Hauptmenü öffnen
Icon tools.svg Dieser Artikel oder Abschnitt wurde wegen inhaltlicher Mängel auf der Qualitätssicherungsseite der Redaktion Geschichte eingetragen. Dies geschieht, um die Qualität der Artikel im Themengebiet Geschichte auf ein akzeptables Niveau zu bringen. Dabei werden Artikel gelöscht, die nicht signifikant verbessert werden können. Bitte hilf mit, die Mängel dieses Artikels zu beseitigen, und beteilige dich bitte an der Diskussion!
Polnischer Kriegsschauplatz
Die Schlacht von Klissow
Die Schlacht von Klissow
Datum 1702 bis 1706
Ort Sachsen-Polen
Ausgang schwedischer Sieg
Folgen Abdankung August II., Inthronisierung Stanislaus I. Leszczyński
Friedensschluss Frieden von Altranstädt
Konfliktparteien

SchwedenSchweden (Seekriegsflagge) Schweden

Kurfürstentum SachsenKurfürstentum Sachsen Sachsen
Polen-LitauenPolen-Litauen Polen-Litauen
Russland Zarentum 1699Zarentum Russland Russland

Befehlshaber

SchwedenSchweden (Seekriegsflagge) Karl XII.
Stanislaus I. Leszczyński

Kurfürstentum SachsenKurfürstentum Sachsen August II.

Truppenstärke
40.000 Mann (1705)[1] 120.000 Mann (1705)[2]
Verluste

In den Gefechten:
2182 Getötete
4100 Gefangene

In den Gefechten:
15.171 Getötete
14.060 Gefangene

Im Polnischen Kriegsschauplatz im Großen Nordischen Krieg bekämpfte das schwedische Hauptheer unter Karl XII. die Truppen August II., gewählter König von Polen und Kurfürst von Sachsen.

In jahrelangen Feldzügen verausgabte sich Karl seit 1702 mit dem schwedischen Heer in Sachsen-Polen, während Schwedisch-Livland von russischen Armeen verwüstet wurde. Der Krieg in Polen endete erst 1706 mit dem Altranstädter Frieden, in dem August II. zum Verzicht auf den polnischen Thron gezwungen wurde.

Inhaltsverzeichnis

VorgeschichteBearbeiten

Ende 1700 hatte Karl XII. Schweden erfolgreich verteidigt und alle feindlichen Truppen vom schwedischen Territorium vertrieben. Anstatt das geschlagene russische Heer zu verfolgen, um es vollständig zu vernichten und seinen Gegner Zar Peter I. ebenfalls zum Frieden zu zwingen, wandte sich der König nun seinem dritten Gegner, dem sächsischen Kurfürsten und König von Polen, zu, um diesem den polnischen Königsthron zu entreißen. Über die genauen Motive des schwedischen Königs ist viel spekuliert worden und diese seine Entscheidung ist von späteren Militärhistorikern fast einhellig als schwere Fehlentscheidung kritisiert worden, da die Chance vergeben wurde, das geschlagene russische Heer endgültig zu vernichten und damit Russland zum Frieden zu zwingen. Ausschlaggebend für die Wendung in Richtung Polen waren wohl vor allem persönliche Motive Karl XII. Der schwedische König hegte als überzeugter Lutheraner einen persönlichen Hass auf August den Starken, da dieser aus Gründen des Machtkalküls vom lutherischen Glauben seiner Vorfahren abgewichen und zum Katholizismus konvertiert war um König von Polen werden zu können. Außerdem sah Karl XII. in August dem Starken den eigentlichen Kriegstreiber gegen Schweden. Die livländische Adelsopposition gegen die schwedische Krone unter Reinhold von Patkul hatte vor allem auf polnisch-sächsische Unterstützung gebaut. Außerdem unterschätzte der schwedische König in fataler Weise das militärische Potential Russlands und meinte, die russische Armee wie bei Narva im Jahr 1700 jederzeit aufs Neue besiegen zu können. Die militärische Entwicklung im Baltikum hielt Karl für nachrangig.

 
Lager der polnischen und schwedischen Truppen entlang der Düna, 1700

August II. bereitete sich nun auf die im neuen Jahr zu erwartende schwedische Offensive vor. Als nachteilig erwies sich dabei die Weigerung seiner polnischen Untertanen, den Krieg finanziell und mit Truppen zu unterstützen. Der polnische Reichstag vom Februar 1701 erwirkte lediglich die Unterstützung Augusts durch ein kleines Hilfskorps von 6.000 Polen und Litauern, zu wenig für den anstehenden Kampf gegen Karl. Als Reaktion auf die schwedischen Erfolge trafen sich im Februar 1701 August II. und Peter I. in einer völlig veränderten Situation, um ihr Bündnis zu erneuern. Peter brauchte Zeit, um die russische Zarenarmee zu reorganisieren und aufzurüsten. August brauchte einen starken Verbündeten im Rücken der Schweden. Unter dem Eindruck der schwedischen Erfolge suchten beide Bündnispartner jeder für sich aus dem Krieg auszuscheren: Ungeachtet ihrer Übereinkunft und ohne Wissen des anderen boten sie dem Schwedenkönig einen Separatfrieden an. Karl XII. wollte jedoch keinen Frieden und rüstete verstärkt für den geplanten Feldzug gegen Polen. Dazu ließ er für 1701 insgesamt 80.492 Mann aufstellen. 17.000 Mann wurden zur Deckung des Landesinneren abgestellt, 18.000 Mann schützten Schwedisch-Pommern, 45.000 Mann waren auf Livland, Estland und Ingermanland verteilt.[3] Der größte Teil der schwedischen Truppen in Livland wurde um Dorpat konzentriert.

