Raiffeisen Bank International

österreichische Bank

Die Raiffeisen Bank International AG (RBI) ist die zweitgrößte österreichische Bank. Ihre Aktien notieren an der Wiener Börse. Knapp 59 % der Geschäftsanteile werden von den Raiffeisenlandesbanken gehalten, der Rest befindet sich im Streubesitz. Im Ranking der Top 1000 World Banks der Financial Times-Publikation "The Banker" vom Juli 2021 liegt die RBI nach Kapitalstärke auf Platz 114 und nach Bilanzsumme auf Platz 122.

  Raiffeisen Bank International AG
Logo
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Staat Osterreich Österreich
Sitz Am Stadtpark 9, Wien 3
Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN AT0000606306
Bankleitzahl 31000[1]
BIC RZBAATWWXXX[1]
Gründung 2010
Website www.rbinternational.com
Geschäftsdaten 2021[2]
Bilanzsumme 192,1 Mrd. Euro
Mitarbeiter rd. 46.200
Geschäftsstellen rd. 1.800
Leitung
Unternehmensleitung

Johann Strobl

GeschichteBearbeiten

Die RBI entstand ursprünglich durch die Fusion der Kundengeschäftsfelder der Raiffeisen Zentralbank Österreich AG (RZB) mit der Raiffeisen International Bank Holding AG. Die Fusion wurde am 11. Oktober 2010 mit der Firmenbucheintragung wirksam. Die RZB blieb unverändert das Spitzeninstitut der Raiffeisen Bankengruppe Österreich und die Konzernzentrale der RZB-Gruppe.

Mit einer Kapitalerhöhung an der Wiener Börse stockte die RBI im Jänner 2014 ihr Eigenkapital um 2,78 Milliarden Euro auf. Der Anteil der RZB an der RBI sank dabei von 78,5 auf 60,7 Prozent. Im Gegenzug stieg der Streubesitz von 21,5 auf 39,3 Prozent. Die Stärkung der Kapitalbasis sollte die Bank auf die strengen Kapitalvorschriften nach Basel III vorbereiten.[3] Die 2009 aufgenommenen 1,75 Milliarden Euro an staatlichem Partizipationskapital wurden am 6. Juni 2014 zurückgezahlt.[4]

2016 beschloss die RBI ein Transformationsprogramm zur Erhöhung ihres Kapitalpuffers, das zu einer Verbesserung der harten Kernkapitalquote (CET1 Ratio, fully loaded) auf 12 Prozent bis Ende 2017 führen sollte. Die geplanten Schritte sahen unter anderem den Verkauf der Banken in Polen und Slowenien sowie den Rückzug aus den USA und teilweise Asien vor. Neben der Kapitalstärkung sollte die Komplexität der Bank reduziert und ihr Risikoprofil verbessert werden.[5] Die Tochterbank in Slowenien wurde Mitte 2016 verkauft. Der Verkauf der Raiffeisen Polbank kam letztendlich im Dezember 2016 nicht zustande. Mit einer CET1 Ratio (fully loaded) von 13,6 Prozent erreichte die RBI dennoch bereits zum Jahresende 2016 – und somit ein Jahr vor Ablauf der selbst gesetzten Frist – ihr Kapitalziel.[6]

Im Jahr 2016 wurde weiters beschlossen, RZB und RBI zu verschmelzen. Die formelle Zustimmung erfolgte in der außerordentlichen Hauptversammlung am 24. Jänner 2017 (RZB: 23. Jänner 2017).[7] Mit dem Firmenbucheintrag am 18. März 2017 wurde die Verschmelzung rechtlich abgeschlossen. Die RBI übernahm dabei als Gesamtrechtsnachfolgerin zur Gänze die Rechte, Pflichten und Aufgaben der übertragenden Gesellschaft RZB.

Am 10. April 2018 wurde bekannt, dass die RBI ihr polnisches Tochterunternehmen bis auf die Fremdwährungskredite an BNP Paribas verkaufen werde. Der Abschluss des Transfers erfolgte im vierten Quartal 2018.[8]

Im ersten Halbjahr 2022 betrug der Gewinn 1,71 Milliarden Euro. Darin enthalten war auch ein Gewinn von 453 Millionen Euro aus dem Verkauf der bulgarischen Tochter.[9]

TätigkeitBearbeiten

Die RBI ist in Österreich als Kommerz- und Investmentbank, in Zentral- und Osteuropa (CEE) als Universalbank tätig. Die Tochterbanken in CEE bieten ihren Kunden Dienstleistungen im Corporate-, Investment- und Retail-Banking an. Die überwiegende Mehrzahl der Kunden in CEE sind Privatkunden sowie Klein- und Mittelbetriebe. In Österreich betreut die RBI ausschließlich Großkommerzkunden und multinationale Unternehmen.

Die RBI betrachtet Österreich und CEE als ihren Heimmarkt. 13 Märkte der Region werden durch Tochterbanken abgedeckt, darüber hinaus umfasst der Konzern zahlreiche andere Finanzdienstleistungsunternehmen beispielsweise in den Bereichen Leasing, Vermögensverwaltung und Mergers and Acquisitions. Insgesamt betreuen ca. 46.200 Mitarbeiter in rund 1.800 Geschäftsstellen 19 Millionen Kunden, der überwiegende Teil davon in Zentral- und Osteuropa (Stand: Ende 2021).

