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Preußisches Regierungsgebäude (Koblenz)

Bauwerk in Deutschland
Ehem. preußisches Regierungsgebäude in Koblenz, heute Sitz des BAAINBw
Kupferplastiken an der Frontfassade
Die ehemalige Dienstvilla des Regierungspräsidenten, heute Sitz des Oberlandesgerichts Koblenz
Luftaufnahme (2016)

Das preußische Regierungsgebäude in den Rheinanlagen von Koblenz war der Sitz der preußischen Regierung für den Regierungsbezirk Koblenz in der Rheinprovinz und des Hauptsteueramtes. Im Hauptbau ist heute das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) untergebracht, die ehemalige Dienstvilla des Regierungspräsidenten beherbergt Abteilungen des Oberlandesgerichtes Koblenz. In unmittelbarer Nähe befindet sich das ehemalige Oberpräsidium der Rheinprovinz. Es bildet zusammen mit dem benachbarten Koblenzer Hof ein stadtbildprägendes Ensemble am Rheinufer.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Vor dem Bau stand an gleicher Stelle ein Viereckturm der Koblenzer Stadtmauer und ein Vorgängergebäude der preußischen Regierung. Dieses war ab 1723 unter Kurfürst Franz Ludwig von der Pfalz nach Plänen von Johann Georg Judas errichtet worden und als Priesterseminar, Hospital für alte Geistliche und Waisenhaus gedacht.[1] Seit der Verlegung der Residenz auf das linke Rheinufer unter dem letzten Kurfürsten Clemens Wenzeslaus von Sachsen beherbergte es die Regierung von Kurtrier und wurde deshalb auch wie sein Vorgänger in Ehrenbreitstein, Dikasterialbau genannt. In preußischer Zeit wurde es weiterhin als Behördensitz und Archiv genutzt. Da dieses ohnehin zu kleine Gebäude aber 1901 abbrannte, war ein Neubau notwendig geworden, zuvor hatte man noch eine Erweiterung geplant.

Das preußische Regierungsgebäude wurde 1902 bis 1905 im neuromanischen Stil unter Leitung des Berliner Baurats Paul Kieschke und des Koblenzer Bauamts erbaut. Damit verbunden ist das villenartige Wohnhaus des Regierungspräsidenten mit Festssal an der Südseite. Kaiser Wilhelm II. nahm 1902 eigenhändige Planänderungen an Türmen und Dächern vor,[2] womit er eine Anknüpfung an die als Vorbild nationaler Größe angesehene Stauferzeit herstellen wollte. An der Nordseite schließt sich ein 1904 bis 1905 errichteter Erweiterungstrakt an, der das Hauptsteueramt aufnahm.

Der Gebäudekomplex überstand den Zweiten Weltkrieg fast unbeschädigt. Seit 1961 befindet sich im ehemaligen Regierungsgebäude das Präsidium des Bundesamtes für Wehrtechnik und Beschaffung (heute: BAAINBw). 1993 wurde die umfassende Restaurierung des Hauptgebäudes abgeschlossen. Dabei wurde der ursprüngliche Zustand nach Möglichkeit wiederhergestellt. Die Dienstvilla des Regierungspräsidenten wird seit 1978 vom Oberlandesgericht Koblenz genutzt.

