Purda

Dorf und Sitz einer Gemeinde in Polen

Purda (deutsch Groß Purden) ist ein Dorf und Sitz einer Gemeinde in Polen. Es liegt 14 Kilometer südöstlich von Olsztyn in der Woiwodschaft Ermland-Masuren. Auf einer Gemeindefläche von 318 km² leben 738 Einwohner.[4]

Purda
Purda führt kein Wappen
Purda (Polen)
Purda
Purda
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Powiat: Olsztyn
Fläche: 318,00 km²
Geographische Lage: 53° 43′ N, 20° 42′ OKoordinaten: 53° 43′ 0″ N, 20° 42′ 0″ O
Einwohner: 738 (2011[1])
Telefonvorwahl: (+48) 89
Kfz-Kennzeichen: NOL
Wirtschaft und Verkehr
Schienenweg: Olsztyn–Pisz
Nächster int. Flughafen: Olsztyn-Mazury
Gmina
Gminatyp: Landgemeinde
Gminagliederung: 45 Ortschaften
23 Schulzenämter
Fläche: 318,19 km²
Einwohner: 8655
(30. Jun. 2019)[2]
Bevölkerungsdichte: 27 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2814102
Verwaltung (Stand: 2015)
Gemeindevorsteher: Piotr Płoski[3]
Webpräsenz: www.purda.pl



LandschaftBearbeiten

Charakteristisch für die Landschaft in dieser Gegend sind zahlreiche Seen, Sümpfe, Teiche sowie Nadel- und Mischwälder, die 53 % des Gemeindegebiets bedecken.

GeschichteBearbeiten

Am 21. Januar 1384 verlieh der Bischof Ermlands Heinrich III. Sorbom die Handfeste nach der Agrarverfassung des Deutschordensstaates dem Lokator Johann von Rozergenaw für ein Dienstgut von 70 Hufen mit zehn zinsfreien Jahren und sieben Freihufen für den Vogt. Die Lokation wurde am 20. November 1417 und am 19. August 1503 erneuert (mit fünf Freihufen für die Kirche).

Nach dem Zweiten Frieden von Thorn im Jahr 1466 wurde Ermland als autonomes Fürstbistum Ermland der Krone Polens untergeordnet.

Die Entstehung des Dorfes ist auf das 15. Jahrhundert zu datieren. Bewohner waren hauptsächlich Siedler aus Nordmasowien. Im Jahr 1785 zählte man innerhalb des Dorfes 84 Feuerstätten. 1817 gab es 351 und 1907 908 Einwohner. Zum 7. Mai 1874 wurde in Groß Purden das Amtsbezirk Nr. 22 mit den Landgemeinden Alt Mertinsdorf, Groß Purden, Klein Purden, Pathaunen und dem Gutsbezirk Pathaunen gebildet.[5]

Aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags stimmte die Bevölkerung im Abstimmungsgebiet Allenstein, zu dem Groß und Klein Purden gehörte, am 11. Juli 1920 über die weitere staatliche Zugehörigkeit zu Ostpreußen (und damit zu Deutschland) oder den Anschluss an Polen ab. In Groß und Klein Purden stimmten 460 Einwohner für den Verbleib bei Ostpreußen, auf Polen entfielen 220 Stimmen.[6]

Die größten Bauernhöfe in den Jahren 1930–1933 waren:[7]

in Groß Purden
  • Isidor Barwinski, 40 ha
  • Franz Czerlitzki, 31 ha
  • Kirchengemeinde, Pächter Czecyk, 66 ha
  • Viktor Kühnast, 41 ha
  • Josef Kuklinski, Gemeindevorsteher, 45 ha
  • Johann Schaffrin, 47 ha
  • Franz Winzolek, 33 ha
in Klein Purden
  • Joachim Boczek, 25 ha
  • Johann Michalick, 42 ha
  • Josef Wiech, 41 ha

Zwischen 1918 und 1939 gab es in Groß Purden eine polnische und eine deutsche Schule. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen Siedler aus Masowien, Vilnius und der Ukraine, die dort der Zwangsaussiedlung zum Opfer gefallen waren.

VerkehrBearbeiten

Der Bahnhof Marcinkowo und der Haltepunkt Klewki der Bahnstrecke Olsztyn–Ełk liegen im Gemeindegebiet.

