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Der Progress Film-Verleih ist einer der ältesten und größten deutschen Filmauswerter. Als Monopolverleih brachte er alle in- und ausländischen Filme in der DDR in die Kinos. 1990 wurde Progress in eine GmbH umgewandelt und der Treuhandanstalt, später der Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben, unterstellt. Nach der Wende und der Aufhebung der Strukturen des staatlichen Filmwesens der DDR erhielt Progress zusätzlich die TV- und Videorechte der bisher herausgebrachten Titel zur Auswertung. Neu war auch die Auswertung im internationalen Bereich, die vom früheren DEFA-Außenhandel übernommen wurden.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

 
Progress-Programmheft bei der Premiere des Films „Unzertrennliche Freunde“ im Leipziger Kino Capitol am 12. Dezember 1953

1950 – im selben Jahr, in dem sich in West-Berlin auf Initiative des amerikanischen Filmoffiziers Oscar Martay zum ersten Mal der Gründungsausschuss der Berlinale traf – wurde am 1. August in Ost-Berlin die Progress Film-Vertrieb GmbH als deutsch-sowjetisches Unternehmen gegründet.

Zum deutschen Direktor wurde Rudolf Bernstein, zum sowjetischen Direktor Georgri Nikolajewitsch Nikolajew, der spätere Direktor der sowjetischen Filmproduktion Lenfilm, ernannt. Vorgänger war der sowjetische Verleihbetrieb Sovexportfilm, der ab 1948 mit dem neu gegründeten DEFA-Filmvertrieb zusammenarbeitete. Tatsächlich fand die Zusammenlegung dieser beiden Vertriebe unter dem Dach Progress am 13. Juli 1950 statt, aus pragmatischen Gründen gilt als offizieller Gründungstag jedoch der 1. August 1950.[1]

Als Logo fungierte ein großes Filmstreifen-P in einem Kreis. Der Monopolverleih garantierte die Übernahme aller produzierten DEFA-Filme zu einem Fixpreis. Der Firmensitz war in der Jägerstraße 32 (Berlin-Mitte), im Gebäude des DEFA-Studios für Wochenschau und Dokumentarfilme.

Nachdem am 1. Juli 1955 Sovexport als Gesellschafter ausschied, wurde der Progress Film-Vertrieb in einen volkseigenen Betrieb umgewandelt. Der Progress Film-Vertrieb wurde schließlich zum Progress Film-Verleih und bleibt dies auch über die Zeit der Privatisierung nach dem Mauerfall. 1997 übergab die Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben (BvS) den Progress Film-Verleih in die Hände der Tellux Beteiligungsgesellschaft mbH, einer Mehrheitsbeteiligung einiger süddeutscher Bistümer, die mit Wirkung zum 1. Januar 2001 alleiniger Anteilseigner der Progress Film-Verleih GmbH wurde. Icestorm Entertainment verantwortet die weltweite Vermarktung von DVDs und Blu-rays von bisher mehr als 500 Titeln aus dem Progress-Repertoire. Der bis dahin zu Progress gehörende exklusive weltweite Kinoverleih des DEFA-Filmstocks wurde von der DEFA-Stiftung zum 1. Oktober 2013 auf die Stiftung Deutsche Kinemathek (SDK) übertragen[2]. Seit dem 1. April 2019 wird auf der Plattform PROGRESS.film das komplette Filmerbe der DDR international zugänglich gemacht[3].

Zum Bestand von Progress zählt das vollständige DEFA-Filmerbe (z. B. Die Mörder sind unter uns, Die Legende von Paul und Paula, Spur der Steine, Jakob der Lügner, die DEFA-Indianerfilme mit Gojko Mitić), osteuropäische Filmkunstklassiker (wie Panzerkreuzer Potemkin, Solaris, Stalker), ausgezeichnete Kinderfilme sowie Dokumentarfilme (u. a. Die Kinder von Golzow), Periodika und Wochenschauen zur Zeitgeschichte (Der Augenzeuge) ebenso wie aktuelle Arthouse-Filme (wie die Volker Schlöndorff Filme Der neunte Tag und Strajk – Die Heldin von Danzig). Insgesamt umfasst das Repertoire mehr als 12.000 Filme aus neun Jahrzehnten.[4] Dazu zählen:

  • 950 DEFA-Spielfilme und Kurzspielfilme
  • 5700 DEFA-Dokumentarfilme und Wochenschauen
  • 2500 DDR-Auftragsfilme (NVA, Ministerium des Innern der DDR u. a.)
  • 820 DEFA-Animationsfilme
  • 4000 DEFA-Synchronisationen (z. B. osteuropäische Filmklassiker)
  • 40 deutsche bzw. europäische Arthousefilme (Spiel-, Kinder- und Dokumentarfilme)

Darüber hinaus wertet Progress im Auftrag des Bundes Filmmaterialien von Ministerien (z. B. NVA-Armeefilmstudio), Parteien und Behörden sowie weitere Sammlungen aus.

PaulaBearbeiten

2010 stiftete Progress anlässlich des 60. Unternehmensjubiläums den Paula-Preis. Er wird an Filmschaffende vergeben, die ihre Karriere bei der DEFA begonnen und sich heute um den gesamtdeutschen Film verdient gemacht haben. Die Paula steht als Preis sowohl für die Bedeutung des deutschen Filmerbes als auch zukunftsweisend für die Stärkung des deutschen Filmschaffens. Die Paula ist eine vollständig aus Bronze gegossene Frauenskulptur, entworfen von dem Künstler und Filmschaffenden Jürgen Böttcher. Bisherige Preisträger sind Katrin Sass (2010), Katharina Thalbach (2011), Henry Hübchen (2012), Michael Gwisdek (2013), Corinna Harfouch (2014), Rolf Hoppe (2015), Manfred Krug (2016) und Dagmar Manzel (2017).

AuszeichnungenBearbeiten

  • 1979: Banner der Arbeit Stufe I
  • 2010: „Ausgewählter Ort 2010“ und der Sonderpreis „Gelebte Einheit“ durch die Standortinitiative „Deutschland – Land der Ideen“ unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Progress Film-Verleih – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. defa-stiftung.de: Filmhandel (Außenhandel). Abgerufen am 13. Mai 2019.
  2. icestorm.de: Progress Film Verleih GmbH. Abgerufen am 13. Mai 2019.
  3. progress.film: PROGRESS. Abgerufen am 27. Mai 2019.
  4. filmportal.de: Progress Film Verleih. Abgerufen am 13. Mai 2019.