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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Rülzheim
Rülzheim
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Rülzheim hervorgehoben
Koordinaten: 49° 9′ N, 8° 18′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Germersheim
Verbandsgemeinde: Rülzheim
Höhe: 110 m ü. NHN
Fläche: 16,66 km2
Einwohner: 8121 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 487 Einwohner je km2
Postleitzahl: 76761
Vorwahl: 07272
Kfz-Kennzeichen: GER
Gemeindeschlüssel: 07 3 34 025
Adresse der Verbandsverwaltung: Am Deutschordensplatz 1
76761 Rülzheim
Website: www.ruelzheim.de
Ortsbürgermeister: Reiner Hör
Lage der Ortsgemeinde Rülzheim im Landkreis Germersheim
Wörth am RheinGermersheimZeiskamOttersheim bei LandauKnittelsheimBellheimScheibenhardtBerg (Pfalz)HagenbachNeuburg am RheinJockgrimNeupotzHatzenbühlRheinzabernSteinweilerErlenbach bei KandelKandel (Pfalz)Winden (Pfalz)VollmersweilerFreckenfeldMinfeldLeimersheimKuhardtRülzheimHördtSchwegenheimLingenfeldFreisbachWeingarten (Pfalz)Westheim (Pfalz)LustadtBaden-WürttembergFrankreichSpeyerRhein-Pfalz-KreisNeustadt an der WeinstraßeLandkreis Südliche WeinstraßeLandau in der PfalzKarte
Über dieses Bild
Mittlere Ortsstraße in Rülzheim
Ansicht von Rülzheim

Rülzheim (pfälzisch: Rilze) ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Germersheim in Rheinland-Pfalz. Sie ist Verwaltungssitz der Verbandsgemeinde Rülzheim, der sie auch angehört.

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

Geographische LageBearbeiten

Der Ort liegt im südpfälzischen Teil der Oberrheinischen Tiefebene, im Dreieck zwischen Germersheim, Wörth am Rhein und Landau in der Pfalz. Im Süden streift der kurz zuvor aufgestaute Rottenbach das Ortsgebiet. Im Südwesten wird Rülzheim von einem ausgedehnten Wald begrenzt. Im Norden der Gemarkung befindet sich eine große landwirtschaftlich genutzte Ebene, die sich in nordwestlicher Richtung bis nach Landau erstreckt. Durch Rülzheim fließt der aus dem Pfälzer Wald kommende Klingbach, der über den Michelsbach in den nahe gelegenen Rhein mündet.

NachbargemeindenBearbeiten

Rülzheim grenzt an folgende Kommunen:

Knittelsheim Bellheim
Herxheim,
Herxheimweyher   
  Hördt
Hatzenbühl Rheinzabern Kuhardt,
Leimersheim

KlimaBearbeiten

Der Jahresniederschlag beträgt 746 mm. Die Niederschläge liegen im mittleren Drittel der in Deutschland erfassten Werte. An 51 % der Messstationen des Deutschen Wetterdienstes werden niedrigere Niederschlagswerte registriert. Der trockenste Monat ist der Februar, die meisten Niederschläge fallen im Juni. Im Juni fallen 1,7 mal mehr Niederschläge als im Februar. Die Niederschläge variieren mäßig. An 41 % der Messstationen werden niedrigere jahreszeitliche Schwankungen registriert.

GeschichteBearbeiten

 
Ehemalige Synagoge

Die Gegend von Rülzheim ist bereits seit der Jungsteinzeit besiedelt und liegt an einem alten Nord-Süd-Verkehrsweg auf dem (überschwemmungssicheren) linken Rhein-Hochufer. Auch aus der Römerzeit lassen sich an der ebenfalls dort entstandenen Römerstraße Siedlungsspuren nachweisen, die auch eine Verbindung zur nahegelegenen, bedeutenden Terra-Sigillata-Industrie in Rheinzabern (Tabernae) herstellen. 2014 erregte ein spätantiker Hortfund (siehe Hortfund von Rülzheim) öffentliche Aufmerksamkeit, da er von einem Raubgräber unter dem Druck von Ermittlungen der Denkmalpflege übergeben wurde.[2] Die illegalen Raubgrabungen haben wertvolle Informationen zu dem Schatz vernichtet. Zudem bleibt unklar, ob Stücke des Schatzes bereits verkauft wurden (vergl. Antikenhehlerei). Der Fund umfasst u. a. goldene Verzierungen eines herrschaftlichen Gewands, Silbergeschirr und Reste eines vergoldeten und versilberten Klappstuhls.[3]