 
Filiale der Raiffeisenbank in Iwano-Frankiwsk, Ukraine
Anzahl der Geschäftsstellen der RBI in Zentral- und Osteuropa (per Ende 2020)[2]
Land Bank Geschäftsstellen
Albanien Raiffeisen Bank 74
Belarus Priorbank 76
Bosnien und Herzegowina Raiffeisen Bank Bosna i Hercegovina 95
Bulgarien Raiffeisenbank (Bulgaria) 126
Kosovo Raiffeisen Bank Kosovo 47
Kroatien Raiffeisenbank Austria 63
Rumänien Raiffeisen Bank 337
Russland Raiffeisenbank 132
Serbien Raiffeisen banka 86
Slowakei Tatra banka 167
Tschechien Raiffeisenbank 119
Ukraine Raiffeisenbank 393
Ungarn Raiffeisen Bank 71

In Westeuropa betreibt die RBI eine Filiale in London und Repräsentanzen in Düsseldorf, Frankfurt, Paris und Stockholm. In Asien ist die RBI mit Filialen in Beijing und Singapur sowie Repräsentanzen in Indien, Korea und Vietnam vertreten.

AktionärsstrukturBearbeiten

Grundkapital 893,59 Mio. Euro
Aktien 328,94 Mio. Stück[10]
Aktionäre Anteil
8 Raiffeisenlandesbanken 58,8 %
Streubesitz 41,2 %

Stand: Ende 2021

Beteiligungen der RBI (Auszug)Bearbeiten

 
Entwicklung der Logos der RBI
  • Raiffeisen Centrobank AG
  • Kathrein Privatbank Aktiengesellschaft
  • Raiffeisen Kapitalanlage Ges.m.b.H.
  • Raiffeisen-Leasing Gesellschaft m.b.H.
  • Raiffeisen Factor Bank AG
  • Raiffeisen Bausparkasse Gesellschaft m.b.H.
  • Raiffeisen Wohnbaubank AG
  • Raiffeisen Informatik GmbH
  • Raiffeisen e-force GmbH
  • UNIQA Insurance Group AG
  • Valida Holding AG
  • Leipnik-Lundenburger Invest Beteiligungs AG

KritikBearbeiten

Im Juni 2020 hat die Raiffeisen Bank International belarussische Staatsanleihen im Wert von über 1,4 Milliarden Euro arrangiert. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits Präsidentschaftskandidaten, Demonstranten und Journalisten festgenommen worden. Pawel Latuschka vom Koordinierungsrat der belarussischen Opposition warf Raiffeisen Bank International daher vor, die Diktatur des Machthabers Aljaksandr Lukaschenka zu unterstützen. Er forderte die RBI-Tochter Priorbank dazu auf, die Geschäftsbeziehungen mit belarussischen staatlichen Banken zu unterbinden und die Staatsanleihen zu verkaufen. RBI wies den Vorwurf zurück, Menschenrechtsverletzungen in Belarus wirtschaftlich zu unterstützen.[11]

WeblinksBearbeiten

Commons: Raiffeisen International Bank Holding – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Abfrage für BLZ 31000. In: SEPA-Zahlungsverkehrs-Verzeichnis der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB). (Neuladen des Browsers erforderlich.)
  2. a b https://www.rbinternational.com/de/investoren/berichte/geschaeftsberichte.html
  3. RZB-Anteil sinkt nach RBI-Kapitalerhöhung auf 60,7 Prozent. In: DiePresse.com. 10. Februar 2014, abgerufen am 14. Februar 2014.
  4. HV beschließt Dividende von € 1,02 je Aktie – FMA bewilligt Rückzahlung des PS Kapitals. 4. Juni 2014, abgerufen am 26. Juni 2014.
  5. Raiffeisen Bank International AG: 09.02.2015 - RBI: Neues CET1-Ziel von 12 Prozent. Abgerufen am 17. Juli 2019.
  6. Raiffeisen Bank International AG: 15.03.2017 - 2016: Raiffeisen Bank International erwirtschaftet Konzernergebnis von € 463 Millionen - Raiffeisen Bank International AG. In: Raiffeisen Bank International AG. (rbinternational.com [abgerufen am 5. Juli 2017]).
  7. Fusion von RZB und RBI "im Grundsatz" beschlossen im Standard vom 5. Oktober 2016, abgerufen am 6. Oktober 2016.
  8. RBI verkauft Polen-Geschäft an BNP Paribas. Abgerufen am 10. April 2018.
  9. RBI mit 1,7 Mrd. Euro Gewinn. In: ORF.at. 1. August 2022, abgerufen am 2. August 2022.
  10. RBI-Aktie. Website RBI, abgerufen am 22. Mai 2017.
  11. Die Presse: Weißrussische Opposition kritisiert Raiffeisenbank International. 2. März 2021, abgerufen am 9. März 2021 (deutsch).

Koordinaten: 48° 12′ 17,4″ N, 16° 23′ 1,9″ O