Hauptmenü öffnen

Wikipedia β

RISC OS

Betriebssystem
RISC OS
Basisdaten
Entwickler RISC OS Open Ltd. / RISCOS Ltd.
Lizenz(en) Proprietär
Aktuelle Version 5.22 (aktuelle RISC OS Open Version vom 25. April 2015)[1]

RISC OS Pi Version 14 vom 23. Februar 2015 (aktuelle RISC OS Open Version für den Raspberry PI)[2]

6.20 (letzte proprietäre Version von 2009)

Abstammung
Architekturen ARM
Sonstiges Sprachen: Englisch
Website www.riscosopen.org / www.riscos.com

RISC OS ist ein Betriebssystem mit grafischer Oberfläche. Es wurde vom britischen Unternehmen Acorn Ende der 1980er Jahre für ihren 32-Bit-Computer Archimedes mit ARM-CPU entwickelt.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

RISC OS 2 war die erste Version von RISC OS und ersetzte 1989 das in BBC BASIC geschriebene Übergangsbetriebssystem Arthur des Archimedes. Der Acorn A5000 wurde 1992 mit RISC OS 3 ausgeliefert. 1994 folgte RISC OS 3.5 mit der Einführung des Acorn-Risc-PCs. Die StrongARM-Unterstützung kam 1996 mit RISC OS 3.7. Für den nie erhältlichen Nachfolger des Risc-PCs entwickelte Acorn RISC OS 4. 1998 löste sich Acorn auf und RISC OS ging an die Firma Pace. RISCOS Ltd. lizenzierte RISC OS 4 und lieferte es 1999 aus. Seitdem entwickelt RISCOS Ltd. das Betriebssystem als RISC OS Select weiter. Pace passte RISC OS 4 an moderne ARM-CPUs ab ARM9 und XScale an und entfernte die Abhängigkeiten von speziellen Prozessoren, die Acorn entwickelt hatte. Diese Version wurde dann von Castle Technology ab 2002 in ihren XScale betriebenen IYONIX pc als RISC OS 5 eingesetzt und weiterentwickelt. Damit gibt es zwei aktive Entwicklungszweige von RISC OS. Beide Zweige sind weitestgehend kompatibel für Anwendungsprogramme, aber nicht vollständig. Eine Zusammenführung der beiden RISC-OS-Zweige wird es absehbar nicht geben. 2003 erwarb Castle RISC OS von Pace. Für den ARM9-Rechner A9home passte RISCOS Ltd. ihr RISC OS Select für moderne ARM-Prozessoren an und nannte es 2006 Adjust32. Bei RISC OS Adjust32 wurden zusätzlich die Abhängigkeiten von der alten Acorn-Hardware entfernt. Im gleichen Jahr begann RISC OS Open, erste Teile von RISC OS 5 im Quelltext zu veröffentlichen. Der gesamte Quelltext sollte nach und nach freigegeben werden. 2007 erschien RISC OS Select 4 unter dem Namen RISC OS 6 und ist eine Weiterentwicklung von Adjust32. Der offene Quellcode von RISC OS 5 wird seit Ende 2008 auf modernere ARM-Hardware, namentlich das System-on-a-Chip der OMAP-Familie, portiert.

EigenschaftenBearbeiten

RISC OS ist ein schlankes und schnelles Betriebssystem mit kooperativem Multitasking und läuft, abgesehen von Emulatoren, nur auf Rechnern mit ARM-CPU inklusive StrongARM und XScale. Der Mikrokern des Betriebssystems ist klein. Eine Vielzahl von austauschbaren Modulen ist für Dateisystem, Festplattenzugriff, grafische Oberfläche usw. zuständig. (Diese Module lassen sich aus der grafischen Oberfläche heraus mittels Druck auf die Funktionstaste F12 und der Eingabe von help modules in die Kommandozeile auflisten.) Ein Großteil des Betriebssystems und einige Anwendungsprogramme sind im ROM bzw. im Flash-ROM enthalten. Ein Booten von der Festplatte wie bei anderen Betriebssystemen kann damit entfallen. Ausnahme ist RISC OS Select, bei dem ein Abbild der ROMs von der Festplatte ins RAM geladen wird.

