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Rassen der Westlichen Honigbiene

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Westliche Honigbiene: Carnica, Baden-Württemberg

Rassen der Westlichen Honigbiene sind verschiedene domestizierte Populationen der Art Apis mellifera. Sie werden in der Imkerei gehaltenen und sind heute weltweit verbreitet.

BienenzuchtBearbeiten

Durch den Transport von Bienenvölkern über weite Entfernungen zur Nutzung in der Imkerei hat der Mensch das Verbreitungsmuster der ursprünglich vikariierend verbreiteten verschiedenen Honigbienenunterarten verändert und infolge von Hybridisierung durch Bienentransporte, seit wenigen Jahrzehnten auch durch Züchtung, deren Charakter beeinflusst.

Die Unterarten (in der Bienenkunde teilweise noch, wie sonst nur noch für landwirtschaftliche Zuchtlinien üblich, auch Rassen genannt) der Westlichen Honigbiene (Apis mellifera) sind natürlich entstandene Einheiten, die sich teilweise unterschiedlich gut für die Imkerei eignen, wodurch Menschen einige von ihnen bevorzugten und auch außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets etablierten. Erst seit kurzer Zeit existieren außerdem moderne Zuchtlinien (eigentliche Rassen).

Ziel der Honigbienenzucht ist es, mit Hilfe künstlicher Selektion gewünschte genetische Eigenschaften der Honigbienen zu verstärken und unerwünschte Eigenschaften abzuschwächen. Dabei geht es vor allem um die Erhöhung des Ertrages von Honig und Züchtung von friedlichen Bienen mit geringem Schwarmtrieb. Hierzu werden Zuchtlinien aufgebaut um nahezu reinerbige Nachkommenschaft zu erhalten, in der Imkersprache wird dann von Zuchtlinien oder Linienzucht gesprochen. Es handelt sich im Wesentlichen um Inzucht, welche die genetische Distanz zu den natürlichen, wild lebenden Populationen (Wildformen) erhöht. "Die meisten Lebewesen zeigen bei Inzucht eine geringere Vitalität .. [d]ie Biene erweiset sich hier sogar als besonders anfällig".[1] Zuchtlinien der Westlichen Honigbiene können im Allgemeinen in der freien Natur nicht überleben.

Die erst in der Neuzeit einsetzende Bienenzüchtung hat Zuchtlinien und Stämme begründet, die teilweise auf der bewusst herbeigeführten Kreuzung beruhen. Dies fand andererseits stets auch ungewollt statt, durch das Nebeneinanderhalten von Bienenvölkern unterschiedlicher Nutzrassen (natürliche Hybridisierung).

Beispiele sind:

  • Buckfastbiene: Kreuzungszucht aus verschiedenen Unterarten der Honigbiene. Karl Kehrle (Bruder Adam) begann 1916 als Imkergehilfe im englischen Benediktinerkloster Buckfast Abbey. Später wandte Kehrle konventionelle Inzucht, züchterische Kreuzung und Selektion an, um bestimmte Eigenschaften (z. B. Sammeltrieb, Sanftmut etc.) zu stärken und andere (z. B. Schwarmtrieb) zu reduzieren.
  • Afrikanisierte Honigbiene: spektakulärer Unfall der Honigbienenforschung durch ungewollte Auswilderung von Ostafrikanischen Hochlandbienen in Südamerika. Natürliche Hybride mit dort in der Landwirtschaft gehaltenen europäischen Rassen waren in freier Wildbahn überlebensfähig – auch als Killerbienen bekannt.
  • Elgonbiene: in Schweden als besondere Zuchtlinie entstandene (Hybrid)form aus der Ostafrikanischen Bergbiene und der Buckfastbiene.

