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Rüdiger Bergien

deutscher Militärhistoriker

Rüdiger Bergien (* 1977 in Bad Karlshafen) ist ein deutscher Historiker. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Bergien studierte von 1997 bis 2003 Geschichte und Germanistik an der Georg-August-Universität Göttingen, der Fernuniversität in Hagen und der Freien Universität Berlin. Von 1999 bis 2003 arbeitete er parallel als Redakteur im Paul Parey Zeitschriftenverlag.

Von 2003 bis 2005 war er freier Lektor beim Militärgeschichtlichen Forschungsamt (MGFA) in Potsdam. Im Anschluss wurde er wissenschaftlicher Mitarbeiter für Militärgeschichte an der Universität Potsdam, wo er sich ab 2007 einem DFG-geförderten Editionsprojekt widmete. 2006 war er Visiting Lecturer an der University of Chicago (Illinois, USA). 2008 wurde er bei Bernhard R. Kroener[1] mit der Dissertation Die bellizistische Republik. Wehrkonsens und „Wehrhaftmachung“ in Deutschland 1918–1933 zum Dr. phil. promoviert, wofür er 2010 den Werner-Hahlweg-Preis für Militärgeschichte und Wehrwissenschaften (2. Preis) erhielt. 2009 wurde er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF) in Potsdam, wo er bis 2014 das zeitweise durch die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur geförderte Projekt „Der Apparat des Zentralkomitees der SED als Regierungszentrum der DDR, 1961–1989“ betreute. Seit 2014 ist er als Postdoc mit dem Projekt „Staatliche Kontrolle in der digitalen Gesellschaft. Der Computerausbau in ost- und westdeutschen Polizeibehörden und Nachrichtendiensten 1960–1990“ (Teilprojekt von „Aufbrüche in die digitale Gesellschaft. Computerisierung und soziale Ordnungen in der Bundesrepublik und der DDR“) befasst. 2017 habilitierte er sich an der Professur für Neueste und Zeitgeschichte[2] (Martin Sabrow) des Instituts für Geschichtswissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin für das Fach Neuere und Neueste Geschichte mit einer Studie zum Thema „Der ‚Apparat‘ des Zentralkomitees als Regierungszentrum der DDR. Politik- und Gesellschaftssteuerung als Problem des Staatssozialismus (1963–1989)“.[3]

Seine Forschungsschwerpunkte sind die deutsche Militärgeschichte sowie die Geschichte der DDR und des Kommunismus.

Seit 2012 ist er Rezensionsredakteur für den Themenbereich Geschichte der Deutschen Demokratischen Republik bei H-Soz-Kult. Aufsätze erschienen u. a. in Journal of Contemporary History, Central European History, Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, Geschichte in Wissenschaft und Unterricht, Zeitschrift für Geschichtswissenschaft und Militärgeschichtliche Zeitschrift.

RezeptionBearbeiten

Bergiens Dissertation von 2008 wurde breit besprochen u. a. in der American Historical Review, bei German History und in der Militärgeschichtlichen Zeitschrift. So schrieb der Rezensent in der Welt: „Bergiens These des lagerübergreifenden Wehrkonsenses überzeugt. Dieses Buch zeigt das Potenzial einer erweiterten Militärgeschichte.“[4] Bei Deutschlandradio Kultur wurde kommentiert, dass es zwar „ein für das Verständnis der Weimarer Republik erhellendes fachwissenschaftliches Werk“ sei, „aber leider keine erzählte Geschichte, zumal man bei der Lektüre ein sehr dickes Fremdwörterbuch stets griffbereit halten sollte.“[5] Der Mannheimer Historiker Gottfried Niedhart (Frankfurter Allgemeine Zeitung) kritisierte: „So eindrucksvoll die Befunde sind, so ist doch Zweifel an Bergiens deterministischer Deutung der gesellschaftlichen und staatlichen Entwicklung angebracht.“[6]