Erstmals wurde der Ort Rülzheim im Jahre 774 als „Rotlehesheim“ im Lorscher Codex erwähnt.[4] Er kann zu den Orten gezählt werden, die bei der fränkischen Landnahme entstanden. Im Mittelalter kam Rülzheim zum Gebiet des Hochstifts Speyer, die „Besitzer“ waren die Ritter des Deutschen Ordens. Nach dem pfälzischen Erbfolgekrieg kam der Ort als Teil des Elsass zu Frankreich und bildete die nördlichste Grenzsiedelung. Im Jahre 1816 kam er zum bayerischen Rheinkreis. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfuhr die ehemals stark landwirtschaftlich geprägte Gemeinde (vor allem Anbau von Tabak und Zuckerrüben) einen starken wirtschaftlichen Aufschwung durch Ansiedlungen von Betrieben der Fertigungs- und der Dienstleistungsbranche.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Wenn nicht gesondert aufgeführt, ist die Quelle der Daten das Statistische Landesamt Rheinland-Pfalz.[5]

Jahr Einwohner
[6]1802 1.752
1815 2.225
1835 2.533
[6]1849 3.007
[6]1861 2.939
[7]1871 2.898
1905 3.370
1939 3.823
Jahr Einwohner
1950 4.172
1965 5.235
1970 5.338
1975 5.734
1980 6.033
1985 6.569
1990 7.162
1995 7.670
Jahr Einwohner
2000 8.018
2005 7.801
2010 7.815
2013 7.773
2015 7.833
2017 7.972

ReligionBearbeiten

Im Februar 2015 waren 56,3 Prozent der Einwohner katholisch und 18,2 Prozent evangelisch. Die übrigen gehörten einer anderen Religion an oder waren konfessionslos.[8]

Im Jahr 1871 waren von insgesamt 2898 Einwohnern 86 Prozent katholisch, 14 Prozent jüdisch und 9 Personen (0,3 Prozent) evangelisch.[7]

PolitikBearbeiten

GemeinderatBearbeiten

Der Gemeinderat in Rülzheim besteht aus 24 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat:>

Wahl SPD CDU GRÜNE FDP Aktive FWG AFD Gesamt
2019 2 6 3 1 7 2 3 24 Sitze[9]
2014 2 9 1 10 2 24 Sitze[10]
2009 2 10 10 2 24 Sitze
2004 2 12 1 8 1 24 Sitze
  • Aktive = Aktive Bürger e. V.
  • FWG = Freie Wähler Gruppe Rülzheim e. V.

BürgermeisterBearbeiten

Der Ortsbürgermeister wird in direkter Wahl für eine Amtszeit von fünf Jahren gewählt.

Bei der Wahl am 26. Mai 2019 wurde der seit 2006 amtierende Reiner Hör (Aktive Bürger) mit 61,3 Prozent wiedergewählt. Von 2006 bis 2014 war Hör in Personalunion auch Bürgermeister der Verbandsgemeinde Rülzheim.

WappenBearbeiten

Blasonierung: „In Rot auf bogigem grasbedecktem grünem Grund ein golden gepanzerter Ritter mit offenem Helmvisier auf goldbewehrtem silbernem Ross mit goldenem Zaumzeug, in der Rechten eine mit einem goldenen Tatzenkreuz besteckte goldene Stange haltend.“
Wappenbegründung: Das 1842 genehmigte Wappen beruht auf dem alten Ortssiegel mit der Inschrift „Der Rilzheimer Gerichtsinsigil Anno 1721“. Der Ritter des Motivs ist der Kirchenpatron St. Mauritius, der üblicherweise mit der Kreuzfahne dargestellt wird. Auf dem Wappen steckt das Kreuz auf einer Stange, die wahrscheinlich eine Lanze darstellt.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Katholische Pfarrkirche St. Mauritius
 