BauBearbeiten

Der 158 m lange neoromanische Bau, der einst die (Bezirks-)Regierung für den Regierungsbezirk Koblenz und das Hauptsteueramt beherbergte, wurde oberhalb eines hohen Sockelgeschosses errichtet. Die monumentale Anlage, die auf der Rheinseite viergeschossig und auf der Rückseite zweigeschossig ist, steht auf einem symmetrischen, rechteckigen Grundriss. Der Bau um zwei Binnenhöfe mit Seitenflügeln erlangt durch große, zueinander asymmetrische Ecktürme und durch bossierte Tuffsteinverkleidung der Fassaden eine burgartige Wirkung. Der Sitzungsraum ist als eigener Saalbau herausgerückt und hat einen Übergang zur Dienstwohnung des Regierungspräsidenten. Die Hauptfront am Rheinufer mit dem wuchtigen giebelbekrönten Mittelrisalit und Rücklagen steht allerdings in der Tradition barocker Schlossfassaden. Das Eingangsportal wurde 1993 mit einem modernen Vorbau aus Glas und Stahl ergänzt. Darüber finden sich anspruchsvolle Bildhauerarbeiten mit Kopfbildern von Karl dem Großen und Friedrich I. Barbarossa, dahinter ein monumentales, reich geschmücktes Treppenhaus mit gewölbten Hallen. Die stadtbildprägende Frontfassade zieren drei Kupferplastiken mit dem heiligen Georg sowie Allegorien auf den Weinbau (weibliche Figur) und die Schifffahrt (männliche Figur) der Gebrüder Hugo und Ludwig Cauer. Im vor der Dienstvilla des Regierungspräsidenten gelegenen Garten befindet sich eine Stele aus Säulenbasalt mit einer Inschrift, die an den Brand des alten Regierungsgebäudes 1901 und den anschließenden Neubau erinnert.

DenkmalschutzBearbeiten

Das Preußische Regierungsgebäude ist ein geschütztes Kulturdenkmal nach dem Denkmalschutzgesetz (DSchG) und in die Denkmalliste des Landes Rheinland-Pfalz eingetragen. Es liegt am Konrad-Adenauer-Ufer 8–12.[3]

Seit 2002 ist das Preußische Regierungsgebäude Teil des UNESCO-Welterbes Oberes Mittelrheintal. Des Weiteren ist es ein geschütztes Kulturgut nach der Haager Konvention und mit dem blau-weißen Schutzzeichen gekennzeichnet.

LiteraturBearbeiten

  • Energieversorgung Mittelrhein GmbH (Hrsg.): Geschichte der Stadt Koblenz. Gesamtredaktion: Ingrid Bátori in Verbindung mit Dieter Kerber und Hans Josef Schmidt
    • Band 1: Von den Anfängen bis zum Ende der kurfürstlichen Zeit. Theiss, Stuttgart 1992, ISBN 3-8062-0876-X.
    • Band 2: Von der französischen Stadt bis zur Gegenwart. Theiss, Stuttgart 1993, ISBN 3-8062-1036-5.
  • Udo Liessem: Ausgewählte Burgen an Rhein, Mosel und Lahn. Rhenania-Verlag, Koblenz 1980, ISBN 3-922755-04-6.
  • Fritz Michel: Die Kunstdenkmäler der Stadt Koblenz. Die profanen Denkmäler und die Vororte. (= Die Kunstdenkmäler von Rheinland-Pfalz Erster Band). München/ Berlin 1954, S. 176–180.
  • Herbert Dellwing, Reinhard Kallenbach (Bearb.): Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz Band 3.2. Stadt Koblenz. Innenstadt. Speyer 2004, ISBN 3-88462-198-X, S. 160ff.
  • Presse- und Fremdenverkehrsamt Stadt Koblenz: Die Rheinanlagen Koblenz. Von den Anfängen bis heute. mit Beiträgen von Willi Hörter, Franz-Josef Heyen, Katharina Richter, Detlef Wahl u. a., Eigenverlag, Koblenz 1992.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Preußisches Regierungsgebäude (Koblenz) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Zu dem Vorgängerbau ausführlich: Jens Fachbach: Johann Georg Judas (um 1655–1726), Regensburg 2013, 204–223.
  2. Udo Liessem: Bauwerke und Denkmäler zwischen Schloß und Deutschem Eck. In: Presse- und Fremdenverkehrsamt Stadt Koblenz: Die Rheinanlagen Koblenz. 1992, S. 22.
  3. Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler – Kreisfreie Stadt Koblenz. Mainz 2019, S. 11 (PDF; 6,5 MB).

Koordinaten: 50° 21′ 29,5″ N, 7° 36′ 13,6″ O