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Stadtgemeinde
Purkersdorf
Wappen Österreichkarte
Wappen von Purkersdorf
Purkersdorf (Österreich)
Purkersdorf
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Niederösterreich
Politischer Bezirk: Sankt Pölten-Land
Kfz-Kennzeichen: PL (seit 2017; alt: WU)
Fläche: 30,26 km²
Koordinaten: 48° 12′ N, 16° 11′ OKoordinaten: 48° 12′ 27″ N, 16° 10′ 33″ O
Höhe: 248 m ü. A.
Einwohner: 9.713 (1. Jän. 2019)
Bevölkerungsdichte: 321 Einw. pro km²
Postleitzahlen: 1140, 3002, 3011, 3012
Vorwahl: 02231
Gemeindekennziffer: 3 19 52
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptplatz 1
3002 Purkersdorf
Website: www.purkersdorf.at
Politik
Bürgermeister: Stefan Steinbichler (SPÖ)
Gemeinderat: (2015)
(33 Mitglieder)
23
5
3
1
1
23 
Insgesamt 33 Sitze

Lage von Purkersdorf im Bezirk Sankt Pölten-Land
AltlengbachAsperhofenBöheimkirchenBrand-LaabenEichgrabenFrankenfelsGablitzGerersdorfHafnerbachHaunoldsteinHerzogenburgHofstetten-GrünauInzersdorf-GetzersdorfKapellnKarlstettenKasten bei BöheimkirchenKirchberg an der PielachKirchstettenLoichMarkersdorf-HaindorfMaria AnzbachMauerbachMichelbachNeidlingNeulengbachNeustift-InnermanzingNußdorf ob der TraisenObritzberg-RustOber-GrafendorfPerschlingPressbaumPrinzersdorfPurkersdorfPyhraRabenstein an der PielachSchwarzenbach an der PielachSt. Margarethen an der SierningSt. PöltenStatzendorfStössingTraismauerTullnerbachWeinburgWilhelmsburgWölblingWolfsgrabenLage der Gemeinde Purkersdorf im Bezirk Sankt Pölten (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Blick zur Pfarrkirche
Blick zur Pfarrkirche
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Die Stadtgemeinde Purkersdorf mit 9713 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2019) liegt in der Wienerwald-Region des Bezirks St. Pölten, unmittelbar an der Stadtgrenze von Wien auf 248 m ü. A.

Inhaltsverzeichnis

GemeindegliederungBearbeiten

Purkersdorf besteht aus einer Ortschaft. Ortsteile sind der An der Stadlhütte, Baunzen, Deutschwald, Glasgraben, Irenental, Neu-Purkersdorf, Postsiedlung, Rechenfeld, Richter-Minder-Siedlung, Sagbergsiedlung, Süßfeld sowie einige Einzellagen.

NachbargemeindenBearbeiten

Gablitz Mauerbach
Tullnerbach, Pressbaum   Wien
Wolfsgraben Laab im Walde (Bezirk Mödling)

GeschichteBearbeiten

Frühgeschichte und MittelalterBearbeiten

Seit dem 8. Jahrhundert vor Christus war der Raum Purkersdorf kontinuierlich besiedelt, von Illyrern der Hallstattzeit und danach von Kelten der Latènezeit. Auch Funde aus der Römerzeit sind vorhanden.[1]

Gegründet wurde der Ort Purkersdorf als Waldsiedlung rund um das Jahr 1000. Nachweislich erwähnt wurde der Name Purchartesdorf, als sein Besitzer Albero de Purchartesdorf im Jahr 1133 als Zeuge und Stifter in diversen Schriften des Stiftes Klosterneuburg aufscheint. Bereits in dieser Zeit dürfte auch die Burg entstanden sein. Die Babenberger erklärten den größten Teil des Wienerwaldes, mit Purkersdorf mitten darin, zum Bannwald, reserviert zur Jagd nur für Auserwählte. Seit Mitte des 12. Jahrhunderts ist das Schloss (castrum Purchartsdorf), damals eine massive Wasserburg, nachweisbar. Ort und Burg wechselten mehrmals den Besitzer, bis sie von Reinprecht von Wallsee 1333 an die Habsburger verkauft wurden. Herzog Albrecht der Weise residierte 1348/49 in Purchartzdorf, weil es völlig von der Pest verschont blieb.