Ehemaliges Bahnhofsgebäude mit Turm
 
Protestantische Christuskirche in der Hoppelgasse
 
Renoviertes Freizeithaus „Dampfnudel“

BauwerkeBearbeiten

  • Ehemalige Synagoge, erbaut in den Jahren 1832/33 vom Architekten August von Voit; heute „Centrum für Kunst und Kultur“.
  • Pfarrkirche St. Mauritius (Lage) der katholischen Kirchengemeinde in der Ortsmitte. Der älteste Teil der Kirche ist der auf spätgotischem Unterbau errichtete Westturm aus dem Jahr 1498. Das heutige Langhaus wurde 1767 erbaut und später erweitert.
  • Dieterskirchel an der Rheinzaberner Straße. Kirchlein, an dessen Stelle der Heilige Diethardt im Jahre 670 den Tod fand. Der Bau stammt aus dem Jahr 1957 und erinnert an die Wallfahrtskirche von Ronchamp.
  • Christuskirche (Lage) der Protestantischen Kirchengemeinde Rülzheim. Der schlichte Kirchenbau ohne Glockenturm wurde im Jahr 1968 eröffnet.
  • Jüdischer Friedhof außerhalb des Ortes an der Straße nach Herxheimweyher. Auf dem knapp 49 Ar großen Friedhof, der 1826 angelegt wurde, sind noch etwa 420 Grabsteine vorhanden.
  • Ehemaliges Schlachthaus (Lage) der jüdischen Gemeinde Rülzheim aus dem Jahr 1843 in der Bachgasse
  • Ehemaliges Bahnhofsgebäude (Lage), ein historistischer Ziegelbau mit großem dreigeschossigen Turm, der ursprünglich als Uhrturm diente. Es ist geprägt von spätklassizistischen und Neorenaissanceelementen.
  • Freizeithaus „Dampfnudel“ (Lage) aus dem Jahr 1974, das ursprünglich als Freilufthalle mit besonderer Luftkissenüberdachung von der Firma Krupp aus Essen entwickelt wurde. Aufgrund der Ähnlichkeit zur traditionellen pfälzischen Mehlspeise, wurde das Freizeithaus mit der weit sichtbaren weißen Kuppel, mit einem Außendurchmesser von 36 Metern, regional als „Dampfnudel“ bekannt. Vom Frühjahr 2010 bis Herbst 2011 wurde das Gebäude renoviert und das Luftkissendach durch eine starre Konstruktion ersetzt.
  • Einige Tabaktrockenschuppen (Lage) erinnern an den Tabakanbau des 19. und 20. Jahrhunderts in Rülzheim und Umgebung. Rülzheim ist Namensgeber des sogenannten Rülzheimer Schuppens, das ist ein langer, etwa drei bis vier Meter hoher Holzschuppen mit einem flachen Satteldach. Dieser Schuppentyp kam in den 1970er Jahren auf; ältere Schuppen waren meist kürzer, aber deutlich höher.[11] Einige Exemplare des Rülzheimer Schuppens haben sich rund 300 m nördlich des Bahnhofs erhalten.

FreizeiteinrichtungenBearbeiten

Rülzheim verfügte über ein Freizeitbad namens „Moby Dick“, das 2002 vollständig renoviert, aber im Dezember 2011 geschlossen wurde.[12] Dazu gehörten unter anderem Sauna, große Wendelrutsche und ein beheiztes Außenbecken mit einer Rutsche. Daneben befinden sich eine Veranstaltungshalle, ein Campingplatz, eine Tennisanlage, die 2007 eröffnete Straußenfarm „Mhou“, ein Streichelzoo, ein Badesee sowie ein Vereinshüttendorf. Seit Oktober 2015 ist in Rülzheim am alten Festwiesengelände eine „Alla-Hopp“-Anlage entstanden. Die Bewegungs- und Spielanlage für jedermann wurde von der Dietmar-Hopp-Stiftung finanziert. Am Waldrand an der Rheinzaberner Straße liegt das Rülzheimer Peter-Becht-Stadion. Durch den Gemeindewald führen etliche ausgewiesene Nordic-Walking-Strecken.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

VerkehrBearbeiten

Seit Dezember 2010 fährt die Stadtbahn Karlsruhe mit den Stadtbahnlinien S51 und S52 über Rülzheim. Der Ort selbst besitzt mit Rülzheim Bahnhof und Rülzheim Freizeitzentrum zwei Haltepunkte an der Bahnstrecke Schifferstadt–Wörth. Ersterer ersetzt seit Ende Dezember 2010 den ca. 250 Meter südwestlich gelegenen ehemaligen Bahnhof. Beide Haltepunkte liegen sowohl im Verbundgebiet des Karlsruher Verkehrsverbundes (KVV) als auch in dem des Verkehrsverbundes Rhein-Neckar (VRN).

