.
  3. Westdeutsche Allgemeine Zeitung vom 17. August 1974
  4. Westdeutsche Allgemeine Zeitung vom 2. Juli 1976
  5. Rathaus Galerie eröffnet; in: Derwesten.de vom 25. März 2010; abgerufen am 2. Mai 2018
  6. Stadt Essen: Pressemeldung vom 2. Oktober 2018; abgerufen am 25. Oktober 2018
  7. Amerikahaus in der Denkmalliste der Stadt Essen; abgerufen am 2. Mai 2018
  8. a b Monika Fehse: Essen. Geschichte einer Stadt. Hrsg.: Ulrich Borsdorf. Peter Pomp Verlag, Bottrop, Essen 2002, ISBN 3-89355-236-7, S. 183.
  9. K. Schorn: Zur Chronik der Stadt Essen. Hanstein, Bonn 1899, S. 145.
  10. Thomas Dupke: Essen. Geschichte einer Stadt. Hrsg.: Ulrich Borsdorf. Peter Pomp Verlag, Bottrop, Essen 2002, ISBN 3-89355-236-7, S. 278, 279.

Koordinaten: 51° 27′ 29″ N, 7° 0′ 58″ O