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US FAA Private Pilot Certificate
EASA Segelfluglizenz

Die Lizenz für Privatpiloten (PPL, englisch private pilot license) ist eine nach den Richtlinien[1] der Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) festgelegte Erlaubnis zum Führen von Luftfahrzeugen. Sie erlaubt das weltweite nichtgewerbliche Führen von Luftfahrzeugen verschiedener Kategorien und Klassen auf Luftfahrzeugen des Staates der ausstellenden Behörde. Sie stellte bis heute für die meisten Luftfahrzeugklassen die Einstiegslizenz dar und ist meist notwendige Voraussetzung für den Erwerb einer Berufspilotenlizenz.

Kategorien und KlassenBearbeiten

Die Richtlinie der ICAO gliedert die Privatpilotenlizenz in Kategorien. Für jede Kategorie ist eine eigenständige Ausbildung und Prüfung zum Erhalt der Berechtigung notwendig[1].

Darüber hinausgehende Luftfahrzeugklassen werden von der Richtlinien der ICAO nicht erfasst und sind im Regelfall multinational oder national geregelt, z. B. der auf EU-Ebene geregelte Pilotenschein für Leichtflugzeuge (LAPL) oder der deutsche Luftfahrerschein für Luftsportgeräteführer.

Umsetzung der ICAO RichtlinieBearbeiten

Europäische UnionBearbeiten

Nach Einführung der Verordnung (EU) Nr. 1178/2011 (EU-FCL) am 8. April 2015 wird die Zulassung, Ausbildung und Lizenzierung von Piloten und Flugbegleitern durch die Europäische Union geregelt. Als Ausführungsbehörde wurde die in Köln ansässige Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) verantwortlich. Der für Privatpiloten wesentliche Teil der Regelungen befindet sich in den Anhang 1 der Verordnung[2]. Mit einer Privatpilotenlizenz nach EU-FCL ist man berechtigt, alle entsprechenden Luftfahrzeuge der eingetragenen Klasse aller EASA-Mitgleidsstaaten zu führen ohne das es dazu einer zusätzlichen nationalen Genehmigung bedarf. Die Luftfahrtbehörden der EASA-Mitgliedsstaaten sind aber weiterhin für die Verwaltung der Privatpilotenlizenzen verantwortlich. Als Besonderheit in der EU kann der Pilot die Luftfahrtbehörde in eines EASA-Mitgliedsstaates frei wählen und später auf eigenen Antrag jederzeit zu einer anderen Behörde wechseln. Die Zuständigkeit der Lizenverwaltung ergibt sich weder aus der Staatsangehörigkeit noch dem Wohnsitz des Piloten. So ist es zum Beispiel möglich, dass ein italienischer Privatpilot mit Wohnsitz in Deutschland seine Lizenz in Österreich bei Austro Control verwalten lässt. Folgende Privatpilotlizenzen werden ausgestellt:[2]

DeutschlandBearbeiten

In Deutschland wird die Lizenz für Privatpiloten mit der Zusatzqualifikation Instrumentenflugberechtigung vom Luftfahrt-Bundesamt ausgegeben und verwaltet. Für alle anderen Privatpiloten sind es die Luftfahrtbehörden der Bundesländer. Als deutsche Besonderheit innerhalb der Europäischen Union gibt es eine Zuverlässigkeitsüberprüfung für Piloten nach § 7 Luftsicherheitsgesetz. Zur Überprüfung dürfen die Luftsicherheitsbehörden Auskünfte bei den Polizeivollzugs- und Verfassungsschutzbehörden, dem Bundeskriminalamt, dem Bundesamt für Verfassungsschutz, dem Bundesnachrichtendienst, dem Militärischen Abschirmdienst, dem Zollkriminalamt, der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR sowie beim Bundeszentralregister einholen.

ÖsterreichBearbeiten

Austro Control eine als GmbH organisierter Bundesbetrieb der Republik Österreich hat 1993 die Aufgabe als Luftfahrtagentur übernommen und ist für die Ausstellung von Pilotenscheine sowie die Aufsicht über die Zivilluftfahrschulen verantwortlich.

Vereinigte Staaten von AmerikaBearbeiten

In den Vereinigten Staaten werden alle zivilen Luftfahrerlizenzen und damit auch die Privatpilotenlizenz von der Federal Aviation Administration, der Luftfahrtbehörde des US-Verkehrsministerium vergeben. In der Privatenpilotenlizenz in den USA ist die Berechtigung zum Nachtflug und Sprechfunk, einschließlich der Überprüfung der Sprachfähigkeit in Englisch in die Pilotenausbildung und -prüfung integriert und werden nicht gesondert geprüft.[3]

AusbildungBearbeiten

Für den Erhalt der Privatpilotenlizenz muss der Flugschüler bei einer Flugschule eine theoretische und praktische Ausbildung durchlaufen. Im theoretischen Teil der Ausbildung werden folgenden Sachgebiete behandelt und bei einer Abschlussprüfung entsprechende Kenntnisse geprüft:[2][4]

In der praktischen Prüfung muss der Flugschüler in der gewählten Luftfahrzeugkategorie nachweisen, dass er die notwendigen Verfahren und Manöver beherrscht.

