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Radrennbahn Weißensee

ehemalige Radrennbahn im Berliner Stadtteil Weißensee

Die Radrennbahn Weißensee bezeichnet eine große Radrennbahn in Berlin-Weißensee und deren umliegenden Gelände. Der Rundkurs der Bahn betrug nach der klassischen Norm 333 m und wurde in Beton ausgeführt. Das gesamte Areal war wesentlich größer.

Radrennbahn Weißensee
Bundesarchiv Bild 183-33073-0006, Berlin, Radrennbahn, Eröffnungsfeier.jpg
Eröffnungsfeier am 25. September 1955
Daten
Ort
Koordinaten 52° 33′ 52,1″ N, 13° 27′ 27,7″ OKoordinaten: 52° 33′ 52,1″ N, 13° 27′ 27,7″ O
Betreiber Magistrat Berlin
Eröffnung 1955
Die Eröffnung der Radrennbahn Weißensee am 25. September 1955 durch Oberbürgermeister Herbert Fechner
Berliner Bahnmeisterschaften 1958 auf der Radrennbahn Weißensee
Bruce Springsteen während seines größten Live–Auftritts. Auf der Radrennbahn Weißensee am 19. Juli 1988

Inhaltsverzeichnis

Radrennen und TrabrennenBearbeiten

Die Radrennbahn wurde 1954/1955 auf dem Gelände der ehemaligen Trabrennbahn Weißensee erbaut und unter Verwendung von Trümmerschutt mit Tribünen für 9000 Zuschauer ausgestattet. Der Bau der Anlage wurde durch 6000 Aufbauhelfer unterstützt. Sie wurde als Austragungsort von Sportwettkämpfen (wie „Berliner Bahnmeisterschaft“, „Großer Osterpreis“ etc.) mit Rennrädern, Motocross-Maschinen oder Trialrädern benutzt. Die feierliche Einweihung der Bahn fand am 25. September 1955 vor 8000 Zuschauern statt. Zur Einweihung fuhren bekannte ehemalige Radsportler wie Oskar Michael, Willy Kutschbach, Oskar Tietz und Willi Funda eine Ehrenrunde.[1] Das erste Rennen, ein Zweier-Mannschaftsfahren, gewannen Werner Malitz und Heinz Wahl.

Ab 1962 wurden nach 20-jähriger Pause auf dem Gelände auch wieder Reit- und Springturniere ausgerichtet. Die Radrennbahn Weißensee lag an der seit 1878 nach der ehemaligen Trabrennbahn benannten Rennbahnstraße.

Nutzung für Musikfestival und KonzerteBearbeiten

Ab den späten 1980er Jahren wurde das Gelände der Radrennbahn Weißensee für Musikgroßveranstaltungen und mehrtägige Open-Air-Festivals genutzt. Vom 16. – 19. Juni 1988 fand hier das größte Rockfestival der DDR statt. Mit dabei waren u. a. Joe Cocker, The Wailers, James Brown, Fischer-Z, Rainbirds, Bots, Big Country, Marillion und DDR-Bands wie City und Die Zöllner; Katarina Witt und ihr späterer Manager Diether Dehm moderierten. Anlässlich des 25. Jahrestages widmete sich Radio Eins am 3. Oktober 2013 mit einer 12–stündigen Sondersendung „Der Sommer 1988“ diesem für DDR-Jugendliche einmaligen Musiksommer.[2]

Wenig später, am 19. Juli 1988, gab hier der amerikanische Rockmusiker Bruce Springsteen mit der E-Street-Band[3] während der Tunnel-of-Love-Tour das größte Solo-Konzert der DDR-Geschichte mit 160.000 offiziell verkauften Eintrittskarten à 20 Mark der DDR. Real waren es wohl 200.000–300.000[4] Besucher, weil durch den Ansturm der Massen die Ordnungskräfte kapitulierten und die Wege frei waren. Das waren 2,5 Prozent aller erwachsenen DDR-Bürger. Aus der ganzen Republik trampten die Fans zum Konzert oder kamen mit Bahn und Auto.

Es war zugleich Springsteens größter Live-Auftritt[5] und beruhte nicht zuletzt auf seinem Wunsch, einmal „auf der anderen Seite“ zu spielen. Offiziell wurde es durch den Veranstalter als „Konzert für Nikaragua“ benannt. Springsteen sagte den berühmten Satz zum Publikum:

„Es ist gut, in Ost-Berlin zu sein. Ich bin hier nicht für oder gegen irgendeine Regierung. Ich bin gekommen, um für euch Rock’n’Roll zu spielen, für euch Ost-Berliner, in der Hoffnung, dass eines Tages alle Barrieren umgerissen werden.“

Bruce Springsteen am 19. Juli 1988 auf der Radrennbahn Weißensee

Am 22. August 1989 gastierten acht bundesdeutsche Musiker, darunter Ulla Meinecke und Heinz-Rudolf Kunze, mit Begleitbands auf der Radrennbahn. Der Auftritt bildete den Abschluss der Rockpoeten-Tour, die durch die DDR geführt hatte. Das Konzert hatte rund 120.000 Besucher und wurde live von der ARD übertragen.[6]

Nach der Maueröffnung am 9. November 1989 traten die Rolling Stones im Rahmen ihrer Urban Jungle Tour am 13. und 14. August 1990 in der Radrennbahn in Weißensee auf – es waren die einzigen Konzerte in Deutschland, die mit der eindrucksvollen Steel Wheels-Bühne der US-Tournee, die hierfür eigens aus den USA eingeflogen worden war, veranstaltet wurden. Aufgrund des deutlich höheren Eintrittspreises und verstärkter Sicherheitsvorkehrungen konnten Zuschauerzahlen wie bei Springsteen nicht erreicht werden.

Heutige NutzungBearbeiten

In den späten 1990er Jahren wurden der Rundkurs und die Zuschauertribünen der Radrennbahn abgerissen.[7] Heute befinden sich auf der ehemaligen Radrennbahn hinter einem rostigen Eisenzaun[8] zwei Baseball-Felder der „Roadrunners Berlin“, ein Fußballfeld und eine Leichtathletikbahn.

LiteraturBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Einzelnachweise und AnmerkungenBearbeiten

  1. Präsidium der Sektion Radsport der DDR (Hrsg.): Radsport-Woche. Nr. 40/1955. Sportverlag, Berlin, S. 3.
  2. Radioday am 3. Oktober 2013, „Als in Berlin die Mauer rockte“ (Memento vom 2. Dezember 2013 im Internet Archive) auf radioeins.de vom 3. Oktober 2013 (Archivversion)
  3. „Mein Sommer ’88“, auf mdr.de, abgerufen am 16. Dezember 2018
  4. Bruce Springsteen in der DDR, „Schrei nach Freiheit“, in Mitteldeutsche Zeitung vom 5. Juli 2013
  5. Born in the DDR auf zeit.de vom 29. Juli 1988
  6. Andreas Braun: Heinz-Rudolf Kunze in Schloss Bernburg: Ein Portrait für „25 Jahre Deutsche Einheit“. mz.de vom 8. November 2015, abgerufen am 16. Dezember 2018
  7. Der Rock verhallte, die Bildende Kunst blieb. In: Der Tagesspiegel 27. November 2007
  8. Nur rostiger Zaun erinnert an Radrennbahn Berlin-Weißensee. In: Mitteldeutsche Zeitung vom 19. Juli 2013
  9. Im Juli, bevor es losging in Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 21. Juli 2013, Seite 38