Hauptmenü öffnen
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Räbke
Räbke
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Räbke hervorgehoben

Koordinaten: 52° 12′ N, 10° 53′ O

Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Helmstedt
Samtgemeinde: Nord-Elm
Höhe: 134 m ü. NHN
Fläche: 11,35 km2
Einwohner: 682 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 60 Einwohner je km2
Postleitzahl: 38375
Vorwahl: 05355
Kfz-Kennzeichen: HE
Gemeindeschlüssel: 03 1 54 017
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Steinweg 15
38373 Süpplingen
Bürgermeister: Rainer Angerstein
Lage der Gemeinde Räbke im Landkreis Helmstedt
Sachsen-AnhaltBraunschweigLandkreis GifhornLandkreis WolfenbüttelWolfsburgBahrdorfBeierstedtBrunsleberfeldDanndorfFrellstedtGevenslebenGrafhorstGraslebenGroß TwülpstedtHelmstedtHelmstedtHelmstedtHelmstedt (gemeindefreies Gebiet)JerxheimKönigslutter (gemeindefreies Gebiet)Königslutter (gemeindefreies Gebiet)Königslutter am ElmKönigslutter am ElmKönigslutter am ElmLehre (Niedersachsen)Mariental (Niedersachsen)Mariental (gemeindefreies Gebiet)Mariental (gemeindefreies Gebiet)Mariental (gemeindefreies Gebiet)QuerenhorstRäbkeRennauSchöningenSchöningen (gemeindefreies Gebiet)Söllingen (Niedersachsen)SüpplingenSüpplingenburgVelpkeWarbergWolsdorfKarte
Über dieses Bild

Räbke ist eine Gemeinde in der Samtgemeinde Nord-Elm im Landkreis Helmstedt in Niedersachsen, die erstmals 1153 als Ridepe urkundlich erwähnt wird. Das Dorf am Nordostrand des Elms ist ein Naherholungsort mit einem ausgedehnten Wanderwegnetz, beginnend im Quellgebiet der Schunter.

GeschichteBearbeiten

 
Räbke auf einer Karte vom Elm um 1700

VorgeschichteBearbeiten

In der Umgebung von Räbke gefundene Artefakte aus Feuerstein, Steinwerkzeuge sowie Feuersteinbeile lassen auf eine menschliche Anwesenheit von Jägern und Sammlern in der Altsteinzeit sowie der Mittelsteinzeit schließen.

Von einer jungsteinzeitlichen Besiedlung durch Ackerbauern und Viehzüchter zeugen zahlreiche auf den Äckern gefundene Artefakte, wie Grünsteinbeile, Schleifsteine und Schuhleistenkeile. Bei Ausschachtungsarbeiten für eine Wasserleitung wurde 1950 im südlichen Bereich von Räbke in einer Bodentiefe von etwa einem Meter ein menschliches Skelett entdeckt. Es handelte sich um eine beigabenlose Bestattung einer Frau in mittlerem Alter in Rücken-Hocker-Lage, die vermutlich in der Jungsteinzeit erfolgte. Die Ausgrabung nahm der Bodendenkmalpfleger Franz Niquet vom Braunschweigischen Landesmuseum für Geschichte und Volkstum vor. In unmittelbarer Nähe der Fundstelle wurde bereits 1938 ein menschlicher Schädel gefunden, was auf ein vorgeschichtliches Gräberfeld hindeutet.[2]

Räbker Funde aus der Bronzezeit sind ein Handbeil, eine Klinge und eine Nadel aus Bronze.

