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Traditionelles Siedlerhaus der Pomeranos in Espirito Santo (Brasilien), aufgenommen im Jahr 1983.

Pomeranos (Pommeranos) sind die Nachfahren pommerscher Einwanderer in Brasilien, Pomerano („Pomerisch“; eine Mischsprache aus Portugiesisch und Ostpommersch) ist ihre Sprache.

HintergrundBearbeiten

Im 19. Jahrhundert wanderten ab 1859, besonders aber in den 1870er Jahren Pommern u. a. nach Brasilien aus, siedelten dort auf dem Land und lebten in weiten Bereichen jahrzehntelang, z. B. in Espírito Santo, als Kaffeebauern abgeschieden auf dem Land.[1] Zunächst sprach man in den Siedlungen gemäß der überwiegend ostpommerschen Herkunft ostniederdeutsches Platt, Unterrichts- und Kirchensprache in den zahlreichen evangelischen Gemeinden und Schulen war Hochdeutsch. Mit der Nationalisierungskampagne der Vargas-Ära beginnend 1938 wurde 1942 mit dem Kriegseintritt Brasiliens Deutsch als Unterrichtssprache verboten. Das Hochdeutsche wurde so zugunsten des brasilianischen Portugiesisch zurückgedrängt, das Ostpommersche blieb und erlebte Anfang des 21. Jahrhunderts sogar eine Revitalisierung. In der Gemeinde Santa Maria de Jetibá zum Beispiel wurde Pomerano zur Co-offiziellen Sprache erhoben,[2] ein Wörterbuch (mit 16.000 Begriffen)[3] und ein Schulbuch entstanden. Pomerano wird heute in Espírito Santo, Minas Gerais, Rondônia (ab 1970), Santa Catarina und Rio Grande do Sul gesprochen.[4]

Die Anzahl der Pomeranos gibt Tressmann für Espirito Santo mit etwa 120.000 an, für ganz Brasilien mit mehr als 300.000 Personen.

SpracheBearbeiten

Sprachbeispiel Pommersch Platt in Espirito Santo.

Zwar hat das Pomerano viele fremdsprachige Ausdrücke übernommen, es sind aber die charakteristischen, vom Hochdeutschen abweichenden lautlichen Besonderheiten des Niederdeutschen erhalten. Die ursprünglichen germanischen Konsonanten p, t und k sind unverschoben und auch weitere Merkmale können gefunden werden:

′Ik wi ok as wat schriva am Semeador.′ (Ich will auch etwas schreiben im/an den Semeador.)
′Wenn a Mesch krank wür, wür Kavera Tee kokt′ (Wenn ein Mensch krank wurde, wurde Kräuter-Tee gekocht.)
′Papa dei nana Vend rira un de alles köpa.′ (Papa tat zu dem Laden reiten und tat alles kaufen.)

Beispiele aus diesen Sätzen für niederdeutsche Charakteristika sind

p-t-k - Erhalt:

ik - ich
ok - auch
wat - was
kokt - gekocht
köpa - kaufen;

fehlende Diphthongierung:

rīra - reiten
schrīva - schreiben

Nasalschwund:

Mesch - Mensch

intervokalischer Reibelaut erhalten

schriva - schreiben

Alle Beispiele aus: O Semeador, Espirito Santo, Juli 1993 (Kirchenzeitung).

Wenn auch im Pomerano das Niederdeutsche deutlich zu erkennen ist, so ist doch durch die vielen brasilianisch-portugiesischen Lehnwörter (Beispiele oben: Semeador - Wochenblatt, Kavera - Kräuter, Vend = Venda - Laden) etwas Neues entstanden.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Pomerano – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Elke Potthast-Hubold: Zum Mundartgebrauch in Siedlungen pommerscher Auswanderer des 19. Jahrhunderts in Espririto Santo (Brasilien). Wachholtz, Neumünster 1982, ISBN 3-529-04355-9, S. 9 ff.
  2. Lei nº 1136/2009: Lei dispõe sobre a cooficialização da língua pomerana no município de Santa Maria de Jetibá, Estado do Espírito Santo. Abgerufen am 6. April 2014 (portugiesisch).
  3. Marcelo Remígio: Cidade serrana do Espírito Santo mantém viva língua de origem saxônica. In: O Globo vom 22. Dezember 2012. Abgerufen am 6. April 2014 (portugiesisch).
  4. Tressmann XVII f.