Am östlichen Ortsrand verläuft die autobahnähnlich ausgebaute B 9. Rülzheim ist mit zwei Anschlüssen Rülzheim Nord und Rülzheim Süd an die Schnellstraße angebunden. Die A 65 befindet sich zirka neun Kilometer westlich von Rülzheim und ist über die L 493 zu erreichen. Die nächstgelegene Anschlussstelle ist Rohrbach.

BehördenBearbeiten

Als Sitz der Verbandsgemeinde beherbergt Rülzheim auch deren Verwaltung. Zu der Verbandsgemeinde gehören außer Rülzheim Hördt, Kuhardt und Leimersheim.

BildungBearbeiten

In Rülzheim befinden sich neben vier Kindergärten eine Grundschule und die Integrierte Gesamtschule Rülzheim, die ab Herbst 2015 eine gymnasiale Oberstufe eingeführt hat.[13] Außerdem verfügt der Ort über eine katholische öffentliche Bücherei.

EnergieBearbeiten

Rülzheim verfügt über eigene Gemeindewerke, die als Energieversorgungsunternehmen die Netzgebiete Rülzheim und Hördt abdecken. Außerdem gibt es in Rülzheim eine Fernwärmeversorgung mit eigenen Blockheizkraftwerken, die als Modellprojekt der Bundesrepublik Deutschland vom damaligen Bürgermeister Helmut Braun, der vorher als Oberingenieur bei ABB gearbeitet hat, konzipiert und umgesetzt wurde.

PersönlichkeitenBearbeiten

EhrenbürgerBearbeiten

  • Karl Werner Geeck (* 1941), einziger lebender Ehrenbürger Rülzheims, ehemaliger Schulleiter der RGS Rülzheim und Schriftsteller
  • Helmut Braun (1928–1994), 25 Jahre Verbandsbürgermeister und Bürgermeister, ehemaliger Oberingenieur von ABB und mehrfacher Patentbesitzer

Söhne und Töchter der GemeindeBearbeiten

  • Otto Huber MFSC (1871–1954), Comboni-Missionar und Missionspionier in Nordafrika
  • Adolf Wolff (1910–1998), Tierarzt
  • Udo Bentz (* 1967), katholischer Geistlicher, Weihbischof und Generalvikar in Mainz

Personen, die vor Ort gewirkt habenBearbeiten

 
Dieterskirchel bei Rülzheim

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Bevölkerungsstand 2018, Gemeindeebene (Hilfe dazu).
  2. FAZ 19. Februar 2014; Ein Räuber im Zauberwald - die Vernichtung einer Quelle zur Völkerwanderungszeit. Archaeologik (21. Februar 2014).
  3. [1] Morgenweb.
  4. Karl Josef Minst [Übers.]: Lorscher Codex (Band 4), Urkunde 2154, 12. Juni 774 – Reg. 1030. In: Heidelberger historische Bestände – digital. Universitätsbibliothek Heidelberg, S. 58, abgerufen am 15. Februar 2016.
  5. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz: Rülzheim
  6. a b c Beamtenverzeichniß und Statistik des Königlich Bayerischen Regierungs-Bezirkes der Pfalz, 1863, S. XXXV des Anhangs.
  7. a b Ergebnisse der Volkszählung im Königreiche Bayern vom 1. Dezember 1871 nach einzelnen Gemeinden, 1873, S. 65.
  8. Ewois, Stand 28. Februar 2015
  9. http://wahlen.vg-ruelzheim.de/gw2019ru.html
  10. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  11. Albert Weigel: Tabakanbau und Entwicklung der Tabaktrockenschuppen in Hatzenbühl. In: Arbeitskreis für Hausforschung: Jahrbuch für Hausforschung, Band 41. Hausforschung und Wirtschaftsgeschichte in Rheinland-Pfalz. Bericht über die Tagung des Arbeitskreises für Hausforschung in Sobernheim/Nahe vom 24.–28. September 1990, Jonas Verlag für Kunst und Literatur GmbH, Marburg 1993, S. 129.
  12. http://www.mobydick.de/startseite/startseite.html
  13. Mainzer-Studienstufe (MSS) (Memento des Originals vom 1. Februar 2014 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.igs-ruelzheim.de. Website der IGS Rülzheim. Abgerufen am 18. Januar 2014.