Hinterlassenschaften aus dem 3. bis 6. Jahrhundert bestehen in Form des Grabhügelfeldes Ole Hai am Rand des Elms zwischen Räbke und Lelm. Bereits 1778 beschrieb der Pastor Johann Christian Dünnhaupt aus Lelm Urnenfunde auf dem Gräberfeld.[3]

NameBearbeiten

Erstmals urkundlich erwähnt wird Räbke als Ridepe in einem auf Burg Gatersleben unterzeichneten Dokument des Bischofs Ulrich von Halberstadt, als er am 2. Dezember 1153 die Besitzungen des Klosters St. Johannes bestätigte. Danach gehörten dem Kloster unter anderem Häuser und Ackerland in Räbke. In weiteren urkundlichen Erwähnungen wird Räbke 1225 als Redepe, 1333 als Rideppe und 1399 als Redepke genannt. Der damalige Ortsname basiert auf dem Begriff rid-apa, was Rietwasser bedeutete. Das Riet steht dabei für Riede, womit ein kleiner Bach gemeint ist. Wahrscheinlich basiert die Benennung auf der Schunter, die den Ort passiert und rund 1 km nach ihrer Quelle noch ein kleines Gewässer ist.

MittelalterBearbeiten

Insgesamt drei Siedlungen gab es um Räbke, die in der spätmittelalterlichen Wüstungsphase aufgegeben wurden. Dazu zählte südwestlich des Dorfes die Siedlung Dittenrode. Nach dem Versiegen einer Quelle siedelten die Bewohner nach Räbke über, so dass die Siedlung zwischen 1345 und 1461 wüst fiel.

MühlengeschichteBearbeiten

Durch die Lage an der Schunter war Räbke bereits seit dem 13. Jahrhundert ein bevorzugter Standort für Wassermühlen. 1939 führte das Mühlenkataster folgende sieben Wassermühlen im Ort auf: Obermühle, Amtsmahlmühle, Mönchsmühle, Ölmühle, Mühle Prinzhorn, Mittelmühle und die heute wieder funktionsfähige Wassermühle Liesebach. Eine weitere Mühle war die bereits im 18. Jahrhundert wüst gefallene Untermühle.

Im 18. und 19. Jahrhundert war Räbke mit dem Gewerbezweig von Papiermühlen an der Schunter ein bedeutender Ort in der überregionalen Produktion von Papier. Das war durch die quellnahe Lage mit sauberem Schunterwasser und die Nähe zur Universität Helmstedt mit ihrem erheblichen Papierbedarf für Bücher bedingt. Anfang des 18. Jahrhunderts waren vier der mindestens acht Wassermühlen im Ort Papiermühlen, mehr als irgendwo sonst im Bereich des heutigen Niedersachsens auf so engem Raum.

20. JahrhundertBearbeiten

 
Einfahrt zum Ferienpark Nord-Elm

1970 trat die Gemeinde Räbke der in diesem Jahr gebildeten Samtgemeinde Nord-Elm bei, da absehbar war, dass sie künftigen Verwaltungsaufgaben nicht mehr gewachsen war. Ausschlaggebend für die Beitrittsentscheidung durch den Räbker Gemeinderat war, dass die Gemeinde ihre Selbstständigkeit weitgehend behalten konnte. Während Verwaltungsaufgaben zu Steuer- und Schulwesen, Friedhofsverwaltung, Abwasser sowie Brandschutz abgegeben wurden, blieb die Finanzhoheit erhalten.

Das Dorfbild mit dem Gebäudebestand aus Fachwerkhäusern und Bauernhöfen des 19. Jahrhunderts blieb bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts nahezu gleich. Nach dem Zweiten Weltkrieg verdoppelte sich die Einwohnerzahl von 600 Personen von 1938 auf über 1300 Personen im Jahr 1952. Der Zuzug erfolgte durch Heimatvertriebene aus den Ostgebieten des Deutschen Reiches und durch Ausgebombte aus den Großstädten. Während der Wohnungsnot durch die Zuzüge nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Anfang der 1950er Jahre nur einzelne Siedlungshäuser errichtet. Das erste Neubaugebiet war das Baugebiet „Am Heergarten“, das zwischen 1960 und 1975 entstand.[4] 1976 hatte sich die Einwohnerzahl wieder auf dem Vorkriegsstand eingependelt und war bis 1980 mit 530 Personen rückläufig. Zu dem Zeitpunkt hatte das Dorf weniger Einwohner als 1750. Mitte der 1980er Jahre stieg die Einwohnerzahl durch neue Baugebiete wieder an. Von 1979 bis 1999 entstand das Baugebiet „Am Kirchberg“.[5] Seit 2017 entsteht das Baugebiet „Bischofsberg“.

