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RSE T1 ... T5
Serientriebwagen (T2, T4 oder T5) mit TA1 und weiterem Beiwagen
Serientriebwagen (T2, T4 oder T5) mit TA1 und weiterem Beiwagen
Nummerierung: RSE T1, T2, T4, T5
Jagsttalbahn VT300–302
Anzahl: 4
Hersteller: Waggonfabrik Wismar
Baujahr(e): 1934 ... 1939
Ausmusterung: bis 1988
Gattung: (1A)(A1) dm
Spurweite: urspr. 785 mm
nach Umbau 750 mm
Länge über Puffer: 11.840 mm
Länge: 10.440 mm
Höhe: 3.075 mm
Breite: 2.100 mm
Drehzapfenabstand: 7.000 mm
Drehgestellachsstand: 1.400 mm
Gesamtradstand: 8.400 mm
Dienstmasse: als Gütertriebwagen 12.250 kg
als Personentriebwagen 12.500 kg
Höchstgeschwindigkeit: 55 km/h
Installierte Leistung: 95,7 kW (130 PS)
Raddurchmesser: 700 mm
Motorentyp: urspr. keine Angaben
DEBG: KHD A6M517
Motorbauart: Sechszylinder-Viertakt-Dieselmotor
Leistungsübertragung: mechanisch mit Mylius-Getriebe
Bremse: Indirekte Bremse als Druckluftbremse
Sitzplätze: urspr. 25
VT 300 und 301: 36

Die Verbrennungstriebwagen RSE T1 ... T5 der Bröltalbahn im Eigentum der Rhein-Sieg-Eisenbahn (RSE) waren dieselmechanische Triebwagen mit der Achsfolge (1A)(A1). Sie wurden 1934 bis 1939 von der Waggonfabrik Wismar hergestellt.

Drei Fahrzeuge wurden nach 1958 durch Umspurung auf der Jagsttalbahn unter der Bezeichnung VT300–302 weiterbetrieben. Der VT300 ist betriebsfähig bei der Gesellschaft erhalten, der VT301 befindet sich als umgebauter Beiwagen wieder bei der Rhein-Sieg-Eisenbahn.

GeschichteBearbeiten

Rhein-Sieg-EisenbahnBearbeiten

 
Der zum Beiwagen umgebaute RSE T2, der VT 301 im RSE-Museum Asbach

1934 wurde der erste Triebwagen mit der Nummer T1 gebaut. Dieser Wagen war vier Jahre lang der einzige Triebwagen mit der Spurweite von 785 mm. Er hatte ein anderes Aussehen als die folgenden Fahrzeuge. Der Motor war, wie bei den Wismarer Schienenbussen, in einem Vorbau außerhalb des Wagenkastens untergebracht. Erst 1938 folgten weitere Fahrzeuge mit unterflur gelagerten Motoren.

Gleichzeitig wurden zwei in den Abmaßen etwas größere Beiwagen beschafft, mit diesen Garnituren konnte der Güter- vom Personenverkehr getrennt und wesentlich effektiver durchgeführt werden. 1939 hatte der T1 einen Unfall,[1] als er mit einer Dampflokomotive zusammenstieß. Dadurch wurde der Wagen vollständig zerstört.[2] Aus den Resten wurde ein Beiwagen mit der Bezeichnung TA1 gebaut. Im selben Jahr wurde ein weiterer Triebwagen mit der Bezeichnung T5 beschafft,[3] eine andere Quelle nennt 1941 als Baujahr dieses Triebwagens.[1]

1940 stürzte der T2 nach einem Hochwasser bei Ingersauelermühle wegen des unterspülten Bahndammes in die Bröl und kippte um.[4] Der Triebwagen konnte geborgen und wieder aufgebaut werden. Da die Unterlagen über die Fahrzeuge aus der Anfangszeit fehlen, lassen sich Laufleistungen bis 1945 nicht nachvollziehen.