Um die gewünschten reinerbigen Inzuchtlinien von Honigbienen zu erhalten, bzw. zu stabilisieren, wurden vor allem in der Vergangenheit sogenannte Reinzuchtgebiete mit Belegstellen eingerichtet. In den letzten Jahrzehnten ist die Möglichkeit der künstlichen, instrumentellen Besamung von Bienenköniginnen hinzugekommen, die die Möglichkeiten der Zucht wesentlich verbessert und vereinfacht hat. Eine Folge dieser institutionellen Verdrängungszucht ist, dass die einheimische Dunkle Europäische Biene (Apis mellifera mellifera) heute auf der Liste gefährdeter Nutztierrassen steht.[2]

UnterartenBearbeiten

 
Ursprüngliches Verbreitungsgebiet der Unterarten in Europa und im vorderen Orient (nach der letzten Eiszeit).

In der Bienenzucht ist der unpräzise Begriff Bienenrasse gebräuchlich, in Biologie und Agrarwissenschaft benutzt man die Fachbegriffe Population, Unterart oder Ökotyp, besonders bei natürlichen, wild lebenden Honigbienen. Die Unterarten der Westlichen Honigbiene können in Gruppen unterteilt werden[3]:

Die dunklen HonigbienenBearbeiten

  • die Dunkle Europäische Biene (Apis mellifera mellifera Linnaeus, 1758), auch Braunelle oder Mellifera genannt, autochthone heimische Honigbiene in Nord-, Ost- und Westeuropa
  • die Iberische Biene (Apis mellifera iberiensis Engel, 1999, syn. Apis mellifera iberica Goetze, 1964), auch Spanische Biene
  • die Tellbiene (Apis mellifera intermissa v. Buttel-Reepen, 1906)
  • die Rifbiene (Apis mellifera major Ruttner, 1975)
  • die Saharabiene (Apis mellifera sahariensis Baldensberger, 1922)
  • die Maltesische Biene (Apis mellifera ruttneri Sheppard, Arias, Grech & Meixner, 1997)

Die Carnica-GruppeBearbeiten

  • die Kärntner Biene (Apis mellifera carnica Pollmann, 1879), auch Krainer Biene aber meist einfach Carnica genannt. Weltweit exportierte und genutzte Rasse.
  • die Italienische Biene (Apis mellifera ligustica M. M. Spinola, 1806), auch Italiener Biene oder Ligustica genannt. Weltweit exportierte und genutzte Rasse.
  • die Makedonische Biene (Apis mellifera macedonica Ruttner, 1988)
  • die Südgriechische Biene (Apis mellifera cecropia Kiesenwetter, 1860)
  • die Anatolische Biene (Apis mellifera anatoliaca Maa, 1953)
  • die Sizilianische Biene (Apis mellifera siciliana Grassi, 1881, auch fälschlich Apis mellifera sicula Montagano, 1911, genannt)

Die Bienen des tropischen AfrikasBearbeiten

Die Bienen des Vorderen OrientsBearbeiten

Eine Unterart in MittelasienBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Heinrich Friese: Die Bienen Europas (Apidae europaeae). Akademische Druck- und Verlagsanstalt, Graz 1969 (Nachdruck der Erstausgabe 1895-1901).
  • Michael S. Engel: The taxonomy of recent and fossil honey bees (Hymenoptera: Apidae: Apis). Journal of Hymenoptera Research 8, 1999.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Friedrich-Karl Tiesler, Kaspar Bienefeld, Ralph Büchler: Selektion bei der Honigbiene, 1. Auflage, neue Ausgabe. Auflage, Buschhausen Druck- und verlagshaus, Herten 2016, ISBN 9783946030454, S. 59 (Abgerufen am 29 September 2019).
  2. Dunkle Biene. Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e. V.. Abgerufen am 29. September 2019.
  3. Friedrich Ruttner: Naturgeschichte der Honigbienen. Franckh-Kosmos-Verlag, Stuttgart 1992, ISBN 3-440-09125-2.
  4. Karl Kehrle: Afrikas Bienen – Herausforderung für die fortschrittliche Züchtung Allgemeine Deutsche Imkerzeitung ADIZ 1988 22(8) 277-278 und (9) 300-302.