Am Ortsrand am Elmhang entstand von 1978 bis 1981 der Ferienpark Nord-Elm als Naherholungsanlage mit Freibad, dem Schunterseee, einem Campingplatz und einer größeren Ferienhaussiedlung.

PolitikBearbeiten

BürgermeisterBearbeiten

Laut den Unterlagen der Gemeinde Räbke gab seit dem 20. Jahrhundert folgende Bürgermeister:[6]

von bis Name
1889 1923 Heinrich Vahldiek
1923 1933 Fritz Weibusch
1933 1943 Heinrich Kremling
1943 1945 Karl Langemann
1945 1946 Fritz Weibusch
1946 1952 Robert Probst (Gemeindedirektor)
1947 1948 Herbert Homann
1948 1952 Wilhelm Raschke
1952 1979 Willi Siems
1979 1981 Siegfried Helmhold
1981 1991 Gerhard Hube
1991 1996 Werner Borkam
1996 2006 Klaus Röhr
2006 Rainer Angerstein

WirtschaftBearbeiten

In früheren Zeiten lebten die Einwohner hauptsächlich von der Landwirtschaft oder betrieben Geschäfte sowie kleine Handwerksbetriebe. Im Jahr 1950 gab es 41 Gewerbetreibende, deren Zahl sich 1976 auf 10 verringert hatte und danach weiter zurück ging. Im Landwirtschaftsbereich bestanden im Jahr 2007 fünf Vollerwerbs- und drei Nebenerwerbsbetriebe. Die fruchtbaren Böden in der Gemarkung sorgen für einen ertragreichen Ackerbau mit Zuckerrüben, Raps und Getreide.

An Unternehmen gab es mit Stand vom Jahr 2007 einen Maschinenbauhersteller und eine Tischlerei mit einem Holzsägewerk.

Das Bankinstitut und die Poststelle wurden etwa um das Jahr 2000 geschlossen. Die zeitweise fünf bestehenden Gastwirtschaften sind heute (2019) alle geschlossen.

 
Pumpenhaus der Wasserleitungsgenossenschaft
Wasserleitungsgenossenschaft

Der Ort verfügt über eine eigene Trinkwassergewinnung und -versorgung durch die Räbker Wasserleitungsgenossenschaft eG. Sie wurde 1893 von 66 Grundstücksbesitzern gegründet, um die Wassergewinnung aus Brunnen abzulösen. Das Trinkwasser wurde in einem Brunnen oberhalb des Dorfes gewonnen und in einer Wasserleitung ins Dorf geleitet. Die Leitung wurde anfangs mit Eigendruck durch natürliches Gefälle betrieben. Aufgrund des Anstiegs der Einwohnerzahl in Räbke nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1949 ein neuer Brunnen von 12 Meter Tiefe gebohrt und mit einem Pumpenhaus überbaut. Erst 1975 waren alle Abnehmer mit Wasserzählern zur Verbrauchsberechnung ausgestattet.[7]

Sehenswürdigkeiten und KulturBearbeiten

Das Dorfbild ist von zahlreichen Vierseithofanlagen geprägt, die überwiegend im 19. Jahrhundert erbaut wurden. In Räbke gibt einen überdurchschnittlich hohen Bestand an Baudenkmalen im historischen Ortskern. Der Ort hebt sich mit seinen gut erhaltenen Fachwerkhäusern von den anderen Dörfern der Elm-Börde-Region ab.

Im historischen Dorfkern besteht ein Geflecht an kleinen Wegen mit erhaltenen Kalksteinpflasterungen. Die Schunter verläuft zweigeteilt durch den Ort. Der Bach ist in Teilen wieder freigelegt und stellenweise mit alten Materialien durch Brücken und Pflasterungen wieder hergestellt. Es gibt einen großen Bestand an Linden im Dorf.

Die Ortskirche St.-Stephani wurde 1801 nach dem Abriss einer baufälligen Vorgängerkirche erbaut. Wegen ihrer quadratischen Bauform, die von den Kirchen des Umgegend abweicht, wird das Gotteshaus im Volksmund auch als Kaffeemühle bezeichnet.

