Raimondo Montecuccoli

österreichischer Feldherr, Diplomat und Staatsmann

Raimondo Graf von Montecuccoli, seit 1651 Fürst von Montecuccoli (* 21. Februar 1609 auf Schloss Montecuccolo in Pavullo nel Frignano bei Modena; † 16. Oktober 1680 in Linz), war ein italienischer kaiserlicher Feldherr, Diplomat und Staatsmann in österreichisch-habsburgischen Diensten.

Porträt von Elias Grießler im Heeresgeschichtlichen Museum, Wien.

Montecuccolis Unterschrift: Signatur Raimondo Montecuccoli.PNG
Raimondo Montecuccoli

Raimund von Montecuccoli, aus der gräflichen Familie Montecuccoli-Polignano, war kaiserlicher Kämmerer und Geheimer Rat, Generalleutnant, General-Artilleriedirektor, Gouverneur von Raab, Hofkriegsratspräsident, Inhaber eines Kürassierregiments, Präsident der leopoldinischen Akademie der Naturforscher und Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies. Er war der Schöpfer des ersten stehenden Heeres in Österreich und einer der bedeutendsten Militärtheoretiker und -schriftsteller des 17. Jahrhunderts. Berühmt wurde er durch seinen Sieg gegen ein gewaltiges Türkenheer, das 1664 unter Führung von Ahmed Köprülü, während des Türkenkrieges von 1663/1664, gegen Wien marschierte und in der Schlacht bei Mogersdorf an der Raab vernichtend geschlagen wurde.

LebenBearbeiten

 
Castello di Montecuccolo

Montecuccoli wurde in Modena geboren und stammte aus einem hochangesehenen, 1369 geadelten, 1450 in den Grafen-, 1530 in den Reichsgrafenstand mit großem Palatinat, 1623 in den niederösterreichischen Herrenstand erhobenen, mittelitalienischen Adelsgeschlecht. Er trat nach sprachlichen und klassischen Studien 1625 als einfacher Kriegsmann in das kaiserliche Heer ein und lernte das Kriegshandwerk im wörtlichen Sinn „von der Pike auf“. So hatte es sein wesentlich älterer entfernter Vetter Ernesto Montecuccoli verlangt, der als Hauptmann in der Leibgarde des Erzherzogs und Kaisers Ferdinand gedient hatte, sich in der Schlacht am Weißen Berg auszeichnete und bis zum Feldzeugmeister aufstieg, bevor er 1633 nach dem Entsatz von Breisach einer siebenfachen Verwundung erlag.[1]

Mit dessen Zustimmung und unter dessen Anleitung trat Montecuccoli in den Kriegsdienst und kämpfte von 1625 bis 1633 in Schlesien, in den Niederlanden, in West- und Norddeutschland. Er wurde von seinem Onkel abwechselnd bei den Fußtruppen und der Reiterei eingesetzt, bevorzugte aber, nach seinen eigenen Angaben, die Kavallerie, ohne jedoch den Wert der Fußtruppen zu unterschätzen „bei welchen die Disciplin erlernt werden könne, auf deren Grundlage jede Leistung und jeder Ruhm beruht“.[1]

Mit seinen Reitern kämpfte Montecuccoli bei Nördlingen und führte 1635 als Oberstleutnant eine Gruppe aus 200 abgesessenen (d. h. zu Fuß gehenden) Kürassieren nach Kaiserslautern, nahm den Kommandanten gefangen und eroberte die Stadt. Für diese Leistung ernannte ihn der Kaiser zum Oberst und verlieh ihm das Regiment Trappola, das Montecuccoli um fünf neue Kompanien verstärkte und mit dem er noch im selben Jahr wesentlich zur Einnahme Elsaß-Zaberns beitrug.