Schriften (Auswahl)Bearbeiten

Monografien, Herausgeberschaften und MitarbeitenBearbeiten

  • Hrsg. von Hans-Erich Volkmann unter Mitarbeit von u. a. Rüdiger Bergien: Der Bundestagsausschuss für Verteidigung. Der Ausschuss zur Mitberatung des EVG-Vertrages. Juli bis Dezember 1952 (= Der Bundestagsausschuss für Verteidigung und seine Vorläufer. Band 1). Droste, Düsseldorf 2006, ISBN 3-7700-1700-5.
  • mit Ralf Pröve (Hrsg.): Spießer, Patrioten, Revolutionäre. militärische Mobilisierung und gesellschaftliche Ordnung in der Neuzeit. V & R Unipress, Göttingen 2010, ISBN 978-3-89971-723-5.
  • Die bellizistische Republik. Wehrkonsens und „Wehrhaftmachung“ in Deutschland 1918–1933 (= Ordnungssysteme. Band 35). Oldenbourg, München 2012, ISBN 978-3-486-59181-1. (zugl. Dissertation)
  • Im "Generalstab der Partei". Organisationskultur und Herrschaftspraxis in der SED-Zentrale 1946–1989. Ch. Links, Berlin 2017, ISBN 978-3-86153-932-2. (zugl. Habilitation)
  • mit Jens Gieseke (Hrsg.): Communist Parties Revisited. Socio-Cultural Approaches to Party Rule in the Soviet Bloc 1956–1991. Berghahn, New York 2018.

Beiträge in SammelbändenBearbeiten

  • Flotte und Medien im Kaiserreich. In: Werner Rahn (Hrsg.): Deutsche Marinen im Wandel. Vom Symbol nationaler Einheit zum Instrument internationaler Sicherheit (= Beiträge zur Militärgeschichte. Band 63). Oldenbourg, München 2005, ISBN 3-486-57674-7, S. 143–160.
  • Vorspiel des „Vernichtungskriegs“? Die Ostfront des Ersten Weltkriegs und das Kontinuitätsproblem. In: Gerhard P. Groß (Hrsg.): Die vergessene Front – der Osten 1914/15. Ereignis, Wirkung, Nachwirkung (= Zeitalter der Weltkriege. Band 1). Schöningh, Paderborn 2006, ISBN 3-506-75655-9, S. 393–408.
  • Paramilitary Volunteers for Weimar Germany’s „Wehrhaftmachung“. How Civilians Were Attracted to Serve with Clandestine Military Units. In: Christine Krüger, Sonja Levsen (Hrsg.): War Volunteering in Modern Times. From the French Revolution to the Second World War. Palgrave Macmillan, Basingstoke 2011, ISBN 978-0-230-22805-4, S. 189–211.
  • „Parteiarbeiter“. Die hauptamtlichen Funktionäre der SED. In: Jens Gieseke, Hermann Wentker (Hrsg.): Die Geschichte der SED. Eine Bestandsaufnahme. Metropol, Berlin 2011, ISBN 978-3-86331-042-4, S. 164–186.
  • Erstarrter Bellizismus: Die SED-Funktionäre und ihr Weg in den Herbst ’89. In: Martin Sabrow (Hrsg.): „1989“ und die Rolle der Gewalt. Wallstein-Verlag, Göttingen 2012, ISBN 978-3-8353-1059-9, S. 33–55.
  • Die Soldaten der „schwarzen Reichswehr“. Motive für den Dienst in Grenz- und Landesschutz zwischen 1918 und 1933. In: Christian Th. Müller, Matthias Rogg (Hrsg.): Das ist Militärgeschichte! Probleme, Projekte, Perspektiven. Für Bernhard R. Kroener zum 65. Geburtstag. Schöningh, Paderborn 2013, ISBN 978-3-506-77657-0, S. 83–102.
  • Das Schweigen der Kader. Ehemalige Nationalsozialisten im zentralen SED-Parteiapparat – eine Erkundung. In: Birte Kundrus, Sybille Steinbacher (Hrsg.): Kontinuitäten und Diskontinuitäten. Der Nationalsozialismus in der Geschichte des 20. Jahrhunderts (= Beiträge zur Geschichte des Nationalsozialismus. Band 29). Wallstein-Verlag, Göttingen 2013, ISBN 978-3-8353-1302-6, S. 134–153.

Beiträge in ZeitschriftenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Rüdiger Bergien: Die bellizistische Republik. 2012, S. 9.
  2. Personenverzeichnis: Rüdiger Bergien, uni-potsdam.dem, abgerufen am 18. Juni 2017.
  3. Rüdiger Bergien an der Humboldt-Universität zu Berlin habilitiert. In: Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam. 16. März 2017 (zzf-potsdam.de [abgerufen am 17. März 2017]).
  4. Daniel Siemens: Gegen den Mythos der wehrlosen Republik (Rez.). In: Die Welt. 21. Juli 2012.
  5. Klaus Pokatzky: Staatlich legitimierte Aufrüstung (Rez.), Deutschlandradio Kultur, 22. August 2012.
  6. Gottfried Niedhart: Bergien, Rüdiger: Die bellizistische Republik (Rez.). In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. Nr. 175, 30. Juli 2012, S. 6.