 
Bombardierung der Festung Dünamünde durch königlich-schwedische Truppen im Jahr 1701

Nach den üblichen Heerschauen begann am 17. Juni 1701 der schwedische Vormarsch über Wolmar und Wenden nach Riga. Karl plante, sein Heer zwischen Kokenhusen und Riga über die Düna zu setzen. Die sächsische Armee erlitt in der sich anschließenden Schlacht an der Düna eine Niederlage, konnte sich aber sammeln und bis auf preußisches Territorium geordnet zurückziehen. Die russischen Truppen zogen sich ebenso, von der erneuten Niederlage geschockt, nach Russland zurück. Ganz Kurland stand der schwedischen Armee damit offen. Karl besetzte mit seinen siegreichen Truppen Mitau, die Hauptstadt des Herzogtums Kurland, das unter polnischer Lehnshoheit stand.

Die polnisch-litauische Republik protestierte gegen die Verletzung des polnischen Hoheitsgebietes durch den Vormarsch der Schweden nach Kurland, denn nicht die Republik (vertreten durch den Sejm) befand sich im Krieg mit Schweden, sondern nur der König von Polen. Als August der Starke erneut Verhandlungen anbot, empfahlen die Ratgeber Karls XII., mit dem König von Polen Frieden zu schließen. Am weitesten ging dabei der Generalgouverneur Livlands, Erik von Dahlberg, der aus Protest gegen die Kriegspläne seines Königs schließlich sogar den Rücktritt einreichte. Doch Karl blieb starrsinnig und verlangte vom Sejm die Wahl eines neuen Königs. Dies lehnte die Mehrheit des polnischen Adels jedoch ab.[4]

Armeekommandos der KriegsparteienBearbeiten

Truppeneinheiten auf dem KriegsschauplatzBearbeiten

Nummer Infanterie Sollstärke Kavallerie Sollstärke
Schwedische Regimenter in Polen im Jahr 1704:
1. Uppland 1200 Livregementet till häst Reiterregiment 1505
2. Södermanland 1200 Östgöta Reiterregiment 1000
3. Östergötland 1200 Småland Reiterregiment 1000
4. Jönköping 1100 Södra Skånska Reiterregiment 1000
5. Kalmar 1100 Norra Skånska Reiterregiment 1000
6. Kronoberg 1100 Nyland Reiterregiment 1000
7. Skaraborg 1200 Schwedisches Adelsbanner 600
8. Närke-Värmland 1674 Uppland 3-männing 834
9. Västmanland 1200 Trabantenkorps 200
10. Dal-regiment 1200 Vallacks Reiterregiment ?
11. Västerbotten 1056 Bremer Reiterregiment 800
12. Livgardet (Guard) 1800 Pommeraner Reiterregiment 800
13. Pommeraner Infanterieregiment 1200 Liv-dragonerregiment 600
14. Bremer Dragonerregiment 800
15. Verdener Dragonerregiment 1 000
16. Pommeraner Dragonerregiment 1 000
17. J. A. Meijerfelts Dragonerregiment 600
18. N. Hielms Dragonerregiment 600
19. C. G. Dückers Dragonerregiment 600
20. G. A. Taubes Dragonerregiment 600
Gesamt: 16.230 Gesamt: 15.539

VerlaufBearbeiten

Eroberung von Warschau und KrakauBearbeiten

 
Feldzüge Karls XII. von seinem Winterlager in Kurland Anfang 1702 bis zur Aufnahme der Winterlager in Westpreußen Ende 1703

Im Januar 1702 verlegte Karl sein Heer von Kurland nach Litauen. Am 23. März 1702 verließen die Schweden ihr Winterquartier und fielen in Polen ein. Ohne auf die geplanten Verstärkung aus Pommern zu warten, marschierte Karl mit seinem Heer direkt gegen Warschau, das sich am 14. Mai 1702 kampflos ergab. Die polnische Hauptstadt wurde zur Zahlung einer hohen Kontribution gezwungen, bevor Karl seinen Marsch nach Krakau fortsetzte. Die Befürchtung, dass Schweden in einem denkbaren Friedensvertrag Territorialgewinne in Polen suchen würde, veranlasste nun auch den polnischen Adel, sich an dem Krieg zu beteiligen.

 
Kupferstich mit einer Darstellung der Schlacht bei Klissow zwischen Schweden und Sachsen am 19. Juli 1702

Bevor Karl XII. Warschau besetzte, war August II. mit der polnischen Kronarmee, etwa 8.000 Mann stark, nach Krakau gezogen, um sich dort mit der 22.000 Mann starken sächsischen Armee zu vereinigen, die in Sachsen neu aufgestellt worden war.[5] Die polnische Kronarmee unter Hieronim Augustyn Lubomirski war schlecht ausgerüstet, mangelhaft verpflegt und wenig motiviert, für die Sache des sächsischen Königs zu kämpfen. Als sich das 24.000–30.000 Mann starke polnisch-sächsische Heer südlich von Kielce den nur 12.000 Mann zählenden Schweden entgegenstellte, erleichterte dieser Umstand den Schweden am 8. Julijul./ 19. Juli 1702greg. in der Schlacht bei Klissow einen umfassenden Sieg. Dabei wurden 2.000 Sachsen getötet oder verletzt, und weitere 700 gerieten in schwedische Gefangenschaft. Die Schweden eroberten 48 Kanonen und hatten selbst 300 Tote und 800 Verletzte zu beklagen.[6] Ferner erbeuteten sie den gesamten Tross sowie Augusts Feldkasse mit 150.000 Reichstalern und sein Silbergeschirr. Die geringe Truppenstärke der Schweden erlaubte aber keine Verfolgung der geschlagenen polnisch-sächsischen Armee, und so konnte August die verbliebenen Einheiten seines Heeres in den östlichen Landesteilen von Polen wieder sammeln. Sein schneller Rückzug über Sandomierz nach Thorn erlaubte es Karl, am 31. Juli 1702 Krakau zu besetzen. Schweden kontrollierte nun die Residenzstadt Warschau und die Krönungsstadt Krakau. Über die Hälfte des polnischen Reiches blieb aber weiter in den Händen Augusts II.