Danach führte Montecuccoli sein Regiment 1636 bei Wolmirstedt und Wittstock, 1639 bei Chemnitz und 1639 bei Mělník und Brandeis. Die letztgenannten Gefechte hatte General Hofkirchen gegen Montecuccolis im Kriegsrat geäußerten Widerspruch angenommen. Sie endeten ungünstig für die kaiserlichen Truppen, Montecuccoli wurde verwundet und gefangen genommen. Er verbrachte seine 2½-jährige Gefangenschaft teils in Stettin, teils in Weimar und nutzte die Zeit zum intensiven Studium juristischer, philosophischer, historischer und naturwissenschaftlicher Werke. In Stettin entwarf er auch sein eigenes berühmtes Werk über die Kriegskunst. Im Jahr 1642 kehrte er nach seiner Auswechselung wieder zum Heer zurück. Noch im selben Jahr kämpfte er wieder mit der kaiserlichen Armee in Schlesien, schlug bei Troppau ein feindliches Korps und entsetzte Brieg. Er wurde zum Generalwachtmeister ernannt, zog dann jedoch im Winter 1642 mit Söldnern nach Modena, um in den Dienst von Herzog Francesco I. d’Este zu treten.[1]

Als General der Kavallerie kämpfte er im Krieg um das Herzogtum Castro und stieg zum modenesischen Feldmarschall auf. 1644 aus Italien zurückgekehrt, wurde er zum kaiserlichen Feldmarschallleutnant und Hofkriegsrat ernannt[2], befehligte Truppen in Franken und führte Teile von General Gallas' in Sachsen vom Feind eingeschlossener Kavallerie nach Böhmen zurück. 1645 wurde er Kommandierender in Schlesien und unterstützte mit seinem Korps den Erzherzog Leopold auf dessen Zuge gegen Fürst Rákóczi von Siebenbürgen. 1647 schlug er die Schweden bei Triebel in Westböhmen, wofür er zum General der Kavallerie ernannt wurde. Ende 1647 befehligte er die Kavallerie der Kaiserlichen bei General Melanders Hessenfeldzug, während Johann Wilhelm von Hunolstein die Infanterie kommandierte. Montecuccoli drang bis an die Weser vor, wurde aber bei seinem Vorstoß kaum von Melander unterstützt, der sich vergeblich auf die Eroberung Marburgs konzentrierte. Nach dem Zurückweichen vor einem vereinigten schwedisch-französischen Heer bis an die Donau deckte Montecuccoli am 7. Mai 1648 den Rückzug der Kaiserlichen in der Schlacht bei Zusmarshausen, dabei kam der ihm zu Hilfe geeilte Oberbefehlshaber Melander zu Tode. Das geschwächte kaiserlich-bayerische Heer zog sich in der Folge bis an den Inn zurück und überließ weite Teile Bayerns der Verheerung durch die gegnerischen Truppen. Vor dem Friedensschluss unterstützte Montecuccoli noch den neuen kaiserlichen Oberbefehlshaber Piccolomini beim Zurückdrängen der Feinde aus Bayern und der Oberpfalz. Nach dem Westfälischen Frieden unternahm er Reisen nach Schweden und Italien.[1] Seine Bekanntschaft mit Christine von Schweden bot Stoff zu romanhaften Gerüchten. 1653 wurde er zum stellvertretenden Präsidenten des obersten Kriegsrats zu Regensburg ernannt.

1657 heiratet Montecuccoli Margaretha von Dietrichstein-Nikolsburg (* 1637; † 1676). Im selben Jahr unterstützte er den polnischen König Johann II. Kasimir gegen Rákóczi und die Schweden und zwang Rákóczi zum Frieden mit Polen. 1658 zum Feldmarschall ernannt und dem von den Schweden bedrängten Dänenkönig zu Hilfe gesandt, vereinigte er sich bei Küstrin mit den Truppen des Kurfürsten von Brandenburg, vertrieb die Schweden aus Jütland und Fünen, wandte sich darauf nach Schwedisch-Pommern und eroberte Damgarten, Anklam, Demmin, Ueckermünde.[1]

Nach dem Frieden von Oliva 1660 wurde er Geheimrat und Gouverneur von Raab, erhielt darauf das Kommando gegen die in Siebenbürgen eingefallenen Türken, zwang dieselben, dieses Land zu räumen, musste sich aber, im wachsenden Zerwürfnis mit den ungarischen Kriegshäuptern, zurückziehen und vereitelte durch kluges Zögern alle Unternehmungen des feindlichen Heeres bis zur Ankunft bayerischer, brandenburgischer, französischer und sächsischer Allianztruppen, die ihm den Sieg in der Schlacht bei Mogersdorf (1. August 1664) erfechten halfen, woraufhin er zum Generalleutnant ernannt wurde. 1668 erhielt er das Präsidium des Hofkriegsrats.

