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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Räbke
Räbke
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Räbke hervorgehoben
Koordinaten: 52° 12′ N, 10° 53′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Helmstedt
Samtgemeinde: Nord-Elm
Höhe: 134 m ü. NHN
Fläche: 11,35 km2
Einwohner: 701 (31. Dez. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte: 62 Einwohner je km2
Postleitzahl: 38375
Vorwahl: 05355
Kfz-Kennzeichen: HE
Gemeindeschlüssel: 03 1 54 017
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Steinweg 15
38373 Süpplingen
Bürgermeister: Rainer Angerstein
Lage der Gemeinde Räbke im Landkreis Helmstedt
Sachsen-AnhaltBraunschweigLandkreis GifhornLandkreis WolfenbüttelWolfsburgBahrdorfBeierstedtBrunsleberfeldDanndorfFrellstedtGevenslebenGrafhorstGraslebenGroß TwülpstedtHelmstedtHelmstedtHelmstedtHelmstedt (gemeindefreies Gebiet)JerxheimKönigslutter (gemeindefreies Gebiet)Königslutter (gemeindefreies Gebiet)Königslutter am ElmKönigslutter am ElmKönigslutter am ElmLehre (Niedersachsen)Mariental (Niedersachsen)Mariental (gemeindefreies Gebiet)Mariental (gemeindefreies Gebiet)Mariental (gemeindefreies Gebiet)QuerenhorstRäbkeRennauSchöningenSchöningen (gemeindefreies Gebiet)Söllingen (Niedersachsen)SüpplingenSüpplingenburgVelpkeWarbergWolsdorfKarte
Über dieses Bild

Räbke ist eine Gemeinde in der Samtgemeinde Nord-Elm im Landkreis Helmstedt in Niedersachsen, die erstmals 1046 als Redepke urkundlich erwähnt wird. Das Dorf am Nordostrand des Elms ist ein Naherholungsort mit einem ausgedehnten Wanderwegnetz, beginnend im Quellgebiet der Schunter.

Inhaltsverzeichnis

BeschreibungBearbeiten

Es gibt einen überdurchschnittlich hohen Bestand an Baudenkmalen im historischen Ortskern. Das Dorfbild ist von zahlreichen Vierseithofanlagen geprägt, die überwiegend im 19. Jahrhundert erbaut wurden. Es hebt sich mit seinen gut erhaltenen Fachwerkhäusern von den anderen Dörfern der Elm-Börde-Region ab. Es nahm 2007[2] am Wettbewerb Unser Dorf hat Zukunft teil und bewarb sich im Jahr 2019 erneut für den Wettbewerb[3], wofür es mit zwei weiteren Dörfern in Niedersachsen für den Bundeswettbewerb nominiert wurde.[4]

Im historischen Dorfkern besteht ein Geflecht an kleinen Wegen mit erhaltenen Kalksteinpflasterungen. Die Schunter verläuft zweigeteilt durch den Ort. Der Bach ist in Teilen wieder freigelegt und stellenweise mit alten Materialien Brücken und Pflasterungen wieder hergestellt. Es gibt einen großen Bestand an Linden im Dorf.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden zwei Neubaugebiete im Dorf, die dafür sorgten, dass die Einwohnerzahl konstant blieb. Dies ist zum einen das Baugebiet „Am Heergarten“, das zwischen 1965 und 1975 entstand und zum anderen das zwischen 1978 und 1999 entstandene Baugebiet „Am Kirchberg“. Ab etwa 2017 entsteht das Baugebiet „Bischofsberg“.

Am Ortsrand am Elmhang gibt es ein Freibad mit Campingplatz, an den der Ferienpark Nord-Elm mit einer größeren Ferienhaussiedlung angrenzt.

WirtschaftBearbeiten

Im Landwirtschafsbereich bestanden im Jahr 2007 fünf Vollerwerbs- und drei Nebenerwerbsbetriebe. Die fruchtbaren Böden in der Gemarkung sorgen für einen ertragreichen Ackerbau mit Zuckerrüben, Raps und Getreide.

An Unternehmen gab es mit Stand vom Jahr 2007 einen Maschinenbauhersteller und eine Tischlerei mit einem Holzsägewerk.

Die Bank- und die Poststelle wurden etwa um das Jahr 2000 geschlossen.

GeschichteBearbeiten

NameBearbeiten

In urkundlichen Erwähnungen wird Räbke 1205 als Ridepe, 1225 als Redepe, 1333 als Rideppe und 1399 als Redepke erwähnt. Der damalige Ortsname basiert auf dem Begriff rid-apa, was Rietwasser bedeutete. Das Riet steht dabei für Riede, womit ein kleiner Bach gemeint ist. Wahrscheinlich basiert die Benennung auf der Schunter, die den Ort passiert und rund 1 km nach ihrer Quelle noch ein kleines Gewässer ist. Früher lebten die Einwohner hauptsächlich von der Landwirtschaft oder betrieben Geschäfte sowie kleine Handwerksbetriebe.