Schwedische Eroberung West- und ZentralpolensBearbeiten

 
Schlacht bei Pułtusk 1703

August II. hatte den Schweden nach der Niederlage bei Klissow am 19. Juli 1702 abermals Friedensverhandlungen angeboten. Er wollte den schwedischen Forderungen so weit als möglich entgegenkommen, mit dem einzigen Ziel, König von Polen bleiben zu können. Michael Stephan Radziejowski, Kardinal-Erzbischof von Gnesen und Primas von Polen-Litauen, unterbreitete im Namen der Republik Polen ebenfalls Vorschläge für einen Frieden. Er bot Karl XII. Polnisch Livland, Kurland und eine hohe Kriegsentschädigung an. Karl hätte lediglich auf die Absetzung des Königs verzichten müssen, wozu er jedoch nicht bereit war.[7] So ging der Krieg weiter. Nach einer mehrwöchigen Verzögerung durch einen Beinbruch Karls setzten die Schweden ihren Vormarsch entlang der Weichsel fort. Ende Herbst 1702 verlegte Karl seine Truppen in die Winterquartiere bei Sandomierz und Kazimierz in der Nähe von Krakau.

August II. musste, zur weiteren Kriegsführung gezwungen, erneut eine Armee aufbauen, um den schwedischen Vormarsch aufzuhalten. Er hielt in Thorn einen Reichstag ab, auf dem ihm 100.000 Mann zugesagt wurden. Um die Gelder hierfür aufzubringen, reiste er im Dezember nach Dresden.[8]

 
„Prospect von der Stadt THORN So Anno 1703 im Majo von Ihro Königl. Mayten von schweden KÖNIG CARL den XII blocquirt“

In den ersten Monaten des Jahres 1703 ruhte der Krieg. Erst im März brach Karl XII. mit seinem Heer in Richtung Warschau auf, das er Anfang April erreichte. Anfang April 1703 verließ August II. Dresden, um von Thorn und Marienburg aus einen neuen Feldzug zu beginnen. Er hatte die Zeit genutzt, um ein neues sächsisch-litauisches Heer aufzustellen. Als Karl erfuhr, dass die feindliche Armee bei Pułtusk lagerte, verließ er Warschau und überschritt mit seiner Kavallerie den Bug. Am 21. April 1703 wurden die Sachsen in der Schlacht bei Pułtusk völlig überrumpelt. Der Sieg kostete die Schweden lediglich 12 Mann, während die sächsisch-litauische Armee neben mehreren Hundert Toten und Verwundeten auch 700 Gefangene zu verschmerzen hatte.[9] Nach der Niederlage bei Pułtusk waren die Sachsen zu schwach, um sich der schwedischen Armee im offenen Feld zu stellen. Sie zogen sich in die Festung Thorn zurück. Karl XII. zog daraufhin nordwärts, um den letzten Rest der demoralisierten sächsischen Armee zu vernichten. Nach monatelanger Belagerung von Thorn nahm er die Stadt im September 1703 ein. Die Schweden erbeuteten 96 Kanonen, 9 Mörser, 30 Feldschlangen, 8.000 Musketen und 100.000 Taler. Mehrere tausend Sachsen gingen in Kriegsgefangenschaft. Die Einnahme von Thorn brachte König Karl die vollständige Kontrolle Polens. Um jeden künftigen Widerstand der Stadt, die den Schweden ein halbes Jahr getrotzt hatte, auszuschließen, wurden ihre Befestigungsanlagen geschleift.[10] Am 21. November verließen die Schweden Thorn in Richtung Elbing. Das abschreckende Beispiel erzielte die gewünschte Wirkung, und unter dem Eindruck des ihm vorauseilenden Kriegsruhms unterwarfen sich viele weitere Städte dem Schwedenkönig, um gegen Zahlung hoher Tribute verschont zu bleiben. Kurz vor Weihnachten ließ Karl sein Heer in Westpreußen Winterquartiere beziehen, da diese Gegend vom Krieg bisher unberührt geblieben war.

Die Konföderationen von Warschau und SandomirBearbeiten

 
Karl XII. empfängt 1704 Stanisław Leszczyński (1677–1766), Kupferstich von Daniel Nikolaus Chodowiecki (1726–1801)

Nach den katastrophalen Feldzügen von 1702 und 1703 wurde die militärische Lage Augusts II. aussichtslos, seine finanziellen Mittel waren erschöpft, und seine Machtbasis in Polen begann zu bröckeln. Unter dem Eindruck des wirtschaftlichen Niedergangs des Landes spaltete sich der polnische Adel in unterschiedliche Lager auf. 1704 gründete sich die schwedenfreundliche Konföderation von Warschau und drängte auf eine Beendigung des Krieges. Ihr schloss sich Stanislaus Leszczyński an, der ab 1704 die Friedensverhandlungen mit den Schweden führte. Da er das Vertrauen ihres Königs gewann, sah Karl XII. in Stanislaus bald den geeigneten Kandidaten für die vorgesehene Neuwahl des polnischen Königs.