Das Betriebssystem schreibt oder liest von sich aus, also ohne Zutun des Anwenders, nach dem Bootvorgang keine Daten auf oder von einen Festwertspeicher. Dies bedeutet z. B., dass man nach dem Bootvorgang beim Raspberry PI die Speicherkarte entnehmen kann. RISC OS läuft einfach weiter. SD-Karten werden damit geschont. Wenn externe Festplatten einen entsprechenden Stromsparmodus eingebaut haben, kann es aber auch sein, dass diese erst immer wieder anlaufen müssen, will der Anwender etwas speichern oder laden.

RISC OS ist kein Mehrfachbenutzersystem. Es gibt damit keine Anmeldemasken oder Benutzerkonten. Das System ist damit völlig offen. Nach dem Starten landet man unmittelbar in der Oberfläche und kann sofort arbeiten. Ein Anmelden entfällt. Der Anwender kann sich alles ansehen und nahezu alles manipulieren. Dies macht das gesamte System für den Anwender sehr durchsichtig. Der Computer sollte daher physikalisch abgeschlossen werden und nicht frei zugänglich sein.

Die grafische Oberfläche von RISC OS ist auf die Bedienung mit einer Maus spezialisiert. Es wird eine Dreitastenmaus benötigt. Die linke Maustaste wird wie von anderen Systemen her gewohnt verwendet. Die mittlere Maustaste (bzw. Druck auf das Scrollrad) öffnet das einem Fenster oder Symbol (nur auf der Symbolleiste) zugehörige POP-Up-Menü. Ein Menü und den damit verbundenen langen Mauswegen am oberen Fenster- oder Bildschirmrand gibt es nicht. Die POP-Up-Menüs erscheinen immer in unmittelbarer Nähe des Mauszeigers und lassen sich mit Hilfe der Maus frei verschieben und platzieren. Die rechte Maustaste dreht entweder einen Befehl um oder hat eine andere, sinnvolle Funktion. Wählt man z. B. mit der rechten Maustaste einen Menüpunkt aus, so wird das Menü nicht geschlossen und man kann so gleich weitere Menüpunkte auswählen, ohne zuvor umständlich erst wieder mit der mittleren Maustaste das gleiche Untermenü aufrufen zu müssen wie heute noch mitunter auf anderen Systemen wie z. B. Windows üblich. Klickt man mit der rechten Maustaste auf einen Pfeil der Bildlaufleiste, bewegt sich die Leiste in die entgegengesetzte Richtung des Pfeiles. Fenster lassen sich mit Hilfe der rechten Maustaste auf dem Bildschirm verschieben, ohne diese in den Vordergrund zu holen. Mit Hilfe der rechten Maustaste kann man sich durch Klick auf das Schließkreuz eines Dateifensters rückwärts durch das Dateisystem hangeln (also im Pfad zurückgehen). Die Inhalte von Fenstern lassen sich durch "Festhalten" mit der rechten Maustaste auf einen Laufbalken zweidimensional verschieben. Die x-y-Bewegung der Maus wird so auf den Fensterinhalt übertragen. Dabei bewegen sich beide Laufbalken gleichzeitig. Das funktioniert unter RISC OS bei jedem Programm. Es gibt programmabhängig viele weitere Verwendungen der rechten Maustaste, um die Arbeit am Computer ganz erheblich zu beschleunigen. Diese logische Erweiterung um eine dritte Maustaste trägt neben vielen weiteren Punkten dazu bei, dass sich die grafische Oberfläche von RISC OS mit nur einer Hand bis heute so angenehm und schnell bedienen lässt wie auf kaum einem anderen System.

Der Desktop besteht seit ARTHUR aus zwei Teilen. Der obere und größere Teil des Desktops ist die Pinnwand. Auf ihr können Dateien und Fenster abgelegt werden. Bei den Dateien handelt es sich aber nur um Verknüpfungen zu den entsprechenden Dateien im Dateisystem. Die Pinnwand dient damit unter RISC OS als Dockingstation. Sie besitzt keinen eigenen Speicherplatz. Der untere Teil des Desktops besteht aus einer Leiste, die man Iconbar oder Symbolleiste nennt. Dort findet man links die Symbole für die vorhandenen physikalischen Ein- und Ausgabemedien wie Laufwerke und Drucker und rechts die Symbole für die geladenen Anwendungsprogramme (sowie ganz rechts den schon unmittelbar nach dem Start vorhandenen Aufgabenmanager). Jedes dieser Symbole hat ein Menü, das stets mit der mittleren Maustaste geöffnet wird. Mit einem Klick der linken (oder in Spezialfällen auch rechten Maustaste) öffnet sich das Fenster des Dateimanagers des jeweiligen Laufwerkes bzw. das Fenster des Anwendungsprogrammes. Einzelne Fenster erhalten kein Symbol auf der Iconbar.