GemeindeBearbeiten

Zur Landgemeinde (gmina wiejska) Purda gehören 23 Ortsteile (deutsche Namen, amtlich bis 1945)[8] mit einem Schulzenamt (sołectwo):

  • Bałdzki Piec (Baldenofen)
  • Butryny (Wuttrienen)
  • Chaberkowo (Neu Wuttrienen)
  • Giławy (Gillau)[9]
  • Grabowo, Wüstung seit 1971
  • Kaborno (Kalborno, 1934–1945 Kalborn)
  • Klebark Mały (Klein Kleeberg)
  • Klebark Wielki (Groß Kleeberg)
  • Klewki (Klaukendorf)
  • Marcinkowo (Alt Märtinsdorf, 1939–1945 Alt Mertinsdorf)
  • Nowa Kaletka (Neu Kaletka, 1938–1945 Herrmannsort)
  • Nowa Wieś (Neu Bartelsdorf)
  • Pajtuny (Pathaunen)
  • Patryki (Patricken)
  • Prejłowo (Preylowen, 1938–1945 Preiwils)
  • Przykop (Przykopp, 1932–1945 Grabenau)
  • Purda (Groß Purden)
  • Purdka (Klein Purden)
  • Stary Olsztyn (Alt Allenstein)
  • Szczęsne (Schönwalde)
  • Trękus (Groß Trinkhaus)
  • Trękusek (Klein Trinkhaus)
  • Zgniłocha (Gimmendorf)

Weitere Ortschaften der Gemeinde ohne Schulzenamt sind:

  • Bałdy (Balden)
  • Biedówko (Ernstinenhöh)
  • Bruchwałd (Bruchwalde)
  • Gąsiorowo (Gonschorowen)
  • Groszkowo (Graskau)
  • Kołpaki (Kolpacken, 1938–1945 Kleinpuppen)
  • Kopanki (Kopanken)
  • Linowo (Leynau, 1938–1945 Leinau)
  • Łajs (Layß)
  • Nerwik (Nerwigk)
  • Nowy Przykop (Neu Przykopp, 1932–1945 Neu Grabenau)
  • Nowy Ramuk (Neu Ramuck)
  • Ostrzeszewo (Elisenhof)
  • Pajtuński Młyn (Pathaunenmühle)
  • Pokrzywy (Friedrichstädt)
  • Purda Leśna
  • Silice (Quidlitz)
  • Stara Kaletka (Alt Kaletka, 1938–1945 Teerwalde)
  • Wojtkowizna (Karlberg)
  • Wygoda
  • Wyrandy (Wyranden, 1938–1945 Wiranden)
  • Zaborowo (Saborowen, 1938–1945 Heideberg)

SehenswürdigkeitenBearbeiten

Im Zentrum des Dorfes befindet sich eine Kirche aus dem 16. Jahrhundert.[10] Bischof Marcin Kromer (1512–1589) ließ sie erbauen.

PersönlichkeitenBearbeiten

  • Otto Barwinski (1890–1969), deutscher Jurist und Generalrichter
  • Franz Bulitta (1900–1974), deutscher Pfarrer und Geistlicher Rat sowie Bischöflicher Kommissar

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Wieś Purda. polskawliczbach.pl, 2011, abgerufen am 30. Januar 2017 (polnisch).
  2. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2019. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 0,99 MiB), abgerufen am 24. Dezember 2019.
  3. Website der Gemeinde (BIP), Wójt, abgerufen am 3. Februar 2015
  4. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 9. Januar 2009 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.pl-info.net
  5. Rolf Jehnke: Amtsbezirk Purden. 18. April 2003, abgerufen am 20. November 2013.
  6. Herbert Marzian, Csaba Kenez: Selbstbestimmung für Ostdeutschland. Eine Dokumentation zum 50. Jahrestag der ost- und westpreussischen Volksabstimmung am 11. Juli 1920. Herausgeber: Göttinger Arbeitskreis, 1970, S. 68, 69
  7. Landwirtschaftliches Adreßbuch der Domänen, Rittergüter, Güter und Höfe in der Provinz Ostpreußen. Auszug Ermland. Auflage 1932
  8. Das Genealogische Orts-Verzeichnis
  9. http://wiki-de.genealogy.net/Gillau_%28Kr._Allenstein/Ostpreu%C3%9Fen%29
  10. http://ermland.wikia.com/wiki/Gr._Purden