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Rassenunruhen in den Vereinigten Staaten

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Unruhen in Ferguson am 17. August 2014

Die Rassenunruhen in den Vereinigten Staaten (engl. Race Riots) sind seit dem neunzehnten Jahrhundert zu verzeichnen. Der Begriff Rassenunruhe bezieht sich vor allem seit der letzten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf Konflikte zwischen Afroamerikanern und Amerikanern europäischer Herkunft, jedoch auch auf Angriffe auf Sinoamerikaner, Deutschamerikaner, Mexikaner und andere Hispanoamerikaner, Indianer, irische Katholiken, Italoamerikaner und andere Einwanderer.

GeschichteBearbeiten

Ursprünglich war der Begriff der Race Riots ein euphemisierender Ausdruck für pogromartige Überfälle weißer Bevölkerungsanteile auf schwarze Mitbürger, beispielsweise die Draft Riots in New York im Juli 1863. Die dortigen irischen und deutschen Einwanderer weigerten sich, der Wehrpflicht für den Bürgerkrieg folge zu leisten. Sie wollten nicht für die Befreiung schwarzer Sklaven kämpfen, da sie befürchteten, diese könnten ihnen später die Arbeitsplätze wegnehmen. Im Zuge dieser Rassenunruhen wurden wahllos afroamerikanische Bürger gelyncht und ein Waisenhaus für schwarze Kinder niedergebrannt.[1]

Die folgenden Rassenunruhen fanden vornehmlich in den Südstaaten statt, wo man sich gegen „Yankee-Besatzer“ und „Negerherrschaft“ wehren wollte. Im Juli 1866 griffen schwer bewaffnete weiße Demokraten mit Unterstützung der örtlichen Polizei eine gemischtrassige Zusammenkunft von Republikanern in New Orleans an. Dabei starben mindestens 38 Menschen.[1]

1906 provozierten Gerüchte über angebliche Vergewaltigungen weißer Frauen in Atlanta mehrtägige Krawalle. Im Laufe der Unruhen starben mindestens 25 Afroamerikaner. Nach diesen Vorfällen, die „schwarzen Unholden“ zur Last gelegt wurden, verlagerten sich die Rassenunruhen wieder in die Nordstaaten: Weil viele Afroamerikaner in der Great Migration auf Arbeitssuche aus dem agrarisch geprägten Süden in die Industriestädte des Nordens wanderten, kam es immer wieder zu Übergriffen Weißer auf Schwarze. In East St. Louis überfielen im Juli 1917 weiße Arbeiter die ortsansässige schwarze Bevölkerung, nachdem ein lokales Aluminiumwerk schwarze Streikbrecher eingestellt hatte. Angestachelt von Gerüchten und Verschwörungstheorien, in denen sich beide Seiten unterstellten, ein Massaker zu planen, brachen schließlich die Unruhen aus. Viele Häuser wurden angezündet, eine große Zahl an Schwarzen flüchtete aus der Stadt, 50 Afroamerikaner starben. Die genaue Zahl der Toten wurde erneut Gegenstand von Verschwörungstheorien, weil die Afroamerikaner den Behörden unterstellten die wahren Zahlen geheimzuhalten.[1][2]

 
Ein Afroamerikaner wird 1919 in Chicago von Weißen zu Tode gesteinigt.

Ende Juli 1919 fanden in Chicago die schwersten Ausschreitungen des sogenannten „(blut)roten Sommers“ in über 30 Städten statt. Aufgrund eines Vorfalls im Michigansee, bei dem ein afroamerikanischer Jugendlicher ertrank, der angeblich mit Steinwürfen von einem Strand nur für Weiße vertrieben worden war, attackierten zornige Schwarze einen Polizisten, der tatenlos zugeschaut hatte.[3] Bei den Chicagoer Unruhen kamen 23 Schwarze und 15 Weiße zu Tode. Im Juni 1943 starben 34 Detroiter, weitere 700 wurden verletzt. In rund 50 weiteren Städten der Vereinigten Staaten zu kleineren und größeren Rassenkrawallen.[1]

 
Watts-Aufruhr

Bis in die 1960er Jahre gingen die Rassenunruhen vornehmlich von Weißen aus. Mit den Ghettounruhen änderte sich dies. 1964 kam es in Harlem zu Unruhen, 1965 in Watts. Die folgenden drei Jahre verschonten fast keine Großstadt in den USA. Bei den Rassenunruhen in Detroit 1967, die sich gegen weiße Polizeigewalt richteten, gab es 43 Todesopfer. Nach der Ermordung Martin Luther Kings am 4. April 1968 ereigneten sich in etwa 170 Städten Proteste, vor allem in Baltimore und Washington.[1]

Im Mai 1980 starben in Miami 18 Menschen bei Rassenunruhen, zwölf Jahre später kamen bei den sogenannten LA Riots in Los Angeles mehr als 50 Personen zu Tode. Danach kam es erstmals 2014 wieder zu race riots – in Ferguson (Todesfall Michael Brown) und Baltimore.[1]

Andere RassenunruhenBearbeiten

  • 1871: In Los Angeles findet ein Massaker an der chinesischen Bevölkerung statt. 18 chinesische Einwanderer sterben.
  • 1885: Mindestens 28 chinesische Minenarbeiter werden von europäischen Arbeitern in Rock Springs getötet.
  • 1900: Akron-Aufruhr in Akron (Ohio): Bei der Abwehr eines Mobs, der einen afroamerikanischen Beschuldigten lynchen will, erschießt die Stadtpolizei versehentlich zwei Kinder. Der Aufruhr kann nur durch den Einsatz der Nationalgarde des Staates Ohio beendet werden.
  • 1902: In New York finden antisemitische Unruhen statt.
  • 1907: Während der Bellingham Riots werden 125 Sikharbeiter aus Britisch-Indien aus Bellingham nach British Columbia vertrieben.
  • 1921: Während der Rassenunruhen in Tulsa wird das Schwarzenviertel Greenwood („Black Wallstreet“) völlig zerstört.
  • 1927: Neben den Übergriffen der weißen Bevölkerung auf Schwarze kommt es auch zu Attacken auf Puerto Ricaner, Juden und Griechen in Poughkeepsie.
  • 1984: In Lawrence kommt es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen hispanoamerikanischen Arbeitern und anderen Angehörigen der Unterschicht.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f Manfred Berg: Pulverfass mit kurzer Lunte – Die Unruhen in Ferguson und Baltimore haben eine bedrückende Tradition: Seit mehr als 150 Jahren erschüttern ‚race riots‘ die amerikanische Gesellschaft in Die Zeit vom 13. Mai 2015, S. 17
  2. Ted Remington: African Americans. In: Peter Knight (Hrsg.): Conspiracy Theories in American History. An Encyclopedia. ABC Clio, Santa Barbara, Denver und London 2003, Bd. 1, S. 36.
  3. Ted Remington: African Americans. In: Peter Knight (Hrsg.): Conspiracy Theories in American History. An Encyclopedia. ABC Clio, Santa Barbara, Denver und London 2003, Bd. 1, S. 36.