Fenster und Programme sind bei RISC OS üblicherweise voneinander getrennt. Das Schließen eines Fensters bedeutet bei RISC OS nur, dass tatsächlich auch nur dieses eine Fenster geschlossen wird. Will man ein Programm beenden, geschieht dies üblicherweise über das POP-UP-Menü des entsprechenden Symbols auf der Symbolleiste. Einzelne Ausnahmen hiervon sind möglich.

Ein Programm kann unter RISC OS viele verschiedene Fenster gleichzeitig offen haben. Pro Fenster gibt es immer nur ein Dokument. Eine komplizierte Fenster-in-Fenster-Technik wie auf anderen Systemen bietet RISC OS nicht an.

Das Speichern und Laden von Daten in und aus Programmen funktioniert bereits seit den Anfangstagen von RISC OS wesentlich anders als auf vielen anderen Systemen. Da die Oberfläche Multitasking anbietet, nutzt man dieses aus. So gibt es unter RISC OS keine umständliche Speicherdialogbox, wo man sich ein jedes Mal wieder umständlich durch das Dateisystem hangeln muss. Unter RISC OS öffnet man ein Fenster des Dateimanagers, welches die Inhalte eines ganz bestimmten Verzeichnisses auf einem Laufwerk oder Speichermedium abbildet. Das Fenster des Anwendungsprogramms platziert man daneben oder dahinter und zieht entweder zum Laden per Drag & Drop das Symbol der Datei ins Fenster der Anwendung und lässt es dort "fallen" (Maustaste loslassen), oder man ruft zum Speichern über das POP-UP-Menü der Anwendung bzw. durch Druck auf die Taste F3 den Speicherdialog auf und zieht das Dateisymbol in das entsprechende Fenster vom Dateisystem. Da sich viele verschiedene Fenster des Dateimanagers gleichzeitig öffnen und auf der Oberfläche frei platzieren lassen, hat man gleichzeitig nahezu beliebig viele verschiedene Pfade zur Verfügung, die von jedem Anwendungsprogramm aus genutzt werden können. Ein jedes Mal wieder umständliches Durchhangeln durch das Dateisystem entfällt damit vollständig. Diese Technik funktioniert, indem der Dateimanager und die Anwendungsprogramme miteinander "sprechen".

Diese Technik beschränkt sich aber nicht auf die Kommunikation zwischen Anwendungsprogrammen und dem Dateimanager. Es ist auch möglich, Dateisymbole mit der Maus zwischen verschiedenen geöffneten Fenstern des Dateimanagers selbst per Drag & Drop zu bewegen. Damit lassen sich Dateien auf verschiedenen Laufwerken und in verschiedene Verzeichnisse kopieren. Will man eine Datei verschieben, so muss man beim Anklicken und Festhalten eines Dateisymbols mit der Maus gleichzeitig die Umschalttaste gedrückt halten. Dies stellt die logische Erweiterung des Prinzips vom Norton Commander (mit 2 Spalten) oder der Dateiverwaltung von GEOS dar. Nur dass unter RISC OS gleichzeitig viel mehr als nur zwei verschiedene Speicherorte geöffnet und darüber hinaus frei auf dem Bildschirm platziert werden können.

Darüber hinaus ist als letzte Konsequenz aber auch das direkte "Speichern" und "Laden" zwischen verschiedenen Anwendungsprogrammen möglich, indem man das entsprechende Symbol anstatt über einem entsprechenden Fenster des Dateimanagers über dem geöffneten Dokument eines anderen Anwendungsprogramms fallen lässt. Die mit einem Programm erzeugten Daten werden damit direkt einem anderen Programm übergeben. Natürlich funktioniert dies nur, wenn das entsprechende Programm mit den Daten auch etwas anfangen kann bzw. diese Technik unterstützt. Unter RISC OS lassen sich damit viele kleine Programme für die Erledigung einer einzigen Aufgabe miteinander verwenden bzw. kombinieren. Ein einziges Programm muss nicht mehr alles können. Vergleichbar ist es mit dem Konzept der Tool Chain (Werzeugkette) von Unix, nur hier grafisch umgesetzt. Mit dieser Fähigkeit bietet RISC OS dem Anwender neben der extrem hohen Bediengeschwindigkeit ein hohes Maß an Freiheit und Kreativität.