ZusatzberechtigungenBearbeiten

Für die Privatpilotenlizenz kann man zahlreiche Zusatzberechtigungen erwerben. Typische Zusatzberechtigungen sind:

Zudem gibt es Musterberechtigungen (Typeratings) für Luftfahrzeuge, die eine entsprechende Berechtigung erfordern, z. B. Flugzeuge mit Turbinenantrieb.

Kostenerstattung für FlügeBearbeiten

Grundsätzliche ist eine gewerbliche Nutzung des Privatpilotenscheins nicht zulässig, dafür ist eine Berufspiloten- oder Verkehrspilotenlizenz erforderlich. Manche Länder erlassen aber Regelungen für die Kostenerstattung.

In den EASA-Mitgliedsstaaten sind zulässig:

  • Selbstkostenflüge; dabei müssen gemäß EU-Verordnung die direkten Kosten auf alle (maximal sechs) Insassen einschließlich des Piloten aufgeteilt werden. Mitflugzentralen, wie Wingly, vermitteln zwischen Piloten und Passagieren.[5]
  • Tätigkeit als Fluglehrer und als Flugzeugschlepper; dafür darf die PPL im nichtgewerbsmäßigen Luftverkehr auch berufsmäßig genutzt werden.[5]

In der EASA kann die Segelflugzeugpilotenlizenz und die Ballonpilotenlizenz mit einer gewissen Flugerfahrung und einer Zusatzprüfung gewerblich genutzt werden. Es gibt für diese Flugzeugklassen folglich keine Berufspilotenlizenz.[2]

Bei der US-amerikanischen FAA ist mit wenigen Ausnahmen die bezahlte Mitnahme von Passagiere gegen Kostenerstattung möglich. Es muss aber eine anteilige Aufteilung der Kosten von Pilot und Passagieren erfolgen.[6] Voraussetzung für die Tätigkeit als Fluglehrer ist in den USA eine Berufspiloten- oder Verkehrspilotenlizenz. Eine Ausnahme gibt es nur als Ausbilder für die nicht mit ICAO-Regeln konforme Sport Pilot License.[7]

GeschichteBearbeiten

Bis 2003 konnte man in Deutschland den Luftfahrerschein für Privatluftfahrzeugführer (PPL) erwerben. Man benötigte Beiblätter für spezielle Kategorien von Luftfahrzeugen:

Nicht in Deutschland registrierte Flugzeuge durften im Ausland prinzipiell nicht mit einer deutschen Lizenz geflogen werden.Die alten Berechtigungsscheine konnten dem 1. Juni 2003 nicht mehr erworben werden. Privatpilotenlizenzen wurden anschließend gemäß Joint Aviation Authorities ausgebildet, einem technischen Gremium von 34 europäischen Ländern. JAR-FCL-Lizenzen wurden gegenseitig ohne weitere Einschränkungen anerkannt. In nationaler Reglung verblieb der Segelflugschein (Glider Pilot License), mit dem auch Segelflugzeuge mit ausklappbarem Hilfstriebwerk geflogen werden durften, der Luftfahrerschein für Luftsportgeräteführer (SPL) und der PPL-N für max. 750 kg schweren, einmotorigen, zweisitzigen Flugzeugen. Der PPL-N konnte auf viersitzige Flughzeuge bis max. 2.000 kg erweitert werden. Diese Regelungen wurden 2015 durch die EU-Verordnung abgelöst.

Validierung und UmschreibungBearbeiten

Mit der Lizenz darf man im Ausland grundsätzlich nur die Luftfahrzeuge des Staates der Lizenz fliegen. Bei EASA Lizenzen entsprechend nur Luftfahrzeuge aus EASA-Mitgliedsstaaten. Will man ein Luftfahrzeug eines anderen Staates führen, muss diese Lizenz temporär anerkannt, also validiert, oder umgeschrieben werden.

Die Verfahren sind je nach Staat unterschiedlich. Bei der Validierung wird auf beschränkte Zeit eine Genehmigung erteilt, eine Luftfahrzeug des Staates zu führen, z. B. das bis zu einem Jahr gültige Foreign Licence Validation Certificate in Kanada[8]. Die Genehmigung ist vom Bestehen der Ursprungslizenz und den Rechten der Ausübung der Lizenz im Ursprungsstaat abhängig (Medizinisches Tauglichkeitszeugnis, Laufende Flugerfahrung, Sprechfunkzeugnis).

Bei der Umschreibung wird eine eigenständige Lizenz eines zweiten Staates erworben. Die Ausbildung und Flugerfahrung wird meist anerkannt, zusätzlich sind, je nach Land, Teile der Theorie- und praktischen Prüfung abzulegen. Innerhalb der EASA-Mitgliedsstaaten ist eine Umschreibung aufgrund der EU-Verordnung nicht mehr möglich, da eine EASA Lizenz in allen Mitgliedsstaaten gilt.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Anhänge zur Konvention der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO), Anhang 1: Personnel Licensing.
  2. a b c d VO (EU) 1178/2011
  3. Code of Federal Regulation - 14 CFR Subpart E - Private Pilots
  4. Code of Federal Regulation - 14 CFR §61.105
  5. a b VO (EU) 965/2012 Artikel 6
  6. Code of Federal Regulation - 14 CFR §61.113
  7. Code of Federal Regulation - 14 CFR §61.183
  8. Transport Canada Advisory Circular (AC) No. 400-003 Subject: Foreign Licence Validation Certificate (PDF, englisch) vom 20. März 2019. Abgerufen am 18. August 2019
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