HabsburgerzeitBearbeiten

 
Purkersdorf an der Straße vom Riederberg über Gablitz nach „Hiedeldorf“, um 1790 (Josephinische Landesaufnahme)
 
Ortskern von Purkersdorf mit Pfarrkirche und ehemaligem kaiserlichen Mauthaus
 
Ehemalige Poststation

Das landesfürstliche Waldgebiet wurde von 1500 bis 1848/49 vom kaiserlichen Waldamt verwaltet, das den Ort als Vertreter des Grundherren beherrschte. Das Waldamt hatte seinen Sitz bis 1788 im Purkersdorfer Schloss. Es war nicht nur fachliche Verwaltungsstelle, sondern auch obrigkeitliche landesfürstliche Aufsichtsbehörde, welche die Gerichtsbarkeit über hatte. 1284 erwarb der Deutsche Orden hier ausgedehnten Waldbesitz (Ortsteil Deutschwald). Erst 1766 wurden diese Burckersdorffer Waldungen an das Waldamt verkauft. 1452 zogen die Ungarn durch den Ort. Im Zuge der Belagerungen Wiens 1529 und 1683 durch die Türken wurde Purkersdorf wie das gesamte Wiener Umland verwüstet.

Bestimmend für den Ort war seine Lage an der Reichsstraße, die dem historischen Römerweg über den Riederberg folgte. Ab 1558 ist die Burkherdorffer Poststation nachgewiesen, sie ist aber sicher viel älter. Sie war die (von Wien aus gesehen) erste und daher sehr ertragreiche Raststation auf der Strecke Wien–Linz. 1796/97 wurde die Poststation im frühklassizistischen Stil neu errichtet. Die reliefgeschmückte Fassade ist noch heute zu sehen. Zur Zeit der Reformation wurde die römisch-katholische Pfarre aufgelassen und erst 1570 durch Kaiser Maximilian II. wieder eingerichtet. 1713 wurde der Ort von der Pest heimgesucht, die aus Wien eingeschleppt worden war. Fast die Hälfte der 250 Einwohner fiel ihr zum Opfer. 1805 wurden von Napoleon Gefangene, angeblich 3000 Mann, in die Ortskirche gesperrt, die wegen der Kälte das gesamte Inventar verheizten.

In einem Wanderführer aus dem Biedermeier, dem Werk Wien’s Umgebungen auf zwanzig Stunden im Umkreise von Adolf Schmidl aus dem Jahre 1835, wird über das damals so genannte Burkersdorf mitgeteilt:[2]

„Das Dorf ist ganz geeignet, dem Reisenden die Nähe der Residenz vortheilhaft anzukündigen. Das hiesige Posthaus ist ein hübsches Gebäude, mit der Überschrift: „Willkommen!“ Auch sonst hat der Ort stattliche Gebäude. Besondere Erwähnung verdient das Haus des Zimmermeisters, gleich das erste links, wenn man den Ort erreicht. Es hat einen kleinen Park, in welchem die Büste Sr. Majestät des Kaisers Franz I. aufgestellt ist.“

Im August 1842 kam es zum „großen Brand“, der wegen Trockenheit und starken Windes vom Postgebäude auf Kirche, Schloss und Schule übergriff und weitere 13 Häuser einäscherte.

Im Kampf gegen Wiener Revolutionäre besetzten regierungstreue kroatische Verbände des Bans Joseph Jellacic im Oktober 1848 den Ort.

1849 wurde Purkersdorf auf Grund des neuen Gemeindegesetzes Kaiser Franz Josephs I. zur selbstständigen Ortsgemeinde. 1856 bis 1858 wurde hier ein Teil der k.k. privilegierten Kaiserin-Elisabeth-Bahn, der heutigen Westbahn, errichtet und Purkersdorf damit an das moderne Verkehrsnetz angeschlossen. Die Landgräfin Fürstenberg hatte allerdings eine geänderte Streckenführung – mit einem Bahnhof einen Kilometer vom Ortszentrum entfernt – durchgesetzt.

1873 wurde die Freiwillige Feuerwehr Purkersdorf gegründet. 1905 erfolgte die Eröffnung des Sanatoriums Purkersdorf nach Plänen von Josef Hoffmann als Kur- und Wasserheilanstalt.

Republik ÖsterreichBearbeiten

In der Zwischenkriegszeit wurde der Ort 1929 zur Marktgemeinde erhoben. Kurze Zeit später, nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich, wurde der Ort am 15. Oktober 1938 als Teil des neu geschaffenen 14. Bezirks, Penzing, nach Groß-Wien eingegliedert.

Am 5. April 1945 erfolgte der Einmarsch der Roten Armee ohne größere Kampfhandlungen vom Wienerwaldsee her. Über sechzig Einwohner, darunter viele überzeugte Nationalsozialisten, begingen Suizid. Am 12. April 1945 wurde von der sowjetischen Besatzungsmacht eine Gemeindeverwaltung eingesetzt. 1946 einigten sich Wien und Niederösterreich darauf, Purkersdorf wie viele andere 1938 zu Groß-Wien zugeordnete Orte wieder an Niederösterreich zurückzustellen. Die Sowjetunion legte dagegen als Besatzungsmacht ihr Veto ein und hob es erst 1954 auf. Die Besatzung im Ort wurde 1947, die Ortskommandantur 1949 abgezogen. Purkersdorf wurde am 1. September 1954 durch die Abtrennung von Wien wieder selbstständig. Im Jahre 1966 (Gesetzesbeschluss, offizielle Feier 1967) wurde die Marktgemeinde schließlich zur Stadtgemeinde erhoben.

1973 wurde die Städtepartnerschaft mit Bad Säckingen am Hochrhein eingegangen. Weitere Partnerstädte ab 2002 sind Sanary-sur-Mer in Frankreich und Göstling an der Ybbs in Niederösterreich. Es gab immer wieder größere Überschwemmungen, wenn die Wien aus ihren Ufern trat, zuletzt 1940, 1997 und 2002. Im Jahr 2002 bezogen die Österreichischen Bundesforste ihren neuen Hauptsitz in einem mehrgeschoßigen Holzbau im Schlosspark.

Von 1954 bis zu dessen Auflösung mit 31. Dezember 2016 war Purkersdorf Teil des niederösterreichischen Bezirks Wien-Umgebung. Seither gehört es zum Bezirk St. Pölten.

BevölkerungsentwicklungBearbeiten

Für das Jahr 1572 werden in Chroniken für Purkersdorf 120 und für das Jahr 1830 bereits 961 Einwohner genannt.

 


PolitikBearbeiten

Gemeinderatswahlen
 %
70
60
50
40
30
20
10
0
65,54 %
(+2,33 %p)
15,15 %
(-3,04 %p)
11,08 %
(-1,50 %p)
4,20 %
(+1,34 %p)
3,44 %
(n. k.)
0,58 %
(-2,58 %p)
2010

2015


Bürgermeister der Stadtgemeinde ist Stefan Steinbichler. Er wurde am 6. November 2018 in einer außerordentlichen Gemeinderatssitzung als Nachfolger von Karl Schlögl gewählt.[3] Schlögl stellte mit 31. Oktober 2018 das Amt zur Verfügung, nachdem er es seit 1989 innegehabt hatte.[4] Eine Unterbrechung gab es nur in den Jahren 1997 bis 2000, als Karl Schlögl Innenminister in der Bundesregierung Klima war. Nach dem Ende der SPÖ/ÖVP-Koalition kehrte Schlögl auf den Bürgermeistersessel zurück und errang bei den Gemeinderatswahlen 2005, 2010 und 2015 jeweils verlässliche Mehrheiten für seine Partei.

Amtsleiterin ist Claudia Winkler-Widauer.[5]

GemeinderatBearbeiten

Im Gemeinderat gibt es seit der Gemeinderatswahl vom 25. Jänner 2015 bei insgesamt 33 Sitzen folgende Mandatsverteilung:[6]

Bürgermeister seit 1849Bearbeiten

Monarchie:

  • Carl Hießberger 1849–1855
  • Karl Kurz 1855–1864
  • Franz Unger 1864–1865
  • Georg Donauer 1865–1867
  • Wenzel Prager 1867–1870
  • Paul Wintersberger 1870
  • Wenzel Prager 1870–1872
  • Karl Gruber 1872–1874
  • Georg Donauer 1874–1876
  • Wenzel Prager 1876–1881
  • Karl Kurz 1881–1891
  • Wenzel Prager 1891
  • Karl Pummer 1891–1903
  • Hugo Hild 1903–1918

Erste Republik:

  • Konstantin Walz 1918–1919
  • Johann Spalt 1919
  • Johann Buchmüller 1919–1934
  • Johann Marterbauer 1934–1938

Zweite Republik:

  • Josef Zurek (SPÖ) 1945–1946 (Ortsvorsteher)
  • Franz Leitgeb (KPÖ) 1946–1947 (Ortsvorsteher)
  • Josef Zurek (SPÖ) 1947–1955 (bis 1954 Ortsvorsteher)
  • Gustav Hein (SPÖ) 1955–1970
  • Hans Jaunecker (ÖVP) 1970–1982
  • Franz Matzka (ÖVP) 1982–1989
  • Karl Schlögl (SPÖ) 1989–1997
  • Edeltraud Eripek (SPÖ) 1997–2000
  • Karl Schlögl (SPÖ) 2000–2018
  • Stefan Steinbichler (SPÖ) 2018–

StädtepartnerschaftenBearbeiten

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

VerkehrBearbeiten

 
Bahnhof Unter Purkersdorf

Purkersdorf liegt an der Westbahn und hat an dieser vier Haltestellen (Purkersdorf-Sanatorium, Unter Purkersdorf, Purkersdorf-Zentrum und Unter-Tullnerbach). Purkersdorf ist durch die S-Bahn-Linie S50 an den Wiener Westbahnhof angebunden, weiters verkehren in der Hauptverkehrszeit von der Haltestelle Unter Purkersdorf Züge der S80 in Richtung Wien Hirschstetten über Wien Hauptbahnhof. Außerdem halten an der Station Purkersdorf Zentrum halbstündlich bis stündlich REX in Richtung Wien Westbahnhof bzw. St. Pölten Hauptbahnhof und Amstetten.

Bei Purkersdorf beginnt die Westautobahn A1 (Wien – Grenzübergang Walserberg bei Salzburg).

GesundheitsversorgungBearbeiten

In Purkersdorf gibt es mehrere praktische Ärzte, Fachärzte sowie zwei Apotheken. Die nächsten Spitäler befinden sich in St. Pölten, Tulln und Wien. Im Ort gibt es eine Dienststelle des Roten Kreuzes und des Arbeiter-Samariter-Bundes, die rund um die Uhr besetzt sind und gemeinsam einen Notarztwagenstützpunkt betreiben. Die Einsatzfahrzeuge des Roten Kreuzes werden über die bezirksübergreifende und landesweit zuständige Leitstelle 144 Notruf Niederösterreich disponiert.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Ostansicht der Pfarrkirche St. Jakob

PersönlichkeitenBearbeiten

EhrenbürgerBearbeiten

  • Emil Ritter von Hardt, k. k. Sektionschef, ihm zu Ehren wurde im Jahr 1910 die vormalige Katharinengasse in Hardt-Stremayr-Gasse umbenannt
  • Michael Häupl, bis 2018 Wiener Bürgermeister
  • Erwin Pröll, bis 2017 Landeshauptmann von Niederösterreich
  • Kurt Schlintner, ehemaliger Vizebürgermeister
  • Josef Schöffel, „Retter“ des Wienerwaldes
  • Karl Schlögl, ehemaliger Innenminister und Bürgermeister[7]

WeblinksBearbeiten

  Commons: Purkersdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Für diesen Abschnitt: Kurt Schlintner: Stichwort Purkersdorf. Die Wienerwaldstadt von A-Z. Stadtgemeinde Purkersdorf 2003, passim.
  2. Adolf Schmidl: Wien's Umgebungen auf zwanzig Stunden im Umkreise. Nach eigenen Wanderungen geschildert von Adolf Schmidl. Gedruckt und im Verlage bei Carl Gerold, Wien 1835, S. 307.
  3. Purkersdorf: Steinbichler folgt Schlögl auf ORF-Niederösterreich vom 7. November 2018, abgerufen am 8. November 2018.
  4. Schlögl zieht sich aus Politik zurück auf ORF-Niederösterreich vom 30. August 2018, abgerufen am 30. August 2018
  5. Neue Führung für Purkersdorf NÖN vom 23. November 2018, abgerufen am 3. Jänner 2019.
  6. Wahlergebnis Gemeinderatswahl 2015 in Purkersdorf. Amt der NÖ Landesregierung, 1. Dezember 2015, abgerufen am 22. November 2018.
  7. https://www.meinbezirk.at/purkersdorf/c-lokales/karl-schloegl-ist-ehrenbuerger_a3415230