Anwendungsprogramme befinden sich unter RISC OS in einem Verzeichnis, dessen Name mit einem Ausrufezeichen beginnt. Klickt man kurz 2x hintereinander mit der linken Maustaste auf ein solches Verzeichnis, so wird das Verzeichnis nicht in einem neuen Fenster vom Dateimanager geöffnet. Statt dessen sucht RISC OS nach einer im Verzeichnis liegenden Datei namens !Run und führt diese bei Vorhandensein aus. Anwendungsprogramme werden also über den Dateimanager gestartet. öffnen kann man solche Anwendungsverzeichnisse, wenn man beim Doppelklick mit der linken Maustaste gleichzeitig die Umschalttaste gedrückt hält. Da Anwendungsverzeichnisse auch eine Datei namens !Boot enthalten sollen, welche das System bei erstmaliger Sichtung des Verzeichnisses ausführt, können unter RISC OS Programme nahezu beliebig im Dateisystem vom Anwender platziert werden. Programme werden "installiert", indem sie an die entsprechende Stelle kopiert werden. Installationsprogramme sind nicht erforderlich. Unter RISC OS werden Programme oft in Archiven gepackt zum Download zur Verfügung gestellt oder auf Grund ihrer häufig sehr geringen Größe auch per E-Mail verschickt. Es gibt jedoch auch Installationsprogramme wie PackMan wie man sie von anderen Systemen her kennt.

RISC OS benötigt keine Dateiendungen zur Erkennung des Dateiformates. Das Dateiformat wird im Dateisystem vermerkt. Wenn man eine Datei im Dateimanager doppelt anklickt, wird von RISC OS zuerst geprüft, ob ein Anwendungsprogramm geladen ist, das mit diesem Dateiformat umgehen kann. Wenn dies nicht der Fall ist, wird bei den angemeldeten Anwendungsprogrammen ein geeignetes Programm gesucht, um die Datei zu öffnen. Alternativ kann man die Datei auf das Anwendungsprogramm in der Iconbar oder in dessen geöffneten Fenster ziehen.

RISC OS bietet mit einem der schnellsten BASIC-Dialekte BBC BASIC auch gleich einen miteingebauten ARM-Assembler mit an. Betriebssystemroutinen werden per SWIs zur Verfügung gestellt, welche die einzelnen Betriebssystemmodule zur Verfügung stellen.

VersionsgeschichteBearbeiten

Jahr Version Rechner Hersteller
1987 Arthur Archimedes A3x0, A4x0 Acorn
1989 RISC OS 2 Archimedes A3x0, A4x0, A3000 Acorn
1992 RISC OS 3.0 / 3.1 alle Archimedes-Rechner Acorn
1994 RISC OS 3.5 Risc PC 600 Acorn
1995 RISC OS 3.6 Risc PC 700, A7000 Acorn
1996 RISC OS 3.7 StrongARM Risc PC, A7000+ Acorn
1999 RISC OS 4.0 Risc PC, A7000(+), RiscStation, Microdigital Mico und Omega RISCOS Ltd.
2001 RISC OS Select 1 Risc PC, A7000(+), RiscStation, Microdigital Mico RISCOS Ltd.
2002 RISC OS Select 2 Risc PC, A7000(+), RiscStation, Microdigital Mico RISCOS Ltd.
2002 RISC OS 5 IYONIX pc Castle Technology
2003 RISC OS Select 3 Risc PC, A7000(+), RiscStation, Microdigital Mico und Omega RISCOS Ltd.
2006 RISC OS Adjust32 A9home RISCOS Ltd.
2007 RISC OS 6 alias RISC OS Select 4 StrongARM Risc PC, A7000(+) RISCOS Ltd.

RISC OS für den Raspberry PiBearbeiten

RISC OS für den Raspberry Pi, kurz RISC OS Pi, basiert auf dem freigegeben Open-Source-Code der RISC OS Open Ltd.

Durch den Paketmanager PackMan lassen sich alle frei verfügbaren RISC-OS-Programme installieren und upgraden.

Siehe auchBearbeiten

  • ROX Desktop – übernimmt Konzepte des RISC OS für Unix-Systeme.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten