Röhlinghausen

Stadtteil von Herne
Ein Wohnhaus mit floralem Jugendstilfries (Edmund-Weber-Straße 237) in Herne-Röhlinghausen
Mittelpunkt der Metropole Ruhr an der Rolandstraße 49 in Röhlinghausen

Röhlinghausen ist ein Stadtteil von Herne im Stadtbezirk Eickel mit 11.020 Einwohnern (Dezember 2018)[1].

GeografieBearbeiten

Röhlinghausen liegt im mittleren Ruhrgebiet am Nordrand des Naturraums Westenhellweg im Übergang zum Emscherland. Der Stadtteil grenzt südlich an den Bochumer Stadtteil Hordel, westlich an Bulmke-Hüllen, Stadtteil von Gelsenkirchen, nördlich an den Herner Stadtteil Wanne und östlich an den Stadtteil Eickel.

Rechnerisch ist Röhlinghausen Mittelpunkt des Regionalverbandes Ruhr. An der Rolandstraße wurde im Stadtteil daher ein Granitstein mit der Inschrift Sie befinden sich am geografischen Mittelpunkt des Ruhrgebiets in Herne-Röhlinghausen aufgestellt.[2] 

Röhlinghausen wird im westlichen Teil vom Hüller Bach durchflossen.

GeschichteBearbeiten

Die Siedlungs- oder Flurname Röhlinghausen leitet sich von „roden“ ab, es entstand folglich auf gerodetem Boden.[3]

Um 1220 war Röhlinghausen als Rodelinchusen oder Rodilinchusen abgabepflichtig an die Oberhöfe Ekelo, heute Eickel, und Hurle, heute Hordel. Während der Großen Dortmunder Fehde ließ der Adelige Bitter von Raesfeld 1389 in Röhlinghausen Höfe und Kotten plündern.

Das Schatzbuch für die Grafschaft Mark von 1486 nennt in Hordel einen Straitman to Rolinchusen, übertragen: Stratmann zu Röhlinghausen. Der Hof Stratmann war der größte seiner Art in der Bauerschaft Röhlinghausen des 15. Jahrhunderts.[4]

Die Grafschaft Mark wurde nach dem Dortmunder Vertrag ab 1609 von Brandenburg regiert. Der Adelige Conrad von Strünkede erhielt 1690 vom Kurfürsten Friedrich III. von Brandenburg die Civil-Kriminal-Jurisdiktion über die Herrlichkeit Dorneburg, die ihm zum Lehen gegeben war, sowie über Bickern, Eickel, Holsterhausen, die Riemker Mark und Röhlinghausen.

Als die Grafschaft Mark 1808 von Preußen an Frankreich ging, wurde Röhlinghausen eine Gemeinde in der Mairie Herne des Kantons Bochum im Arrondissement Dortmund des Département Ruhr. 1845 war Röhlinghausen wiederum eine Gemeinde im preußischen Amt Herne, gemeinsam mit den Gemeinden Baukau, Bickern, Bladenhorst, Crange, Eickel, Herne, Hiltrop, Holsterhausen, Horsthausen und Pöppinghausen.

1856 wurden die ersten Schächte der Zeche Königsgrube abgeteuft. Der Bergbau war bestimmend für die weitere Entwicklung Röhlinghausens. Wohnraum für die Fachkräfte des Bergbaus wurde in Form der Arbeitersiedlungen Kolonie Königsgrube, ab 1875, und einer Kolonie der Zeche Hannover, ab 1874, geschaffen. Beide Siedlungen wurden in den 1990er Jahren unter Denkmalschutz gestellt. Mit dem schnellen Bevölkerungswachstum im Zuge der Industrialisierung wurde die Gemeinde Röhlinghausen zum 1. August 1875 mit den Gemeinden Bickern, Crange, Eickel und Holsterhausen zu dem vom Amt Herne gelösten Amt Wanne vereinigt. Das so geschaffene Amt war zunächst Teil des Kreises Bochum, wurde zehn Jahre darauf Teil des neu gebildeten Kreises Gelsenkirchen. Die Gemeinden Eickel und Holsterhausen bildeten zeitweilig das Amt Eickel, Röhlinghausen verblieb im Amt Wanne. Als beide Ämter 1926 zur kreisfreien Stadt Wanne-Eickel vereinigt wurden, war Röhlinghausen süd-westlichster Stadtteil des neuen Gebildes. Seit 1975 ist Röhlinghausen Stadtteil der Großstadt Herne.

Zwischen 1886 und 1960 bestand an der Bahnstrecke Riemke – Wanne, ab 1926 Bochum-Riemke – Wanne-Eickel (Alte Salzbahn) ein Haltepunkt namens Wanne-Röhlinghausen.

StatistikBearbeiten

Zum 31. Dezember 2018 lebten 11.020 Einwohner im Ortsteil Röhlinghausen, davon 2.777 Einwohner im statistischen Bezirk Pluto, 4.587 Einwohner im statistischen Bezirk Röhlinghausen-Kern und 3.656 Einwohner im statistischen Bezirk Königsgrube.[5]

Pluto

Struktur der Bevölkerung im statistischen Bezirk Pluto im Jahr 2018:

  • Minderjährigenquote: 17,3 % (Herner Durchschnitt: 15,9 %)[5]
  • Altenquote: 18,9 % (Herner Durchschnitt: 21,7 %)[5]
  • Ausländeranteil: 23,9 % (Herner Durchschnitt: 17,9 %)[5]
  • Arbeitslosenquote: 6,0 % (Herner Durchschnitt: 8,2 %)[5]
Röhlinghausen-Kern

Struktur der Bevölkerung im statistischen Bezirk Röhlinghausen-Kern im Jahr 2018:

  • Minderjährigenquote: 14,9 % (Herner Durchschnitt: 15,9 %)[5]
  • Altenquote: 19,9 % (Herner Durchschnitt: 21,7 %)[5]
  • Ausländeranteil: 15,3 % (Herner Durchschnitt: 17,9 %)[5]
  • Arbeitslosenquote: 8,3 % (Herner Durchschnitt: 8,2 %)[5]
Königsgrube

Struktur der Bevölkerung im statistischen Bezirk Königsgrube im Jahr 2018:

  • Minderjährigenquote: 13,0 % (Herner Durchschnitt: 15,9 %)[5]
  • Altenquote: 26,3 % (Herner Durchschnitt: 21,7 %)[5]
  • Ausländeranteil: 10,7 % (Herner Durchschnitt: 17,9 %)[5]
  • Arbeitslosenquote: 6,6 % (Herner Durchschnitt: 8,2 %)[5]

Kultur- und SehenswürdigkeitenBearbeiten

Öffentliche EinrichtungenBearbeiten

Im Stadtteil hat das Volkshaus Röhlinghausen als öffentliche Begegnungs- und Veranstaltungsstätte eine bis 1923 zurückreichende Geschichte.[6] Das erste Volkshaus der Gemeinde Röhlinghausen wurde aus der Scheune des vormaligen Hofes Stratmann entwickelt. Die Einrichtung umfasste Saal, Bibliothek, Kegelbahn und Gaststätte. Ein Neubau erfolgte 1958, da der Vorgängerbau im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt worden war. Heutiger Träger des Hauses mit Veranstaltungssaal und Gaststätte ist der Verein zur Förderung der Stadtteilarbeit Röhlinghausen.

Parks und GrünflächenBearbeiten

Das Gelände der ehemaligen Zeche Königsgrube im Süden Röhlinghausens wurde durch die Stadt Herne in den 1980er Jahren zum Königsgruber Park umgewandelt. Der Park ist eine Station der Route Industrienatur des Regionalverbands Ruhr. Von der Biologischen Station östliches Ruhrgebiet wurde der Erlebnispfad Glückauf Natur eingerichtet.

LiteraturBearbeiten

  • Volker Eichener: Kaps und Bergmannkuh – die Zechenkolonien in Röhlinghausen. In: Frank Sichau (Hg.): Mörder, Würste und ein Volkshaus. Gesellschaft für Heimatkunde Wanne-Eickel, Herne 2013, S. 69–79.
  • Heinrich Lührig, Gerhard Schmitz: Röhlinghausen, Wanne-Eickel III. Geschichte und Geschichten aus einem Stadtteil der südlichen Emscherregion – Erlauscht und erlebt, gesammelt und nacherzählt. BWF Verlag, Herne 1995.
  • Joachim Wittkowski: Röhlinghausen im historischen Wandel. Eine Darstellung anhand von Karten und Plänen. In: Frank Sichau (Hg.): Menschen, Pläne und Verbrechen. Gesellschaft für Heimatkunde Wanne-Eickel, Herne 2016, S. 57–121.

WeblinksBearbeiten

Commons: Röhlinghausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bevölkerungszahlen in den statistischen Bezirken am 31. Dezember 2018
  2. Regionalverband Ruhr: Der Mittelpunkt der Metropole Ruhr, abgerufen am 11. Oktober 2014
  3. Röhlinghauser Straße, Manfred Hildebrandt (Bearb.): Herne - von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße: Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen. Veröffentlichungen des Stadtarchivs Herne. Bd. 1, Hrsg.: Stadt Herne, Der Oberbürgermeister, Herne 1997; Eintrag: Röhlinghauser Straße
  4. Stratmanns Weg, Manfred Hildebrandt (Bearb.): Herne - von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße: Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen. Veröffentlichungen des Stadtarchivs Herne. Bd. 1, Hrsg.: Stadt Herne, Der Oberbürgermeister, Herne 1997; Eintrag: Stratmanns Weg
  5. a b c d e f g h i j k l m Stadtteilprofile Herne – Statistische Bezirke 2018: Bevölkerung in den statistischen Bezirken, Stadt Herne (PDF, 6,4 MB).
  6. Oliver Grenz: Das Volkshaus Röhlinghausen im Spiegel der Zeit. In: Frank Sichau (Hg.): Mörder, Würste und ein Volkshaus. Gesellschaft für Heimatkunde Wanne-Eickel, Herne 2013, S. 95–98.

Koordinaten: 51° 31′ N, 7° 9′ O