Der etwa 70 × 70 Meter große Thieplatz von Räbke am Nordrand des Dorfes ist der einzige Thie im Braunschweiger Land, der in seiner früheren Größe erhalten geblieben ist.

DorfwettbewerbeBearbeiten

 
Gedenkstein zu den Dorfwettbewerben in der Dorfmitte an der Schunter, 2019

Räbke wurde 1994 im Landkreis Helmstedt Sieger des Wettbewerbs Unser Dorf soll schöner werden. 2007 nahm das Dorf[8] am Wettbewerb Unser Dorf hat Zukunft teil. Bei einer erneuten Teilnahme im Jahr 2019[9] wurde Räbke mit zwei weiteren Dörfern in Niedersachsen für den Bundeswettbewerb nominiert.[10] Im Ergebnis wurde Räbke neben 14 weiteren Dörfern mit einer Silber-Medaille ausgezeichnet.[11] Zur Teilnahme von 1994 wurde in der Dorfmitte an der Schunter ein Gedenkstein aufgestellt, der nach der Auszeichnung von 2019 erneuert wurde.

DrehortBearbeiten

Räbke ist bisher Drehort folgender Filme gewesen:[12][13]

LiteraturBearbeiten

  • Joachim Lehrmann: Die Frühgeschichte des Buchhandels und Verlagswesens in der alten Universitätsstadt Helmstedt sowie die Geschichte der einst bedeutenden Papiermühlen zu Räbke am Elm und Salzdahlum / Helmstedter und Räbker Buch- und Papiergeschichte. Lehrte 1994, ISBN 978-3-9803642-0-1
  • Förderverein Räbker Chronik: (Hrsg.): Räbke. Ein Dorf am Elmesrand, Helmstedt, 2005
  • Joachim Lehrmann: Räbke. Niedersachsens altes Papiermacherdorf. Einst Standort bedeutender Papiermühlen. Hrsg.: Räbker Förderverein Mühle Liesebach e.V., 2014

WeblinksBearbeiten

  Commons: Räbke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Landesamt für Statistik Niedersachsen, LSN-Online Regionaldatenbank, Tabelle 12411: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes, Stand 31. Dezember 2018 (Hilfe dazu).
  2. Franz Niquet: Ausgrabung eines wahrscheinlich jungsteinzeitlichen Skeletts in: Förderverein Räbker Chronik: (Hrsg.): Räbke. Ein Dorf am Elmesrand, Helmstedt, 2005, S. 163–165
  3. D. Rohde: Vor- und frühgeschichtliche Funde in und um Räbke in: Förderverein Räbker Chronik: (Hrsg.): Räbke. Ein Dorf am Elmesrand, Helmstedt, 2005, S. 166–167
  4. Klaus Röhr: Die Baugebiete Arme Reihe und Am Heergarten in: Räbke. Ein Dorf am Elmesrand, Helmstedt, 2005, S. 177–179
  5. Klaus Röhr: Das Baugebiet „Am Kirchberg“ in: Räbke. Ein Dorf am Elmesrand, Helmstedt, 2005, S. 180–181
  6. Die Bürgermeister im letzten Jahrhundert in: Förderverein Räbker Chronik: (Hrsg.): Räbke. Ein Dorf am Elmesrand, Helmstedt, 2005, S. 298
  7. Die Räbker Wasserleitungsgenossenschaft in: Räbke. Ein Dorf am Elmesrand, Helmstedt, 2005, S. 35–41
  8. 22. Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ 2005/2007 (pdf)
  9. „Unser Dorf hat Zukunft“: Winnigstedt, Räbke und Warberg weiter bei regionalWolfenbüttel.de vom 6. Juni 2018
  10. Niedersächsischer Dorfwettbewerb entschieden, Presseinformation des Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz vom 31. August 2018
  11. „Unser Dorf hat Zukunft“ – Medaillen-Regen für Niedersachsen Presseinformation des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz vom 11. Juli 2019
  12. Film-Drehorte/Locations in der Region Braunschweig bei Region Braunschweig Ostfalen
  13. Gemeinde Räbke bei Samtgemeinde Nord Elm