Politikdidaktik

Die Politikdidaktik ist eine wissenschaftliche Disziplin, die als Fachdidaktik die Lehr- und Lernprozesse für schulische und außerschulische politische Bildung zum Gegenstand hat. Sie ist keine Unterdisziplin der Pädagogik oder Politikwissenschaft, sondern eine eigenständige Disziplin. Fachlich weist sie Bezüge zu verschiedenen Fachwissenschaften auf. Zentral ist die Politikwissenschaft. Es gibt Überschneidungen mit der Didaktik der Soziologie und den Wirtschaftswissenschaften.

Aufgabe und ZielsetzungBearbeiten

Die zentrale Aufgabe der Politikdidaktik ist die Auswahl, Legitimation und Transformation von Lerninhalten des politischen Unterrichts. Für die Bestimmung der Inhalte und Ziele des Politikunterrichts reicht es angesichts der pädagogischen Herausforderungen und der Ergebnisse der Lernpsychologie nicht aus, politische Lehr- und Lernprozesse ausschließlich unterrichtsmethodisch zu fundieren. Sie sind kategorial oder theoretisch zu begründen und empirisch zu erforschen. Seit den 1950er Jahren, als die politische Bildung zunächst zum Gegenstand der Politikwissenschaft wurde, entwickelte sich die Politikdidaktik in verschiedene Richtungen.

Zentrales Bildungsziel der politikdidaktischen Arbeit ist die politische Mündigkeit der Lerner. Kompetenzziele hat die Gesellschaft für Politikdidaktik und politische Jugend- und Erwachsenenbildung (GPJE) im Zuge der Kompetenzorientierung im deutschen Bildungssystem im Jahr 2004[1] bildungspolitisch wie folgt aufgestellt:

  • Politische Urteilsfähigkeit
  • Politische Handlungsfähigkeit
  • Methodische Fähigkeit

Inzwischen sind weitere, wissenschaftlich begründete Kompetenzmodelle entwickelt worden.[2]

AnsätzeBearbeiten

Die kategoriale Politikdidaktik transformierte die politischen Gegenstände in Lerninhalte. Zentrale Kategorien dieser politikdidaktischen Prinzipien sind:

  • die Schülerorientierung
  • die Konfliktorientierung
  • die Problemorientierung
  • Handlungsorientierung
  • die Fallorientierung.

Im 21. Jahrhundert ist ein theoretisch begründetes Kompetenzmodell entwickelt worden (Detjen et al. 2012). Es beschreibt die Fachinhalte, die Urteils- und Handlungsfähigkeit sowie die Einstellungen und Motivationen. Für politisches Handeln sind verschiedene Kompetenzen wie das Argumentieren, Urteilen, Bewerten, Vergleichen oder Problemlösen erforderlich, die sowohl fachlich als auch überfachlich verortet sind. In Leistungstests steht das fachliche Abwägen von Fakten und (bewertenden) Positionen im Vordergrund. Hier sind die Bewertungsaspekte an das Fachwissen gebunden (Manzel & Weißeno, 2017). Die empirische politikdidaktische Kompetenzforschung dient der theoretischen und empirischen Rekonstruktion der jeweiligen kontextspezifischen Leistungsdispositionen. Auf dieser Basis konnte das theoretisch gut begründete Modell der Politikkompetenz empirisch überprüft und mit einer großen Anzahl von Indikatoren dicht beschrieben werden.

Verbreitung als akademische DisziplinBearbeiten

Die Politikdidaktik ist durch ca. 40 Lehrstühle in der Lehrerbildung für die politische Bildung an den allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen an deutschen Hochschulen vertreten. Diese sind im Dachverband der Gesellschaft für Politikdidaktik und politische Jugend- und Erwachsenenbildung (GPJE) repräsentiert.[3] In Österreich, wo politische Bildung über lange Zeit nicht im eigenen Fach, sondern fächerübergreifend als Unterrichtsprinzip stattfand, ist die Disziplin akademisch nicht stark vertreten. Im Jahr 2017 wurde an der Universität Wien der Arbeitsbereich Didaktik der Politischen Bildung eingerichtet, Lehrstuhlinhaber ist Dirk Lange.[4] Die Österreichische Gesellschaft für Politikwissenschaft hat eine eigene Sektion Politikdidaktik.[5]

KritikBearbeiten

Die deutsche Politikdidaktik ist im Zuge der Kompetenzdebatte unter Druck geraten, ihre zentralen Konzepte zu definieren. Grundsätzlich stehen sich hier die Vertreter einer stärker kompetenzorientierten politischen Bildung[6] und die Vertreter einer stärker pädagogisch orientierten politischen Bildung[7] gegenüber.[8]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

FußnotenBearbeiten

  1. Bildungsstandards@1@2Vorlage:Toter Link/www.gpje.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (PDF; 571 kB)
  2. Joachim Detjen u. a.: Politikkompetenz – ein Modell. Springer, Wiesbaden 2012 (online (Memento des Originals vom 4. Januar 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/link.springer.com)
  3. Gesellschaft für Politikdidaktik und politische Jugend- und Erwachsenenbildung
  4. Didaktik der Politischen Bildung. Abgerufen am 15. März 2020.
  5. ÖGPW: Politikdidaktik. Abgerufen am 15. März 2020 (deutsch).
  6. Georg Weißeno u. a.: Konzepte der Politik – Ein Kompetenzmodell. Wochenschau, Schwalbach/Ts. 2010, ISBN 978-3-89974-588-7 (Schriftenreihe der Bundeszentrale für Politische Bildung. Band 1016)
  7. Autorengruppe Fachdidaktik (Hrsg.): Konzepte der politischen Bildung: Eine Streitschrift. Wochenschau, Schwalbach 2011, ISBN 978-389974722-5.
  8. Peter Massing u. a. 2011, „Konzepte der Politik“ – eine Antwort auf die Kritikergruppe, in: Politische Bildung 3/2011, 134–143 (PDF; 71 kB)