Der T5 war 1945 abgestellt, 1947 hatte er eine Hauptuntersuchung. Bereits ein Jahr später hatte der Motor einen Pleuelbruch, wobei das Motorgehäuse stark beschädigt wurde. Außerdem war eine Treibachse gebrochen.[3] Die fällige Hauptuntersuchung zog sich bis September 1949 hin, wobei die Luft-Ansaugvorrichtung und die Kupplungs- und Getriebeschaltung geändert wurden. 1951 und 1954 wurden die Motoren getauscht. 1956 wurde bei der RSE der Triebwagenbetrieb beendet und die Fahrzeuge abgestellt.[3]

JagsttalbahnBearbeiten

 
abgestellte Einheit mit dem VT301 und zwei Beiwagen 2012 bei der Jagsttalbahn

Als die Jagsttalbahn ihren Verkehr auf Dieselbetrieb umstellen wollte, griff sie auf die abgestellten Fahrzeuge der RSE zurück. Die Umspurung wurde bei der Werkstatt in Bodenwerder-Linse durch Aufschrumpfen von breiteren Radreifen auf die Radscheiben durchgeführt.[5] Es wurden zuerst die RSE T2 und RSE T5 umgespurt, sie erhielten die DEBG-Bezeichnungen VT301 bzw. VT300 und wurden als Schlepptriebwagen ohne Sitze umgebaut. Sie sollten den leichten Güterverkehr übernehmen und die bis dahin mitgeführten Stückgutwagen überflüssig machen.

Obwohl die Fahrzeuge relativ schnell waren, konnten sie für ihr Aufgabengebiet nur bedingt eingesetzt werden, da sie dafür ein zu geringes Reibungsgewicht besaßen. So mussten bei einer entsprechenden Wagenladung beide Triebwagen eingesetzt werden.

1960 wurde mit dem ehemaligen RSE T4 der dritte Wismarer Triebwagen der Rhein-Sieg-Eisenbahn umgespurt. Diesem wurde seine Inneneinrichtung belassen, er wurde im Sonderverkehr eingesetzt. Zudem wurden zwei Beiwagen der Rhein-Sieg-Eisenbahn von der Jagsttalbahn übernommen. 1965 wurde der VT302 bei einem Unfall mit einem Lastkraftwagen so schwer beschädigt, das er verschrottet werden musste.[6]

Ab 1966 wurden die verbliebenen VT300 und VT301 wieder mit Sitzen ausgerüstet und im Schülerverkehr verwendet. Die Sitzanordnung wurde gegenüber der ursprünglichen Ausführung geändert, auf der schmalen Seite wurden Sitze in Längsrichtung verwendet. Dadurch stieg die Sitzplatzanzahl. 1968 übernahm die Jagsttalbahn den ehemaligen T1 der Kreisbahn Osterode-Kreiensen. Dieser Triebwagen wurde alsbald von den Triebwagenführern favorisiert, die Wismarer Triebwagen waren fortan Reservefahrzeuge. Der VT301 wurde Ende 1970 abgestellt und nach einem Umbau als Beiwagen eingesetzt. Beide Fahrzeuge versahen bis zum Ende des Schienenverkehrs bei der Jagsttalbahn ihren Dienst. Der VT300 ist seit 1988 im Lokschuppen abgestellt, der als Beiwagen verwendete VT301 wurde 2016 an seine alte Wirkungsstätte im RSE-Museum Asbach versetzt.

Konstruktive MerkmaleBearbeiten

 
Maßskizze des T1 in der Ursprungsausführung
 
Maßskizze der T2, T4 und T5 in Ursprungsausführung

Die Fahrzeuge entsprachen den Grundsätzen des Leichtbaues der damaligen Zeit. Der aus Profilen und Blechen geschweißte Wagenkasten hatte eingezogene Stirnenden. In diesem Bereich waren die als Schiebetüren ausgebildeten Einstiegstüren platziert. Der erste Triebwagen hatte eine Wagenkastenform mit einer anderen Länge über Puffer. Bei ihm wurde der Motor außerhalb des Wagenkastens in einem eigenen Tragrahmen analog der Wismarer Schienenbusse eingebaut. Das Getriebe lag unterflur in Wagenmitte. Zwischen Motor und Getriebe gab es lange Gelenkwellen. Der Wagen hatte vier Fenster mit einheitlich breiten Holmen.