MühlengeschichteBearbeiten

Durch die Lage an der Schunter war Räbke bereits seit dem 13. Jahrhundert ein bevorzugter Standort für Wassermühlen. 1939 führte das Mühlenkataster folgende sieben Wassermühlen im Ort auf: Obermühle, Untere Mühle, Mühle Köhler, Inselmühle, Ölmühle, Senfmühle und Wassermühle Liesebach. Sie wurde 1236 als Erbzinsmühle des Helmstedter Klosters St. Ludgeri in Betrieb genommen. Nach der Stilllegung 1954 wurde die Mühle zwischen 1998 und 2005 im Rahmen des Dorferneuerungsprogramms aufwendig restauriert. Seither ist sie wieder funktionsfähig und kann besichtigt werden. Sie stellt eine Station der Niedersächsischen Mühlenstraße dar.

PapiermühlenBearbeiten

Räbke war im 18. und 19. Jahrhundert mit dem Gewerbezweig von Papiermühlen an der Schunter ein bedeutender Ort in der überregionalen Produktion von Papier. Das war zunächst durch die Nähe zur Universitätsstadt Helmstedt mit ihrem erheblichen Papierbedarf für Bücher begründet. Anfang des 18. Jahrhunderts existierten am Ort vier Papiermühlen, mehr als irgendwo sonst im Bereich des heutigen Niedersachsens auf so engem Raum.

Die Mühlengründungen gehen auf einen Papiermangel zurück, der an der 1576 gegründeten herzoglichen Welfenuniversität zu Helmstedt herrschte. Der Helmstedter Patrizier, Buchhändler und Mäzen der Universitätsdruckerei Hermann Brandes gründete darauf zur Verbesserung seiner Versorgungssicherheit mehrere Papiermühlen. Dies war 1594 zunächst die Mittelmühle (im mittleren Bereich zwischen den Orten Räbke und Frellstedt), die von „seiner Fürstl. Gnaden Julius Universität zur Ehren“ konzessioniert wurde. Diese und damit in Zusammenhang stehende Maßnahmen führten zu Auseinandersetzungen, die sich in einem regelrechten „Mühlenkrieg“ mit den Edelherren von Warberg auswuchsen und letztlich bis zur bitteren Neige bzw. bis zur „Einreißung der newen Gebew“ (… neuen Gebäude) geführt wurden.

Die Räbker Papierproduktionsstätte lieferte jahrelang in fürstlichem Auftrag das Papier für die Herstellung der 1607 bis 1609 in Helmstedt gedruckten Braunschweigischen Historischen Handlungen des Professors Henrich Meibom – ein Mammutwerk von ca. 6.000 Seiten und Lieblingsprojekt des Braunschweiger Herzogs Heinrich Julius.

Eine weitere Papiermühle war die Obermühle. Gleich unterhalb der Quelle gelegen hatte sie den Vorteil besonders reinen Quellwassers, auf das die Papiermacherei als „Fabrikationswasser“ besonders angewiesen war. 1743 wird sie beschrieben als

… eine neue, dem Lande sehr nützliche Fabrique, weil sie so schönes besonderes und großes Schreib- und Druckpapier zu machen weiß, welches sich im ganzen Lande nicht hat finden lassen.

Aufgrund ihrer qualitätvollen Büttenpapiere wurde sie im 19. Jahrhundert schlicht als „Holländische Papiermühle“ bezeichnet. Diese Bezeichnung ist als Auszeichnung anzusehen, denn die Holländer waren es, die international die Papierherstellung zur Perfektion gebracht hatten. Die Beurteilung der Mittleren Papiermühle fiel keineswegs schlechter aus.

Die Räbker Papiermühlen produzierten eine bessere Qualität bei günstigerem Preis als ein Großteil ihrer Konkurrenz. Aufgrund ihrer Leistungsfähigkeit bevorzugte die Braunschweigsche Landesregierung 1767 die Räbker Mittelmühle sogar gegenüber ihrer eigenen Herzoglichen Mühle in Oker am Harz, als es um Fragen der Produktverbesserung und Forschung „zur Hebung der Papierfabrikation im Lande“ ging. Dabei wurde in Räbke zur Verbesserung der Rohstoffsituation mit damals zukunftsweisenden Materialien, wie Holz, experimentiert als einer der frühesten Schritte hin zum Holzpapier.[5] Einige der Wasserzeichen der damals produzierten Papiere trugen den Ortsnamen RAEPKE und machten den Mühlenort am Elm weit bekannt.

LiteraturBearbeiten

  • Joachim Lehrmann: Helmstedter und Räbker Buch- und Papiergeschichte. Lehrmann-Verlag, Lehrte 1994, ISBN 3-9803642-0-8.
  • Joachim Lehrmann: Räbke. Niedersachsens altes Papiermacherdorf. Einst Standort bedeutender Papiermühlen. Hrsg.: Räbker Förderverein Mühle Liesebach e.V., 2014,

WeblinksBearbeiten

  Commons: Räbke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Landesamt für Statistik Niedersachsen, LSN-Online Regionaldatenbank, Tabelle 12411: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes, Stand 31. Dezember 2017 (Hilfe dazu).
  2. 22. Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ 2005/2007 (pdf)
  3. „Unser Dorf hat Zukunft“: Winnigstedt, Räbke und Warberg weiter bei regionalWolfenbüttel.de vom 6. Juni 2018
  4. Niedersächsischer Dorfwettbewerb entschieden, Presseinformation des Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz vom 31. August 2018
  5. Joachim Lehrmann: Braunschweigische Pioniere – und die Erfindung „einer neuen Art Papier von Holtz Materie“ durch Johann Georg von Langen – in: Braunschweigische Heimat, 2017, Heft 3, S. 13–20