Auch in Sachsen gab es Widerstand gegen die Polenpolitik des Kurfürsten. August führte eine Akzisesteuer ein, um seine Kriegskasse zu füllen und die Armee aufrüsten zu können. Das brachte die sächsischen Stände gegen ihn auf. Außerdem erregte er den Unmut der Bevölkerung durch aggressive Methoden der Rekrutenwerbung. Durch russische Unterstützung gelang es ihm jedoch, erneut ein Heer von 23.000 Sachsen, Kosaken und Russen aufzustellen. Litauen, Wolhynien, Rotrussland und Kleinpolen waren dem sächsischen König weiterhin treu, so dass August sich mit seinem Hof nach Sandomierz zurückziehen konnte. Dort hatten Teile des polnischen Adels zu seiner Unterstützung eine Konföderation gebildet, die sich gegen die schwedische Besetzung Polens und den von Schweden geforderten neuen König wandte. Die Konföderation von Sandomir unter dem Hetman Adam Mikołaj Sieniawski weigerte sich, eine Abdankung Augusts und die Thronbesteigung Stanislaus Leszczynskis anzuerkennen. Einen echten Kräfteausgleich bedeutete dies aber nicht, denn die Konföderation hatte nur geringe militärische Bedeutung, und ihre Truppen konnten allenfalls den Nachschub der Schweden stören. Zar Peter schloss mit August II. eine Vereinbarung die ihm die Fortführung des Krieges gegen Schweden auf dem Gebiet Polen-Litauens ermöglichte. Die Schweden waren aber aufgrund des Kleinkriegs nicht in der Lage das Land bis auf einige Gebiete zu kontrollieren.

Wahl eines neuen schwedentreuen Königs von PolenBearbeiten

 
Am 12. Juli 1704 wurde gegen den Willen der Mehrheit des polnischen Adels unter dem Schutz der schwedischen Armee Stanislaus I. Leszczyński zum König gewählt.

Ende Mai 1704 brach Karl XII. von seinem Winterquartier nach Warschau auf, um die geplante Königswahl zu schützen. Das Heer bestand aus 17.700 Mann Infanterie und 13.500 Mann Kavallerie.[11] Nach der Ankunft Karls in Warschau wurde unter dem Schutz der schwedischen Armee am 12. Juli 1704 Stanislaus I. Leszczyński gegen den Willen der Mehrheit des polnischen Adels zum König gewählt. So beteiligten sich überhaupt nur vier von 136 Senatoren und 800 von rund 160.000 Wählern an der Königswahl. Leszczyński besaß keinerlei Autorität in Polen und ließ sich in die Rolle eines Kollaborateurs der Schweden drängen.

 
Feldzüge Karls XII. von Mai 1704 bis Dezember 1705

Nach der Wahl ging Karl mit einem starken Armeekorps gegen die abtrünnigen Gebiete vor, die dem neuen König die Gefolgschaft versagten. August erkannte die Wahl nicht an und wich mit seiner Armee dem vorrückenden Karl aus. Als das schwedische Heer im Juli bis Jarosław vorrückte, nutzte August die Gelegenheit, wieder nach Warschau zu ziehen. Statt ihn zu verfolgen, eroberte Karl in einem Sturmangriff Ende August das schlecht befestigte Lemberg.[12] Währenddessen hatte August Warschau erreicht, wo sich auch der neu gewählte König aufhielt. In der Stadt selbst standen 675 Schweden und etwa 6000 Polen, die den schwedentreuen König schützen sollten. Die meisten polnischen Soldaten desertierten, und auch der polnische König floh aus der Stadt, so dass allein die Schweden Widerstand leisteten. Am 26. Mai 1704 musste die schwedische Garnison vor August II. kapitulieren. Nach der Einnahme von Warschau zog August nach Großpolen. Das dortige schwache schwedische Kontingent musste sich daraufhin zurückziehen.

Bei Lemberg erhielt Karl die Nachricht von der Einnahme Narvas durch russische Truppen. Einen Zug nach Norden schloss er aber weiterhin aus. Mit zweiwöchiger Verzögerung kehrte das schwedische Heer Mitte September nach Warschau zurück, um die Stadt erneut zu erobern. August ließ es nicht auf einen Kampf ankommen, sondern floh vor der Ankunft Karls aus seiner Hauptstadt und übertrug General Johann Matthias von der Schulenburg das Kommando über die sächsische Armee. Auch dieser wagte keine offene Feldschlacht und zog sich nach Posen zurück, wo ein russisches Kontingent unter dem Kommando von Johann Reinhold von Patkul die Stadt eingeschlossen hatte. Nach der erneuten Eroberung Warschaus ließ Karl das sächsisch-polnische Heer verfolgen. Dabei wurde eine russische Abteilung von 2000 Mann in einem Gefecht besiegt, 900 Russen fielen.[13] Die restlichen Russen kämpften am Folgetag fast bis zum letzten Mann. Trotz des geschickten Rückzugs der Sachsen unter Schulenburg holte Karl einen Teil der sächsischen Armee kurz vor der schlesischen Grenze ein. In der Schlacht bei Punitz hielten 5000 Sachsen vier anstürmenden schwedischen Dragonerregimentern stand. Schulenburg gelang es, seine Truppen geordnet über die Oder nach Sachsen zurückzuziehen. Wegen der anstrengenden Märsche musste Karl bereits Anfang November sein Winterquartier beziehen. Er wählte hierzu den an Schlesien grenzenden Distrikt Großpolen aus, der vom Krieg bis dahin weitgehend verschont geblieben war.

Krönung des schwedentreuen Königs in WarschauBearbeiten

In Polen gab es in der ersten Hälfte des Jahres 1705 keine kriegerischen Ereignisse. Die schwedische Armee unter Karl XII. lagerte untätig in der Stadt Rawitsch, die zugleich Hauptquartier der Schweden in Polen war. Es wurde entschieden, dass der im Vorjahr gewählte Stanislaus Leszczyński im Juli 1705 zum polnischen König gekrönt werden sollte.[14] Für die Schweden war die Sicherung der Thronfolge deshalb so wichtig, weil nur mit ihrem Wunschkandidaten die bereits angelaufenen Friedensverhandlungen mit Polen abgeschlossen werden konnten. Der bisherige König August II. war zwar auch zu Friedensverhandlungen bereit, doch mit der Hoffnung auf einen für ihre Zwecke fügsameren Kandidaten auf dem polnischen Thron verhärtete sich die schwedische Position, bis die Schweden in der Entthronung des Wettiners die einzige Möglichkeit sahen, einen Frieden in ihrem Sinne zu schließen.