Erst mit dem T2 wurde die Konstruktion auf die Bauart mit einem breiteren Holm zwischen den mittleren Fenstern umgeändert. Im Einstiegsbereich befand sich das Gepäckabteil mit mehrere Klappsitzen. Das Untergestell war aus Längs- und Querprofilen hergestellt. Zwischen den Einstiegsbereichen lag das Fahrgastabteil mit 25 Sitzplätzen in zwei Abteilen für Raucher und Nichtraucher. Zwischen beiden Abteilen war eine Trennwand, der Einstiegsbereich war vom Fahrgastabteil nicht abgeteilt. Wegen der kurzen Strecken wurde auf eine Toilette verzichtet.

Diese Ausstattung wurde während der Zeit bei der DEBG noch zweimal geändert, als Schlepptriebwagen besaß er keine Sitze sowie im hinteren Bereich eine übergroße Schiebetür für sperrige Güter.[7] Für den Betrieb im Schülerverkehr wurde er wieder mit Sitzen ausgestattet, teils aus dem verunfallten VT302, teils aus Autobussen.[8]

Nach dem Umbau bei der DEBG bestand die Maschinenanlage aus dem KHD A6M517 und dem Mylius-Getriebe. Sie war unterflur angeordnet und trieb über Gelenkwellen die jeweils innere Achse des Drehgestells an.[8] Der Motor ragte bei den Serienfahrzeugen in den Fahrgastraum bis etwa Sitzhöhe hinein. In diesem Bereich wurde zwischen den Rücklehnen der Sitze etwas Raum gelassen, um die Warmwasserheizung zu installieren. Zur Ausstattung der Wagen gehörten weiterhin elektrische Beleuchtung, Warnpfeife, Läutewerk, indirekte Bremse sowie die bei der Schmalspurbahn verwendete Zug- und Stoßeinrichtung mit Mittelpuffer und den seitlichen Zughaken. Bei diesen Wagen wurden die Puffer am Hauptrahmen des Fahrzeuges befestigt, die weiteren Zughaken hingegen am Drehgestellrahmen. Die Drehgestelle waren weit bis an die Enden gerückt und gaben den Fahrzeugen ein gedrungenes Aussehen.

LiteraturBearbeiten

  • Autorenkollektiv: Die Fahrzeuge der Jagsttalbahn. Hrsg.: Interessengemeinschaft Jagsttalbahn. Jagsttalbahn-Freunde e. V., 1984, ISBN 3-924660-00-X.
  • Meinhard Döpner: Die Deutsche Eisenbahn-Betriebs-Gesellschaft AB. 2002. Auflage. Lokrundschau Verlag, 2002, ISBN 3-931647-13-7, S. 156.
  • Adolf Becker: Die Bröhltalbahn. 1. Auflage. Kersting Verlag, Niederkassel-Mondorf 1988, ISBN 3-925250-05-0.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Internetseite über die Fahrzeuge der RSE mit Erwähnung der Triebwagen
  2. Adolf Becker: Die Bröhltalbahn. 1. Auflage. Kersting Verlag, Niederkassel-Monheim 1988, ISBN 3-925250-05-0, S. 55.
  3. a b c Autorenkollektiv: Die Fahrzeuge der Jagsttalbahn. Hrsg.: Interessengemeinschaft Jagsttalbahn. Jagsttalbahn-Freunde e.V., 1984, ISBN 3-924660-00-X, S. 55.
  4. Adolf Becker: Die Bröhltalbahn. 1. Auflage. Kersting Verlag, Niederkassel-Monheim 1988, ISBN 3-925250-05-0, S. 64.
  5. Autorenkollektiv: Die Fahrzeuge der Jagsttalbahn. Hrsg.: Interessengemeinschaft Jagsttalbahn. Jagsttalbahn-Freunde e.V., 1984, ISBN 3-924660-00-X, S. 51.
  6. Autorenkollektiv: Die Fahrzeuge der Jagsttalbahn. Hrsg.: Interessengemeinschaft Jagsttalbahn. Jagsttalbahn-Freunde e.V., 1984, ISBN 3-924660-00-X, S. 52.
  7. Autorenkollektiv: Die Fahrzeuge der Jagsttalbahn. Hrsg.: Interessengemeinschaft Jagsttalbahn. Jagsttalbahn-Freunde e.V., 1984, ISBN 3-924660-00-X, S. 53.
  8. a b Autorenkollektiv: Die Fahrzeuge der Jagsttalbahn. Hrsg.: Interessengemeinschaft Jagsttalbahn. Jagsttalbahn-Freunde e.V., 1984, ISBN 3-924660-00-X, S. 54.