Als Ludwig XIV. 1672 Holland angriff, erhielt Montecucolli den Oberbefehl über das mit der Armee des Großen Kurfürsten vereinigte kaiserliche Hilfskorps, durfte aber nichts Entscheidendes unternehmen und legte daher Anfang 1673 das Kommando nieder. Im Sommer aber vertrieb er an der Spitze eines neuen Heers Turenne aus Deutschland und eroberte, mit dem Fürsten von Orange/Oranien vereint, Bonn. 1675 befehligte er wieder die Kaiserlichen gegen Turenne. Beide manövrierten vier Monate lang erfolglos gegeneinander, bis Turenne am 27. Juli 1675 in der Schlacht bei Sasbach fiel, worauf Montecuccoli die sich zurückziehenden Franzosen bis nach dem Elsass verfolgte und Hagenau und Zabern belagerte. Aber Condés Erscheinen auf dem Kampfplatz zwang ihn, das Elsass wieder zu verlassen, worauf er mit der Belagerung von Philippsburg seine militärische Laufbahn beendete. Er war der militärische Lehrmeister von Ludwig Wilhelm von Baden.

Er lebte fortan meist am kaiserlichen Hof, im Umgang mit Gelehrten. Die Stiftung der Leopoldinischen Akademie für Naturforschung ist wesentlich sein Verdienst. Graf Montecuccoli starb am 16. Oktober 1680 in Linz. Die lange versprochene Erhebung in den Reichsfürstenstand erlebte er nicht mehr, sie wurde erst seinem Sohn Leopold Philipp zuteil, mit dessen Tod 1698 die fürstliche Linie erlosch.

Montecuccoli verfasste zahlreiche militärische Werke. Ein besonders häufig zitierter Satz aus seinem Aforismi dell’Arte Bellica war die Feststellung: „Richiesto taluno delle cose necessarie alla guerra, egli rispondesse tre esser quelle: denaro, denaro, denaro“ („Würde man jemand nach den zum Kriege notwendigen Dingen fragen, so würde er sagen, es seien diese drei: Geld, Geld, Geld“).[3]

RezeptionBearbeiten

Durch die kaiserliche Entschließung von Franz Joseph I. vom 28. Februar 1863 wurde Montecuccoli in die Liste der „berühmtesten, zur immerwährenden Nacheiferung würdiger Kriegsfürsten und Feldherren Österreichs“ aufgenommen, zu deren Ehren und Andenken auch eine lebensgroße Statue in der Feldherrenhalle des damals neu errichteten k.k. Hofwaffenmuseums (heute: Heeresgeschichtliches Museum Wien) errichtet wurde. Die Statue wurde 1869 vom Bildhauer Thomas Greinwald aus Carrara-Marmor geschaffen, gewidmet wurde sie von Kaiser Franz Joseph selbst.[4]

1909 wurde der Montecuccoliplatz in Wien-Hietzing ihm zu Ehren benannt. In Güssing erhielt die Jägerkaserne des Bundesheeres seinen Namen.

LiteraturBearbeiten

Sortiert nach Erscheinungsjahr:

WeblinksBearbeiten

Commons: Raimondo Montecuccoli – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Raimondo Montecuccoli – Quellen und Volltexte (italienisch)

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e Adolf Schinzl: Montecuccoli, Raimund Fürst von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 22, Duncker & Humblot, Leipzig 1885, S. 183–189.
  2. Helmut Neuhaus: Montecuccoli, Raimund Fürst von. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 18, Duncker & Humblot, Berlin 1997, ISBN 3-428-00199-0, S. 44–47 (Digitalisat).
  3. —, Hendrik van Huyssen: Memorie del General Principe di Montecuccoli che rinfermano una esatta instruzzione de i generali ed ufficiali di guerra, per ben commandar un’Armata (…). Compagnia dei Librarii, Köln 1704, OBV, S. 54.
  4. Johann Christoph Allmayer-Beck: Das Heeresgeschichtliche Museum Wien. Das Museum und seine Repräsentationsräume. Kiesel Verlag, Salzburg 1981, ISBN 3-7023-0113-5, S. 32.