 
Gefecht bei Rakowitz am 31. Juli 1705

Anders als die Schweden blieb August II. nicht untätig und konnte mit russischer Unterstützung erneut ein Heer aufstellen, das die Krönung des schwedischen Gegenkönigs verhindern sollte. Zum Befehlshaber ernannte er auf Vorschlag Johann Patkuls dessen livländischen Landsmann Otto Arnold Paykull, der mit 6.000 Polen und 4.000 Sachsen nach Warschau vorrückte. Um die Sicherheit des Thronfolgers zu gewährleisten, hatte Karl XII. den Generalleutnant Carl Nieroth mit 2.000 Mann in die Hauptstadt entsandt. Am 31. Juli 1705 trafen beide Heere bei Warschau in der Schlacht von Rakowitz aufeinander, in der die sächsisch-polnische Armee von der fünfmal kleineren schwedischen Armee besiegt wurde. Generalleutnant Paykull fiel mitsamt seiner diplomatischen Korrespondenz in die Hände der Schweden und wurde als Staatsgefangener nach Stockholm gebracht. Dort beeindruckte er seine Richter mit der Behauptung, er kenne das Geheimnis zur Herstellung von Gold. Doch obwohl er eine Probe seiner alchemistischen Kunst ablegte, hielt Karl XII. die Sache keiner weiteren Untersuchung wert und ließ ihn wegen Landesverrats enthaupten.

Als Folge der Schlacht konnte am 4. Oktober 1705 Stanislaus Leszczyński in Warschau ungehindert zum neuen polnischen König gekrönt werden. Er blieb aber militärisch und finanziell völlig abhängig von seinen schwedischen Schutzherren und wurde nach wie vor nicht in allen Landesteilen anerkannt. Lediglich Großpolen, Westpreußen, Masowien und Kleinpolen unterstellten sich ihm, während Litauen und Wolhynien weiterhin zu August II. und Peter I. hielten. Als direkte Folge der Königskrönung schloss am 18. November 1705 das Königreich Polen in der Person Leszczyńskis den Warschauer Frieden mit Schweden, der die Kontrolle der schwedischen Militärmacht sicherstellte. Die Aussicht, dass Polen die im Krieg von 1654–1667 an Russland verloren gegangenen ukrainischen Gebiete zurückerhalten würde, veranlasste Józef Potocki mit seiner 8000 Mann starken Armee auf die schwedische Seite überzutreten. Polen musste in dem Bündnisvertrag zudem die schwedische Armee im Land versorgen und Gebiete im Norden Litauens an Schweden abtreten. Der bisherige König des Landes und Kurfürst von Sachsen, August II., akzeptierte diesen Frieden nicht und erklärte, dass nur zwischen Schweden und Polen kein Krieg mehr herrsche, jedoch weiter zwischen Schweden und dem Kurfürstentum Sachsen.

Kampf um die Anerkennung des neuen KönigsBearbeiten

Siehe Hauptartikel: Grodnofeldzug (1705/1706)

 
Feldzug Karls XII. Ende 1705 bis Ende 1706

Zum ersten Mal seit der Schlacht bei Narwa marschierte Karl XII. mit dem schwedischen Hauptheer in das Baltikum, um den dort bedrängten schwedischen Kräften zu helfen. Ausgangspunkt war Warschau, wo er sich den ganzen Herbst des Jahres 1705 über aufgehalten hatte.

Am 15. Januar (jul.) überquerte das Heer Karls XII. auf dem Weg nach Grodno den Njemen, wo ein 20.000 Mann starkes russisches Heer unter Feldmarschall Georg Benedikt von Ogilvy stand. Dieses hatte im Dezember 1705 die polnische Grenze überschritten, um sich mit den sächsischen Truppen zu vereinigen.[15] Karl war den Russen mit dem Hauptteil seiner Armee von fast 30.000 Mann entgegengezogen, doch zu einer Schlacht kam es nicht, da sich die russischen Truppen auf keine Auseinandersetzung mit dem Schwedenkönig einlassen wollten und sich nach Grodno zurückzogen. Aufgrund der Kälte war an eine Belagerung nicht zu denken, so ließ Karl lediglich einen Blockadering um Grodno errichten, der die Stadt und die russische Armee von der Zufuhr von Versorgungsgütern abschnitt.

Als August II. sah, dass Karl XII. untätig vor Grodno lag, hielt er einen Kriegsrat ab, der beschloss, die Abwesenheit des Königs zu nutzen, um eine weiter westlich stehende schwedische Abteilung unter dem Kommando von Carl Gustaf Rehnskiöld zu vernichten. Dieser war mit über 10.000 Mann von Karl zum Schutze Großpolens und Warschaus zurückgelassen worden. August wollte nach Westen ziehen, sich unterwegs mit allen polnischen Detachements und dann mit dem in Schlesien neu aufgestellten sächsischen Heer unter dem Kommando von General Schulenburg vereinigen, um das Korps von Rehnskiöld anzugreifen und nach einem Sieg zurück nach Grodno zu marschieren. Am 18. Januar umging August mit 2000 Mann die schwedische Blockade westlich, vereinigte sich mit mehreren polnischen Truppenkontingenten und rückte am 26. Januar zum zweiten Mal in Warschau ein. Von dort rückte er nach einer kurzen Pause mit seiner inzwischen auf 14.000 bis 15.000 Mann angewachsenen Armee weiter vor, um das schwedische Korps anzugreifen. Er befahl zudem General Schulenburg, mit seinen Truppen das in der Nähe liegende russische Hilfskorps von 6000 Mann aufzunehmen und nach Großpolen zu marschieren, um sich mit ihm zu vereinigen. Rehnskiöld erhielt Nachricht von dem sächsischen Plan und hoffte einer Vernichtung zu entgehen, indem er die Gegner in Kampfhandlungen verwickelte, solange sie noch getrennt waren. Durch Vortäuschung eines Rückzugs ließ sich General Schulenburg tatsächlich zum Angriff auf die zahlenmäßig unterlegenen Schweden verleiten. Ohne Verstärkung durch die polnische Armee Augusts II. erlitten Schulenbergs sächsische Rekruten in der Schlacht bei Fraustadt am 13. Februar 1706 eine vernichtende Niederlage durch die sturmerprobten Schweden.[16] August II. brach nach diesem erneuten Rückschlag seinen Vormarsch ab, sandte einen Teil der Truppen nach Grodno zurück und marschierte mit dem Rest nach Krakau. Die Lage in Grodno wurde für die russische Armee durch die Niederlage bei Fraustadt aussichtslos. Auf Entsatz konnte sie nicht mehr hoffen, und die Versorgungsschwierigkeiten hatten sich inzwischen drastisch verschlimmert. Neben der Hungersnot verbreiteten sich unter den Soldaten Krankheiten, die zu hohen Ausfällen führten. Nachdem die Nachricht von der Niederlage bei Fraustadt in Grodno eingetroffen war, beschloss der russische Kommandeur Olgivy mit den verbliebenen 10.000 kampffähigen Männern einen Ausbruch nach Kiew. Sie entkamen den schwedischen Verfolgern und konnten sich über die Grenze retten.

Karl XII. war bei der Verfolgung der russischen Armee bis Pinsk marschiert. Von dort brach er nach einer Pause am 21. Mai 1706 auf, um in den Süden Polen-Litauens zu ziehen. Die dortigen Gebiete hielten immer noch zu August und lehnten einen Treueschwur auf König Stanislaus I. ab. Am 1. Juni rückte Karl in Wolhynien ein. Auch dort hatte man mit militärischem Nachdruck den neuen schwedentreuen König anerkannt.[17] Während der Sommermonate wurde auch gekämpft. Mehrere Streifzüge der Schweden entlang der russisch-polnischen Grenze gegen russische Stellungen brachten keine entscheidenden Ergebnisse. Aufgrund der Erfahrungen aus den Feldzügen durch Polen, die dem Zweck gedient hatten, die Legitimität des neuen schwedentreuen Königs durchzusetzen, begann Karl, seine Strategie zu überdenken. Solange das schwedische Heer vor Ort war, leisteten die Bewohner den erzwungenen Treueid. Sobald sich das schwedische Heer aber entfernt hatte, wandten sie sich wieder König August zu, der aus seinem Rückzugsgebiet in Sachsen immer wieder neue Truppen heranführte. Aufgrund der Erfolglosigkeit seiner bisherigen Strategie wollte Karl nun den Krieg durch einen Zug nach Sachsen beenden.

Eroberung Sachsens und Abdankung König Augusts II.Bearbeiten

 
Die Übergabe der Schlüssel der Stadt Leipzig an König Karl XII. Kupferstich, frühes 18. Jahrhundert.
In vielen Städten Sachsens wurden schwedische Truppen einquartiert. Anders als während des Dreißigjährigen Krieges soll es zu keinen Ausschreitungen gegen die Zivilbevölkerung gekommen sein.

Im Sommer 1706 brach Karl XII. mit seinen Truppen aus dem Osten Polens auf, vereinigte sich mit der Armee Rehnskjölds und rückte am 27. August 1706 über Schlesien in das Kurfürstentum Sachsen ein. Die Schweden eroberten Zug um Zug das Kurfürstentum und erstickten jeden Widerstand. Das Land wurde rigoros ausgebeutet. August verfügte seit der Schlacht bei Fraustadt über keine nennenswerten Truppen mehr, und da auch sein Stammland von den Schweden besetzt war, musste er Karl Friedensverhandlungen anbieten. Die schwedischen Unterhändler Carl Piper und Olof Hermelin sowie sächsische Vertreter unterzeichneten am 24. September 1706 in Altranstädt einen Friedensvertrag, der aber erst bei Ratifizierung durch den König Gültigkeit erlangen konnte.

 
Offizielles Mittagessen der Teilnehmer nach der Unterzeichnung des Vertrags von Altranstadt am 7. Dezember 1706. (jul.) Kupferstich

August wollte zwar den Kriegszustand beenden, war jedoch auch durch Bündniszusagen an Peter I. gebunden, dem er den sich anbahnenden Frieden mit Schweden verheimlichte. Auf die Kunde vom Vorstoß der Schweden nach Sachsen war die russische Armee unter den Generälen Scheremetew und Menschikow von der Ukraine bis weit ins westliche Polen vorgerückt. Menschikow führte ein Vorauskommando vor den Hauptteilen des russischen Heeres und vereinigte sich in Polen mit der verbliebenen sächsisch-polnischen Armee unter August II. So musste August unter russischem Druck offiziell den Kampf weiterführen und schlug eher widerwillig mit der vereinten, 36.000 Mann starken Armee eine letzte Schlacht gegen die Schweden bei Kalisch.[18] In der Schlacht bei Kalisch konnten die vereinten russischen, sächsischen und polnischen Truppen die numerisch unterlegenen schwedischen Truppen unter dem von Karl zur Verteidigung Polens zurückgelassenen General Arvid Axel Mardefelt völlig vernichten. Dabei gerieten General Mardefelt und über 100 Offiziere (unter ihnen auch polnische Magnaten) in Gefangenschaft. Dies änderte indes nichts an der weiterhin bestehenden schwedischen Übermacht, so dass August eine Annullierung des Friedensvertrages ablehnte und schnell nach Sachsen zurückkehrte, um einen Ausgleich mit Karl zu suchen. So gab der Kurfürst am 19. Dezember die Ratifizierung des Altranstädter Friedensvertrags zwischen Schweden und Sachsen bekannt, mit dem er „auf immer“ auf die polnische Krone verzichtete und die Allianz mit Russland löste. Außerdem verpflichtete er sich zur Auslieferung der Kriegsgefangenen und Überläufer, namentlich des Johann Reinhold von Patkul. August der Starke hatte den Livländer, der ihm zum Krieg geraten hatte, bereits im Dezember 1705 festgesetzt. Nach seiner Überstellung an die Schweden ließ Karl XII. ihn als Landesverräter rädern und vierteilen.

Geografie des KriegsschauplatzesBearbeiten

 
Lage des historischen Großpolen in den heutigen Grenzen

Die meisten Kämpfe und Armeebewegungen gab es in Großpolen, dem historischen Zentrum Polens. Dort verliefen die wichtigsten Verkehrsachsen von Nord- nach Südeuropa und von Ost- nach Westeuropa. Die wichtigsten Städte bildete Posen, Kalisch und Gnesen. Die schwedischen Bemühungen das Land zu kontrollieren konzentrierten sich in dieser Region. Daneben bildete das südliche Königliche Preußen eine weitere Basis für die schwedische Herrschaft in Polen. Dort waren Elbing und Thorn bedeutende schwedische Stützpunkte von denen die Schweden Verstärkung und Nachschub aus Schwedisch-Pommern erhalten konnten.

Die südlichen und östlichen Gebiete Polens entzogen sich weitgehend dem schwedischen Zugriff der etwa 23.000 Mann starken schwedischen Hauptarmee. Dies betraf die Regionen Kleinpolen mit Schwarzruthenien, Polesien und Wolhynien bis zur ukrainischen Grenze. Ansonsten begrenzte sich die schwedische Kontrolle des Landes nur auf einige weitere Städte wie zum Beispiel Warschau, das mehrfach besetzt werden musste.

Das nördliche Masowien bildete einen russischen Vorposten mit Zentrum in Grodno, in der bedeutende russische Kräfte lagerten und mehrfach drohten die Verbindung der Hauptarmee in Polen mit Lewenhaupts Armee in Riga zu unterbrechen.

ÜbersichtskarteBearbeiten

Schlachten des KriegsschauplatzesBearbeiten

Schlachten auf dem Polnischer Kriegsschauplatz
Schlacht Datum Schwedische Kräfte Alliierte Kräfte Schwedische Verluste Alliierte Verluste Ergebnis
Schlacht bei Klissow 19. Juli 1702 12.000 24.000 300 Getötete
800 Verwundete
1800 Getötete
900 Verwundete
1700 Gefangene
Schwedischer Sieg
Schlacht bei Pułtusk (1703) 1. Mai 1703 3000 3500 20 Getötete
20 Verwundete
400 Getötete
800 Verwundete
Schwedischer Sieg
Belagerung von Thorn (1703) 26. Mai bis 14. Oktober 1703 26.000 6000 50 Getötete 1000 Getötete
4860 Gefangene
Schwedischer Sieg
Erstürmung von Lemberg 7. September 1704 3000 k. A. 30 Getötete Schwedischer Sieg
Einnahme von Warschau (1704) September 1705 7500 20.000 1500 Gefangene k. A. Alliierter Sieg
Belagerung von Posen (1704) 14. Oktober bis 2. November 1704 2300 6000 388 Getötete und Verwundete 600 Getötete und Verwundete Schwedischer Sieg
Schlacht bei Punitz 7. November 1704 5200 4100 130 Getötete
100 Verwundete
300 Getötete
200 Gefangene
Schwedischer Sieg
Gefecht bei Tillendorf 9. November 1704 1500 1500 k. A. 1500 Getötete Schwedischer Sieg
Schlacht bei Rakowitz 31, Juli 1705 2000 9500 150 Getötete
150 Verwundete
800 Getötete, 1000 Verwundete Schwedischer Sieg
Gefecht bei Praga 25. Oktober 1705 1510 5000 150 Getötete und Verwundete 250 Getötete und Verwundete Schwedischer Sieg
Schlacht bei Fraustadt 13. Februar 1706 9400 20.000 452 Getötete 1077 Verwundete 7377 Getötete, 7300 Gefangene Schwedischer Sieg
Schlacht bei Kalisch 29. Oktober 1706 14.500 35.000 700 Getötete, 2600 Gefangene 3000 Getötete und Verwundete Alliierter Sieg

Weitere EntwicklungBearbeiten

Für den von Schweden abhängigen polnischen König Stanislaus Leszczyński brachte der Vertrag keine Verbesserung seiner Situation. Es gelang ihm nicht, seine innenpolitischen Feinde einzubinden, und so blieb er weiterhin auf den Schutz der schwedischen Truppen angewiesen.[18]

Der schwedische Vormarsch nach Sachsen löste 1706/07 internationale Verwicklungen aus, denn die Besetzung eines Reichsterritoriums war ein eindeutiger Bruch des Reichsrechts, zumal Karl XII. durch seine Besitzungen Schwedisch-Pommern und Bremen-Verden selbst ein Reichsfürst war. Überdies waren die Schweden ungefragt durch Schlesien marschiert, das habsburgisches Territorium war. Ein weiterer Reichskrieg konnte aufgrund des gleichzeitigen Krieges mit Frankreich aber nicht durchgesetzt werden. Auch dass sich Karl mit den aufständischen Ungarn verbündete oder in die habsburgische Erblande einmarschierte und damit eine erneute Konstellation wie im Dreißigjährigen Krieg eintrat, galt es aus Sicht des Wiener Hofes zu verhindern.[19]

Die Gefahr, dass der Große Nordische Krieg sich mit den in Mitteleuropa parallel stattfindenden Kämpfen im Spanischen Erbfolgekrieg vermischte, war zu diesem Zeitpunkt groß. Beide kriegführenden Seiten waren daher bemüht, den König von Schweden als Verbündeten zu gewinnen oder zumindest aus dem Konflikt herauszuhalten. So besuchte im April 1707 der alliierte Kommandeur der Truppen in den Niederlanden, John Churchill, Herzog von Marlborough, das schwedische Lager in Sachsen. Er drängte Karl, sich mit seiner Armee wieder nach Osten zu wenden und nicht weiter in das Reichsterritorium vorzudringen.[18] Auch der habsburgische Kaiser Joseph I. bat Karl, sich mit seinen Truppen aus Deutschland herauszuhalten. Zu diesem Zweck war der Kaiser sogar zur Anerkennung des neuen polnischen Königs und zu Zugeständnissen an die evangelischen Christen in den schlesischen Erblanden bereit, wie sie schließlich am 1. September 1707 in der Altranstädter Konvention vereinbart wurden, in der unter anderem die Erlaubnis zum Bau von sogenannten Gnadenkirchen erteilt wurde. Karl hatte kein Interesse, sich in die deutschen Angelegenheiten einzumischen, und zog es vor, erneut gegen Russland zu ziehen.[19]

LiteraturBearbeiten

  • Anders Fryxell: Geschichte Karl des Zwölften. Leipzig 1860, Neuausgabe 1865
  • Robert I. Frost: The Northern Wars. War, State and Society in Northeastern Europe, 1558–1721. Longman, Harlow u. a. 2000, ISBN 0-582-06429-5.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Sjöström, Oskar (2008). Fraustadt 1706. Ett fält färgat rött (in Swedish). Lund: Historiska Media. (2008), S. 69.
  2. Sjöström, Oskar (2008). Fraustadt 1706. Ett fält färgat rött (in Swedish). Lund: Historiska Media. (2008), S. 69.
  3. Anders Fryxell: Lebensgeschichte Karl’s des Zwölften, Königs von Schweden. Nach dem schwedischen Original frei übertragen von Georg Friedrich von Jenssen-Tusch, 5 Bde., Vieweg, Braunschweig 1861, Band 1, S. 117.
  4. Anders Fryxell: Lebensgeschichte Karl’s des Zwölften, Königs von Schweden. Nach dem schwedischen Original frei übertragen von Georg Friedrich von Jenssen-Tusch, 5 Bde., Vieweg, Braunschweig 1861, Bd. 1, S. 121.
  5. Theodor Griesinger: Das Damen-Regiment an den verschiedenen Höfen Europas in den zwei letztvergangenen Jahrhunderten. Zweite Reihe: Versailles in Deutschland, Erste Abtheilung: Die Höfe von Dresden und Hannover, Band 1, Verlag von Vogler und Beinhauer, Stuttgart 1869, S. 603.
  6. Anders Fryxell: Geschichte Karl des Zwölften. Leipzig 1860, Neuausgabe 1865, S. 87.
  7. Anders Fryxell: Geschichte Karl des Zwölften. Leipzig 1860, Neuausgabe 1865, S. 89.
  8. Theodor Griesinger: Das Damen-Regiment an den verschiedenen Höfen Europas in den zwei letztvergangenen Jahrhunderten. Zweite Reihe: Versailles in Deutschland, Erste Abtheilung: Die Höfe von Dresden und Hannover, Band 1, Verlag von Vogler und Beinhauer, Stuttgart 1869, S. 604.
  9. Anders Fryxell: Geschichte Karl des Zwölften. Leipzig 1860, Neuausgabe 1865, S. 94.
  10. Anders Fryxell: Geschichte Karl des Zwölften. Leipzig 1860, Neuausgabe 1865, S. 101.
  11. Anders Fryxell: Geschichte Karl des Zwölften. Leipzig 1860, Neuausgabe 1865, S. 103.
  12. Anders Fryxell: Lebensgeschichte Karl’s des Zwölften, Königs von Schweden. Nach dem schwedischen Original frei übertragen von Georg Friedrich von Jenssen-Tusch, 5 Bde., Vieweg, Braunschweig 1861, Band 1, S. 214.
  13. Anders Fryxell: Lebensgeschichte Karl’s des Zwölften, Königs von Schweden. Nach dem schwedischen Original frei übertragen von Georg Friedrich von Jenssen-Tusch, 5 Bde., Vieweg, Braunschweig 1861, Band 1, S. 218.
  14. Anders Fryxell: Lebensgeschichte Karl’s des Zwölften, Königs von Schweden. Nach dem schwedischen Original frei übertragen von Georg Friedrich von Jenssen-Tusch, 5 Bde., Vieweg, Braunschweig 1861, Band 1, S. 244.
  15. Alan Axelrod: Little-Known Wars of Great and Lasting Impact. 2009, S. 137
  16. Daniel Hohrath: Ein König im Feldlager. Karl XII. (1682–1718). In: Stig Förster, Markus Pöhlmann, Dierk Walter (Hrsg.): Kriegsherren der Weltgeschichte. 22 historische Portraits. München 2003, S. 128–146, hier: S. 139.
  17. Dietrich Beyrau, Rainer Lindner: Handbuch der Geschichte Weißrusslands. Göttingen 2001, S. 112.
  18. a b c William Young: International Politics and Warfare in the Age of Louis XIV and Peter the Great. A Guide to the Historical Literature. Lincoln 2004, Kapitel 8: The Struggle for Supremacy in the North and the Turkish Threat in Eastern Europe, 1648–1721, S. 414–516, hier: S. 454.
  19. a b Volker Press: Kriege und Krisen. Deutschland 1600–1715. Die neue deutsche Geschichte, Band 5. Beck, München 1991, S. 465.